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Das Linga (auch: das Lingam) gilt immer als die anikonische Darstellung Shivas, deshalb wird häufig vom Shiva-Linga gesprochen, was sprachlich einer Verdopplung gleichkommt: wer Linga sagt, meint SHIVA. Ein Linga ist im Regelfall aus einer Steinsorte gefertigt und dreigeteilt. Der untere viereckige Teil wird als Brahma, der mittlere meist achteckige Teil als Vishnu, der obere sichtbare runde Teil als Shiva angesehen, wobei sehr häufig nur der Shiva zugeordnete Teil vom Schaft sichtbar ist, der mittlere und untere Schaftbereich verschwinden in der Yoni. Konkret erkennen die Hindus im Schaft den Phallus, also das männliche Geschlecht und in der Yoni das weibliche Geschlecht, somit sind mit Linga und Yoni die gegensätzlichen Schöpfungsprinzipien vereint. Zusätzlich symbolisiert (wie oben erklärt) das Linga als anikonische Darstellung der Dreiheit die Götter BRAHMA-VISHNU-SHIVA, bekannt als Trimurti. Auf dem Opfertisch in der Kultstätte Budhanilkantha sind die Grundtypen der am meisten verbreiteten Lingas aufgestellt. In der Mitte vom Altartisch steht der gebräuchlichste Typ: das Linga in der Yoni. Zwei Lingas fallen als andere Darstellungen auf: rechts vorn und links hinten sind Lingas mit Gesichtern zu sehen, das heißt am sichtbaren Teil vom Linga sind vier oder mehr Gesichter angebracht. Dargestellt sind immer Verkörperungen von Shiva, sind vier Gesichter zu sehen heißt das Linga Chaturmukha. Berühmt und vermutlich einzig in Indien ist das Linga mit acht Gesichtern in Mandasor (Madhya Pradesh), in diesem ungewöhnlichen Kultbild verehren die Hindus Pashupatinath=Shiva, sprich: den Herrn allen Lebens. Im Pashupatinath-Tempel (Kathmandu) steht ein 1,80m hoher Chaturmukha Linga. Nicht-Hindus dürfen den Tempel nicht betreten, schon die Annäherung wird untersagt. Schauen wir etwas aufmerksamer die Lingas auf dem ständig von Pilgern umlagerten Opfertisch an, fällt ein Linga besonders auf, um nicht zu sagen aus dem üblichen Schema, das Linga links vorn wartet mit fünf Shiva-Gesichtern auf (siehe Detailaufnahme Bild 1.1). Vier Gesichter sind regelgemäß am Schaft angeordnet, das fünfte Gesicht, im Grunde eine Kopfskulptur, steht auf dem ansonsten flachen Oberteil vom Schaft. Nirgends in Kathmandu fand sich ein ähnliches Linga mit fünf Gesichtern. Hat hier ein Bildhauer sein persönliches Shiva-Ideal in Stein gehauen, einen Pancha-Mukhalinga geschaffen? Existieren weitere Lingas mit fünf Gesichtern? Tatsächlich wird das leicht abgeflachte runde Oberteil vom Linga als imaginäres Gesicht Shivas verstanden, das ist allerdings schon eine etwas ätherische Vorstellung der Gottheit. Dieser Artikel wird sich fortan ausschließlich mit Chaturmukha Lingas befassen. Zunächst werden drei museale Exponate näher begutachtet, ehe als Fortsetzung des Themas weitere Fotos von Vier-Gesicht-Lingas zu sehen sind, hier werden sich die Erklärungen nicht auf Details, sondern lediglich auf die Ortsangaben beschränken. Das Linga aus dem Patan Museum ist bestens geeignet, die bislang notierten Erläuterungen in Bildform zu verifizieren. Dem Linga fehlt die Yoni, deshalb sind die drei Schaftbereiche sichtbar: Viereck=Brahma, Achteck=Vishnu und Zylinder=Shiva. Deutlich zu erkennen sind die unterschiedlichen Längen der Schaftsegmente. Nicht zu übersehen ist die konische Verdickung des Lingas, was dem ganzen oberen Schaftelement unbestreitbar eine elegante Form verleiht. Shiva wird der längste Bereich vom Schaft zugewiesen, die Länge ist nötig für die Darstellung der Gesichter. Die Shiva-Gesichter sind den Hauptkoordinaten zugeordnet, so ist im Süden Bhairava (der Furchteinflößende), im Norden Adhanarishvara (halb Mann-halb Frau), im Osten Mahadeva (Großer Gott) und im Westen Nandin (der Freude bringt) dargestellt. Ins Bild gesetzt finden sich vier grundlegende Zustandsaspekte Shivas, die allen Hindus vertraut sind. Die blank gegriffene Oberfläche vom Schaft (Phallus) wird als nicht sichtbares Gesicht (invisible face) Shivas bewertet und verstanden, weshalb derartige Lingas ebenfalls als Pancha-Mukhalingas bezeichnet werden (Bild 3.1 – 3.3). Der Chaturmukha Linga vom Bhaktapur Museum wirkt in sich etwas gedrungener, scheinbar kürzer als der Linga vom Patan Museum, weil der untere Brahma-Schaft in der Yoni versenkt ist, die oktogonale Vishnu-Form wurde zugunsten der runden Shiva-Form weggelassen (Bild 4). Der Chaturmukha Linga aus dem 17. Jahrhundert, der im National Museum of Nepal zur Ansicht steht, ist von rechts wegen eine Messingkappe, welche auf steinerne Lingams aus Anlass bestimmter Rituale aufgesetzt wird, wodurch ein normaler Linga in einen Vier-Gesicht-Linga verwandelt wird. Die Hände, welche spezielle Insignien halten, sind an der Messingvariante besonders ausgeprägt, wenngleich an den steinernen Lingas ebenfalls vorhanden, aber nicht so klar erkennbar. Die Anordnung der Gesichter wiederholt die tradierte Reihenfolge. Hinweis: die fotografische Wiedergabe des Messing-Lingas fiel schwer, die Mängel zweier Aufnahmen sind den Spiegelungen der Glashaube anzulasten. Die folgenden Lingas wurden in situ aufgespürt, was keine sonderliche Leistung ist, denn Lingas gibt es in der Stadt Kathmandu und im Umland in großer Menge. Ein besonders schönes, wenn auch sicher modernes, aber sehr gepflegtes Exemplar befindet sich in Kathmandu im Kotilingeshwar Mahadev Tempel, Linga und Yoni sind aus Messingblech geformt. Der aufgehängte kupferne Trichter wird vom Tempeldiener täglich mit Öl befüllt, durch ein sehr kleines Loch tropft in Abständen gleichmäßig Öl auf das Linga. Das Öl sammelt sich in der Yoni und wird über den Abflusskanal in einem Gefäß gesammelt, regulär aber über das Somasutra und den Gargoyle nach draußen ins Erdreich geleitet (Bild 6.1 – 6.3). Zwei archaisch anmutende Chaturmukhas fanden sich ebenerdig im historischen Stadtkern von Kathmandu, diesen Lingas ist tägliche Benutzung vieler Jahre anzusehen. Benutzung zeitigt Abnutzung. Zwei in Bhaktapur gefundene Chaturmukha Lingas zeigen verschiedene Darstellungsvarianten. Das Ensemble Linga/Yoni und Nandi, aufgestellt in einer Beckenanlage, scheint neueren Ursprungs zu sein (Bild 9.1 & 9.2). Das in einem Schrein befindliche Linga (Bild 10) weist dagegen starke Gebrauchsspuren auf. Die rotgetünchte gemauerte Nische in Pashupatinath ruft den Eindruck von Resteverwertung hervor, zwei Reliefs und ein Linga waren offenbar zu wertvoll, um diese Schätze in irgend einem Schuppen achtlos abzustellen. Das neuere Relief Uma-Mahesvara passt zum Chaturmukha Linga, doch das Relief rechts, ein Buddha, steht in keiner Beziehung zum Shivaismus. Von den drei Objekten in der Nische muss das Linga das älteste Teil sein (Bild 11). Banepa, ein Dorf im Kathmandu-Tal, hat einige Sakraldenkmäler aufzuweisen, doch es fand sich nur ein Chaturmukha Linga im Areal vom Thanapati Narayan Tempel, aufgestellt leicht unter Bodenniveau, scheinbar in einer ehemaligen Beckenanlage. Dieser Tempel wurde zu Ehren Vishnus erbaut, dennoch ist das Vorhandensein von Linga und Nandi legitim. Das Nebeneinander der Götter ist auch ein Zeichen von Toleranz, dabei folgen die Vishnuiten und die Shivaiten nicht unbedingt den gleichen Glaubenswegen, die Praxis der Rituale richtet sich auf den jeweils favorisierten Gott. Kein Vishnu-Verehrer wird sich mit Verachtung vor einem Shiva-Idol abwenden, auch die Umkehrung ist schwerlich vorstellbar. Schlussendlich vereint das Linga drei Götter, die allesamt und jederzeit am anikonischen oder ikonischen Linga präsent sind und stets ehrfürchtig und mit großer Andacht als Trimurti von allen Hindus angebetet werden. Die Stadt Kathmandu mit ihren weitläufigen Stadtteilen und kaum überschaubaren Straßenzügen bietet genügend Raum für eigenständige Entdeckungen, es macht wenig Sinn, nach den hier vorgestellten Chaturmukhas zu suchen. Wer mit ein wenig Mut und offenen Augen sich zu Fuß abseits der touristischen Hauptwege begibt, wird in namenlosen Gassen und Hinterhöfen auf unbekannte Tempel und Schreine stoßen und dort andere Chaturmukha Lingas finden.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Kaum eine mythologische Erscheinung neben den Göttern ist derart präsent wie GARUDA, mit ihm können nur noch Ganesha und Nandi konkurrieren. Gleich in welchen Stadtteilen von Kathmandu, Lalitpur oder Bhaktapur Menschen unterwegs zu ihren Tempeln sind, sie stoßen unweigerlich auf das Reittier Vishnus. Der Mittler zwischen Himmel und Erde genießt in Nepal, wohlbemerkt als Einzelwesen, besonderes Ansehen. Meist findet sich Garuda als Vogel dargestellt, kaum weniger häufig ist Garuda als Betender zu sehen, diese anthropomorphe Erscheinung erfreut sich vor vielen Tempeln und anderen Bauten großer Beliebtheit. Heinrich Zimmer (1890-1943) schrieb: „Der Vogel wird als »Schlangentöter« oder »Nagatöter« (nagantaka, bhujagantaka) oder »Schlangenverzehrer« (pannagasana, nagasana) angerufen. Sein eigentlicher Name ist Garuda, von der Wurzel gri, »herunterschlingen«. Als unbarmherziger Vernichter der Schlangen ist er mit mystischer Macht über die Wirkungen des Giftes erhaben.“ An etlichen Grabkapellen oberhalb der Verbrennungsstätte Pashupatinath am heiligen Fluss Bagmati ist Garuda sowohl in animalischer als auch in anthropomorpher Darstellung zu sehen. Tritt Garuda auf, zeigt er sich entweder als Reittier seines Herrn Vishnu oder als Feind der Nagas, die er vernichtet. Die zwei Garuda-Fotos der Pashupatinath-Grabkapellen zeigen den Unterschied seiner beiden Erscheinungsformen. Berühmt sind die Garuda-Statue und die Reliefs im Changu Narayan Tempel (Bhaktapur). In welchem Jahrhundert die wunderbare Statue gefertigt wurde, lässt sich schwer bestimmen. Viele Autoren zeigen die Statue, manche behaupten sie stamme aus dem 5. Jahrhundert, dann wäre diese gleich alt, wie der Tempel, der laut einer Inschrift im Jahre 464 erbaut wurde. Selbst wenn die Statue erst in jüngerer Zeit gefertigt wurde, wäre das kein Makel. Der knieende, im Gebet versunkene Mensch-Vogel (Vogel-Mensch) ist so wunderbar, dass die Frage nach seinem Alter auf den Lippen erstirbt. Wir blicken auf die vielleicht schönste Statue Garudas im Kathmandu-Tal. Die Menschen lieben und verehren diesen Garuda, täglich werden ihm frische Blumen gebracht. Die Vishnu-Reliefs mit seinem Reittier Garuda stammen aus dem 7. Jahrhundert, das wird verallgemeinernd behauptet, wobei sich diese Aussage sicher nur auf Relief I & II bezieht, bei den Reliefs III & IV wird es sich um später geschaffene Varianten handeln, wobei Relief III auch wieder das ältere und Relief IV die jüngere Tafel zu sein scheint. Auf Vishnu III hat Garuda vier Arme, auf Vishnu IV sogar sechs Arme, auf den anderen Reliefs hat Garuda zwei Arme=zwei Flügel, das ist vermutlich die tradierte Darstellungsvariante, die der Anatomie eines Vogels entspricht. Garuda ist im Changu Narayan Tempel mehrfach präsent, sogar in Holz geschnitten taucht der Vogel auf, hier als nagantaka bzw. nagasana (um nochmals den berühmten Indologen Heinrich Zimmer zu zitieren). Das Motiv ist sehr anschaulich auf den vier Thoranas über den Eingängen geschildert. Es fiele leicht, noch Dutzende anderer Garuda-Reliefs zu zeigen, doch weitere Garuda-Statuen fanden sich nicht, zumindest keine, die sich grundlegend von den hier vorgestellten Darstellungen unterschieden hätten. Das vorrangige Anliegen, einige markante Garuda-Typen in diesen Artikel vorzustellen, scheint mit dem gegebenen Bildmaterial erfüllt.
Fotos und Text: Günter Schönlein Mit (VJ) gekennzeichnete Fotos fertigte Vanessa Jones Zitat zu Garuda aus Heinrich Zimmer – Indische Mythen und Symbole Eugen Diederichs Verlag 2. Auflage 1984 (Seite 86) Korrektur: Vanessa Jones Häufig stehen an den Eingängen zu Tempeln Tierstatuen, sie haben eine Wächterfunktion, sie behüten die Tempel und verhindern das Eindringen böser Kräfte. Welches Geschöpf auch immer die Tempel bewacht, diese Wesen erfüllen den apotropäischen Schutz der Heiligtümer. An Kraft und Wirkung der Wächtertiere wird fest geglaubt, deshalb sind diese Schutzwesen an großen und kleinen Tempeln nicht zu übersehen. In allen Stadtteilen von Kathmandu, so auch in Lalitpur (Patan), stehen zahlreiche Tempel. Der Vergleich der Tempel drängt sich auf, zwangsläufig öffnet sich auch der Blick auf die vielfältigen Tempelwächter, meist sind es Löwen, die allerdings in Varianten auftreten. Der Fokus dieser Betrachtung wird vorrangig auf Löwen gerichtet sein. Kein Tourist, auch kein Langzeitbesucher wird je alle Tempel und Schreine in Kathmandu aufsuchen, dennoch werden interessierte Touristen genügend Tempellöwen entdecken, um einen Eindruck von ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit zu gewinnen. Der Löwe gilt in allen Kulturen als Symbol für Kraft, Stärke, Tapferkeit, Macht und Würde. In der Tierwelt zählt der Löwe als Dominator. Weder in China, Kambodscha, Thailand, Burma, Japan, Indien und Nepal haben jemals Löwen in freier Wildbahn gelebt. Die Bildhauer haben niemals lebende Löwen gesehen, das erklärt teilweise die oftmals unrealistischen Darstellungen vieler Wächterlöwen. Weshalb ausgerechnet Löwen als Schutzwesen vor den Eingängen asiatischer Tempel platziert wurden, kann hier nicht erklärt werden, derlei Ausführungen sprengen den Rahmen dieser Betrachtung. Östlich der in Lalitpur von Nord nach Süd führenden Shankhamul Marg steht der stattliche Kobaha Krishna Mandir. Den steinernen Hindu-Tempel auf dreifachen Sockel bewachen vier Wächtertiere. Neben den Stufen sitzen zwei grimmige Löwen mit aufgerissenem Maul, eine Sockelebene höher sitzen zwei weitere Löwen, denen ist allerdings ein seltsamer Kopf gewachsen, anstelle des zahnreichen Mauls haben sie einen Schnabel, der sehr an einen Greifvogel erinnert, (vielleicht ein entfernter Verwandter von Garuda?). Diese Anordnung von vier Wächtertieren ist ein in Nepal/Kathmandu/Lalitpur häufig wiederkehrendes Wächterensemble, zusätzlich finden sich unter den Basen der Säulen noch kleine Löwen, die aber nicht freistehen, sondern als Halbrelief herausgearbeitet sind. Hinweis: Säulen-Löwen und Eck-Löwen an Sockeln werden im Verlauf des Artikels gesondert vorgestellt. Einhundert Meter westlich vom Bhimsen Mandira hat sich vor einem Tempel in gedrängterem Beieinander ein ähnliches Löwenquartett wie vor dem Kobaha Krishna Mandir versammelt, jeweils ein Löwen-Paar und ein Schnabel-Löwen-Paar halten die Wacht. Die Sitzhaltung der Löwen gleicht sich, die aufrechte Kopfhaltung, die gelockte Mähne, die Krone, der Schmuck und nicht zu vergessen, die Fußkrallen und der auf den Rücken abgelegte Schwanz. Jede Statue ist aus einem Block gehauen. Mag es auch unwissenschaftlich sein und völlig unbeholfen klingen, es ist wohl nicht allzu vermessen, die Schnabellöwen als Garuda-Löwen zu klassifizieren. Der Name dieses kleinen Schreins wird flanierenden Touristen nicht vermittelt, kein Schild verrät, welchem Gott gehuldigt wird. Sind solche unbenannten Tempel und Schreine verschlossen und keine Einsicht möglich, endet an solchen Plätzen die korrekte Buchführung. In diesem Fall konnte der Name Harisankar Mandir ermittelt werden, wenn auch für diese Betrachtung die Kennzeichnung der Schreine keine erstrangige Rolle spielt, sondern vorrangig die Erfassung der verschiedenen Löwen und ihre Typisierung. Die mannshohen Löwen am Eingang vom Rudravarna Mahavira sitzen aufrechter als die Löwen der beiden bislang vorgestellten Typen: die Köpfe sind markanter ausgeprägt, Ohren, Augenbrauen, Nasen- und Barthaare treten stärker hervor. Der Schmuck um Hals und Brust variiert, der Prunk ist etwas zurückgenommen, sie tragen keine Krone. Wichtig: hier halten ein männliches (links) und ein weibliches Tier (rechts) Wache, das deutliche Unterscheidungsmerkmal sind die Brustpartien der Löwen. Diese Löwen scheinen aus mehreren Steinschichten gefertigt zu sein. Das innere Tor vom Rudravarna Mahaviha flankieren zwei ganz andere Löwen. Diese Wächtertiere tragen auf dem Rücken ein Relief mit der Darstellung einer Gottheit. Weiter als bisher gesehen, reißen die Löwen ihr Maul auf, sie brüllen und zeigen starke Eckzähne, die Zunge ist andeutungsweise zu sehen. Man betrachte auch die feinen Übergänge von der Schulterpartie über die Mähne bis hin zum Reliefschild, das ist meisterhaft. Die handwerkliche Gestaltung dieser Löwen ist weitaus kunstvoller, als die anderen bislang gezeigten Löwen, die häufig zu finden sind und allesamt einem Grundmuster entsprechen, offenbar hatten die Werkstätten Musterstatuen zur Ansicht und nur die Größe musste den Bauten (den Sockeln) angepasst werden. – Wissenschaftler könnten ihren Blick auf die Inschriften an den Rändern der Löwensockel fokussieren. Vielleicht sind das Herstellungsjahr, die Werkstatt und eine Widmung zu lesen. Touristen muss der Rudarvarna Mahavihar empfohlen werden, er ist einer der schönsten Tempel in Lalitput. Im Innenhof stehen mehrere sehenswerte Metallskulpturen, unter ihnen auch eine europäische Löwenstatue. In Nebenstraßen und Innenhöfen gibt es ungezählte namenlose kleine Heiligtümer zu entdecken. Der Mut, Schritte ins Abseits zu wagen, wird belohnt, weder beißen die Löwen, noch die Menschen, sofern anwesend. Die gedrungenen Körper, die kürzeren Vorderläufe und die tiefere Sitzhaltung vermitteln ein anderes Erscheinungsbild als die bisher vorgestellten aufrecht sitzenden Löwen. Wer den Rato Machindranath Tempel besichtigt, wird einerseits enttäuscht und andererseits begeistert sein. Der für das Kathmandu-Tal typische Pagodenstil zeichnet diesen wunderbar restaurierten, leider nicht zugänglichen Tempel aus. Ein blauer Gitterkäfig verhindert die Besichtigung, immerhin sind die Gitterstäbe so weit auseinander, dass die visuelle Begutachtung aus der Distanz ohne Schwierigkeiten rundum möglich ist. Zwei bemalte Löwen (männlich und weiblich) bewachen die Stufen zum Eingang. Es muss vorgegeben sein, dass die Löwinnen immer rechts ihren Platz haben. Bemalte Löwen wirken völlig anders, als Löwen in ausschließlich steinern farbloser Erscheinung. Sind dann auch noch die Köpfe/das Gesicht sonderlich geformt und die Kronen extrem stilisiert, muss hier ein völlig eigenständiger Löwen-Typ registriert werden. Unabhängig vom Typ sind also bemalte und nicht bemalte Wächterlöwen zu unterscheiden, siehe auch die bemalten Löwen vom Kutusingha Vihar. Zum Machindranath Tempel, der auf Fundamenten einer früheren Tempelanlage 1673 erbaut wurde, kommen Hindus und Buddhisten. Vielleicht wird der Tempel für Feiern bestimmter Rituale zeitweise geöffnet. Auf dem Darbar Square (Palastbezirk Lalitpur) gibt es viel zu sehen. Ohne weiteres kann man dort einen Tag unterwegs sein. Es ist nicht nur der Gesamteindruck der Staunen hervorruft, besonders die Vielfalt der Tempel und deren Einzelbegutachtung fasziniert. Dort stehen auch zwei Krishna Tempel, sie sind leicht auseinander zu halten, sofern man die Namen richtig auswertet: Chyasym Deval Krishna Tempel und Krishna Mandir. Baustilistisch unterscheiden sich die erwähnten Krishna Tempel. Der Chyasym Deval Krishna Tempel ist ein oktogonaler Bau und hat nur zwei Wächterlöwen, der Krishna Mandir präsentiert sich in quadratischer Bauform und vier Löwen halten Wache, zwei von ihnen sind Garuda-Löwen, sofern die Klassifizierung erlaubt ist, auch sie treten als Paar in Erscheinung. Die Löwengruppe am Krishna Mandir (Darbar Square) unterscheidet sich von den eingangs gezeigten Löwen vom Kobaha Krishna Mandir und vom Harishankar Mandir nur unwesentlich, selbst die Kronen gleichen sich, nur der Hals- und Brustschmuck differiert. Die kleinen Löwen am Sockel, jeweils unter den Säulen, müssen als obligatorisches Accessoire vorgeschrieben sein, sie sind an beiden genannten Krishna Tempeln vorhanden. Auch die monumentalen Palastlöwen (Darbar Square) treten als Paar in Erscheinung, deutlich ist die Löwin kenntlich. Beachtenswert sind die verschieden geschmückten Fußfesseln an drei Beinen. Reste einer ehemaligen Fassung (Bemalung) sind zu ahnen, falls die Tönungen nicht der natürlichen Verwitterung anzulasten sind. Dieses Löwenpaar erinnert an die Löwen am Eingang zum Rudravarna Mahavira. Die Palastlöwen hinterlassen den Eindruck, als seien sie aus mehreren Steinschichten gefügt und nicht aus einem Steinblock gehauen. Anmerkung: in Myanmar wurden und werden Löwenstatuen gemauert, verputzt, in Form gebracht und schlussendlich bemalt. Welche Fertigungsverfahren in Nepal bevorzugt oder ausschließlich angewendet wurden, vermag der kunstinteressierte Laie nicht verbindlich behaupten, hierzu müssten wissenschaftliche Spezialbetrachtungen zu Rate gezogen werden. Die folgenden sechs unbenannten Bildbeispiele repräsentieren stellvertretend die Vielfalt der Sockel-Löwen und Pfeiler-Löwen, die an fast allen Tempeln zu finden sind. Diese speziellen Löwen ragen aus den jeweiligen Wandpartien deutlich heraus, sind nicht mehr als Reliefs einzuordnen, folglich muss von Statuen gesprochen und diese als Kleinplastiken betrachtet werden. Auch diese im Maßstab und in der Form veränderten Löwen existieren in männlichen (Bild I & III) und weiblichen Varianten (Bild IV, V & VI), sogar als Garuda-Löwe (Bild II). Zu erwähnen sind noch Löwenkopfvarianten an Holzeinfassungen über Tempeleingängen, an holzgeschnitzen Umrahmungen unter den Dächern und an den Enden von Dachbalken. Diese katzenartig wirkenden Löwenköpfe wurden und werden in mehreren Grundvarianten gefertigt. Nicht zu übersehen sind Elefanten als Wächtertiere neben den Stufen und Eingängen, das aber ist schon wieder ein gesondertes Thema, welches hier nur informativ als Randnotiz angeschlagen wird. Jeder aufmerksame Besucher wird in Lalitpur noch weiteren Wächterlöwen begegnen, was bei der Vielzahl der Tempel einer leichten Übung entspricht. Die hier vorgestellten Löwen erheben nicht den Anspruch, die schönsten Exemplare in Lalitpur zu sein, sie sind lediglich maßgebliche Beispiele, welche das Thema genügend repräsentieren.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Nur wenige Meter nördlich vom Swotha Square (Lalitpur) stehen zwischen modernen Wohnhäusern östlich der Shankhamul Marg zwei kleine Pagoden, es sind unscheinbare Tempel, von denen in Kathmandu (resp. im Kathmandu-Tal) nicht hunderte, sondern tausende gezählt wurden. Solche Schreine entsprechen dem Bedarf der Bevölkerung, sie spiegeln gleichzeitig das religiöse Empfinden der Menschen. Mopeds und Motorräder haben in Kathmandu das Fahrrad und die Riksha als Beförderungsmittel abgelöst. Motorisierte Zweiräder beziffern einen gewissen Grad von Wohlstand. Fußgänger und gleich viele Fahrzeuge bewegen sich nicht immer gefahrlos durch die Straßen und besetzen jeden freien Platz. Eine Parkordnung scheint weder geschrieben noch beschlossen zu sein. Tempel ohne rundherum abgestellte Fahrzeuge gibt es nicht. Fotografen geraten in Nöte. Zweiräder geraten zwangsläufig in jedes Bild. Die moderne Zeit hat in den letzten drei Jahrzehnten das Stadtbild von Kathmandu extrem verändert, diese Aussage trifft auf alle Stadtteile zu. Noch in den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts existierten tausende Rikshas, heute fährt jeder zweite Mensch ein Moped. Das vormals dörfliche Milieu wich dem Fortschritt, nicht zum Vorteil für die Bewohner und das Klima. Jede Zeitepoche bejubelt oder beklagt ihre Errungenschaften. Nichts bleibt gleich, alles verändert sich. Noch geben die zwei kleinen annähernd baugleichen Tempel im Hof trotz der geordnet aufgestellten Blecharmada ein malerisches, fast noch pittoreskes Bild ab. Der hintere, etwas niedrigere Schrein muss der ältere von beiden sein, der muss das Erdbeben von 2015 schadlos überstanden haben, während der vordere Tempel ein Wiederaufbau, wenn nicht gar ein Neubau sein muss. Die Namen beider Tempel waren nicht zu erfahren, allerdings lassen sich an den Reliefs im Sanktum und den Dekorationen an den Außenwänden unverbindliche Schlüsse ziehen, welchem Gott, welcher Göttin die Schreine geweiht sind. Trotz der verschwommenen Sachlage ordnen sich die Sakralbauten, so unscheinbar und unwesentlich sie auch sein mögen, als Architekturzeugnisse der Stadt Kathmandu in die wahrscheinlich ungeschriebene Auflistung der namenlosen Pagodentempel ein. In beiden Tempeln werden hinduistische Götter verehrt. Im hinteren Tempel steht ein Relief der Heiligen Familie zur Anbetung: Uma-Maheshvara, also Parvati-Shiva, dazu die Kinder Ganesha und Kumara und natürlich der Buckelstier Nandi, Shivas Reittier, der gehört zur Familie. Die Ziegeldächer und die Holzkonstruktionen der Dachgeschosse lassen sich an niedrigen Tempeln leicht erkennen. Zwanzig Streben stützen das untere, zwölf Streben das obere Dach. Inwieweit die Dachetagen begehbar sind und welchen Zweck sie gerecht werden, ist nicht bekannt. Die Frontseiten kleiner Pagodentempel sind oftmals gleichartig gestaltet. Über dem Eingang steht leicht nach vorn gekippt der Thorana, üblicherweise halbrund geschnitten, meist wird auf diesem Giebelfeld die Gottheit, dem der Tempel gewidmet ist, abgebildet. Falls die Tür nicht gerade verschlossen ist, fällt Tageslicht auf das Relief bzw. die Statue im Innern. Neben dem Türrahmen befinden sich beidseitig weitere Götterreliefs, hier am Shiva Tempel sind es Göttinnen, genauer gesagt, Erscheinungen der Durga, nämlich als Mahisasuramardini: Durga tötet den Büffeldämon. Durga gilt als kriegerische Verkörperung der Parvati. Der hintere Tempel ist Shiva geweiht, im vorderen Tempel wird Vishnu angebetet. Die Klassifizierung der Götter ist richtig, die von den Einheimischen verwendeten Tempelnamen lauten wahrscheinlich anders. Die Namen Shiva- und Vishnu Tempel wurden zur besseren Unterscheidung willkürlich gewählt. Der Vishnu Tempel wird an den vorderen Dachstützen als solcher kenntlich, außerdem ist das Relief im Sanktum eindeutig als Vishnu zu identifizieren. Die von Ziegelsteinen eingefasste hölzerne Fassade macht durch die Verbindung von geraden, Viertelkreisen und sehr geschwungenen kurvigen Formelementen durchaus großen Eindruck, obwohl der Tempel von gerade mal rund 4x4m Grundfläche klein zu nennen ist. Der wunderbar geschnittene, mit Rosettenmuster besetzte Türrahmen, die vorstehenden Pfeiler mit den ausladenden Kapitellen, die fast über die gesamte Fassade ausgeweitete Querverlängerung wiederum mit Rosetten versehen, das Gottesbild über dem Eingang, (Thorana nicht vorhanden), die schräg verlaufenden, die Viertelkreis rahmenden Makara-Bilder beidseitig der Tür, das alles ist ein Zeugnis bewundernswerter nepalesischer Schnitzkunst. Das etwas verkleinerte Schnitzensemble wiederholt sich an der Frontseite vom Dachgeschoss, als gäbe es dort in der Höhe einen zweiten Zugang zum Tempel. Die Götterreliefs an der Eingangsseite sind mit Ausnahme von einem Viertelkreis nur schwer oder nicht zu deuten. Im linken Viertelkreis ist der vierarmige Vishnu dargestellt, traut man den Attributen ist rechts im Viertelkreis Shiva zu sehen. Beide Götter sitzen auf einem Lotos-Thron. Die Nahsicht auf das Schnitzwerk zeigt unübersehbar die Vergänglichkeit des sensiblen Materials, andererseits erstaunt die Belastbarkeit, denen die Streben und Balken ausgesetzt sind. Wer einen Tag lang in Lalitpur (Patan) nicht nur am Darbar Square zu Fuß unterwegs ist, der wird auf etliche solcher Pagodentempel stoßen. Diese nicht zu benennenden Eindrücke fügen sich ins Gesamtbild, sie ergänzen die in Reisehandbüchern oder von Agenturen empfohlenen Besichtigungsrundgänge. Es lohnt sich, mit offenen Augen zwanglos und ohne bestimmtes Ziel durch Lalitpur zu flanieren.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Den KI-Modus (künstliche Intelligenz) auf das in der Überschrift angeschlagene Thema befragt, findet zur Sucheingabe Metallhandwerk in Nepal folgende Auskünfte: Zitat Anfang: Das Metallhandwerk in Nepal blickt auf eine über 1.500-jährige Tradition zurück und ist ein zentraler Bestandteil des kulturellen Erbes. Besonders das Kathmandu-Tal, und hier vor allem die Stadt Patan, ist weltweit für seine meisterhaften Metallarbeiten bekannt. Zentrale Techniken und Materialien Das Handwerk wird primär von der ethnischen Gemeinschaft der Newar ausgeübt, die Techniken über Generationen hinweg verfeinert haben. • Verlorene Form (Lost-Wax Casting): Diese im 7. oder 10. Jahrhundert eingeführte Technik ist das Herzstück der Statuenherstellung. Dabei wird ein Wachsmodell geformt, mit Ton ummantelt und erhitzt, sodass das Wachs abfließt. Der Hohlraum wird anschließend mit flüssigem Metall gefüllt • Treibarbeit (Repoussé): Metallplatten werden von der Rückseite her gehämmert, um plastische Reliefs zu erzeugen. Diese Technik wird oft für größere Bilder oder architektonische Dekorationen genutzt, da sie weniger Material benötigt als der Gus • Materialien: Verwendet werden vor allem Kupfer, Messing und Bronze. Traditionell kommen auch Legierungen wie Panchadhatu (fünf Metalle) oder Asthadhatu (acht Metalle) zum Einsatz. Wichtige Erzeugnisse • Religiöse Statuen: Kunstvoll verzierte Darstellungen von Buddha- und Hindu-Gottheiten sind das bekannteste Exportgut des Sektors. Hochwertige Stücke werden oft mit 24-karätigem Gold feuervergoldet oder mit Edelsteinen besetzt. • Klangschalen: Diese bestehen meist aus einer Legierung von sieben Metallen und werden für Meditation und Heilzwecke weltweit geschätzt. • Khukuri-Messer: Das traditionelle, gebogene Messer der Gurkhas ist ein nationales Symbol und wird oft mit gravierten Metallbeschlägen verziert. • Ritualgegenstände: Glocken, Zimbeln, Gebetsmühlen und Gongs gehören zum festen Sortiment nepalesischer Werkstätten. Wirtschaftliche Bedeutung Das Kunsthandwerk ist heute einer der wichtigsten Wirtschaftszweige Nepals. Es dient als bedeutende Devisenquelle und bietet Tausenden von Handwerkern Beschäftigung. Viele Produkte werden unter Fair-Trade-Bedingungen exportiert, wobei Deutschland einer der Hauptabnehmer für nepalesische Handwerksprodukte in Europa ist. (Zitat Ende, erstellt am 22.12.2025) Nepalreisende, starten ihre Exkursionen üblicherweise in Kathmandu, halten sich in der Stadt einige Tage auf, besichtigen die empfohlenen Sehenswürdigkeiten, ehe sie zu weiteren Aktivitäten ins Umland aufbrechen. Aufmerksame Touristen können die zahlreich aufgestellten Metallskulpturen in den Königsstädten Patan, Kathmandu und Bhaktapur schwerlich übersehen. Vorwiegend handelt es sich bei den Skulpturen um Göttinnen, Götter, Reittiere und Schutzwesen, außerdem sind die Porträtskulpturen von Herrschern und deren Frauen zu sehen. Einen praktischen Nutzen erfüllen die metallenen Makara-Ausflüsse an den Brunnenanlagen. Für die Besichtigung wichtiger Tempelanlagen im weitläufigen Kathmandu-Tal ist es ratsam, wenigstens eine Woche zu veranschlagen. Die Fotos für diese Artikel entstanden im November 2025, sie stellen eine bescheidene Auswahl der vielfältig im Kathmandu vorhandenen Skulpturen vor. Im Mul Chowk, dem größten der drei Innenhöfe des Königspalastes von Patan, stehen die lebensgroßen Statuen der berühmten Flussgöttinnen Ganga auf dem Makara und Yamuna auf der Schildkröte. Der Brauch, Flüsse zu vermenschlichen bzw. zu personifizieren ist auch in westlichen Kulturen seit der Antike nachweisbar: etwa Rhenus=Rhein oder Danuvius=Donau, eine bekannte mythologische Personifikation eines Flusses ist die griechische Flussgöttin Styx, dieser Fluss floss, so glaubten die Menschen, von der realen Lebenswelt ins Totenreich. Blicken wir wieder nach Asien, dort verehren die Menschen die Ganga und die Yamuna als heilige Flüsse und Statuen der Göttinnen sind auf dem indischen Subkontinent und in Nepal nicht selten anzutreffen. Im buddhistischen Kloster Rudra Varna Mahavir in Patan fallen einige vergoldete, teilweise bemalte Metallskulpturen unmittelbar ins Auge, die auffällig großen Tiere sind nicht zu verfehlen, sie flankieren den Zugang zum Haupttempel. Es handelt sich dabei ausnahmslos um Wesen, die für den apotropäischen Schutz der Tempelanlage verantwortlich sind. Die Tiere erscheinen äußerlich als Mischwesen, schimärenhafte Merkmale zeichnen sie aus. Die formalen Anleihen bei indischen Vyalas sind unverkennbar. Ganz nebenbei finden sich dort auch mindestens zwei ungewöhnliche Skulpturen. Erstens ein 1918 ins Kloster gelangter sehr ungewöhnlicher Affe mit Jackfrucht, der wohl von den meisten Gläubigen als Hanuman verkannt wird. Zweitens eine Sockelstatue des ehemaligen Premierministers von Nepal, Juddha Shamsher, der waltete von 1932-1945 seines Amtes. Eine ansehnliche Porträtbüste dieses bedeutenden Mannes kann aus nächster Nähe im Nationalmuseum of Nepal begutachtet werden. Weshalb Shamsher‘s Statue in einem der ältesten buddhistischen Klöster Nepals aufgestellt wurde, diese Frage können vielleicht die ansässigen Mönche beantworten. Wichtiger ist wohl die eingehende Betrachtung der Metallkunstwerke, ausnahmslos handwerklich hochwertige Arbeiten, deren Wirkung nicht nur die staunenden Besucher wenigsten für Augenblicke in ihren Bann zieht, sondern auch die bösen Geister vertreibt, was schließlich diesen seltsamen Wesen als Aufgabe zugedacht ist. Schauen wir noch auf einige Reliefarbeiten und die vergoldeten Wandverkleidungen, dann ist dieser Tempel im Sinne des Wortes metallisch bestens gerüstet. Schließlich sind die drehbaren Gebetszylinder und der Donnerkeil (Vajra, buddhistischer Ritualgegenstand), gleich ob groß oder klein, ebenfalls aus Metall gefertigt, wenn auch seriell hergestellt, aber noch immer per Handarbeit erledigt. Mehrere Fotos verschiedener Tier-Skulpturen aus dem Rudra Varna Mahavir werden hier vorgestellt, weil diese Exemplare nicht nur ausgesprochen schön sind, sondern ähnliche Skulpturen sich auch in anderen Klöstern in Patan, Kathmandu und Bhaktapur wiederfinden. Der Löwe mutet sehr europäisch an, der könnte durchaus manchen westlichen Parkeingang oder manches Schlosstor der westlichen Hemisphäre bewachen. Alle anderen Tiere sind durchgängig asiatische Mutationen. Der wunderbare Garuda mit ausgebreiteten Flügeln und aufgestellter Schwanzfeder ist ein Musterexemplar seiner Gattung, außerdem jederzeit würdig einen Gott zu tragen. – Der Elefant hat schwer unter seiner Last zu leiden, ein seltsamer Löwe mit Reiter sitzt auf. – Die zwei aufgerichteten, kampfbereiten, gehörnten, geflügelten, zähneflechtschenden Tiere lassen sich schwerlich einer bekannten Spezies zuordnen, einzig die Männlichkeit ist klar nachweisbar. Nicht nur in Patan, auch in den anderen Königsstädten und in fast jedem beliebigen Dorf im Kathmandu-Tal haben sich historische Wasserbrunnen erhalten bzw. sind wieder aktiviert worden. Oft existieren mehrere Brunnen in einer Ortschaft, die trotz zentraler Wasserleitung noch immer genutzt werden. Die Menschen kommen zu den Brunnen, waschen sich und ihre Wäsche und holen in Eimern und Kübeln den täglichen Trinkwasserbedarf für daheim. Viele der Wasserausläufe sind aus Stein gemeißelt, die neueren restaurierten Brunnenanlagen verfügen über schön verzierte Messingausläufe, die meistens als Makara geformt sind. Makara macht insofern Sinn, weil die Flussgöttin Ganga einen Makara als Reittier benutzt, also die ideelle Verbindung zum fließenden Wasser vorhanden ist, wie überhaupt Wasser der Quell allen Lebens ist, so auch enorm wichtig für den Lebensalltag. Die Makaras sind Mischwesen aus Krokodil und Fisch mit Elefantenrüssel, es soll hier keine wissenschaftliche Abhandlung über die Makaras folgen, sondern lediglich auf die gelungenen Adaptionen tradierter indischer Vorbilder verwiesen werden. Schon in einer der hinduistischen Höhlen von Ellora (Bundesstaat Maharashtra) findet sich am Eingang einer Höhle die Göttin Ganga auf ihrem Makara, vergleiche auch die Ganga-Statue aus dem Mul Chowk in Patan. Nepalesische Wasserleitungen in Makara-Form wären ein spannendes Forschungsthema für Archäologiestudenten. Ganesha, der Elefantengott, ist in allen Stadtteilen zigfach präsent, doch sein Reittier, eine Maus, existiert als Einzelskulptur äußerst selten. Nur in Kathmandu fand sich gegenüber von einem unscheinbaren Ganesha-Schrein die Maus auf einer Steinsäule. Das Original dieser entzückenden Skulptur soll angeblich im Palastmuseum zu sehen sein, diese muss aber Ende 2025 ins Depotdunkel verbannt worden sein, erfreuen wir uns hier an der Kopie. Häufig zu sehen, sowohl in Stein und auch als polierte Messingskulpturen, sind Chaturmukha Lingas, das heißt: Lingam mit vier Gesichtern, Shiva in viergesichtiger Darstellung, manche Hindus sehen im Schaft des Lingam das fünfte Gesicht Shivas. Der ansehnliche blitzblanke Lingam befindet sich in einem kleinen Shiva geweihten Steintempel, dem Kotilingeshwar Mahadev Tempel, der ist nördlich am Layaku Marg im Zentrum von Kathmandu nicht zu übersehen. Auffällig in Bhaktapur, wie auch in den anderen historischen Königsstädten, sind die hohen Steinsäulen, auf denen Metallskulpturen thronen, zumindest der König Bhupatindra sitzt auf einem Thron, während Garuda auf einem beschrifteten Sockel andächtig versunken zum Gebet niederkniet. Bhupatindra Malla lebte von 1674-1722, die Regierungsgeschäfte übernahm er 1696, das Königsamt führte er fort bis zu seinem Tod. Während seiner Herrschaft ließ er Tempel und Paläste erbauen, er galt als großer Baumeister und Kunstliebhaber, er sorgte für den kulturellen Aufschwung in seinem Königreich. Was heute in Bhaktapur zu sehen ist, geht großenteils auf seine Aktivitäten zurück. Natürlich sind auch in Bhaktapur Metall-Löwen und Makaras vorhanden, der hier gezeigte Brunnen-Makara ist ein besonderes Exemplar, aus seinem Maul kriecht eine Ziege, außerdem steht auf seinem Rücken eine Echse (ein kleines Krokodil?), auch Schlangen und anderes Kleingetier leben an seinen Flanken. Auf dem Schulhof der Dhumbarahi Secondary School steht ein kleiner Tempel. Das Besondere am Dhumbararaha Tempel ist sein Standort. Ein Baum hält den Tempel fest umfangen, seine Wurzeln ragen ins Sanctum hinein, sie strukturieren den Raum, in welchem eine für den engen Raum überraschend große Vishnu-Varaha-Statue zur Anbetung aufragt. Im engen Vorhof zum Tempel hat eine fein gearbeitete Garuda-Statue seinen Platz auf einer Inschriftensäule gefunden. Ostseitig unmittelbar an der Maiti Devi Marg in Kathmandu befindet sich der von hohen Gittern umzäunte Maitidevi Tempel, als touristisches Ziel ist der Durga Tempel kaum zu empfehlen, würden dort nicht etliche Metallskulpturen vorhanden sein. Ein knappes Dutzend stattlicher Mischwesen sorgen für den Schutz des kleinen Heiligtums, welches vorwiegend für die Einheimischen Bedeutung hat, zu sehen sind im Außenbereich Löwen, Horntiere und Vögel. Diese beträchtliche Ansammlung von Metallskulpturen fächert sicher ungewollt die Bandbreite dieser Handwerkskunst vor dem Betrachter auf und zeigt gleichfalls die Varianten der überlieferten und in Nepal favorisierten typischen Chimären. Gesichert durch ein hüfthohes Edelstahlgeländer liegt westseitig vor dem Tempel ein Heiliger, ein Priester oder das Mitglied einer Adelsfamilie begraben. Genaue Auskünfte konnte niemand geben. Unter einer steinernen Reliefplatte ruhen die sterblichen Überreste des Unbekannten, später wurde die Grabplatte durch ein Messingrelief veredelt. Diese Platte ist ein gutes Beispiel für Treibarbeiten (Fachausdruck: Repoussé): die angestrebte Form wird von der Unterseite her in das Messingblech getrieben (gehämmert), wozu es mehrfach erwärmt wird, um Dehnungsrisse zu vermeiden. Diese Materialverformung dünner Materialien erfordert Erfahrung und Feingefühl. Das etwas abgelegene überschaubare Dorf Banepa kann mit dem Shree Shandeshwori Tempel aufwarten. Shandeshwori ist eine der neun Erscheinungsformen der Göttin Durga. Dieser Tempel wurde im 17. Jahrhundert oder früher erbaut, die Anwesenheit von 5 Tierskulpturen auf hohen Steinsäulen ist bemerkenswert. Shiva auf einem Tiger reitend ist als Metallskulptur erwähnenswert, weil er ein Durga-Reittier für seine Zwecke nutzt. Die Durga hat stets einen Löwen oder einen Tiger an ihrer Seite. Die Position des Shiva in einem Wasserbecken vermittelt die Illusion Gott und Tiger könnten schwimmen. Zwei metallene Monumentalskulpturen, ein andächtiges Paar, ebenfalls aus poliertem Messing, und weitere Metalltiere zählen zur prachtvollen Ausstattung vom Golden Tempel in Patan, auch bekannt als Hiranya Varna Mahavir in Lalitpur. Das Kloster soll im 12. Jahrhundert gegründet worden sein und seit dem frühen 15. Jahrhundert seine jetzige Form bewahrt haben. Die aus mehreren Teilen zusammegefügten Schildkröten-Elefanten-Reiter-Skulpturen müssen als Unikate eingestuft werden. In keinem anderen buddhistischen Tempel Patans fanden wir vergleichbare Messingskulpturen. Alle anderen im Tempel aufgestellten Tierskulpturen orientieren sich an erprobten Mustern, variieren zu den bisher gezeigten Skulpturen lediglich in Größendimensionen und geringen Detailunterschieden. – Das Paar der Betenden konnte nicht identifiziert werden, es muss sich aber um Personen höheren Standes handeln. Bauern oder Handwerker geben sich anders. Vielleicht würde die gravierte Inschrift auf dem Sockel Auskunft geben, welcher Künstler aus welchem Anlass wann das schöne Paar der Betenden schuf. Das Thema ließe sich endlos ausweiten, dutzende weitere Fotos stünden zur Verfügung, doch keines taugt zur sinnreichen Themenerweiterung. Auf Wiederholungen verzichtend betrachten wir das Thema METALLSKULPTUREN IN NEPAL als erschöpfend behandelt. Sollte der Artikel für manchen Besucher Anregungen zur genaueren Betrachtung prachtvoller Tempelausstattungen vermitteln, so ist der Zweck der Fotos und deren Erläuterung in Gänze erfüllt.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter Schönlein
Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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