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Wir wussten, heute würde ein harter Tag bevorstehen, dennoch freuten wir uns auf die Visite der Western Temple Group. Für Reisende der sogenannten alten Schule treten fortan gewisse Behinderungen in Kraft, der technische Fortschritt in allen Lebensbereichen ist unaufhaltsam. Indien setzt mehr und mehr auf online-Buchungen, heißt konkret: der Zutritt in Sehenswürdigkeiten (fast ausnahmslos touristische Ziele) ist nur noch mit online-Ticket möglich, per Smartphone vorzuweisen. Papierausdrucke werden derzeit als Ausnahme akzeptiert. Wie lange noch? Konventionelle Eintrittskarten sind weitestgehend abgeschafft bzw. Restbestände werden noch in kleineren Tempeln und Museen aufgebraucht. Wir wiesen die gültigen Papier-Tickets für die westliche Tempelgruppe vor, die auch anerkannt wurden, jedoch die im Internet ausgewiesenen Öffnungszeiten entsprachen nicht den tatsächlichen Gegebenheiten. Geschrieben stand: Open from sunrice to sunset, das ist eine klare Aussage, die aber für das Wachpersonal keine Gültigkeit hatte. Sie legten den Sonnenaufgang nach ihrem Ermessen bzw. entsprechend ihrer Arbeitszeit fest. Zwei Kontrollpunkte mussten passiert werden, den alten Ticket Counter am Shivsagar Lake und den neuen Ticket Counter in der Nähe vom Nordwestufer des Sees. Die Sonne war längst aufgegangen, leider noch durch Wolken verborgen, immerhin tröstlich das Einsehen des Mannes im Ticket Counter, der uns nach langer Wartezeit in kühler Morgenluft schon 6Uhr35 auf den Weg zum zweiten Kontrollpunkt schickte. Wir wollten die ersten Besucher sein. Der Vorschrift zuwider blickten wir bereits um 6Uhr50 auf den Kandariya Tempel und den Devi Jagadambi Tempel, die beide auf einem gemeinsamen Sockel stehen. Es war uns wichtig, die Tempel allein zu sehen. Für die Begutachtung der zahllosen Reliefs brauchten wir keine lärmenden Menschen in unserer Nähe. Die maßlose überwältigende Fülle visueller Eindrücke der Reliefs auf den Tempelfassaden kann der Kunstliebhaber nur ohne Störung, ohne Ablenkung genießen, aufnehmen und verarbeiten. Selten haben wir derart angestrengt die im Geist gespeicherten mit den realen Bildern verglichen und nach Parallelen gesucht. Trotz der Kühle am Morgen ist uns nicht einen Moment kalt geworden. Der Chitragupta Tempel ist dem Sonnengott Surya geweiht, obwohl Chitragupta ins Umfeld von Yama gehört. Die leider etwas ramponierte, armlose überlebensgroße Statue im Heiligtum zeigt Surya auf seinem Wagen mit sieben Pferden. Dreifach wiedergegeben ist der stehende Surya auf dem Türsturz zum Garbhagriha zu sehen. An den Balkonpaneelen sind mehr als 70 Götteridole gezählt worden. Auf der Südwand der Außenfassade zeigen sich neben anderen Göttern Brahma und Brahmi, außerdem als Besonderheit ein elfköpfiger Vishnu, der sich mit seinen zehn wichtigsten Inkarnationen präsentiert. Viele wahrhaft sehenswerte Spolien sind an den Außenwänden vom Sockel eingemauert, dadurch sind die wertvollen Reliefs gegen Diebstahl gesichert. Dieses Verfahren wurde auch an anderen Tempelsockeln praktiziert. Reliefregister, Götterbilder, Pilaster und verzierte Formteile dekorieren die Sockelwände. Wer aber bemüht sich und schaut alle Sockelwände an, sucht nach seltenen Reliefs? Nur Leute, die sich ein Gesamtbild der Chandella-Reliefkunst verschaffen wollen. Manche dieser Spolien hätten es verdient, in einem Museum präsentiert zu werden, aber offenbar war hier die Überfülle von nicht verwertbaren Reliefmaterial maßgeblich für die feste Montage an den Sockeln. Nach der Besichtigung der geordnet in Reihe stehenden westlichen Tempel (Kandariya, Jagadambi, Chitragupta) begaben wir uns in den südlichen Bereich der westlichen Tempelgruppe, dort stehen der Lakshmi Tempel, der Varaha Tempel und der Lakshmana Tempel. Der kleine Lakshmi Tempel bleibt betreffs Schauwert weit hinter dem Varaha Tempel zurück. Eine offene Säulenhalle birgt die einmalige Varaha-Skulptur. Durch die räumliche Enge der Halle wird das voluminöse Erscheinungsbild dieser kolossalen Götterskulptur erheblich gesteigert. Ein Foto ist ungenügend, um den Varaha (Vishnu als Eber) wiederzugeben. Wir sind mehrfach staunend um den Vishnu herumgegangen, haben dieses Idol von allen Seiten und aus allen möglichen Blickwinkeln begutachtet. Die Begeisterung wuchs mit zunehmender Betrachtungszeit. Fast vollständig ist die Oberfläche der Eber-Skulptur mit Reliefs bedeckt. Kenner werden viele, jedoch niemals alle Götter auf dieser Skulptur identifizieren können. In Büchern wird der Varaha von Khajuraho gezeigt, doch die unmittelbare Nahsicht wirkt berührend, hat es doch den Anschein, als wäre das gesamte hinduistische Götterpantheon auf der Haut des Ebers versammelt. Gezählt wurden 675 (sechshundertfünfundsiebzig) Götterfiguren. Auf den Seitenflächen des Kopfes sind sogar die Neun Planeten (Navagraha) versammelt. Der unbekannte Bildhauer muss Vishnus Reden aus der Bhagavatgita gekannt haben, dort verkündet Vishnu, was er den Menschen sein möchte und zeigt sich Arjuna in allen seinen Formen: »Ich bin das Selbst (…) befindlich im Herzen aller Wesen. Ich bin Anfang, Mitte wie auch Ende der Geschöpfe.« (Übersetzung: Klaus Mylius 1980). Der Lakshmana Tempel (siehe Foto weiter oben) zählt zu den größten Tempelbauten in Khajuraho und gilt als Vorbild für viele Sakralbauten Indiens. Gemeinsam auf einem Sockel stehen vier kleine Tempeln, die den Haupttempel umgeben, ein stilbildendes Baumuster, welches häufig verwirklicht wurde. Das dreiköpfige Kultbild Vaikuntha zeigt die Avatare Vishnus: Mensch, Löwe und Eber, alle weiteren Inkarnationen sind auf dem Rahmenrelief über Ganga und Yamuna rund um Vishnu versammelt. Weitere wertvolle Götterbilder haben sich im Tempel erhalten. Der reichhaltige Schmuck an den Fassaden repräsentiert einmal mehr die großartige Reliefkunst der Chandella-Bildhauer. Im nordöstlichen Bereich der Westlichen Tempelgruppe stehen der Parvati Tempel, der Vishvanatha Tempel, der Nandi-Schrein und der Pratapeshwar Tempel. Im Ensemble aller Tempel der Western Group sticht der Pratapeshwar Tempel als stilistisch unpassender Bau heraus. Alle anderen Tempel hinterlassen einen homogenen Eindruck, wenn auch manchem Bau erhebliche Ergänzungen bei der Restaurierung anzusehen sind, besonders störend ist die farbliche Hervorhebung am Parvati Tempel, der andererseits wirkt, als gehöre er zum Vishvanatha Tempel. Tatsächlich kommt der Verdacht auf, der Parvati Tempel sei ein Turm vom Vishvanatha Tempel, dem ohnehin zwei flankierende Schreine fehlen. Größe und Bauart der Schreine würden diese Annahme bestätigen. Nicht zu verkennen ist die Ähnlichkeit mit dem Lakshmana Tempel, dort aber stehen die vier Begleitschreine um den Haupttempel. Wunderbar erhalten hat sich das Portal vom Parvati Tempel, Schwelle, Pilaster und Lintel sind Musterbeispiele großartiger Reliefkunst. Aufmerksamen Betrachtern fallen die erotischen Szenen in den drei oberen Registern der Pfeiler auf. Sexuelle Praktiken finden sich an den Khajuraho Tempeln üblicherweise an den Fassaden in nicht erreichbarer Griffhöhe angebracht, die Augen müssen sich nach oben richten, um die legendären Reliefs zu sehen. Als originale Bauteile können außer dem Portal nur noch der Sockel, eine Nische und eine Löwenfigur über dem Portal und die Amalakas nebst Kalascha, die den Shikhara bekrönen, registriert werden. Der Nordost-Schrein, ebenfalls weiß getüncht, verfügt quantitativ über die geringste Menge historischer Bauteile, was erheblich zu seiner Unansehnlichkeit beträgt. Über den Verbleib der zwei fehlenden Begleitschreine am Vishvanatha Tempel konnten keine Informationen ermittelt werden. Das Portal vom Südwest-Schrein gleicht im Aufbau und der Reliefgliederung dem Portal vom Parvati Tempel, zeigt über den Wächterfiguren auch nackte Paar-Darstellungen, doch die Bildaussagen blenden vordergründig dezidierte Sexualpraktiken aus, denn bei den unbekleideten Paaren handelt es sich um Mithuna-Paare (Himmlische Liebespaare). Eindeutig sexuell konnotiert sind die Reliefregister im oberen Bereich der Fassaden vom Zentraltempel. Über die Bedeutung der Sex-Reliefs streiten sich die Wissenschaftler, es existieren verschiedene Auslegungen. Es genügt den Pratapeshwar Tempel von außen gesehen zu haben und sein Vorhandensein zur Kenntnis zu nehmen. Der zwischen 1784 und 1854 erbaute Tempel, genauere Daten sind nicht bekannt, ist von einem Lintel abgesehen leergeräumt. Wächter scheinen den schattigen Innenraum als Pausenplatz zu nutzen. Schräg gegenüber, durch Zaun und Straße separiert, steht der architektonische Gegenpart: der Kenotaph Samdhi of Raja Pratap Singh of Chhatarpur (Pratap Singh Chhatri). Im Vergleich dieser zwei Bauten erschließt sich der stilistische Zusammenhang, beide Bauwerke sind wohl auf Initiaven von Pratap Singh errichtet worden, sowohl Tempel und Kenotaph entsprechen dem Bundeli-Stil. Auf dem Gebiet des ehemaligen Staates Chhatarpur haben sich zahlreiche Baudenkmale aus dieser Zeit erhalten, die leider oder noch immer am Rand touristischer Wahrnehmung tangieren. Khajuraho profitiert von den Tempeln der Chandella-Ära. Jährlich besichtigen tausende in- und ausländische Gäste die Tempelgruppen und die Einzeltempel. Erstaunlicherweise stauen sich im Archäologischen Museum Khajuraho keine Besucherströme. Am Nachmittag konnten wir mehrere Stunden ungestört die Kunstobjekte bewundern und ohne Behinderungen fotografieren. Das 2015 neu erbaute Archäologische Museum Khajuraho bewahrt und präsentiert die am Anfang des 20. Jahrhunderts von W. E. Jardine (britischer Beamter) zusammengetragene Sammlung, die vormals im nicht mehr zugänglichen Jardine Museum gezeigt wurde. Im neuen Museum stehen vorrangig Objekte zur Ansicht, die aus den Tempelanlagen von Khajuraho stammen. Zu sehen sind alle wichtigen hinduistischen Gottheiten, viele in mehrfachen Varianten, außerdem eine beträchtliche Anzahl jainistischer Kunstwerke und wenige buddhistische Skulpturen. Drei Mutter/Kind-Skulpturen fallen besonders auf, zwei der Skulpturen gleichen sich: beide Mütter liegend, den Kopf mit dem linken Arm gestützt, jeweils einen Schlangenschutzschild hinter dem Kopf, beide ihr Kind an der Brust. Die harmlose Bezeichnung Mutter und Kind entkräftet die Assoziation hier auf eine Göttin (Matrika) zu blicken, wiederum Reliefbänder belegen, dass hier eindeutig hinduistische Muttergöttinnen abgebildet sind. Die Schlange als Unterlage ist im Bild links als Schlangenbett zu erkennen, im Bild rechts ist die Schlange nur unter der Brust sichtbar, es muss zwangsläufig auf Ananda (Weltenschlange), folglich auf Vishnu, sprich: Lakshmi geschlossen werden. Die Mutter der versehrteren Skulptur (Bild rechts) trägt die typische hohe zylindrische Vishnu-Krone, außerdem ist im unteren Reliefband das Muschelhorn sehr prägnant herausgestellt, hier als Vishnu-Attribut zu bewerten. Die sehr ähnlichen Mutter/Kind-Skulpturen wurden als liegende Bildwerke gefertigt und sind in der waagerechten Position zu betrachten, während die dritte Mutter/Kind-Skulptur (obwohl liegend auf dem Boden abgestellt) ursprünglich als Nischenbildwerk senkrecht in einer Fassade gestanden haben muss, der Beweis für diese Behauptung ist das auf einer kleinen Sockelplatte stehende Kind. Hinter dem Kopf der weiblichen Figur ist ein Schlangenschild sichtbar, vielleicht ist hier eine Nagini oder eine Surasundari, wenn nicht gar Maheshvari gemeint. Saptamatrika-Reliefs sind in Indien öfters zu sehen, die sieben Muttergöttinnen werden meist von Veerabhadra (Shiva) und Ganesha (Shivas Sohn) begleitet bzw. behütet. Oft werden die Matrikas sitzend (mit ihren Reittieren zu Füßen) dargestellt, seltener stehend mit Kindern. Allein schon die hier gezeigte Darstellung der sieben stehenden Frauen erhebt das durchbrochene filigrane Relief zur Besonderheit. Die dritte Göttin (von links gezählt) trägt eine Schlangenkrone und den Dreizack, ist also eindeutig als Maheshvari zu identifizieren, in diesem Sinne könnte die Göttin Nr. 1594 (siehe Bild oben) auch als Maheshvari durchgehen. Selten, aus unserer Sicht ein Unikat, ist der ungewöhnliche Lintel (Türsturz) Objekt Nr. 1363. Leider fehlt die linke Reliefpartie, die aber sicher der rechten Tempelnische geglichen hat, als Verlust sind auch Teile der Navagraha (untere Figurenreihe) und Saptamatrika (obere Figurenreihe) zu beklagen. Links fehlen Veerabhadra (Shiva) und einer der Planeten. Diese Figurenformation Saptamatrikas stehend hinter den sitzenden Navagrahas ist betreffs der künstlerischen Gestaltung gelungen. Sehr erhaben und absolut göttlich, trotz Gesichtlosigkeit wirkt Vishnu auf Garuda, das göttliche Gespann bildet die hervorstechende Zentralfigurengruppe auf dem Lintel, welch wunderschöner Garuda, wie erst muss Vishnu ausgeschaut haben. (Die Bezeichnung Navagraha-Saptamatrika-Vishnu/Garuda hat der Autor geprägt.) Viele Kunstwerke aus der reichen Sammlung des Archäologischen Museums Khajuraho bleiben uns in Erinnerung, können aber auch jederzeit per Foto aufgerufen werden, denn fast alle Objekte der Sammlung haben wir fotografiert. Es kann nur empfohlen werden, das Museum unbedingt aufzusuchen. Die eingehende Besichtigung der Museumssammlung ergänzt die Eindrücke, die an und in den Tempeln von Khajuraho gesammelt wurden.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Nicht in allen Regionen im Kathmandu-Tal ist der Buddhismus derart deutlich präsent wie in Kirtipur. Wer in Kirtipur unterwegs ist, der kann die Stupas und buddhistischen Tempelbauten nicht übersehen. Den Chilancho Stupa nicht gesehen zu haben, hieße, nicht in der kleinen Stadt unterwegs gewesen zu sein oder nur einen sehr flüchtigen Stadtrundgang absolviert zu haben. Oft ist zu hören und auch zu lesen, der Chilancho Stupa sei einer der ältesten in Kathmandu, dabei wurde bislang kein Baujahr ermittelt. Im Jahr 1533 n.Chr. wurde der Stupa renoviert, diese Angabe gilt als gesichert. Der Stupa im Chaitya-Stil gilt als eines der schönsten buddhistischen Bauwerke im Tal. Das gesamte Areal ist als Klosterkomplex zu verstehen. Tempelbauten und Wohnhäuser stehen in gebührenden Abstand um den quadratischen Sockel, auf dem die Haupt-Chaitya und die kleinen Chaityas ihren Platz haben. Der Stupa ist nicht exakt den Hauptkoordinaten folgend ausgerichtet, eine ungefähre Verschiebung um 20⁰ in Richtung Südost wird auf der Kartenwiedergabe von Google Maps ersichtlich. Es empfiehlt sich, den Ost-Zugang (genau genommen: Südost) zu benutzen, das ist, vom religiösen Aspekt her betrachtet, der korrekte und gleichzeitig der bequemste Zutritt. Vorbei an zwei Löwen führen die ersten Stufen zu einer Zwischenebene, dort stehen mehrere kleine Stupas verschiedener Bauart. Rechterhand hat sich ein nicht mehr intakter Jahru (Brunnenwand mit Wasserhahn) erhalten. In einem kleinen Schrein links neben den Stufen ruht eine sehr anmutige Buddhastatue, der Vajrapani (?) fordert förmlich zu Andacht und Gebet. Diese Zwischenebene dient zur inneren Sammlung und zur Einstimmung vor dem Betreten der Stupa-Ebene. Von den oberen Stufen aus, zwischen Löwen verweilend, zeichnet sich der berückend schöne Anblick auf den Chilancho Stupa ab. Der von Archaik strotzende Löwe auf der linken Seite muss noch ein Originalexemplar sein, während sein Gegenüber auf der rechten Seite eindeutig als Replik zu erkennen ist. Auf der Ost-West-Achse befinden sich eine relativ niedrige von einem Löwen besetzte Säule, desweiteren der obligatorische Vajra (Donnerkeil, ein Ritualobjekt) und die von berittenen Elefanten und Dharmapalas flankierten Stufen zum dreifach geteilten Ost-Schrein vom Stupa. Links neben dem Vajra stehen Gebetstrommeln und rechts ein Votivstupa. Rechts neben den Stufen der steinerne Glockenstuhl. Elefanten mit Reiter finden sich gewöhnlich an hinduistischen Tempeln in Kathmandu. Welche Bedeutung haben sie im buddhistischen Kontext? Ganz einfach: die Elefanten sind die sogenannten Diggajas, die Weltelefanten, die wiederum dienen den Lokapalas/Dikpalas (das sind die Hüter der Haupthimmelsrichtungen) als Reittiere. Tempelwächter an buddhistischen Bauwerken gelten als die Hüter der Lehre, sie heißen Dharmapalas, an hinduistischen Tempel wachen die Dvarapalas (Sanskrit: Türwächter). Diese sinnvolle, keineswegs überladene Anordung von religiösen anbetungswürdigen Ritualobjekten beeindruckt die Gläubigen. Das Umrunden der Stupa (Pradakshina) sollte unbedingt im Uhrzeigersinn vollzogen werden, das kann verschieden und mehrfach praktiziert werden. Empfohlen werden äußere und innere Rundgänge. Wer nur den Haupt-Stupa umschreitet, der beschränkt seine Andacht auf die vier Schreine Ost, Süd, West und Nord, der wird aber auch die vier Stupas an den Kardinalpunkten wahrnehmen. Im Fall vom Chilancho Stupa scheint die Anordnung der Bauten nach Himmelsrichtung ohne Überprüfung eindeutig plausibel. Die Menschen betreten ein raumgewordenes in den Himmel ragendes Mandala. Diese zweidimensionalen, auf vielen Rollbildern (Thangkas) verewigten Meditationsvorlagen, gelten als Vorstellungen buddhistischer Glaubens- und Himmelswelten. Kalachakra-Darstellungen entsprechen symbolisch Bauplänen für Stupas, das trifft im übertragenen Sinn auf den Chilancho Stupa zu. Die vier äußeren Stupas gleichen architektonisch dem Haupt-Stupa, sind jedoch angemessen kleiner gehalten: quadratische Plattform, Sockel mit Schreinen, Kuppel, Reliquienkammer und Spitze. Einige noch kleinere Stupas (sogenannte Votiv-Stupas) auf der großen Plattform sind nicht zu übersehen. Berühmt in Kathmandu sind die Stupas von Bodhnath und Swayambunath, doch nicht minder sehenswert ist der Chilancho Stupa von Kirtipur. Es fällt leicht, mindestens eine Stunde auf dem Chilancho-Komplex zu verbringen und einen Tag in Kirtipur unterwegs zu sein.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Nur wenige Meter nördlich vom Swotha Square (Lalitpur) stehen zwischen modernen Wohnhäusern östlich der Shankhamul Marg zwei kleine Pagoden, es sind unscheinbare Tempel, von denen in Kathmandu (resp. im Kathmandu-Tal) nicht hunderte, sondern tausende gezählt wurden. Solche Schreine entsprechen dem Bedarf der Bevölkerung, sie spiegeln gleichzeitig das religiöse Empfinden der Menschen. Mopeds und Motorräder haben in Kathmandu das Fahrrad und die Riksha als Beförderungsmittel abgelöst. Motorisierte Zweiräder beziffern einen gewissen Grad von Wohlstand. Fußgänger und gleich viele Fahrzeuge bewegen sich nicht immer gefahrlos durch die Straßen und besetzen jeden freien Platz. Eine Parkordnung scheint weder geschrieben noch beschlossen zu sein. Tempel ohne rundherum abgestellte Fahrzeuge gibt es nicht. Fotografen geraten in Nöte. Zweiräder geraten zwangsläufig in jedes Bild. Die moderne Zeit hat in den letzten drei Jahrzehnten das Stadtbild von Kathmandu extrem verändert, diese Aussage trifft auf alle Stadtteile zu. Noch in den frühen neunziger Jahren des letzten Jahrhunderts existierten tausende Rikshas, heute fährt jeder zweite Mensch ein Moped. Das vormals dörfliche Milieu wich dem Fortschritt, nicht zum Vorteil für die Bewohner und das Klima. Jede Zeitepoche bejubelt oder beklagt ihre Errungenschaften. Nichts bleibt gleich, alles verändert sich. Noch geben die zwei kleinen annähernd baugleichen Tempel im Hof trotz der geordnet aufgestellten Blecharmada ein malerisches, fast noch pittoreskes Bild ab. Der hintere, etwas niedrigere Schrein muss der ältere von beiden sein, der muss das Erdbeben von 2015 schadlos überstanden haben, während der vordere Tempel ein Wiederaufbau, wenn nicht gar ein Neubau sein muss. Die Namen beider Tempel waren nicht zu erfahren, allerdings lassen sich an den Reliefs im Sanktum und den Dekorationen an den Außenwänden unverbindliche Schlüsse ziehen, welchem Gott, welcher Göttin die Schreine geweiht sind. Trotz der verschwommenen Sachlage ordnen sich die Sakralbauten, so unscheinbar und unwesentlich sie auch sein mögen, als Architekturzeugnisse der Stadt Kathmandu in die wahrscheinlich ungeschriebene Auflistung der namenlosen Pagodentempel ein. In beiden Tempeln werden hinduistische Götter verehrt. Im hinteren Tempel steht ein Relief der Heiligen Familie zur Anbetung: Uma-Maheshvara, also Parvati-Shiva, dazu die Kinder Ganesha und Kumara und natürlich der Buckelstier Nandi, Shivas Reittier, der gehört zur Familie. Die Ziegeldächer und die Holzkonstruktionen der Dachgeschosse lassen sich an niedrigen Tempeln leicht erkennen. Zwanzig Streben stützen das untere, zwölf Streben das obere Dach. Inwieweit die Dachetagen begehbar sind und welchen Zweck sie gerecht werden, ist nicht bekannt. Die Frontseiten kleiner Pagodentempel sind oftmals gleichartig gestaltet. Über dem Eingang steht leicht nach vorn gekippt der Thorana, üblicherweise halbrund geschnitten, meist wird auf diesem Giebelfeld die Gottheit, dem der Tempel gewidmet ist, abgebildet. Falls die Tür nicht gerade verschlossen ist, fällt Tageslicht auf das Relief bzw. die Statue im Innern. Neben dem Türrahmen befinden sich beidseitig weitere Götterreliefs, hier am Shiva Tempel sind es Göttinnen, genauer gesagt, Erscheinungen der Durga, nämlich als Mahisasuramardini: Durga tötet den Büffeldämon. Durga gilt als kriegerische Verkörperung der Parvati. Der hintere Tempel ist Shiva geweiht, im vorderen Tempel wird Vishnu angebetet. Die Klassifizierung der Götter ist richtig, die von den Einheimischen verwendeten Tempelnamen lauten wahrscheinlich anders. Die Namen Shiva- und Vishnu Tempel wurden zur besseren Unterscheidung willkürlich gewählt. Der Vishnu Tempel wird an den vorderen Dachstützen als solcher kenntlich, außerdem ist das Relief im Sanktum eindeutig als Vishnu zu identifizieren. Die von Ziegelsteinen eingefasste hölzerne Fassade macht durch die Verbindung von geraden, Viertelkreisen und sehr geschwungenen kurvigen Formelementen durchaus großen Eindruck, obwohl der Tempel von gerade mal rund 4x4m Grundfläche klein zu nennen ist. Der wunderbar geschnittene, mit Rosettenmuster besetzte Türrahmen, die vorstehenden Pfeiler mit den ausladenden Kapitellen, die fast über die gesamte Fassade ausgeweitete Querverlängerung wiederum mit Rosetten versehen, das Gottesbild über dem Eingang, (Thorana nicht vorhanden), die schräg verlaufenden, die Viertelkreis rahmenden Makara-Bilder beidseitig der Tür, das alles ist ein Zeugnis bewundernswerter nepalesischer Schnitzkunst. Das etwas verkleinerte Schnitzensemble wiederholt sich an der Frontseite vom Dachgeschoss, als gäbe es dort in der Höhe einen zweiten Zugang zum Tempel. Die Götterreliefs an der Eingangsseite sind mit Ausnahme von einem Viertelkreis nur schwer oder nicht zu deuten. Im linken Viertelkreis ist der vierarmige Vishnu dargestellt, traut man den Attributen ist rechts im Viertelkreis Shiva zu sehen. Beide Götter sitzen auf einem Lotos-Thron. Die Nahsicht auf das Schnitzwerk zeigt unübersehbar die Vergänglichkeit des sensiblen Materials, andererseits erstaunt die Belastbarkeit, denen die Streben und Balken ausgesetzt sind. Wer einen Tag lang in Lalitpur (Patan) nicht nur am Darbar Square zu Fuß unterwegs ist, der wird auf etliche solcher Pagodentempel stoßen. Diese nicht zu benennenden Eindrücke fügen sich ins Gesamtbild, sie ergänzen die in Reisehandbüchern oder von Agenturen empfohlenen Besichtigungsrundgänge. Es lohnt sich, mit offenen Augen zwanglos und ohne bestimmtes Ziel durch Lalitpur zu flanieren.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Älteren Menschen fallen die 365 Stufen hinauf zum Stupa gewiss nicht leicht, aber für Gläubige gibt es nur diesen einen beschwerlichen Weg zur Buddha-Verehrung. Swayambunath gilt neben dem Stupa von Bodnath als ein wichtiger Pilgerort für Buddhisten, die in Kathmandu unterwegs sind. Vor rund 2500 Jahren sollen auf dem Plateau die ersten Vorkehrungen getroffen worden sein, hier oben einen Ort des Gedenkens für den Buddha zu schaffen, das wird zunächst eine Erdaufhäufung gewesen sein, die später verfestigt wurde. Möglicherweise enthielt der ursprüngliche Stupa Reliquien Buddhas. Haare, Zähne, Knochenreste oder Asche waren beliebte Beigaben für die Reliquienkammer einer solchen Stupa. Das jetzige Erscheinungsbild der Stupa entstand später und wird ein über viele Jahre währender Entwicklungsprozess gewesen sein. Auf die epochalen Fortschritte und regionalen Unterschiede der Stupa-Bauweise kann hier nicht eingegangen werden. Rechnet man fünf Jahrhunderte und zwei Jahrtausende zurück, gerät man in jene Zeiten, in denen Buddha lebte und später sich der indische Kaiser Ashoka zum Buddhismus bekehrte, diesen zur Staatsreligion erhob und jener Ashoka war es, der auch den Bau zahlreicher Stupas im Lande befahl. Viele Bauten am Fuße des Berges, am Treppenaufgang und auf dem Plateau sind jünger als der Stupa, doch alle wurden zu Ehren Buddhas errichtet. Der Stupa als Kultstätte wird im Uhrzeigersinn umrundet, möglichst mehrfach, Gebetsmühlen werden gedreht, Mantras werden gemurmelt, Niederwerfungen sind angesagt. Tradierte Riten haben sich erhalten. Einige Tempel und Reliefs erheben diesen heiligen Platz für Hindus gleichermaßen zum Pilgerort. Sie sind genauso willkommen, wie auch die zahlreichen schaulustigen Touristen, die übrigens mit Bussen auf der Südwestseite des Berges zu einem ziemlich hochgelegenen Parkplatz gefahren werden, von dort aus ist der Weg etwas bequemer, vor allem kürzer, wodurch sich die Besichtigungsdauer erheblich reduziert. Es wäre müßig, den Swayambunath-Stupa beschreiben zu wollen, ausreichende Informationen finden sich in Reiseführern, in Büchern über Nepal und im Internet, wichtiger scheint, die Tempel, die kleineren Schreine und Stupas, Statuen und Reliefs, die in großer Zahl neben dem Stupa errichtet worden sind, wenigstens erwähnt und mit einigen Fotos ins Bild gerückt zu haben. Beispielsweise sind die beiden weiß gestrichenen Shikhara-Tempel (bekannt als Anantapur & Pratapur) zu beachten, welche östlich den Eingangsbereich dominieren, die allerdings keiner sonderlichen Erwähnung bedürften, böten die Türme nicht dem Kenner einige ansehnliche Reliefs und wären sie nicht von Pratap Malla errichtet worden. Dieser König von Kantipur, dem heutigen Kathmandu, lebte von 1624 – 1674, er sorgte während seiner Regierungszeit für wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung im Tal. Übrigens der auf dem runden Sockel mit den zwölf Tierkreiszeichen ruhende goldene Vajra (Donnerkeil), auf den die Pilger, nachdem sie die Treppe bewältigt haben, als erstes stoßen, wird auch Pratap Malla zugeschrieben. Im Südbereich steht ein quadratischer Stupa, der auf dem Swayambu-Plateau als Solitär den Blick fesselt. Auf den sechs Etagen mit jeweils zwanzig Reliefnischen ruhen der Kubus und der Turm mit Buddha-Augen, den acht Ringen und dem Chhatri. Vorbilder für den massiven Unterbau der Stupa stehen in Tibet, jedoch der vergoldete Turmaufbau ist eine Referenz an bzw. eine Formübernahme vom benachbarten großen Stupa. Weiter im Rundgang, immer im Uhrzeigersinn, geraten die Pilger zum Hariti Ajima Tempel, der Bau ist ein geradezu typisches Beispiel für Tempelbauten im Kathmandu-Tal. Dort drängen sich die Pilger, sowohl Hindus als auch Buddhisten, denn Hariti gilt in beiden Religionen als Schutzgöttin der Mütter und Kinder bzw. soll Hariti gegen die Pocken schützen. Nordwestlich vom Hariti Tempel fasziniert die Aufstellung mehrerer Dutzend kleiner Stupas, Reliefstelen und Buddhastatuen. Die von Stupas übersäte Hoffläche bietet die verschiedenen Typen kleiner Stupas, deren Formen sind variabel, doch die sakrale Ästhetik der Bauweise bleibt gewahrt. Manchen Besucher mag die Fülle der steinernen Zeugnisse der Buddhaverehrung schablonesk oder schwer verständlich scheinen, aber zwei Bildwerke sollte man unbedingt in Augenschein nehmen: da ist zum einen der DIPANKAR BUDDHA aus dem 7. Jahrhundert und zum anderen die LICCHAVI VOTIVSTELE aus dem 5./6. Jahrhundert. Der Dipankar Buddha, gefertigt aus einer riesigen Steinplatte, ist auf Grund seiner Größe kaum zu übersehen ( ↓ im Gesamtbild oben links). Der etwa drei Meter hohe DIPANKAR BUDDHA zieht noch fast jeden Betrachter in seinen Bann. Rein handwerklich ist es ohne Zweifel ein Meisterwerk frühbuddhistischer Steinbildhauerei, doch darüber hinaus überzeugt die makellose Schönheit der menschlichen Gestalt und die ungetrübte Reinheit im Gesichtsausdruck und nicht zuletzt übt der fast makellose Erhaltungszustand der Statue einen unglaublichen/unbeschreiblichen Reiz auf die staunend verweilenden Pilger und Kunstfreunde aus. Wem fiele hier nicht das Attribut DER ERHABENE ein, welches oft verwendet wird, wenn vom Meister, vom großen Guru, vom einzigartigen Religionsstifter die Rede ist. Ohne Übertreibung lässt sich behaupten, hier wird eines der schönsten, wenn nicht das schönste Buddha-Bildnis im Kathmandu-Tal bewahrt und und mit Hochachtung verehrt. Die etwa einen Meter hohe an vier Seiten mit einem Buddha besetzte LICCHAVI-STELE muss nicht beschrieben werden. Die vierfach differierende figurale Anmut vermittelt sich ohne Worte, sofern man sich die Zeit gönnt, jeden der Buddhas näher in Augenschein zu nehmen. Die museal wirkende Aufstellung der ungezählten Votivstupas und die buddhistischen und hinduistischen Reliefs geben einen unsortierten Überblick auf den Götterkanon beider Religionen. Wer Zeit hat, kann sich in die Ansicht mancher ansehnlicher, aber auch erschreckender Göttergesichter versenken, trotz vieler Menschen, die sich hier tagsüber drängen, hat sich die religiöse Atmosphäre dieser Wallfahrtsstätte nicht völlig verloren. Alle Reliefs sind steinern eingefasst, damit ortsunveränderlich. Die jeweils gemauerten, bemalten und verzierten Nischen geben den Bildwerken einen würdigen Rahmen. Statuen und andere Kultgegenstände sind fest in ihren Sockeln verankert oder mit Eisenbügeln bzw. Schellen an ihren Platz gebannt. Auch viele Tempel und Schreine, nicht nur in Swayambunath, müssen nachts verschlossen werden und sind wie Schatzkammern mit Gittern gesichert. Manche Tempel sind permanent geschlossen. Manche Tempel und ganze Tempelanlagen stehen im Sinne des Wortes hinter Gittern, buchstäblich in einem Käfig. Solche Maßnahmen sind erforderlich, weil in den letzten Jahrzehnten viele Kunstwerke in Nepal gestohlen und außer Landes gebracht wurden. Fünf kleine Stupas sind auf drei Bildern zu sehen, alle verfügen über die gleichen Bau- und Schmuckelemente. Im Grundaufbau ähneln sich die Stupas, dennoch zeigt jeder stilistische Eigenheiten, aber Sockel, Unterbau und Turmaufbau sind bei allen fünf Exemplaren deutlich erkennbar. Alle wurden aus einem Steinblock gehauen. Die Stupas sind gering an Größe, dennoch massiv und schwer, ohne Hilfsmittel unverrückbar für Menschenhand. Wer dem Trubel rund um den Swayambunath Stupa entrinnen möchte und eine Pause benötigt, dem ist der westlich vom Plateau gelegene Manyushri-Schrein wärmstens empfohlen, das ist ein stiller Platz zum Durchatmen, sogar zur Meditation geeignet. Swayambunath gehört zum Standardprogramm aller Kathmandu-Touristen, dabei ist nie zu vergessen, dass man hier an einem Ort der allerhöchsten Buddhaverehrung unterwegs ist.
Hinweis: Etwa einen Kilometer nördlich vom Durbar Square Kathmandu steht auf einem Platz der Stupa Kashi Swayambhu, eine 1650 erbaute kleine Variante der großen Swayambunath Stupa. Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Wer die schmale kurvenreiche stetig ansteigende Straße überwunden und einen Parkplatz gefunden hat, der gelangt nach wenigen Schritten durch das kleine Dorf Changunarayan zu einem der ältesten Tempel im Kathmandu-Tal. Dorf und Tempel gleichen Namens befinden sich immerhin auf 1541m über Normalnull. Die Entfernung nach Bhaktapur beträgt lediglich rund 5km. Die meisten Touristen besichtigen die drei Königsstädte im Tal, eine zusätzliche Ausfahrt zum Changu Narayan Tempel bietet sich an. Trotz der Nähe zur Stadt hält sich der Besucherzulauf in überschaubaren Mengen. Andrang wird nur bei religiösen Festen herrschen. Im November 2025 wurden von Touristen 400 nepalesische Rupien (2,50 Euro) Eintritt verlangt, die sind durchaus gerechtfertigt, denn der kultur- und kunsthistorische Schauwert dieser Tempelanlage übersteigt den vieler anderer Tempel in Kathmandu um einiges. Der Tempel soll im 4. Jahrhundert erbaut worden sein, musste jedoch nach Bränden in früheren Jahren und dem Erdbeben von 2015 wiederaufgebaut werden. Dem Jetztzustand ist der letzte Neuaufbau unverkennbar anzusehen. Von galerieartigen Bauten eingefasst erheben sich auf fast quadratischer Hoffläche der Haupttempel und mehrere Schreine. Zahlreiche wertvolle und äußerst ansehnliche Steinreliefs werten die Besichtigung zum musealen Rundgang auf. Leider reduzieren sich alle Betrachtungen auf Außenansichten des Haupttempels, den darf nur der Priester betreten, nur er ist berechtigt das namensgebende Idol Narayana zu sehen. Fremden (Nicht-Hindus) wird selbst der Blick ins Heiligtum verwehrt. Dessen ungeachtet fallen noch ausreichend wertvolle Reliefs ins Auge. Liebhaber historischer hinduistischer Bildwerke werden die Tempelanlage sehr zufrieden verlassen. Alle kleineren Tempel und Schreine sind zugänglich. Die prächtige Ausstattung vom Haupttempel kulminiert an der Westfassade, die auch als Eingang zum Heiligtum dient. Hier dominieren die vergoldeten Türen und die herrlich geschnitzte Thorana, während das Schmuckwerk der anderen Fassaden nur mit bunten Anstrichen versehen ist. Das vom oberen Dachgeschoss herabhängende goldene Band wird als sogenannte Himmelsleiter bezeichnet, mittels dieser Vorrichtung soll den Göttern der Zutritt in das Heiligtum erleichtert werden bzw. wird den Seelen der Aufstieg in die himmlischen Gefilde ermöglicht. Solche Bänder finden sich an allen größeren Pagodentempeln in Kathmandu respektive in Nepal, mitunter sind mehrere Himmelsleitern an einem Tempel angebracht. Zu sehen sind auch Glocken, die meist im Eingangsbereich der Tempel an steinernen oder hölzernen Balken hängen. Glockenschläge signalisieren den Göttern den Zutritt und das Verlassen der Menschen der Tempelanlagen. Lautstark künden die gläubigen Menschen ihr Kommen und Gehen. Ein direktes Glockenläuten zu oder aus bestimmtem religiösem Anlass wird nicht praktiziert. Prozessionen und Rituale verstehen sich von selbst und kommen ohne metallischen Ruf aus. Eine bekannte Ausnahme ist die Tahgah Gam-Glocke in Kathmandu, die wird täglich 9Uhr zu Ehren der Göttin Taleju (sprich: Durga resp. Kumari) geläutet. Taleju gilt als Schutzgöttin der Königsfamilie. Elefanten, Löwen, Yalis und Makaras bewachen den Tempel und dessen Eingangstore, diese animalisch-mythologisch fundierte Koexistenz verhindert das Eindringen böser Kräfte in den Tempel, so die überlieferte Tradition, woran die Menschen fest glauben. Die Tiere und Mischwesen werden ähnlich intensiv verehrt, sie stehen den Götteridolen in nichts nach. Vishnu-Narayana ist auf den erhaltenen Reliefs im Tempelgelände in fast allen seiner wesentlichen Verkörperungen präsent. Narayana meint im übertragenen und umfassenden Sinn universell immer den Gott Vishnu. Die Vorlagen für die Götterbilder folgen tradierten Vorstellungen, dennoch sind eigenständige Kreationen nicht auszuschließen. Genialen Bildhauern gelangen einige großartige Vishnu-Reliefs. Kunstfreunden sind die auf Grund ritueller Benutzung kolorierten nepalesischen Götterbilder vertraut. Die Farben lassen sich tolerieren, doch schlimmer sind die sicher gut gemeinten dekorativen Verkleidungen, welche Statuen und Reliefs unkenntlich machen. Die Menschen lieben das Bunte, das Auffällige, für die Götter ist das Beste gerade gut genug. Die pulverigen Anstriche aus Naturfarben scheinen sakralen Vorgaben zu folgen, so wird Hanuman immer durch markante Orangefärbung kenntlich und Ganesha wird mit leuchtendem Rotton verehrt. Mischungen aus Rot und Gelb bleiben den Hauptgöttern vorbehalten. Frische Blumen und Blüten, oft auch Reiskörner werden den Göttern dargebracht. Blüten und Farben werden regelmäßig, wahrscheinlich täglich erneuert. König Bhupalendra lebte von 1679-1700, er übernahm die Regierungsgeschäfte von seiner Mutter und starb sehr jung während einer Pilgerreise in Ayodhya. Die vergoldeten Messingfiguren entstanden zum Gedenken an den König vermutlich in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Die betenden Figuren blicken zum Tempeleingang. Es sind die einzigen nichtsakralen Statuen auf dem Tempelgelände. Die Aussicht bei klarem Wetter ins Umland und bis zu den schneebedeckten Himalayagipfeln fasziniert. Den Weg vom Parkplatz zum Tempel (Mandir Walkway) säumen alte Bauernhäuser, Brunnen und kleine unscheinbare Tempel. Eine Treppe führt westlich aus dem Tempelgelände heraus in den neueren Ortsteil des Dorfes hinein. Beide Wege vermitteln Einblicke in das Leben der Menschen, die nach westlichem Verständnis in bescheidenen Verhältnissen existieren müssen. Strom- und Wasserversorgung sind mittlerweise gewährleistet, dennoch werden die alten Brunnen noch immer benutzt, nicht jeder Haushalt wird an das örtliche Wasserleitungssystem angeschlossen sein. Hunger ist in Nepal wohl kein akkutes Thema mehr, die ländliche Bevölkerung versorgt sich selbst mit Gemüse und Obst. Für die Stadtbewohner gibt es auf den Märkten reichlich frische Erzeugnisse in erstaunlicher Vielfalt zu kaufen. Das tägliche Leben der Menschen spielt sich zwischen Haushalt, Arbeitsplatz (so vorhanden) und Tempel ab. Einen Tempel aufzusuchen gehört obligatorisch zum Alltag. Speziell frühmorgens sind viele Tempel überfrequentiert. Jeder will/muss seinem Gott ein Opfer bringen. Die Besichtigung vom Changu Narayan Tempel erfolgte im November 2025. Den Fotos ist folglich Aktualität nicht abzusprechen.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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