|
Wer auf der indonesischen Insel Java unterwegs ist, dem bietet sich als historisch bedeutsamste Sehenswürdigkeit unweigerlich die Besichtigung des Borobudur an, als zweites Hauptziel empfehlen Reisehandbücher den Prambanan Tempel. Abseits dieser berühmten Tempelanlagen existieren weitere kleine Tempel auf Java, die zumeist nur den Anwohnern bekannt sind. Interessierte Touristen müssen Taxifahrern den genauen Weg weisen, um zu den Kleinodien indonesischer Tempelbaukunst zu gelangen, was heutzutage, Google Maps sei Dank, ohne Probleme erfolgen kann. In diesem Artikel werden drei Tempel vorgestellt: Candi Asu Candi Pendem Candi Lumbung Candi bedeutet Tempel, das Wort bezeichnet hinduistische und buddhistische Tempel in Indonesien gleichermaßen. Wird dem Borobudur eher selten das Wort Candi vorangestellt und der Prambanan meist als Tempel bezeichnet, sind doch alle kleineren Tempel auf Java als Candi kenntlich. Keine 40km nördlich von Yogyakarta entfernt, eingebettet in ländliche Umgebung, verstecken sich die drei kleinen, gut restaurierten, liebevoll gepflegten Tempel, die mit Hilfe einheimischer Bauern leicht zu finden und ohne Schwierigkeiten über schmale, teilweise gepflasterte Wege zugänglich sind. Von Yogyakarta aus kommend, empfiehlt sich, zuerst den südlich gelegenen Candi Asu (Bild 1), danach den nur wenige hundert Meter nördlich befindlichen Candi Pendem und abschließend den etwas mehr als einen Kilometer westlich errichteten Candi Lumbung zu besichtigen. Gebaut wurden die hinduistischen Tempel in der zweiten Hälfte des 9. Jahrhunderts unserer Zeitrechnung. Trotz baustilistischer Ähnlichkeiten sollten die Tempelbauten nicht als stereotype Wiederholungen angesehen werden, realistischer und damit der Sachlage näherkommend wäre folgendes Verständnis: gebaut wurde ein Prototyp in mehrfachen Variationen in einer vormals religiös intensiv genutzten Region. Die Nähe der Tempel zueinander untermauert diese Annahme. Ein Blick auf die Landkarte gibt Auskunft. Das riesig ausgebreitete Merapi-Massiv, Javas höchster Berg und unberechenbar aktiver Vulkan, dominiert das Zentrum der Insel: der Berg gilt als Wohnung der Götter, wird verstanden als religiöse Mitte, an dessen Peripherie wurden Tempel errichtet. Den Tempeln ist anzusehen, dass sie mindesten einen Vulkanausbruch bzw. mehrere Erdbeben nicht überstanden haben. Die durchaus gelungenen Wiederaufbauten vermögen die Tatsachen vormaliger Zerstörungen nicht völlig zu vertuschen. Der Zustand der drei Tempel unterscheidet sich erheblich. Nur der Candi Lumbung kann als wiedererstandener vollständiger Tempelbau betrachtet werden. Candi Asu und Candi Pendem eignen sich zu Studienzwecken der Sockel und der unteren Aufbauten. Die an allen drei Tempeln vorhandenen Gemeinsamkeiten sind schnell erfasst. Für die Tempel wurde ausnahmslos das auf der Insel vorhandene Lavagestein verwendet, auch bei den Wiederaufbauten der Tempel wurden die Fehlstellen durch selbiges Material ergänzt. Die Seitenlängen der quadratischen Sockel sind mit etwa 10m zu veranschlagen. Auf den gut mannshohen Sockeln mit umlaufenden gewölbten Gesimsen ruh(t)en ebenfalls quadratische Turmaufbauten, deren Aussehen lässt sich allerdings nur am Candi Lumbung nachvollziehen. Die kalkulierten Reduzierungen der Maße der Sockelstufen und der Schmuck mit Akroterien, sowie die Treppenstufen zu den östlich orientierten Tempeleingängen ähneln sich. In den tiefen schmucklosen Tempelinnenräumen fehlt jegliches sakrales Inventar. Denkbar sind Shiva-Lingams, die zur Anbetung in den engen Räumen präsentiert wurden. Die vorwiegend in Flachrelieftechnik ausgeführten detailreichen Dekorationsvarianten an den Sockelpaneelen der Tempel sind nicht zu übersehen und werden deshalb in diesem Artikel eingehend betrachtet. Von den Balustraden-Makaras an den Treppen hat sich leider nur ein Exemplar am Candi Lumbung erhalten, weshalb Vergleichsmöglichkeiten zu anderen Makaras entfallen. Bei den Dekorationen am Candi Asu (Bild 1.1 & 1.2) wurde auf figürliche Darstellungen verzichtet. Tief eingelassene, säulenartige Baluster und angedeutete Pilaster (Bild 1.2) rahmen rechteckige Flachreliefflächen, diese symmetrische Aufteilung gliedert die Seitenflächen des unteren Sockels (Bild 1). Reste von Akroterien, welche wie Zinnen aufragen, sind an den unteren Gesimsen nur noch teilweise vorhanden (Bild 1.2). Die oberen Gesimse sind mit Girlanden verziert (Bild 1.1). Die Dekorationen in ihrer Gesamtheit als florale Muster zu klassifizieren, entspräche einer Übertreibung. Alle Dekorationsmuster wirken regelmäßig konstruiert, weshalb sie bestenfalls als Assoziationen, jedoch nicht als unmittelbare Adaptionen aus der Natur entlehnter Formen zu bewerten sind. Von den drei vorgestellten Tempeln hat sich am Candi Pendem die geringste Bausubstanz erhalten (Bild 2). Über dem Sockel ragen nur noch wenige unvollständige Mauerschichten empor, dennoch lohnt die Besichtigung. An der Flächengliederung der unteren Sockelaußenwände sind schöne Flachreliefs (Bild 2.1) und figurale Darstellungen (2.2) zu sehen, auch die Akroter sind mit hübschen Mustern geschmückt (2.3). Die zeitlose Schönheit der herzförmigen, floral umrankten Purnagatha (Vase) und der Hamsa (heilige Gans) in der Rosette erheben das Flachrelief zum Glanzstück (Bild 2.1). Während am Candi Asu die Säulen, welche die Flachreliefs am Sockel einrahmen, sehr tief eingelassen sind, dadurch sehr plastisch wirken, übersteigt die Relieftiefe der Säulen am Candi Pendem kaum das Niveau der Flachrelieftechnik, wodurch sie mehr Andeutung als wirkliche Säulen sind. Neben den Säulen fehlen die angedeuteten verzierten Pilaster. Wie als Ersatz finden sich neben den Säulen Yakshas (Bild 2.2): männlich halbgöttliche Wesen, die zumindest in ihrem Erscheinungsbild den Atlanten in westlichen Kulturen verwandt sind. Die Yakshas am Candi Pendem unterscheiden sich erheblich von den Yakshas am Candi Lumbung. Während der Pendem-Yaksha (Bild 2.2) kraftvoll-voluminös erscheint, wirkt der Lumbung-Yaksha (Bild 3.3) auf Grund symmetrisch frontaler Abbildung und der Einbettung in florale Strukturen völlig anders, gleichwohl nicht minder kraftlos. Ästhetisch makellos gestaltet sind die Verzierungen auf den Akroterien (Bild 2.3). Die schwungvolle Eleganz der stilisierten Blumengebilde und die hübschen waagerechten Bordüren überzeugen als dekorative Glanzleistungen. Diese ansehnlichen Muster bilden das Gegenstück zu den Mustern auf den Purnagatha-Reliefs (Bild 2.1). Vom Flachrelief bis zum Hochrelief wurden am Candi Pendem alle Möglichkeiten der Relieftechnik ausgelotet. Die Bildhauer versuchten oder verstanden, durch Anwendung verschieden tiefer Reliefs Wirkung zu erzielen. Der Candi Lumbung steht als vollständigste Überlieferung eines Hindu-Tempels dieser Bauart vor dem Betrachter. Die Bausubstanz darf trotz mancher Ergänzungen als geschlossen definiert werden (Bild 3). Der Turmaufbau (Bild 3.1) ist als Muster auch für die Candi Asu und Candi Pendem anzunehmen. Es bleibt zu vermuten, dass den grob geschichteten Turmsteinen noch feine Reliefschichten wie eine Außenhülle vorgelagert waren, als Beleg für diese Annahme mögen die Reliefsteine am Turmsockel (Bild 3.1 untere Bildhälfte Mitte) gelten. Der unmittelbare Kontrast rauer, nur grob bearbeiteter Steine am Turm und den solide gearbeiteten Sockelgesimsen, auf denen der Turm ruht, war als beabsichtigter Gestaltungseffekt garantiert nicht vorgesehen. Durchgängige Reliefs bedecken nur die Außenflächen des unteren Sockels und die Außenseiten der geschlossenen Stufenwangen vom Aufgang zum Tempeleingang. Je drei Reliefs an der Süd- West- und Nordseite und je ein Relief neben dem Treppenaufgang (Ostseite) zieren rundum die Sockelflächen. Weder figurale Reliefs noch Säulen trennen die dekorierten breiten rechteckigen Reliefs voneinander, lediglich glatte, etwas vorgeschobene Rechteckflächen im Hochformat stehen zwischen den dekorierten Breitbandreliefs. Darüber spannen sich Girlanden-Bänder, die auch schon am Candi Asu als Zierbänder zu bemerken sind. Eck-Akroter und gerade Akroter (Zinnen) vervollständigen den Zierrat am Sockel (Bild 3.2). Zwei Vogel-Rosetten und der dickbauchige Purnagatha (Rund-Vase) fügen sich zum harmonischen Ensemble, welches von einem Blumenmusterrahmen eingefasst ist (Bild 3.3). Die Vögel in den Rankenrosetten sind unverkennbar keine Gänse. Ob hier an Garuda erinnert werden soll oder einfach nur Bewohner des Himmelsbaums (Kalpavriksha) dargestellt sind, ist nicht zu deuten. Feststeht allemal, dass auch an größeren Hindu-Tempeln auf Java Darstellungen von Vogelpaaren und besagten Bäumen häufiger zu finden sind. Der Purnagatha-Vergleich (Bild 3.3 & 2.1) ist mindestens ebenso aufschlussreich, wie der Yaksha-Vergleich (Bild 3.3, 3.4 & 2.2) interessante Darstellungsversuche aufschließt. Bemerkenswerterweise erscheinen die Yakshas nur auf den mittleren Reliefs der Sockelseiten Süd, West und Nord. Die hockenden, lasttragenden Yakshas sind zur Abwehr böser Geister (negativer Kräfte) mittig an den Außenseiten des Sockels platziert, somit haben die Yakshas apotropäische Funktionen zu erfüllen. Die massiven Handläufe enden als Makaras. Ein Exemplar der schwer fassbaren mythologischen Wesen hat sich an der linken Aufgangsseite erhalten (Bild 3.5 & 3.7). Auf würfelförmigen Sockeln lagern die Makaras (Bild 3.6 & 3.8), diese Blöcke sind auf der Vorder- und der Außenseite reliefiert. Chakras zieren die Außenseiten (3.5) und schmucke Baluster die Vorderseiten der Blöcke (3.6). Die Reliefs an den Außenseiten der Treppe haben sich nur fragmentarisch erhalten. Das Relief an der Südseite ist auf Bild 3.2 zu sehen, auf Bild 3.7 das Relief der Nordseite. Beide Bilder dokumentieren Reste fantasievoll gestalteter Reliefs, leider auch die Fehlstellen, welche schmerzlich ins Auge fallen. Neben pflanzlichen Gebilden, die sich kreisförmig ordnen und Assoziationen an den Himmelsbaum hervorrufen, sind auf Sockeln sitzende Löwen mehr zu ahnen, als wirklich zu identifizieren, nur eine Krallentatze, das Gesäß und der Schwanzansatz machen den Löwen kenntlich (Bild 3.7 unten rechts). Löwen an den Außenseiten der Treppe und Makaras am Stufenaufgang vereinigen sich zur Schutzmacht, um das Eindringen böser Mächte in den Tempel zu verhindern, so das Verständnis der Menschen. Ohne Makaras wäre ein Hindu-Tempel auf Java nicht vorstellbar. Während an Khmer-Tempeln in Kambodscha die Makaras selten ohne Nagas auskommen, hat sich auf Java eine besondere Spezies Makaras etabliert: erschreckend weit aufgerissen das zahnreiche Maul, die Zunge flach im Unterkiefer, auf der Zunge ein flugbereiter Vogel mit gebreiteten Schwingen (Bild 3.7 & 3.8). Der Makara-Vogel erinnert an die Vögel auf den Sockelreliefs (Bild 3.3). Die seltsamen Mischwesen, am Candi Lumbung, die Vereinigung von Makara und Vogel, zählen zu den völlig eigenständigen Schöpfungen javanischer Bildhauerkunst an Hindu-Tempeln. Nicht unerwähnt bleiben darf die liebevolle Pflege der Tempel, der sich die ansässigen Bauern verpflichtet fühlen. Täglich wird gefegt, kein Laub, kein Müll liegt umher. Muslime pflegen Hindu-Tempel, das ist nicht selbstverständlich, das ist eher als großzügig umfassendes Verständnis interreligiöser Toleranz zu bewerten. Man bedenke, in keinem Land der Welt leben mehr Muslime als im indonesischen Inselreich. Abschließend vermitteln zwei Bilder Eindrücke von den Wegen zu den beschriebenen Tempeln und der fruchtbaren Landschaft, welche die beschriebenen Tempel umgibt. Tiefer können Touristen kaum noch ins ländliche Milieu Javas vordringen. Sprachliche Barrieren verhindern intensivere Einsichten in das Leben der Menschen. Wer vom westlichen Publikum spricht schon fließend Indonesisch? Ohne verbale Artikulation sprechen die Tempel und deren Reliefs eine international unmissverständliche Sprache. Betreffs Tempelarchitektur haben Kunstfreunde mit Java als Ziel einen Volltreffer gelandet. Hinweis: Unverzagte können noch die westlich vom Merapi gelegenen Candi Gunung Wukir, Candi Gunung Sari, Candi Wurung/Situs Planti, Candi Situs Samberan und den Candi Ngawen aufsuchen. Zu bedenken wäre allerdings, dass die Candi Wurung/Situs Planti und Candi Situs Samberan eher als Ausgrabungsstätten, nicht als restaurierte Hindu-Tempelanlagen zu bewerten sind. Der Candi Ngawen kann betreffs Architektur als gut restaurierter Bau empfohlen werden. Weit nordöstlich vom Merapi (eher östlich vom Mount Merabu) steht noch der Candi Klero (ein ansehnlicher Tempel) zur Besichtigung. Der Artikel bezieht sich auf Fotos einer Tempelvisite im Jahr 2014.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
0 Comments
Nur wenige Kilometer südöstlich vom Prambanan Tempel steht der Candi Sojiwan, er zählt zu den zahlreichen buddhistischen Tempelbauten, die im 9. Jahrhundert im Umfeld der Stadt Yogyakarta erbaut wurden. Mehrere baustilistische Eigenheiten rufen die besondere Harmonie dieses Tempels hervor. Zum einem ist es die quadratische auf niedrigen Sockel ruhende himmelwärts aufstrebende Bauform, die mit einem pyramidalen Dach und einer Stupa-Bekrönung in einer Höhe von 27m endet, zum anderem ist dem Tempel ein Eingangstor vorgestellt und drittens betont ein Stupa nachdrücklich den eindeutig buddhistischen Charakter der äußerst reizvollen Tempelanlage (Bild 1 & 2). Sowohl am Treppenaufgang als auch am Sockel (20x20m) sind erstklassige Bildhauerarbeiten zu bewundern. Der wunderbar erhaltene Makara (Bild 3) erhebt sich am Ende vom Handlauf der Treppe, er ist als erstklassiges Musterbeispiel dieser Gattung zu bewerten. Kunstwissenschaftler könnten an dieser Skulptur alle Merkmale javanischer Makaras erläutern. Leider fehlt der linke Makara: welches Tier im Rachen von diesem Makara seinen Standort bezogen hatte, lässt sich allerdings nicht ermitteln, in Frage kämen etwa ein Löwe, ein Vogel oder andere Schutzwesen. Dieser Makara muss nicht unbedingt dem erhaltenen geglichen haben (Bild 3). Das fein ausgeführte Relief an der rechten Treppenseitenwand (Bild 4) leitet die Folge der umlaufenden Sockelreliefs ein. Fast zwanzig Flachreliefs können am Sockel begutachtet werden. Alle Reliefs schildern Jataka-Szenen und haben mehr oder weniger belehrenden Charakter. Eine indonesische Webseite zum Candi Sojiwan erläutert die einzelnen Sockelreliefs: behauptet wird, dass zwei kämpfende Männer auf dem Relief (Bild 5) dargestellt sind. Außer am Sockel ist ausdrucksvolle Reliefkunst am Tempeleingang zu sehen. Neben den Stufen ruhen massive Sockel, auf denen der Türrahmen steht. Die Vorder- und die Seitenflächen der Sockel sind mit schönen Reliefs verziert (Bild 6.1 & 6.2). Auf den Reliefseiten/Sichtseiten der Sockel, im Grunde sind es die Basen vom Türrahmen, finden sich ungewöhnliche Gruppierungen halbgöttlicher Wesen, die auf Reittieren unterwegs sind. Die symmetrisch gestaltete Vorderfront zeigt je einen Löwen mit Reiter, die scheinbar aus dem Relief herausreiten. Unter den Löwen (zwischen deren Füßen) liegen menschliche (halbgöttliche Figuren?), deren Identität vermag der Autor nicht zu klären (Bild 6.3). Zwischen den Löwen-Reitern kniet ein Elefant (Frontansicht), auf dessen Kopf bzw. Rücken ein Yaksha, welcher mit erhobenen Armen die Rahmenlast der Tür, im übertragenen Sinn den Tempel stützt. Der rechte Löwe ist als mit dem Block verwachsene Halbfigur konzipiert, durch diese Fortsetzung erscheint der Löwe als voluminöse Skulptur. Daneben hat ein stehender Yaksha Position bezogen, der aber vermutlich ein Dvarapala sein wird (Bild 6.2). Die Anwesenheit eines weiteren Yaksha wird mit dem Bild 6.4 belegt, solche Yaksha-Reliefs finden sich an vielen buddhistischen Tempel auf Java. Die Versammlung der verschiedenen halbgöttlichen Wesen muss als bewusst gewähltes Ensemble bewertet werden, welches für den Schutz des Tempels zu sorgen hat. Der Glaube an die apotropäische Wirkung solcher Wesen ist ungebrochen. Weder am vorgebauten Tor noch an den Tempelwänden finden sich besonders auffällige Reliefs, lediglich Reste floraler Verzierungen sind auszumachen (Bild 7 & 8). Durch Erdbeben und mehrfache Wiederaufbauten sind etliche Reliefs unwiderruflich verloren gegangen. Der Candi Sojiwan soll angeblich der fünftgrößte Tempel auf Java sein. Die quantitative Einordnung besagt nichts über das imposante Erscheinungsbild der Tempelanlage aus. Wie eingangs schon erwähnt, der Tempel erscheint in seiner harmonischen Geschlossenheit als sehenswertes Bauwerk. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Außer dem Borobudur, dem Prambanan Tempel und dem Candi Sewu existieren auf Java etliche Tempel mittlerer Größenordnung. Nichts spricht dagegen, diese Tempel zielgerichtet als lohnenswerte Einzelziele anzusteuern oder nach Belieben diese Tempelanlagen zu abwechslungsreichen Tagestouren zu kombinieren. Die Auswahl sollte im Vorfeld der Reise getroffen werden, denn nicht alle Google-Einträge die als Candi=Tempel kenntlich sind, werden in jedem Fall den vielschichtigen Vorstellungen des Publikums gerecht. In Reiseführern empfohlene Ziele erfüllen meist die Erwartungen der Touristen, hier wird wohl nach kulturhistorischen (Schau)Wert und Erreichbarkeit der Tempel klassifiziert. Ahnungslos gewählte abgelegene Ziele könnten sich als Ausgrabungsstätten oder als noch nicht restaurierte Tempelruinen entpuppen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte Klarheit über die Beschaffenheit der archäologischen Stätten bestehen. Das Archaeological Office of Yogyakarta Province hat sich bemüht, die wichtigsten Tempel auf Java entweder mit Schildern zu versehen, die zumindest den offiziellen Namen nennen oder aber sie haben erklärende Tafeln angebracht, welche außer dem Tempelnamen noch historische Fakten und architektonische Besonderheiten hervorkehren. Selbst unbekannte entlegene Tempel, so etwa der Candi Sari, der Candi Pendem und der Candi Lumbung, wurden mit Schildern bzw. Tafeln bedacht. Die lobenswerte Initiative wurde jedoch nicht durchgängig einheitlich und keinesfalls zweisprachig realisiert. Gewiss sind hier noch Verbesserungen möglich. Wahrscheinlich bestimmten die Attraktivität des Zieles und das jeweilige Touristenaufkommen den Vorsatz, nur ein Namensschild oder aber eine zusätzliche Infotafel anzubringen. Oft stehen Touristen vor Informationstafeln in indonesischer Sprache (Bild 2), seltener vor englischsprachigen Tafeln (Bild 1), folglich heißt es, seine Hausaufgaben schon im Vorfeld einer Tempelexkursion zu erledigen. Nicht zufällig befasst sich dieser Artikel mit dem Candi Kalasan und dem Candi Sari, ein Vergleich bietet sich unmittelbar an. Der buddhistische Tempel Kalasan und das Klostergebäude Candi Sari stehen im Kontext einer größeren (leider verlorenen) Klosteranlage. Die geringe Entfernung der Gebäude zueinander (nur 800m) und die Erwähnung eines Klosters auf einer in Sanskrit verfassten Kalasan-Inschrift veranlasste die Wissenschaftler zur Annahme, dass zwischen beiden Bauten ein Zusammenhang bestehen müsse, obwohl keine belastbaren Funde oder weitere Inschriften diese These untermauern. Besagte Inschrift vermeldet, dass der Kalasan-Tempel im Jahr 778 der Göttin Tara geweiht wurde, somit gilt der Candi Kalasan als ältester buddhistischer Tempel in der Region Yogyakarta. Ehe keine älteren Einweihungsinschriften anderer Tempel entdeckt werden, behält diese Aussage ihre Gültigkeit. Der erste Blick auf den Kalasan-Tempel fasziniert: ein Solitär in flacher Landschaft, Bäume und Häuser umgeben den gleichmäßig geschichteten vierseitigen Bau großräumig. Auf einem flachen Sockel, der den polygonalen Grundriss des Tempels (regelmäßiges Zwölfeck) vorgibt oder nochmals wiederholt, erhebt sich der massive Turm mit vier Vorbauten, dessen östlicher als Eingang funktioniert. Opulente Reliefs und elegant geformte Gesimse bilden den schmerzlichen Kontrast zu eingestürzten Mauern der Vorbauten und leeren Nischen der Außenwände. Es ist schwerlich vorstellbar, welche Wirkung der fertige, mit allen Statuen und vollständigen Reliefflächen versehene Tempel einst hinterließ. Die Bilder 1.3 – 1.10 versuchen Eindrücke ehemaliger dekorativer Pracht wiederzugeben. In den offenen Mauernischen standen Götterstatuen. Die nicht begehbaren Räume wirken wie kleine Tempel, weil die hohen Öffnungen der Nischen Toren nachempfunden sind. Säulen tragen geschwungene Türstürze, die Formgebung der Stürze orientiert sich eindeutig an indischer Provenienz (Bild 1.3). Erst Nahansichten einzelner Flächen der Fassaden vermitteln den inhaltlichen Bilderreichtum und die detaillierte Feinarbeit der Reliefs (Bild 1.4 – 1.6). Kala, der Herrscher über die Vergänglichkeit, dominiert die Kudu-Bögen, welche als Makaras enden. Kala zur Seite stehen göttliche Helfer. Über/hinter Kala ragt ein himmlischer Palast (Svarga, Svargaloka) empor (Bild 1.5 & 1.6). Die Paläste stehen in der himmlischen Hauptstadt Amaravati, die paradiesische Stadt erhebt sich weit über dem Berg Meru. Das Tor zur Stadt wird vom Elefant Airavata bewacht, der wiederum ist das Reittier Indras. Nicht nur die architektonischen Formen und Bauelemente sind indischen Mustern geschuldet, auch die Reliefs greifen die überlieferten Legenden der indischen Mythen auf, allen voran die der Ramayana und der Mahabharata. Übergroß, fast ins Riesenhafte gesteigert, beherrscht eine prägnante Kala-Erscheinung das Tor zum Tempel (Bild 1.9). Der Torvorbau (Mandapa) mit dem weit nach oben gezogenem Kala-Giebel gerät unwillkürlich zum Blickfang, doch auch weitere Vorzüge zeichnen den Schmuck der Mandapa aus. Zu beachten sind die göttlichen Figuren rund um Kalas Haupt, die Löwen neben Kala, die wiederum nach unten verlaufenden Blumenkanten, welche in prächtige Makaras übergehen. Der unglaublich gediegen geschwungene und herrlich geschmückte Türsturz (ebenfalls in Kudu-Form) nimmt nochmals, wenngleich nur floral Kalas Gestalt auf. Der Sturz lagert auf Yaksha-Kapitellen und oktogonalen Säulen. Unter dem Türsturz befindet sich, tief eingerückt, ein Buddha-Relief: Buddha in Meditation. Neben dem Eingang befinden sich Hochreliefs, dargestellt sind wahrscheinlich Dvarapalas (Tempelhüter), alles zu sehen auf den Bildern 1.7 – 1.10). Äußerst beeindruckende Makara-Skulpturen schmücken die Sockelzugänge (Bild 1.11 & 1.12). Im Jahr 1840 notiert ein gewisser H. N. Sieburg den Candi Sari als nicht zerstörtes Gebäude gesehen zu haben. Wer auch immer Herr Sieburg gewesen sein mag, die jüngere Überlieferung weiß nur von einem maroden Bau zu berichten, der auf Veranlassung der niederländischen Kolonialherren in den Jahren 1929/1930 restauriert wurde. Das zweigeschossige, auf hohem Sockel gelagerte Gebäude wurde in einer vermuteten architektonischen Grundform wiederhergestellt, historische Fotoplatten könnten wertvolle Anhaltspunkte geliefert haben. Die an den Außenwänden verbliebenen Reliefs geben Kunde von der Pracht einstiger Fassadendekorationen. Der Mandapa an der Ostfassade ist komplett verloren, erhalten haben sich die Reliefs auf bzw. über den Fensterstürzen und die Figurenreliefs neben den Fenstern des Bauwerks, welches aus wissenschaftlicher Sicht nicht als Tempel, sondern als Wohngebäude für Mönche genutzt wurde, was keineswegs sakralen Schmuck außen, als auch im Innenbereich ausschließt. Beeindruckend ist die Dachgestaltung, welche entweder einer Erhöhung der oberen Wohnebene geschuldet oder aber als ausgebautes Dachgeschoss konzipiert war. Die Bilder 2.4 – 2.6 zeigen einen Ausschnitt vom oberen Fassadenbereich. Auf gestaffelten Gesimsen, welche die Fassaden etagenweise gliedern, ruhen Reliefsäulen, die Figurennischen und das Fenster einrahmen. Fensterbank und Fenstersturz ragen weit heraus. Neben einem quadratischen Fenster ist jeweils eine Figur platziert: ein Vidyadhara (männlich) und eine Vidyadhari (weiblich), das sind halbgöttliche Wesen, die im Raum zwischen Himmel und Erde leben und zu Shivas Gefolgschaft gezählt werden. Hohe Figurennischen neben dem Fenster ragen vom Gesims bis zum Fenstersturz hinauf. Weibliche Gottheiten (Tribhanga) stehen zwischen Säulen, über ihnen ein Girlanden-Sturz. Tribhanga (auch Tribungha) meint eine dreifach gebogene Körperhaltung, diese Art der Menschendarstellung ist der indischen Reliefkunst entlehnt und lässt sich rund 2000 Jahre zurückverfolgen. Alle Innenräume des Candi Sari sind nur über den einzigen ostseitigen Eingang zugänglich (Bild 2.1). Im Gegensatz zu dunklen Sakralräumen (Garbhagriha) vieler Tempel, oftmals ohne Fenster, sind die Innenräume vom Candi Sari lichtdurchflutet (Bild 2.7 – 2.9). Fenster an allen vier Gebäudeseiten ermöglichen Lichteinfall und garantieren Belüftung der Räume. In den umlaufenden oberen Gesimsen sind noch die Vierkantlöcher zu sehen, in denen Deckenbalken steckten. Holz ist weniger langlebig als Stein, weshalb sich von der Deckenkonstruktion nichts erhalten hat. Die wunderbar verzierten Außenwände vom Candi Sari stehen im Kontrast zu den fast schmucklosen Wänden der Innenräume. In zwei von Makara-Kala-Bögen umrahmten Mauernischen könnten Statuen gestanden haben oder Ritualgegenstände aufbewahrt worden sein (Bild 2.10). Makara und Kala als Schutzwesen sind an bzw. in buddhistischen und hinduistischen Tempelanlagen gleichermaßen anwesend (Bild 2.11 & 2.12). Die Makara-Reliefs vom Candi Sari (Bild 2.10) gleichen den Makara-Skulpturen der Aufgänge vom Candi Kalasan (Bild 1.11 & 1.12), sie entstammen einer Spezies. Mit dicken Backen, einer menschlichen Nase und eng neben der Nase vorstehenden Augen sind Kala-Gesichter auf Java kenntlich (Bild 2.12). Zwei Kala-Typen stehen zum Vergleich: Kala am Candi Kalasan (Bild 1.9) und Kala am Candi Sari (Bild 2.10 & 2.12). Anders in Kambodscha, dort stellten die Khmer-Bildhauer Kala meist mit aufgerissenem Breitmaul dar. Der Candi Sari (um weiter den offiziellen Namen zu benutzen), ein Wohnbau für Mönche, hat im Großraum Yogyakarta kein Pendant, sowohl die buddhistischen als auch die hinduistischen Tempel auf Java heben sich architektonisch vom Candi Sari deutlich ab (Bildvergleich 2.13 & 2.14). Zum muslimischen Glauben bekennen sich 85% der Bevölkerung Indonesiens, 10% sind Christen, die restlichen 5% teilen sich Hindus, Buddhisten und sonstige Religionsgruppen. Im Gegensatz zu anderen asiatischen und südostasiatischen Ländern zählen die buddhistisch orientierten Menschen zu den Minderheiten im Land, trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit können die Buddhisten ungehindert ihre Glaubensrituale ausüben. Bemerkenswert auffällig ist die sorgfältige Pflege der historischen Tempelanlagen, die gewiss nicht staatlich verordnet ist. Den Menschen scheinen das Bewahren der Hinterlassenschaften und das Gedächtnis an die Vorfahren schlichtweg Herzensangelegenheit zu sein.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Nordöstlich von Yogyakarta, nördlich vom Airport und westlich der Tempel Candi Sari und Candi Kalasan liegt der CANDI SAMBISARI. Beim Anflug auf Yogyakarta ist dieser Tempel nicht zu übersehen. Die flächenmäßige Ausbreitung der Tempelanlage steht in keinem Verhältnis zum Haupt-Tempel. Nähert man sich dem Tempel, meint man von den oberen Rängen herab in ein Stadion zu blicken. Von einem befestigten und bepflanzten Erdwall umgeben, unter dem normalen Bodenniveau in einem Rechteck-Areal, von zwei hohen Mauern eingefasst, erheben sich der Tempel und drei Schreine (Bild 1). Drei rudimentär erhaltene Schreine sind dem Tempel vorgelagert, ursprünglich könnten es fünf oder mehr gewesen sein. Im Verhältnis zu den auf niedrigen Sockeln gebauten Schreinen ruht der Tempel auf einem majestätischen, deutlich höheren quadratischen Sockel. Der recht klein wirkende Tempel ist von einer schön gestalteten Sockelmauer umgeben, somit umfassen insgesamt drei Mauerringe den Tempel (Bild 2). Der Tempel öffnet sich gen Westen, die Eingänge der drei Schreine zeigen zum Haupttempel gen Osten (Bild 2). Vom mittleren Schrein braucht es nur wenige Schritte bis zum Tempel. Zehn gleichmäßig hohe Stufen führen auf den quadratischen Sockel (Bild 3). Auf dem schlichten nicht verzierten Sockel ruhen der Tempel und der von Pfeilern strukturierte und mit Flachreliefs verzierte Mauerring (Bild 3 & 3.2). Die geschlossenen Seitengeländer der Treppe enden mit den auf Java typischen Makara-Skulpturen. In den weit aufgerissenen zahnreichen Mäulern der Makaras sitzen Löwen. Yakshas tragen die Mischwesen aus Makara und Löwe und im übertragenen Sinn auch die Geländer (Bild 3.1). Am unteren Türrahmenbereich bewachen die Makaras den Eingang (das Mauer-Tor) zum Tempel, die geöffneten Mäuler der Schutzwesen sind nach außen gerichtet (Bild 3.2, 3.3 & 3.4). Der originale Türsturz am Mauer-Tor gilt als verloren, die Fehlstelle wurde durch einen nicht bearbeiteten Sturz ersetzt (Bild 3), jedoch über dem Tempeleingang ist der ursprüngliche Türsturz vorhanden, auf ihm findet sich das für Java obligatorische Kala-Relief (Bild 4 & 4.1). Im durchgängig schmucklosen Tempelinnenraum (Garbhagriha) steht als einziges sakrales Inventar der für hinduistische Tempel kennzeichnende Altar: die Vereinigung Lingam und Yoni. Der Lingam symbolisiert die männliche, die Yoni die weibliche Schöpferkraft. Im dreigeteilten phallusförmigen Gebilde wird allgemein der Gott Shiva gesehen. Hindus deuten das Lingam als Göttertriade: das obere runde Segment wird als Shiva, das mittlere achteckige Segment wird als Vishnu und der untere meist nicht sichtbare viereckige Teil des Lingas wird als Brahma verstanden. Die anikonische Darstellung der göttlichen Vereinigung steht in einem tischartigen Sockel, dessen obere, mit einem erhöhten Rand versehene quadratische Fläche als Yoni bezeichnet wird, in deren Mitte der Lingam eintaucht (Bild 4.3). Bei Ritualen werden die Lingams mit Wasser, Öl oder Milch übergossen. Die Flüssigkeiten sammeln sich in der Yoni und fließen über eine rinnenartige Vertiefung ab, hierfür steht der Begriff Somasutra. Die Abflussrinnen können funktional schmucklos gestaltet, aber auch verziert sein. Der Abfluss der Sambisari-Yoni wird von einem prächtigen Naga (Schlange) gestützt (Bild 4.2). Meist führt eine zweite Rinne durch die Tempelwand nach draußen, wodurch die Flüssigkeiten in die Erde gelangen. Sind also Lingam, Yoni und Somasutra als geschlossenes Ensemble vorhanden, darf nach westlichem Verständnis von einem funktionsfähigen Altar (Altartisch) gesprochen werden. Vor oder nach dem Ritualakt im Heiligtum können die Gläubigen den Tempel auf dem Sockel betend umrunden. Anstelle der üblichen Scheintüren sind in hohen Kala-Nischen Statuen hinduistischer Gottheiten platziert. Die Ehre geben sich Parvati, Ganesha und Shiva, wobei einzuschränken ist, dass Parvati in ihrer zornvollen Emanation als Durga erscheint. Ganesha sitzt gemütlich auf einem Lotos-Thron und tut sich gut an seiner Früchteschale. Shiva selbst tritt als bärtiger Asket auf. Den Hindus gelten diese Gottheiten als ideale Verkörperung familiärer Bindung. Westlich hinter der Walleinfassung der Tempelanlage, an der Straße gelegen, stehen unter freien Himmel und in einem kleinem Gebäude übersichtlich geordnet zahlreiche steinerne Relikte zur kostenlosen Betrachtung bereit. Die bearbeiteten Architekturelemente sind bei der Restauration des Tempels übrig geblieben, will heißen, ihre Herkunft, ihr ursprünglicher Einsatz ließ sich trotz Nummerierung nicht mehr erkennen. Die Besichtigung vom Candi Sambisari lässt sich gut mit dem Besuch vom nur vier Kilometer entfernten Candi Kalasan kombinieren. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Auf der verlängerten Nord-Süd-Achse vom Candi Sewu stehen zwei kleinere Tempel, es handelt sich um die südlichen Wächter-Tempel zum Sewu-Tempel, oft werden solche Bauten auch als Satelliten-Tempel bezeichnet. Die westlich und nördlich vorgelagerten Tempel gelten als verloren, keine Ruinen, keine Grundmauern, keine Steine verweisen auf die ehemaligen Standorte dieser Tempel. Östlich hat sich nur der Candi Gana erhalten. Fazit: von vormals acht kleinen Tempelanlagen existieren nur noch drei. Möglicherweise würden intensive Grabungen den Standort der verlorenen Tempel bestätigen. Im November 2014 waren die Wiederaufbauarbeiten der Tempel im Sewu-Prambanan-Areal längst noch nicht abgeschlossen. Eine für das interessierte Publikum präsentierte Zeichnung (Bild 1) dokumentiert den Stand der Restaurierungsarbeiten am Candi Bubrah (grün gekennzeichnet). Nur die Plinthe, auf welcher der Tempel stand und wieder stehen soll, ist wiederhergestellt (Bild 1.1 & 1.2). Auf der Zeichnung (Bild 1 oben rechts über dem Schriftfeld) ist ein Grundriss der östlich ausgerichteten Tempelanlage zu sehen. Nach dem Erdbeben im Mai 2006 existierte nur noch ein Ruinenberg, der Tempel war vollständig zerstört. Rund um das Tempelareal (Baustelle Candi Bubrah) lagern tausende sortierter Steine (Bild 1.3. – 1.6). Mit welchem Kraftaufwand und mit wie viel Geduld das Gelände zunächst freigeräumt und die Steine für den Wiederaufbau geordnet werden mussten, lässt sich kaum noch nachvollziehen. Aufgaben dieser Größenordnung gleichen dreidimensionalen Puzzlespielen, die nur mit wissenschaftlicher Akribie und stilistisch-ästhetischen Verständnis vollständig lösbar sind. Mittlerweile kann der Candi Bubrah in alter/neuer Pracht bewundert werden. Die hier gezeigten Fotos dokumentieren die Wiederaufbauphase vom November 2014. Mehr als am Candi Bubrah gab es am Candi Lumbung zu sehen, dort waren die Aufbauarbeiten schon weiter fortgeschritten als am Bubrah Tempel. Der Lumbung Tempel besteht aus einem Zentraltempel und sechzehn Neben-Tempeln. Der Grundriss der Lumbung-Tempelanlage ist als Quadrat konzipiert, im Zentrum des Vierecks erhebt sich der Haupttempel. Jede Außenseite der Tempelanlage wird von fünf kleinen Tempeln markiert, somit ist der Prasada (Zentral-Tempel) von architektonisch gleichen Schreinen eingefasst. Der Zugang auf die Plinthe (Tempelebene) ist von allen Seiten möglich, obgleich die östliche Ausrichtung hier wie an anderen buddhistischen Tempeln den Eingangsweg bestimmt. Bezeichnenderweise sind alle Neben-Tempel mit der für javanische Buddha-Tempel typischen Glocken-Stupa bekrönt. Das architektonische Erscheinungsbild der Neben-Tempel wandelt sich ausgehend vom Quadrat zum Oktogon, welches mit einer runden Glocke endet (Bild 2.3). Weitere Glocken (eine Art von Miniatur-Stupas) zieren als spezielle Eck-Akroter die Dachaufbauten (Bild 2.1 & 2.4). Die Außenwände der Schreine sind schmucklos (Bild 2.1), lediglich über den Eingängen befindet sich jeweils ein Kala-Relief, Kala dominiert die Giebelfelder (Bild 2.3). Die glatten Wände vom schlichten Innenraum des Prasada werden durch Gesimse und Bogennischen aufgelockert (Bild 2.5). In den Wandnischen standen vermutlich Buddha- oder Bodhisattva-Statuen, vielleicht auch hinduistische Götter-Skulpturen. Einige der Bilder zeigen die primitiven Hilfsmittel, mit denen die Restaurierungsarbeiten realisiert werden. Das Arbeiten auf einfachen Holzgerüsten und simplen Stahlrahmen ist gewiss kein Vergnügen (Bild 2, 2.1, 2.3, 2.4). Die Exkursion zu den Tempeln auf Java fand im November 2014 statt. Sämtliche Fotos geben nur den damaligen Bauzustand wieder. Inzwischen sind die hier beschriebenen Tempel auf Java restauriert und für das Publikum ungehindert zugänglich gemacht worden, diesbezüglich leisten die Mitarbeiter der zuständigen Kulturbehörde vorbildliche Arbeit. Übrigens sind alle wichtigen Tempel auf Java von Google erfasst und im Google Maps-Kartenwerk an den richtigen Stellen eingezeichnet, somit erübrigen sich zeitraubende Suchaktionen.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter Schönlein
Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
Kategorien
All
Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
Die Fotos in den Blog-Artikeln werden durch Anklicken vergrößert. sortiert nach Erscheinungsdatum:
ARTIKEL
Prasat Leak Neang Leak Neang bei Pre Rup Tempel bei Beng Mealea Prasat Banteay Ampil Prasat Chaw Srei Vibol Rong Damrei und Phnea Kol Tempelmauern in Kambodscha Namenlose Tempel Angkor Thoms Trapeang Roun Tempel Stupas in Kambodscha Spean Thma Prasat Sanlong Prasat To Stupas in Süd-Indien Inmitten von Göttern 1 Inmitten von Göttern 2 Inmitten von Göttern 3 Inmitten von Göttern 4 Inmitten von Göttern 5 Inmitten von Göttern 6 Inmitten von Göttern 7 Inmitten von Göttern 8 Inmitten von Göttern 9 Inmitten von Göttern 10 Inmitten von Göttern 11 Inmitten von Göttern 12 Jainismus Jali Gesinnungswandel zweier Könige Lintel - Spezial Prasat Kravan Unbekannte Tempel in Siem Reap Unbekannte Tempel in Roluos Tempel im Umfeld des Bakong Prasat Trapeang Kaek Daun Troung Tempel Gargoyle (Wasserspeier) Prasat Preah Pithu Wasserbecken in Angkor Thom Preah Khan Brücken der Khmer Prasat Ta Muon Dharmasala - Vahnigriha Angkor Wat - Spezial Prasat Ta Prohm Banteay Kdei Tempel Spurensuche in Angkor Thom Wat Chedei bei Siem Reap Klöster in Siem Reap Geisterhäuser Museen in Siem Reap Museen in Kambodscha Banteay Kbal Chen Tempel Prasat Chanseyma Tomnob Anlong Kravil Tempel Banteay Samre Banteay Toap Tempel Kasen Tempel Banteay Chhmar Satellitentempel Löwen in Kambodscha Löwen in Indien Löwen in Myanmar Löwen in Indonesien Löwen in Sri Lanka Khmer-Bronzen in Mandalay Seima-Steine Stufen Akroterion Empfehlenswerte Bücher Trav Tempel Phnom Kampot Tempel Reangsai & Chamreang Tempel Wat Banteay Srei Tempel Prasat Totung Thngai Rundweg um den Phnom Bakheng Berg-Tempel Rund um den West Baray Pram Tempel & Char Leu Tempel Scheintüren Scheinfenster Stupas in Myanmar Stuckaturen in Bagan 1 Stuckaturen in Bagan 2 Stuckaturen in Bagan 3 Stuckaturen in Bagan 4 Stuckaturen in Bagan 5 Holzarchitektur in Myanmar 1 Holzarchitektur in Myanmar 2 Holzarchitektur in Myanmar 3 Tempel in Sale (Saley) Thiri Muni Pagoda in Sale Fenster in Bagan Fenstersäulen in Angkor Wanddekorationen Stelenhäuser in Angkor Prasat Kok Pongro Prasat Ta Keo Fundstücke in Angkor Thom Beatocello Artikel Nr. 100 Kala resp. Kirtimukha Buddha-Statuen in Angkor Thom Prasat Suor Prat & Khleangs Elefantenterrasse Spezial Tier-Reliefs am Baphuon Tempel Tier-Reliefs am Bayon Tempel Khmer zur See Bauabläufe Vidyadharis Apsara: Tänzerin oder Göttin Apsara Spezial Dvarapala Teil I Dvarapala Teil II Dvarapala Teil III Purnagatha Teil I Purnagatha Teil II Purnagatha Teil III Hamsa Vishnu in Angkor Sapta Matrika Trimurti in Angkor Wassertiere in Angkor Elefanten in Kambodscha Prasat Kouk Nokor Prasat Banteay Prei Nokor Prasat Banteay Khchorng Prasat Chrung Stuckaturen an Khmer-Tempeln Roluos Spezial Türsäulen 1 Türsäulen 2 Basen Kapitelle Boundary Bibliotheken Bayon Bibliotheken Bayon Spezial Unterwegs im Abseits 1 Unterwegs im Abseits 2 Unterwegs im Abseits 3 Unterwegs im Abseits 4 Unterwegs im Abseits 5 Leben am Fluss Reamker-Epos Tuol Sleng und Wat Thmei War Memorial Siem Reap Jean Commaille Saptarishi - die Sieben Weisen Hiranyakashipu und Narasimha Krishna Govardhana Balaha und Uchchaihshravas Sri Lanka Reise 2019 Teil 1 Sri Lanka Reise 2019 Teil 2 Sri Lanka Reise 2019 Teil 3 Sri Lanka Reise 2019 Teil 4 Sri Lanka Reise 2019 Teil 5 Sri Lanka Reise 2019 Teil 6 Sri Lanka Reise 2019 Teil 7 Mihintale Sri Pada - Buddhapada Ungewöhnliche Reliefs Seltene Götter-Reliefss Sugriva und Valin Prasat Kansaeng TK 2 bei Beng Mealea Prasat Chrei Prasat Kong Phluk Toab Chey Thom / Toan Chey Tauch Ta En Tempel Pram Tempel (Trapeang Chhun) Prasat Kuk Troap Pram Tempel Koh Ker Sambor Prei Kuk (Teil 1) Sambor Prei Kuk (Teil 2) Fliegende Paläste Kbal Spean Bauernhäuser Preah Phnom Tempel Kat Kdei Tempel und mehr Baset Tempel Prasat Cheang Thom Prasat Rorng Ramong Götterstatuen im Angkor Wat Spuren der Intoleranz Unbekannte Tempel in Siem Reap 2 Yoni & Lingam Banteay Srei (Tempel ohne Namen) Kok Singh Tempel Prasat Ta Tnur Ergänzung: Baset Tempel Prasat Prei Prasat Bay Kaek Tempel Prasat Kongbong Alter Weg nach Roluos Neuentdeckungen in Roluos 1 Neuentdeckungen in Roluos 2 Neuentdeckungen in Roluos 3 Neuentdeckungen in Roluos 4 Neuentdeckungen in Roluos 5 Bilderbogen 2 als 200ster Artikel Phnom Chisor Trotz Corona in Kambodscha 1 Trotz Corona in Kambodscha 2 Trotz Corona in Kambodscha 3 Trotz Corona in Kambodscha 4 Bayon Tempel Spezial 1 Bayon Tempel Spezial 2 Prasat Top West Spezial Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 1 Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 2 Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 3 Hayagriva Indrajit Krishna & Kaliya Vishnu allgegenwartig Die verlorene Sammlung (The Lost Collection) Srah Srang Yeay Pow Tempel Ta Prohm (Tonle Bati) Tempel Prasat Neang Khmau Phnom Bayang Tempel Phnom Bayang Nebentempel Prei Tempel Spezial Banteay Prei Spezial Krol Ko Spezial Prasat Tonle Snguot Phnom Da Angkor Borei Museum Prei Khmeng Stil Kala Preah Norodom Sihanouk Museum Krol Romeas & Kral Romeas Preah Khan versus Banteay Kdei Frömmigkeit versus Glaube Khmer Halsschmuck Spean Toap & Prasat Prohm Kal Dachlandschaften in Angkor Eindrücke vom Tag Bilderbögen Zentral-Vietnam Da Nang Marmorberge Da Nang Da Nang Halbinsel Son Tra Da Nang Museum Cham Sculpture Cham-Skulpturen: Vishnu & Shiva Cham Tempel in Vietnam Thap Phu Dien Thap Bang An Thap Khuong My Thap Chien Dan Thap Chien Dan - Museum Thap Dong Duong My Son (Teil 1) My Son (Teil 2) My Son (Teil 3) My Son (Teil 4) My Son (Teil 5) Cham Phong Lee Makaras der Cham Kala in Vietnam Hue - Verbotene Stadt Incense Burner Sepulkralkultur in Vietnam I Sepulkralkultur in Vietnam II Sepulkralkultur in Vietnam III Sepulkralkultur in Vietnam IV Hoi An Cao Dai Tempel in Hoi An Glocken in Vietnam Museum of Da Nang Skulpturen in Da Nang Musik und Tanz der Cham Henri Parmentier West Mebon Tempel 2022 Mebon Tempel Banteay Chhmar Phnom Sampov Garuda gegen Naga Naga-Chakra Mucalinda versus Naga Provincial Museum Battambang Tempel in der Region Damdek Preah Khan Spezial Teil 1 Preah Khan Spezial Teil 2 Preah Khan Spezial Teil 3 Preah Khan Spezial Teil 4 Preah Khan Spezial Teil 5 Preah Khan Spezial Teil 6 Kna Phtoul Tempel Phnom Komnop Pagoda Neak Buos Tempel Prasat Kuk Bros & Prasat Kuk Srei Phnom Chhngork Cave Tempel Preah Theat Kvav Region Beng Mealea Wat Kok Chan & 2 Tempel Wat Kesararam Siem Reap Siem Reap Generäle Royal Garden Siem Reap Theam’s Gallery Siem Reap Wandbilder im Wat Bo Siem Reap Bilderbogen Indien 2024 Kanheri Caves Karla Caves Mahakali Caves Mandapeshwar Caves Elephanta Caves Teil 1 Elephanta Caves Teil 2 Ajanta Caves Teil 1 Ajanta Caves Teil 2 Ajanta Caves Teil 3 Bedse Caves Bhaja Caves Yogeshwari Caves Pandava Caves - Teil 1 Pandava Caves - Teil 2 Khandoba Tempel Aurangabad Aurangabad Caves Daulatabad Fort Khuldabad Bhuikot Fort Solapur Bijapur (Teil 1) Bijapur (Teil 2) Tempel in Gadag Lakshmirasimha Tempel Jagaval Dodda Basappa & Someshwara Itagi Mahadeva Tempelkomplex Musafirkhana und Honda Kallesvara Tempel Bagali Archaeological Art Gallery Bagali Mondusale Tempel Somanathapura Panchalingeshwara Tempel Jain-Tempel in Halebidu Hoysalesvara Tempel in Halebidu 1 Hoysalesvara Tempel Halebidu 2 Bhimesvara Tempel in Nilagunda Harihareshvara Tempel Harihar Anantashayana Tempel Hospet Hampi (Teil 1) Hampi (Teil 2) Hampi (Teil 3) Hampi (Teil 4) Hampi (Teil 5) Hampi (Teil 6) Hampi (Teil7) Mysore Palace Die Museen in Hampi Government Museum Chennai Hindu-Tempel in Chennai Mamallapuram Teil 1 Mamallapuram Teil 2 Mamallapuram Teil 3 Mamallapuram Teil 4 Stufenbrunnen in Rajasthan Kenotaphe in Rajasthan Tempel in Osian - Teil 1 Tempel in Osian - Teil 2 Tempel in Osian - Teil 3 Trommelmaschinen Jaisalmer Rundreise Rajasthan - Teil 1 Rundreise Rajasthan - Teil 2 Rundreise Rajasthan - Teil 3 Rundreise Rajasthan - Teil 4 Rundreise Rajasthan - Teil 5 Rundreise Rajasthan - Teil 6 Rundreise Rajasthan - Teil 7 Rundreise Rajasthan - Teil 8 Rundreise Rajasthan - Teil 9 Rundreise Rajasthan - Teil 10 Rundreise Rajasthan - Teil 11 Rundreise Rajasthan - Teil 12 Sas Bahu Tempel Jain-Tempel in Ranakpur Ambika Mata Tempel in Jagat Torana Keshava Tempel in Somanathapura Purnagatha in Indien Prambanan Tempel in Indonesien Museum Candi Prambanan Candi Mendut Candi Pawon Candi Sewu Reliefs am Borobudur - Teil 1 Reliefs am Borobudur - Teil 2 Reliefs am Borobudur - Teil 3 Reliefs am Borobudur - Teil 4 Candi Banduyinan weitere Artikel werden folgen ... alle Artikel alphabetisch sortiert:
Archive
February 2026
|
RSS Feed