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Günter Schönlein
Blog

Hitis in Lalitpur

5/23/2026

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Mit Hiti werden in Nepal Wasserbecken/Brunnen bezeichnet. Solche historischen Brunnenanlagen, die zum Teil wieder reaktiviert wurden, werden tatsächlich von der Bevölkerung heutzutage noch genutzt. Die Menschen waschen dort ihre Wäsche und sich selbst, nebenbei erwähnt: mit eiskaltem Wasser! Obwohl sich die Wasserversorgung der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren verbessert und stabilisiert hat und die meisten Stadtteile ans Trinkwassernetz angeschlossen sind, erfreuen sich vor allem in den historischen Stadtteilen die öffentlichen Brunnen wie eh und je großer Beliebtheit. Die Newar, eine in Nepal lebende Volksgruppe und geschätzte Handwerkerkaste, hatten vor mehreren hundert Jahren im Kathmandu ein unterirdisches Wasserrohrleitungssystem angelegt, welches ermöglichte, dass ständig frisches Wasser in die damals vorhandenen Becken floss. Das System muss über Jahre und Jahrzehnte hinweg permanent erweitert worden sein, ein aus heutiger Sicht beachtenswertes Großprojekt, denn jeder Meter Wasserkanal wurde in mühevoller Handarbeit verlegt. Kein Bagger, kein Kran, keine Abraumfahrzeuge, die den Menschen ihre harte Arbeit erleichtert hätte.

Die zuständige Organisation für das Wassermanagement im Großraum Kathmandu zählte im Jahr 2019 insgesamt 573 Hitis im Kathmandu-Tal. Von den ehemals verzeichneten 80 Hitis in Lalitpur (Patan) sind noch 72 aufzufinden. Wer in Patan auch nur wenige Stunden am Tag zu Fuß unterwegs ist, dem wird es gelingen, auf wenigstens ein halbes Dutzend historischer Brunnen zu stoßen – und die meisten werden aktiv genutzt.

Bestimmte, allen Brunnen gemeinsame Merkmale sollen in Folge näher betrachtet werden. Größe und Ausstattung unterscheiden die Brunnen. Die Wasserbecken sind bis auf wenige Ausnahmen unterhalb des Bodenniveaus angelegt und mit Ziegeln ausgemauert, seltener aus Natursteinen gefügt. Umlaufende Zierkanten aus Sandstein oder Granit schmücken die Brunnenbecken. Die oftmals prachtvollen Wasserausläufe aus Stein, neuerdings auch aus Metall sind der wahre Schmuck der Becken. Auffällig auch, dass keiner der Brunnen ohne Relief belassen wurde. Den Göttern ist das lebenserhaltende Wasser zu verdanken, das darf auch im Alltagsleben nicht vergessen werden. Religiosität im Alltag – völlig ohne sakralen Schmuck wurde keines der Becken belassen.

An dem kleinen unscheinbaren Washa Hiti (Bild 1 & 1.1) sind alle wesentlichen Bauelemente vorhanden, die alle weiteren Hitis in Lalitpur in variabler Bauweise aufweisen. Zwischen Säulen unter einem Kirtimukha-Bogen befinden sich die Gottheit, der Makara-Wasserauslauf und das Relief unter dem Wasserlauf, dazu die Zierkanten am Beckenrand.

Die beiden Fotos zeigen ein kleines Becken mit nur einem Wasserauslauf, der könnte erneuert oder ersetzt worden sein, dafür spricht das Metallrohr. Typisch ist die gestreckte Form der Ausläufe, deren Reliefschmuck meist den tradierten Makara-Statuen bzw. Makara-Reliefs nachempfunden ist. Die skulpturalen Formen imitieren das Aussehen der seltsamen Mischwesen, die als Reittier der Flussgöttin Ganga verbürgt und als Makara bekannt sind. Das mythologisch untermauerte Fundament von der Gottheit zum Wasser verdeutlicht sich an jedem Hiti. Über und oft auch neben den Ausläufen befinden sich Götterreliefs, nicht allenfalls die Flussgöttin, die ist ja schon durch ihr Reittier am Wasserauslauf symbolisch anwesend, eher sind es die lokal verehrten Götter. Unterhalb vom Auslauf ist meist auch ein Relief angebracht, hier gibt es keine Motivbeschränkungen, doch häufig ist ein Muschelhornbläser zu identifizieren. Die Verbindung zum Wasser ist bei diesem Motiv ebenfalls unverkennbar.

Nebenher erwähnt: der Makara lässt sich an etlichen Tempeln in Lalitpur nachweisen, dort finden sich diese Mischwesen als kunstvolle Steinfiguren zum Ablauf der Flüssigkeiten, welche im Tempel über das Lingam gegossen werden, sich in der Yoni sammeln und vom Garbhagriha nach Draußen gelangen, um wieder ins Erdreich zurück zu fließen. In der westlichen Welt heißen solche artverwandten Bauelemente Gargoyle=Wasserspeier, diese wurden vorwiegend an Kathedralen, Burgen und Schlössern zum Einsatz gebracht. Ein Beispiel für einen Tempel-Makara-Gargoyle wird mit Bild 1.2 vorgestellt.
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Größere Hitis verfügen im Regelfall über mehrere Wasserzuflüsse, es können drei oder vier, aber auch nur zwei Wasserspeier vorhanden sein, oftmals schien die angestrebte Symmetrie den Aufbau des jeweiligen Ensembles im Becken bestimmt zu haben. Üblicherweise führen Stufen zum zentralen Becken hinab, in welchen sich die Wasserstrahlen ergießen, dort finden sich plangehauene Steine zum Abstellen der Eimer oder anderer Wassergefäße. Auf diesen Steinen wird auch Wäsche geschrubbt.

Nördlich am Darbar Square von Lalitpur, gegenüber vom Bhimsen Mandir und dem Vishvanath Tempel befindet sich eine geräumige Beckenanlage: das Manga Hiti. Dieser Brunnen wartet mit drei sehr schönen steinernen Wasserrohren auf. Keiner der Makara-Rohre gleicht dem anderen, jeder Makara ist individuell gestaltet. Das besondere an den Rohren sind die oberen Abdeckungen, die beiden äußeren Wasserzuflüsse sind mit einer Krokodilplatte abgedeckt. Es könnten noch viele Einzelheiten erklärt und jedes Makara-Rohr einzeln beschrieben werden: der mittlere Makara hat einen Vogelkopf und einen Fisch im Maul, die anderen haben einen Rüssel, ihr zahnreiches Maul reißen alle drei weit auf. An den Flanken der Makaras befinden sich Götterbilder, unter den Makaras sind Reliefs der schon erwähnten Muschelhornbläser angebracht. Drei ehemalige Yonis liegen im Wasser, ein asymmetrisch aufgestellter Pfeiler ist vermutlich eine Säule, der Rest von einem Tempel. Zur Wiederverwertung als Stufe bot sich eine Traverse an, sicher ein weiterer Überrest von einem sakralen Bau, diese breite gut erhaltene Spolie zeigt wechselweise Purnagathas (Vasen) und Nagini (weibliche Schlangenwesen). Das untere Becken ist aus Naturstein gefügt, der obere Beckenbereich mit Ziegeln gemauert. Am prächtigem Manga Hiti können kunstinteressierte Besucher lange verweilen und ihre Studien betreiben.
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Im inneren Palastbereich existieren mehrere Höfe. Das königliche Bad Tusha Hiti im Sundhari Chowk ist der Blickfang schlechthin. Dieser Brunnen ist das prachtvollste aller Hitis in Lalitpur. Zahlreiche Reliefs zieren die runde Beckeneinfassung.  Der Wasserausfluss ist einem königlichem Hiti würdig. Angeblich haben die Malla-Könige in diesem schönen Becken gebadet. Wahrscheinlicher ist die Annahme, die Beckenanlage wurde für religiöse Zwecke genutzt und das Wasser als heiliger Quell wäre für königliche Sakralrituale geflossen. Man hätte wohl kaum das mit Götterreliefs dekorierte Becken geflutet, um ein Bad für den König zu ermöglichen.
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Ein größeres Becken (16x16m) im südlichen Palastareal hinter den Gebäuden ist zugänglich, doch dieses erfüllt nicht die oben aufgeführten Kriterien, welche ein Hiti kennzeichnen. Diese Beckenanlage scheint eher als Bad gedacht zu sein oder diente als Trinkwasserbecken. Auf kurzem Weg war diese Beckenanlage vom Palast aus zu erreichen. Auf jeden Fall muss das Becken als Bestandteil der königlichen Gartenanlagen gesehen werden. Unter dem Pavillondach konnten die Herrschaften im Schatten am Wasser geruhsame Stunden verbringen, ohne das Alltagstreiben auf der Straße vor dem Palast wahrzunehmen.
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Westlich vor dem Palast existiert ein Becken in Form einer stilisierten Lotosblüte. Dieser Brunnen wurde 1908 von einem Premierminister in Auftrag gegeben und bezahlt. Im November 2025 wies kein Indiz auf ein ehemaliges Hiti. Der Brunnen liegt trocken, ein gesperrter Steg führt in die Mitte vom Becken, dort steht auf einem Sockel die Büste der Maharani. Die Fotos vom Maharani Pukhu werden nur aus Gründen der Vollständigkeit gezeigt, immerhin ist die Porträtbüste der Maharani gelungen und vielleicht, wenn irgendwann die Bauarbeiten abgeschlossen sind, ist dieser Platz um den Brunnen ein ruhiger Sitzplatz für müde Touristen. 
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Nachdem keine wirklichen Hitis, sondern zwei Beckenanlagen, eines mit, das andere ohne Wasser, vorgestellt wurden, wenden wir uns wieder themenbezogen weiteren Hitis zu. Südlich hinter dem Palastgelände zweigen mehrere Straßen ab, auf der Satyajohan Joshi Marg gelangt man zu einem Hiti mit sakraler Ausstattung. Abgesehen von den zwei Wasserausläufen mutet alles wie ein Tempel unter freien Himmel an. Über den steinernen Wasserrohren stehen zwei gleiche Votivstupas, am Boden stehen zwei Lingams in Yonis, also das komplette anikonische Shiva-Ensemble. Asymmetrisch angeordnet befindet sich noch ein Ausfluss am rechten Seitenrand. Nicht häufig sind Hitis mit zwei Makara-Ausläufen in Lalitpur zu sehen, die Zahl zwei wird auch durch die Votivstupas und die Lingams doppelt betont (Bild 6.1. – 6.3.).

Ein weiteres Hiti mit zwei Ausläufen wird mit den Bildern 7.1 & 7.2 vorgestellt. Abgesehen von der improvisierten oder sehr bewusst eingerichteten Tempelecke am rechten Bildrand bestimmt auch hier die symmetrische Anordnung das Gesamterscheinungsbild dieser besonderen Beckenanlage, die den Namen Thapah Hiti trägt. Die Tempelecke besteht aus einem Lingam, einem davor liegenden Nandi, einem stehendem Relief, desweiteren mehreren Kugeln vor einer Altarnische. Rechts von der Nische befindet sich noch ein kleines Wasserausflussrohr und ein Relief. Stilisierte Nagas umfangen das gesamte Becken. Aus dem kleinem Rohr wird wohl nur nach Bedarf für Ritualzwecke Wasser entnommen. Ein flacher Abflusskanal leitet das Wasser am Lingam vorbei ins große Becken. Das sehr speziell ausgestattete Hiti ist in der Mahabauddha Marg zu finden. 
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Das Lun Hiti (benannt nach dem Ortsteil Lun) zählt zu den ältesten Brunnenanlagen im Stadtgebiet von Kathmandu. Prächtige Makara-Ausflussrohre und die sehr geschmackvolle Ziegeleinfassung des Beckens fallen am Nugah Lun Hiti (Sundhara) sofort ins Auge. Drei Reliefs oben – drei Makaras – drei Reliefs unten, dazu die Zierbänder im Mauerwerk, der Wirkung kann sich kaum einer entziehen, obgleich das Becken scheinbar trocken liegt oder nur zeitweise benutzt wird (Bild 8).

An dieser Stelle muss auf die in der Einleitung erwähnte Ausnahme verwiesen werden. Zumeist wurden die Wasserrohre unterhalb des Erdniveaus verlegt, doch das Lun Hiti lag vormals höher als der damalige Weg. Inzwischen wurde der alte Weg in eine moderne Straße verwandelt, wodurch das Hiti nun unterhalb des jetzigen Straßenniveaus geriet.

Sundhara bedeutet goldener Strahl, ein Begriff, welche die lebenswichtige Bedeutung des Wassers veranschaulicht.

Den Hinweis zu dieser baulichen Besonderheit entlehnten und weitere Informationen fanden wir in einer Forschungsdatei der Heidelberger Universität: NHDP - Welcome 
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 9.1 zeigt nochmals ein Hiti mit drei Stein-Makara-Ausflüssen, darüber drei Reliefs und jeweils an den Seiten drei kleine weiß/gelb getünchte Stupas und wiederum an der rechten Beckenseite eine Tempelecke. Die Reliefs müssen sehr wertvoll sein, weshalb sie durch unschöne massive Eisengitter gesichert wurden. Ein Lingam und ein Votiv-Lingam auf einer alten Yoni machen den eigentlichen Schmuck der Tempelecke aus (Bild 9.2). Blumenschmuck beweist Achtung und Verehrung für die unverkennbar religiösen Symbole, die einen Hindu-Tempel auszeichnen. Andererseits scheint das unsaubere Wasser im Becken keinen Menschen zu stören. Das Becken trägt den Namen Tangah Hiti bzw. Tangal Dhunge Dhara.
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bei dem Alko Hiti innerhalb vom Alko Ganesh Tempel handelt es sich entweder um einen Neu- oder einen Wiederaufbau der kleinen Tempelanlage inklusive Hiti. Der Tempel befindet sich direkt östlich an der Ikhachhe Road. Nicht zu übersehen sind die runden Plastikwassertanks. Das umliegende Areal mit neuen Wohnbauten belegt die Teilreaktivierung eines historischen Stadtbezirkes, wozu unbedingt auch die Wasserversorgung gehört (Bild 10). 
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Vor dem Kumbheshwor Tempelkomplex in Lalitpur befinden sich drei Wasserbecken, zwei davon sind Hitis, das dritte Becken wird als Wasserspeicher genutzt. Östlich der Kwalakhu Rd wurde das Misa Hiti, nördlich davon das Speicherbecken Kwonti Pukhu Hiti und westlich der Straße das Konti Hiti angelegt, das ist nicht nur das älteste, sondern auch das ansehnlichste und von der Bevölkerung am intensivsten genutzte der drei Becken auf dem Platz vor dem Kumbheshwor Tempel, bei Google Maps als Kumbheshwor water stone spout eingezeichnet. Das große Becken verfügt über mehrere Wasserspeier, drei in der Mitte und jeweils drei an den Seiten. Wesentlich unterscheiden sich die Reliefs unter den Speiern, hier ist nicht der Muschelhornbläser zu sehen, sondern ein Yaksha bzw. ein Yaksha und zwei Elefanten. 
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Neben den Hitis sind auch noch einige öffentliche Wasserhähne zu sehen, also verzierte Steinwände aus denen Zapfhähne ragten, genannt werden diese Trinkwasserversorgungsstellen Tutedhara oder Jahru oder Jaldroni (in Newari) Der Begriff Jahru meint wörtlich Wasserhahn. Blicken wir auf Steinwände mit Schmuck und Lufteinlassluken, stehen wir vor ehemaligen Trinkbrunnen. Hinter den Wänden befand sich das Trinkwasserreservoir, ein Steinbecken. Kaum einer der Jahru ist noch in Betrieb.

Der im Bild 11 vorgestellte Trinkwasserbrunnen nennt sich Ikhalakhu Jahdhum und befindet sich an der Kreuzung zum Ikhalakhu Platz, ganz in der Nähe vom Narayana Mandir.

Jahdhum wird vermutlich dem Wort Jahru verwandt sein und dasselbe bezeichnen, im Grunde nur ein anderes Wort für Tutedhara, wobei dhara als Adjektiv erhalten und als Substantiv die Erhaltende bedeutet, aber auch der Strom, Guss, Strahl meinen kann, allenfalls mit labenden Wasserfluss zu tun hat.
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Zusammenfassung: Hitis dienen nicht allein der Wasserversorgung, sondern werden auch als Orte der Andacht verstanden. Ohne sakrales Inventar kein Hiti.

Wasser ist ein Geschenk der Natur. Allumfassend werden alle Erscheinungen der Natur als gottgeschaffen angesehen. Jeder Berg, jeder Baum, jede Blume, jeder Fluss, jeder Bach, jede Quelle haben ihre Ursache in Gott, sind mithin Schöpfung, wen oder was auch immer der einzelne Mensch in den jeweiligen wunderbaren Erscheinungen der Natur erkennt und anbetet.

Nicht nur die Tempelanlagen, auch die Hitis müssen als Teil der Kultur- und Sozialgeschichte vom Kathmandu-Tal betrachtet werden, wobei der Wert der Brunnen von Touristen unterschätzt bzw. nicht bewertet wird. Die Hitis sind vorhanden, werden vom Publikum peripher wahrgenommen, doch die meisten Besucher gehen achtlos, bestenfalls staunend vorbei und wundern sich mitleidig über die rückständige Situation, welche viele Menschen in Nepal ertragen müssen. Dabei wird allzu schnell vergessen, ausreichend Wasser für den täglichen Bedarf war und ist Fortschritt und bedeutet Erleichterung im Leben. Noch leisten die Hitis zumindest einen ergänzenden Beitrag zur modernen Wasserversorgung in der Großstadt Kathmandu, immerhin benötigen rund 2,5 Millionen Menschen jeden Tag frisches und sauberes Wasser, das ist die Herausforderung der Zeit. Ohne die Brunnen hätten viele Familien ein hartes Leben.

Hinweis: Manche Leser werden die ausführliche Beschreibung und weitere Fotos vom Tusha Hiti vermissen. Selbst zehn Zeilen Text mehr und noch drei, vier Fotos zusätzlich wären dieser einmaligen Beckenanlage nicht gerecht geworden. Beabsichtigt ist ein gesonderter Artikel, der sich nur dem Tusha Hiti widmet.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Das mit (VJ) gekennzeichnete Foto stammt von Vanessa Jones
Korrektur: Vanessa Jones
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Budhanilkantha

5/10/2026

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Rund 10km nordöstlich vom Durbar Square in Kathmandu ist ein gemauertes Becken das Ziel vieler Pilger. Das wenig schöne Wasserbecken steht symbolisch für den Urozean, darin schwimmt das fünf Meter lange Kultbild Jalashayana Narayan, einfacher Vishnu auf der Weltenschlange Ananta, bekannt als Budhanilkantha. Dieses Bildwerk des entspannt liegend-schlafenden Vishnu, erstmals erwähnt im Jahr 642 unserer Zeitrechnung, wurde aus einem riesigen Basaltblock geschaffen, eine Steinsorte, die im Kathmandu-Tal nicht verfügbar ist. Dieses Gottesbild ist einmalig, jeder will es gesehen haben, entsprechend ist der Andrang: für viele Nepal-Touristen ein Pflichtprogrammpunkt, für zahllose Hindus, ein Schritt zum Seelenheil, wohl auch eine Herzensangelegenheit. Geduldig stehen die Gläubigen an, um kurze Augenblicke vor dem Gottesbild zu verweilen und in seinem Angesicht gesegnet zu werden. Touristen tun gut daran, den schwarzen Vishnu durch die Sichtluken der Beckenummauerung von allen vier Seiten zu begutachten. Angeblich dürfen nur Hindus sich dem Gott nähern.
Budhanilkantha in Nepal
Der beste Blick auf den Gott lässt sich westseitig erhaschen, durch ein großes Fenster kann man dem Schlafenden direkt ins Gesicht schauen. Die Sicht auf das bildhauerische Meisterwerk ist allerdings durch Blumenketten, drapierte Stoffe und Silberschmuck erheblich eingeschränkt. Um das Kunstwerk undekoriert zu sehen, müsste man sehr früh morgens kommen, ehe der Gott von den Priestern für die rituellen Tagesabläufe präpariert wird, dann allerdings wird die Morgendämmerung das Blickfeld trüben, auch fraglich ist, ob Zuschauer bei den Säuberungen, Waschungen, Ölungen und Ausstaffierung der Statue willkommen bzw. zugelassen sind. 
Budhanilkantha
Westseitig vom Heiligtum schließt sich ein weiterer Kultplatz an, dort erfreut sich ein Lingam großer Beliebtheit. Der Andrang ist durchaus dem Zulauf am Vishnu vergleichbar. Hier werden Shiva Brandopfer erbracht, Kerzen, kleine Öllämpchen und Weihrauchstäbchen sind probate Dinge, um die Gunst der Götter zu erflehen. Unmittelbar neben diesem Opfertisch steht ein kleiner Schrein, dort können Hindus Ganesha, den sehr prominenten Sohn Shivas anbeten.
Budhanilkantha
Wer es ruhiger mag, wer beschaulichere Atmosphäre bevorzugt, der kann in das rund 35km entfernte kleine Städtchen Banepa fahren, dort befindet sich am östlichen Ortsrand der fast gleiche Anantashayana, zwar weniger berühmt, aber annähernd gleich groß und ebenfalls aus schwarzem Stein gehauen, auch dieser Vishnu schwimmt in einem Wasserbecken. Blumenschmuck und sakrale Verzierungen kommen dort eher zaghaft zur Anwendung, was wohl auf den geringen Publikumszulauf, den Bekanntheitsgrad und die Abgelegenheit dieser Beckenanlage zurück zu führen ist. Für die wenigen Pilger stehen Farbpräparate und Blumen bereit. Um die Mittagszeit hatten wir das seltene Vergnügen mit Vishnu allein zu sein.
Banepa Bhaila Narayanthan
Banepa Bhaila Narayanthan
Hier wird keine haltlose Behauptung in den Raum gestellt, auch kein Geheimnis verraten: es gibt im Kathmandu-Tal mehrere Anantashayana-Statuen, die unterscheiden sich durch Material, Größe und künstlerischer Ausführungsqualität, sie befinden sich in den jeweiligen Tempelanlagen, Einzelstücke auch in Museen. Die folgende Bilderauswahl zeigt Vishnu-Reliefs und Vischnu-Statuen, zusammenfassend als Vishnu-Shayana-Bildwerke bezeichnet. Während die meisten der Werke als Vollreliefs zu klassifizieren sind, muss der Vishnu vom Ichangu Narayan Tempel als Skulptur bewertet werden, dieser Vishnu bildet folglich eine Ausnahme betreffs der Darstellung des thematischen Inhalts. Verdienst und Leistung des unbekannten Bildhauers bestehen darin, sich aus der tradierten im weitesten Sinne flächigen Vollreliefperspektive ins räumlich-skulpturale Darstellungssystem gewagt und damit das tradierte Grundmuster durchbrochen zu haben, denn alle bekannten Nachahmungen berufen sich jeweils auf den allseits bekannten und hochverehrten Budhanilkantha. Ein seltener Glücksfall auch, dass ein Vishnu-Relief aus dem 7. Jahrhundert erhalten blieb und im Nationalmuseum Nepal ausgestellt wird. Vielleicht ist dieses Relief das tatsächlich älteste Vishnu-Bild im Kathmandu-Tal und war die Vorlage für das großartige Budhanilkantha-Relief? Dies ist lediglich eine zaghafte Überlegung des Autors. 
Changu Narayan Tempel
Changu Narayan Tempel
Bhaktapur – Hanuman Gath & Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Bhaktapur – Hanuman Gath & Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Banepa – Shree Chandeshvori Tempel & Gokarna – Gokarneshwar Mahadev (VJ)
Banepa – Shree Chandeshvori Tempel & Gokarna – Gokarneshwar Mahadev (VJ)
Kathmandu – Narayan Statue, südlich vom National Museum of Nepal
Kathmandu – Narayan Statue, südlich vom National Museum of Nepal
Dhaneshvor Mahadev Tempel
Dhaneshvor Mahadev Tempel
Ichangu Narayan Tempel
Ichangu Narayan Tempel
National Museum of Nepal – Narayana 7.Jh.
National Museum of Nepal – Narayana 7.Jh.
Alle gezeigten Vishnu-Bildwerke erheben keineswegs den Anspruch der Vollständigkeit, sicher existieren im Kathmandu-Tal weitere Vishnu-Anantashayana-Reliefs. Die hier vorgestellten Götterbilder konnten binnen einer Woche problemlos aufgesucht und begutachtet werden. Leider ist es nicht möglich, die Entstehungszeiten und die Herkunft der einzelnen Werke auch nur ansatzweise zu eruieren, den Menschen sind diese Bildwerke wichtig und heilig, doch wann sie entstanden sind, wer sie schuf, ist für sie von keinerlei Bedeutung. Für die Gläubigen stehen diese Idole zur Anbetung in den Tempeln an den vertrauten Plätzen, Kunstfreunden bleibt die vergleichende Betrachtung der verschiedenen Darstellungen.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Foto vom Gokarneshwar Mahadev: Vanessa Jones
Korrektur: Vanessa Jones
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Chaturmukha Lingas in Nepal

5/3/2026

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Das Linga (auch: das Lingam) gilt immer als die anikonische Darstellung Shivas, deshalb wird häufig vom Shiva-Linga gesprochen, was sprachlich einer Verdopplung gleichkommt: wer Linga sagt, meint SHIVA.

Ein Linga ist im Regelfall aus einer Steinsorte gefertigt und dreigeteilt. Der untere viereckige Teil wird als Brahma, der mittlere meist achteckige Teil als Vishnu, der obere sichtbare runde Teil als Shiva angesehen, wobei sehr häufig nur der Shiva zugeordnete Teil vom Schaft sichtbar ist, der mittlere und untere Schaftbereich verschwinden in der Yoni. Konkret erkennen die Hindus im Schaft den Phallus, also das männliche Geschlecht und in der Yoni das weibliche Geschlecht, somit sind mit Linga und Yoni die gegensätzlichen Schöpfungsprinzipien vereint. Zusätzlich symbolisiert (wie oben erklärt) das Linga als anikonische Darstellung der Dreiheit die Götter BRAHMA-VISHNU-SHIVA, bekannt als Trimurti.

Auf dem Opfertisch in der Kultstätte Budhanilkantha sind die Grundtypen der am meisten verbreiteten Lingas aufgestellt. In der Mitte vom Altartisch steht der gebräuchlichste Typ: das Linga in der Yoni. Zwei Lingas fallen als andere Darstellungen auf: rechts vorn und links hinten sind Lingas mit Gesichtern zu sehen, das heißt am sichtbaren Teil vom Linga sind vier oder mehr Gesichter angebracht. Dargestellt sind immer Verkörperungen von Shiva, sind vier Gesichter zu sehen heißt das Linga Chaturmukha. Berühmt und vermutlich einzig in Indien ist das Linga mit acht Gesichtern in Mandasor (Madhya Pradesh), in diesem ungewöhnlichen Kultbild verehren die Hindus Pashupatinath=Shiva, sprich: den Herrn allen Lebens. Im Pashupatinath-Tempel (Kathmandu) steht ein 1,80m hoher Chaturmukha Linga. Nicht-Hindus dürfen den Tempel nicht betreten, schon die Annäherung wird untersagt. 
Bild 1: Budhanilkantha – Opfertisch mit mehreren Lingas
Bild 1: Budhanilkantha – Opfertisch mit mehreren Lingas
Schauen wir etwas aufmerksamer die Lingas auf dem ständig von Pilgern umlagerten Opfertisch an, fällt ein Linga besonders auf, um nicht zu sagen aus dem üblichen Schema, das Linga links vorn wartet mit fünf Shiva-Gesichtern auf (siehe Detailaufnahme Bild 1.1). Vier Gesichter sind regelgemäß am Schaft angeordnet, das fünfte Gesicht, im Grunde eine Kopfskulptur, steht auf dem ansonsten flachen Oberteil vom Schaft. Nirgends in Kathmandu fand sich ein ähnliches Linga mit fünf Gesichtern. Hat hier ein Bildhauer sein persönliches Shiva-Ideal in Stein gehauen, einen Pancha-Mukhalinga geschaffen? Existieren weitere Lingas mit fünf Gesichtern? Tatsächlich wird das leicht abgeflachte runde Oberteil vom Linga als imaginäres Gesicht Shivas verstanden, das ist allerdings schon eine etwas ätherische Vorstellung der Gottheit.
Bild 1.1: Budhanilkantha – Linga mit fünf Gesichtern
Bild 1.1: Budhanilkantha – Linga mit fünf Gesichtern
Dieser Artikel wird sich fortan ausschließlich mit Chaturmukha Lingas befassen. Zunächst werden drei museale Exponate näher begutachtet, ehe als Fortsetzung des Themas weitere Fotos von Vier-Gesicht-Lingas zu sehen sind, hier werden sich die Erklärungen nicht auf Details, sondern lediglich auf die Ortsangaben beschränken.

Das Linga aus dem Patan Museum ist bestens geeignet, die bislang notierten Erläuterungen in Bildform zu verifizieren. Dem Linga fehlt die Yoni, deshalb sind die drei Schaftbereiche sichtbar: Viereck=Brahma, Achteck=Vishnu und Zylinder=Shiva. Deutlich zu erkennen sind die unterschiedlichen Längen der Schaftsegmente. Nicht zu übersehen ist die konische Verdickung des Lingas, was dem ganzen oberen Schaftelement unbestreitbar eine elegante Form verleiht. Shiva wird der längste Bereich vom Schaft zugewiesen, die Länge ist nötig für die Darstellung der Gesichter. Die Shiva-Gesichter sind den Hauptkoordinaten zugeordnet, so ist im Süden Bhairava (der Furchteinflößende), im Norden Adhanarishvara (halb Mann-halb Frau), im Osten Mahadeva (Großer Gott) und im Westen Nandin (der Freude bringt) dargestellt. Ins Bild gesetzt finden sich vier grundlegende Zustandsaspekte Shivas, die allen Hindus vertraut sind. Die blank gegriffene Oberfläche vom Schaft (Phallus) wird als nicht sichtbares Gesicht (invisible face) Shivas bewertet und verstanden, weshalb derartige Lingas ebenfalls als Pancha-Mukhalingas bezeichnet werden (Bild 3.1 – 3.3). 
Bild 3.1 – 3.3: Patan Museum – Chaturmukha Linga
Bild 3.1 – 3.3: Patan Museum – Chaturmukha Linga
Der Chaturmukha Linga vom Bhaktapur Museum wirkt in sich etwas gedrungener, scheinbar kürzer als der Linga vom Patan Museum, weil der untere Brahma-Schaft in der Yoni versenkt ist, die oktogonale Vishnu-Form wurde zugunsten der runden Shiva-Form weggelassen (Bild 4). 
Bild 4: Bhaktapur Museum – Chaturmukha
Bild 4: Bhaktapur Museum – Chaturmukha
Der Chaturmukha Linga aus dem 17. Jahrhundert, der im National Museum of Nepal zur Ansicht steht, ist von rechts wegen eine Messingkappe, welche auf steinerne Lingams aus Anlass bestimmter Rituale aufgesetzt wird, wodurch ein normaler Linga in einen Vier-Gesicht-Linga verwandelt wird. Die Hände, welche spezielle Insignien halten, sind an der Messingvariante besonders ausgeprägt, wenngleich an den steinernen Lingas ebenfalls vorhanden, aber nicht so klar erkennbar. Die Anordnung der Gesichter wiederholt die tradierte Reihenfolge. Hinweis: die fotografische Wiedergabe des Messing-Lingas fiel schwer, die Mängel zweier Aufnahmen sind den Spiegelungen der Glashaube anzulasten.
Bild 5.1 – 5.3: National Museum of Nepal – Chaturmukha Linga 17. Jahrhundert
Bild 5.1 – 5.3: National Museum of Nepal – Chaturmukha Linga 17. Jahrhundert
Die  folgenden Lingas wurden in situ aufgespürt, was keine sonderliche Leistung ist, denn Lingas gibt es in der Stadt Kathmandu und im Umland in großer Menge.

Ein besonders schönes, wenn auch sicher modernes, aber sehr gepflegtes Exemplar befindet sich in Kathmandu im Kotilingeshwar Mahadev Tempel, Linga und Yoni sind aus Messingblech geformt. Der aufgehängte kupferne Trichter wird vom Tempeldiener täglich mit Öl befüllt, durch ein sehr kleines Loch tropft in Abständen gleichmäßig Öl auf das Linga. Das Öl sammelt sich in der Yoni und wird über den Abflusskanal in einem Gefäß gesammelt, regulär aber über das Somasutra und den Gargoyle nach draußen ins Erdreich geleitet (Bild 6.1 – 6.3).
Bild 6.1 – 6.3: Kathmandu Kotilingeshwar Mahadev Tempel – Chaturmukha Linga
Bild 6.1 – 6.3: Kathmandu Kotilingeshwar Mahadev Tempel – Chaturmukha Linga
Zwei archaisch anmutende Chaturmukhas fanden sich ebenerdig im historischen Stadtkern von Kathmandu, diesen Lingas ist tägliche Benutzung vieler Jahre anzusehen. Benutzung zeitigt Abnutzung. 
Bild 7 & 8: Kathmandu – Chaturmukha Lingas
Bild 7 & 8: Kathmandu – Chaturmukha Lingas
Zwei in Bhaktapur gefundene Chaturmukha Lingas zeigen verschiedene Darstellungsvarianten. Das Ensemble Linga/Yoni und Nandi, aufgestellt in einer Beckenanlage, scheint neueren Ursprungs zu sein (Bild 9.1 & 9.2). Das in einem Schrein befindliche Linga (Bild 10) weist dagegen starke Gebrauchsspuren auf. 
Bild 9.1 & 9.2: Bhaktapur – Chaturmukha und Nandiskulptur
Bild 9.1 & 9.2: Bhaktapur – Chaturmukha und Nandiskulptur
Bild 10: Bhaktapur – Chaturmukha in Yoni
Bild 10: Bhaktapur – Chaturmukha in Yoni
Die rotgetünchte gemauerte Nische in Pashupatinath ruft den Eindruck von Resteverwertung hervor, zwei Reliefs und ein Linga waren offenbar zu wertvoll, um diese Schätze in irgend einem Schuppen achtlos abzustellen. Das neuere Relief Uma-Mahesvara passt zum Chaturmukha Linga, doch das Relief rechts, ein Buddha, steht in keiner Beziehung zum Shivaismus. Von den drei Objekten in der Nische muss das Linga das älteste Teil sein (Bild 11).
Bild 11: Pashupatinath
Bild 11: Pashupatinath
Banepa, ein Dorf im Kathmandu-Tal, hat einige Sakraldenkmäler aufzuweisen, doch es fand sich nur ein Chaturmukha Linga im Areal vom Thanapati Narayan Tempel, aufgestellt leicht unter Bodenniveau, scheinbar in einer ehemaligen Beckenanlage. Dieser Tempel wurde zu Ehren Vishnus erbaut, dennoch ist  das Vorhandensein von Linga und Nandi legitim. Das Nebeneinander der Götter ist auch ein Zeichen von Toleranz, dabei folgen die Vishnuiten und die Shivaiten nicht unbedingt den gleichen Glaubenswegen, die Praxis der Rituale richtet sich auf den jeweils favorisierten Gott. Kein Vishnu-Verehrer wird sich mit Verachtung vor einem Shiva-Idol abwenden, auch die Umkehrung ist schwerlich vorstellbar. Schlussendlich vereint das Linga drei Götter, die allesamt und jederzeit am anikonischen oder ikonischen Linga präsent sind und stets ehrfürchtig und mit großer Andacht als Trimurti von allen Hindus angebetet werden.
Banepa: Thanapati Narayan Mandir – Chaturmukha und Nandi
Banepa: Thanapati Narayan Mandir – Chaturmukha und Nandi
Die Stadt Kathmandu mit ihren weitläufigen Stadtteilen und kaum überschaubaren Straßenzügen bietet genügend Raum für eigenständige Entdeckungen, es macht wenig Sinn, nach den hier vorgestellten Chaturmukhas zu suchen. Wer mit ein wenig Mut und offenen Augen sich zu Fuß abseits der touristischen Hauptwege begibt, wird in namenlosen Gassen und Hinterhöfen auf unbekannte Tempel und Schreine stoßen und dort andere Chaturmukha Lingas finden.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones 
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Garuda

4/26/2026

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Kaum eine mythologische Erscheinung neben den Göttern ist derart präsent wie GARUDA, mit ihm können nur noch Ganesha und Nandi konkurrieren. Gleich in welchen Stadtteilen von Kathmandu, Lalitpur oder Bhaktapur Menschen unterwegs zu ihren Tempeln sind, sie stoßen unweigerlich auf das Reittier Vishnus. Der Mittler zwischen Himmel und Erde genießt in Nepal, wohlbemerkt als Einzelwesen, besonderes Ansehen. Meist findet sich Garuda als Vogel dargestellt, kaum weniger häufig ist Garuda als Betender zu sehen, diese anthropomorphe Erscheinung erfreut sich vor vielen Tempeln und anderen Bauten großer Beliebtheit.

Heinrich Zimmer (1890-1943) schrieb: „Der Vogel wird als »Schlangentöter« oder »Nagatöter« (nagantaka, bhujagantaka) oder »Schlangenverzehrer« (pannagasana, nagasana) angerufen. Sein eigentlicher Name ist Garuda, von der Wurzel gri, »herunterschlingen«. Als unbarmherziger Vernichter der Schlangen ist er mit mystischer Macht über die Wirkungen des Giftes erhaben.“

An etlichen Grabkapellen oberhalb der Verbrennungsstätte Pashupatinath am heiligen Fluss Bagmati ist Garuda sowohl in animalischer als auch in anthropomorpher Darstellung zu sehen. Tritt Garuda auf, zeigt er sich entweder als Reittier seines Herrn Vishnu oder als Feind der Nagas, die er vernichtet. Die zwei Garuda-Fotos der Pashupatinath-Grabkapellen zeigen den Unterschied seiner beiden Erscheinungsformen.
Pashupatinath – Garuda an Grabkapellen
Pashupatinath – Garuda an Grabkapellen
Berühmt sind die Garuda-Statue und die Reliefs im Changu Narayan Tempel (Bhaktapur). In welchem Jahrhundert die wunderbare Statue gefertigt wurde, lässt sich schwer bestimmen. Viele Autoren zeigen die Statue, manche behaupten sie stamme aus dem 5. Jahrhundert, dann wäre diese gleich alt, wie der Tempel, der laut einer Inschrift im Jahre 464 erbaut wurde. Selbst wenn die Statue erst in jüngerer Zeit gefertigt wurde, wäre das kein Makel. Der knieende, im Gebet versunkene Mensch-Vogel (Vogel-Mensch) ist so wunderbar, dass die Frage nach seinem Alter auf den Lippen erstirbt. Wir blicken auf die vielleicht schönste Statue Garudas im Kathmandu-Tal. Die Menschen lieben und verehren diesen Garuda, täglich werden ihm frische Blumen gebracht.

Die Vishnu-Reliefs mit seinem Reittier Garuda stammen aus dem 7. Jahrhundert, das wird verallgemeinernd behauptet, wobei sich diese Aussage sicher nur auf Relief I & II bezieht, bei den Reliefs III & IV wird es sich um später geschaffene Varianten handeln, wobei Relief III auch wieder das ältere und Relief IV die jüngere Tafel zu sein scheint. Auf Vishnu III hat Garuda vier Arme, auf Vishnu IV sogar sechs Arme, auf den anderen Reliefs hat Garuda zwei Arme=zwei Flügel, das ist vermutlich die tradierte Darstellungsvariante, die der  Anatomie eines Vogels entspricht.
Changu Narayan Tempel – Garuda, Statue in drei Ansichten
Changu Narayan Tempel – Garuda, Statue in drei Ansichten
Changu Narayan Tempel – Vishnu I & II
Changu Narayan Tempel – Vishnu I & II
Changu Narayan Tempel – Vishnu III & IV
Changu Narayan Tempel – Vishnu III & IV
Garuda ist im Changu Narayan Tempel mehrfach präsent, sogar in Holz geschnitten taucht der Vogel auf, hier als nagantaka bzw. nagasana (um nochmals den berühmten Indologen Heinrich Zimmer zu zitieren). Das Motiv ist sehr anschaulich auf den vier Thoranas über den Eingängen geschildert.
Changu Narayan Tempel – Garuda (VJ)
Changu Narayan Tempel – Garuda (VJ)
Changu Narayan Tempel – Thorana
Changu Narayan Tempel – Thorana
Patan Palastmuseum – Thorana
Patan Palastmuseum – Thorana
Patan Palastmuseum – Teil einer Thorana
Patan Palastmuseum – Teil einer Thorana
Patan Palastbezirk – Thorana
Patan Palastbezirk – Thorana
Kathmandu Seto Machhindranath Tempel – Garuda Thorana
Kathmandu Seto Machhindranath Tempel – Garuda Thorana
Kathmandu – Garuda Statuen I, II & III
Kathmandu – Garuda Statuen I, II & III
Kathmandu – Garuda Statue IV
Kathmandu – Garuda Statue IV
Patan Jagat Narayan Mandir – Garuda an einer Glockenöse
Patan Jagat Narayan Mandir – Garuda an einer Glockenöse
Patan: Garuda Statuen I, II & III
Patan: Garuda Statuen I, II & III
Patan: Garuda (Detail von III) & Bhaktapur: Garuda auf Säule & Garuda (Kunstgewerbe)
Patan: Garuda (Detail von III) & Bhaktapur: Garuda auf Säule & Garuda (Kunstgewerbe)
Es fiele leicht, noch Dutzende anderer Garuda-Reliefs zu zeigen, doch weitere Garuda-Statuen fanden sich nicht, zumindest keine, die sich grundlegend von den hier vorgestellten Darstellungen unterschieden hätten. Das vorrangige Anliegen, einige markante Garuda-Typen in diesen Artikel vorzustellen, scheint mit dem gegebenen Bildmaterial erfüllt.

Fotos und Text: Günter Schönlein 
Mit (VJ) gekennzeichnete Fotos fertigte Vanessa Jones

Zitat zu Garuda aus Heinrich Zimmer – Indische Mythen und Symbole
Eugen Diederichs Verlag 2. Auflage 1984 (Seite 86)

Korrektur: Vanessa Jones
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Löwen in Lalitpur

4/19/2026

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Häufig stehen an den Eingängen zu Tempeln Tierstatuen, sie haben eine Wächterfunktion, sie behüten die Tempel und verhindern das Eindringen böser Kräfte. Welches Geschöpf auch immer die Tempel bewacht, diese Wesen erfüllen den apotropäischen Schutz der Heiligtümer. An Kraft und Wirkung der Wächtertiere wird fest geglaubt, deshalb sind diese Schutzwesen an großen und kleinen Tempeln nicht zu übersehen.

In allen Stadtteilen von Kathmandu, so auch in Lalitpur (Patan), stehen zahlreiche Tempel. Der Vergleich der Tempel drängt sich auf, zwangsläufig öffnet sich auch der Blick auf die vielfältigen Tempelwächter, meist sind es Löwen, die allerdings in Varianten auftreten. Der Fokus dieser Betrachtung wird vorrangig auf Löwen gerichtet sein. Kein Tourist, auch kein Langzeitbesucher wird je alle Tempel und Schreine in Kathmandu aufsuchen, dennoch werden interessierte Touristen genügend Tempellöwen entdecken, um einen Eindruck von ihrer unterschiedlichen Beschaffenheit zu gewinnen.

Der Löwe gilt in allen Kulturen als Symbol für Kraft, Stärke, Tapferkeit, Macht und Würde. In der Tierwelt zählt der Löwe als Dominator. Weder in China, Kambodscha, Thailand, Burma, Japan, Indien und Nepal haben jemals Löwen in freier Wildbahn gelebt. Die Bildhauer haben niemals lebende Löwen gesehen, das erklärt teilweise die oftmals unrealistischen Darstellungen vieler Wächterlöwen. Weshalb ausgerechnet Löwen als Schutzwesen vor den Eingängen asiatischer Tempel platziert wurden, kann hier nicht erklärt werden, derlei Ausführungen sprengen den Rahmen dieser Betrachtung. 

Östlich der in Lalitpur von Nord nach Süd führenden Shankhamul Marg steht der stattliche Kobaha Krishna Mandir. Den steinernen Hindu-Tempel auf dreifachen Sockel bewachen vier Wächtertiere. Neben den Stufen sitzen zwei grimmige Löwen mit aufgerissenem Maul, eine Sockelebene höher sitzen zwei weitere Löwen, denen ist allerdings ein seltsamer Kopf gewachsen, anstelle des zahnreichen Mauls haben sie einen Schnabel, der sehr an einen Greifvogel erinnert, (vielleicht ein entfernter Verwandter von Garuda?). Diese Anordnung von vier Wächtertieren ist ein in Nepal/Kathmandu/Lalitpur häufig wiederkehrendes Wächterensemble, zusätzlich finden sich unter den Basen der Säulen noch kleine Löwen, die aber nicht freistehen, sondern als Halbrelief herausgearbeitet sind. Hinweis: Säulen-Löwen und Eck-Löwen an Sockeln werden im Verlauf des Artikels gesondert vorgestellt.
Lalitpur – Kobaha Krishna Mandir an der Shankhamul Marg
Lalitpur – Kobaha Krishna Mandir an der Shankhamul Marg
Einhundert Meter westlich vom Bhimsen Mandira hat sich vor einem Tempel in gedrängterem Beieinander ein ähnliches Löwenquartett wie vor dem Kobaha Krishna Mandir versammelt, jeweils ein Löwen-Paar und ein Schnabel-Löwen-Paar halten die Wacht. Die Sitzhaltung der Löwen gleicht sich, die aufrechte Kopfhaltung, die gelockte Mähne, die Krone, der Schmuck und nicht zu vergessen, die Fußkrallen und der auf den Rücken abgelegte Schwanz. Jede Statue ist aus einem Block gehauen. Mag es auch unwissenschaftlich sein und völlig unbeholfen klingen, es ist wohl nicht allzu vermessen, die Schnabellöwen als Garuda-Löwen zu klassifizieren. Der Name dieses kleinen Schreins wird flanierenden Touristen nicht vermittelt, kein Schild verrät, welchem Gott gehuldigt wird. Sind solche unbenannten Tempel und Schreine verschlossen und keine Einsicht möglich, endet an solchen Plätzen die korrekte Buchführung. In diesem Fall konnte der Name Harisankar Mandir ermittelt werden, wenn auch für diese Betrachtung die Kennzeichnung der Schreine keine erstrangige Rolle spielt, sondern vorrangig die Erfassung der verschiedenen Löwen und ihre Typisierung. 
Lalitpur Harisankar Mandir – Löwenquartett vor einem Schrein
Lalitpur Harisankar Mandir – Löwenquartett vor einem Schrein
Die mannshohen Löwen am Eingang vom Rudravarna Mahavira sitzen aufrechter als die Löwen der beiden bislang vorgestellten Typen: die Köpfe sind markanter ausgeprägt, Ohren, Augenbrauen, Nasen- und Barthaare treten stärker hervor. Der Schmuck um Hals und Brust variiert, der Prunk ist etwas zurückgenommen, sie tragen keine Krone. Wichtig: hier halten ein männliches (links) und ein weibliches Tier (rechts) Wache, das deutliche Unterscheidungsmerkmal sind die Brustpartien der Löwen. Diese Löwen scheinen aus mehreren Steinschichten gefertigt zu sein. 
Lalitpur Rudravarna Mahaviha – Löwen am Außentor
Lalitpur Rudravarna Mahaviha – Löwen am Außentor
Das innere Tor vom Rudravarna Mahaviha flankieren zwei ganz andere Löwen. Diese Wächtertiere tragen auf dem Rücken ein Relief mit der Darstellung einer Gottheit. Weiter als bisher gesehen, reißen die Löwen ihr Maul auf, sie brüllen und zeigen starke Eckzähne, die Zunge ist andeutungsweise zu sehen. Man betrachte auch die feinen Übergänge von der Schulterpartie über die Mähne bis hin zum Reliefschild, das ist meisterhaft. Die handwerkliche Gestaltung dieser Löwen ist weitaus kunstvoller, als die anderen bislang gezeigten Löwen, die häufig zu finden sind und allesamt einem Grundmuster entsprechen, offenbar hatten die Werkstätten Musterstatuen zur Ansicht und nur die Größe musste den Bauten (den Sockeln) angepasst werden. – Wissenschaftler könnten ihren Blick auf die Inschriften an den Rändern der Löwensockel fokussieren. Vielleicht sind das Herstellungsjahr, die Werkstatt und eine Widmung zu lesen. Touristen muss der Rudarvarna Mahavihar empfohlen werden, er ist einer der schönsten Tempel in Lalitput. Im Innenhof stehen mehrere sehenswerte Metallskulpturen, unter ihnen auch eine europäische Löwenstatue.
Rudravarna Mahaviha – Löwe am Innentor & Metallskulptur
Rudravarna Mahaviha – Löwe am Innentor & Metallskulptur
In Nebenstraßen und Innenhöfen gibt es ungezählte namenlose kleine Heiligtümer zu entdecken. Der Mut, Schritte ins Abseits zu wagen, wird belohnt, weder beißen die Löwen, noch die Menschen, sofern anwesend. Die gedrungenen Körper, die kürzeren Vorderläufe und die tiefere Sitzhaltung vermitteln ein anderes Erscheinungsbild als die bisher vorgestellten aufrecht sitzenden Löwen.
Lalitpur – Schreine in einem Innenhof
Lalitpur – Schreine in einem Innenhof
Wer den Rato Machindranath Tempel besichtigt, wird einerseits enttäuscht und andererseits begeistert sein. Der für das Kathmandu-Tal typische Pagodenstil zeichnet diesen wunderbar restaurierten, leider nicht zugänglichen Tempel aus. Ein blauer Gitterkäfig verhindert die Besichtigung, immerhin sind die Gitterstäbe so weit auseinander, dass die visuelle Begutachtung aus der Distanz ohne Schwierigkeiten rundum möglich ist. Zwei bemalte Löwen (männlich und weiblich) bewachen die Stufen zum Eingang. Es muss vorgegeben sein, dass die Löwinnen immer rechts ihren Platz haben. Bemalte Löwen wirken völlig anders, als Löwen in ausschließlich steinern farbloser Erscheinung. Sind dann auch noch die Köpfe/das Gesicht sonderlich geformt und die Kronen extrem stilisiert, muss hier ein völlig eigenständiger Löwen-Typ registriert werden. Unabhängig vom Typ sind also bemalte und nicht bemalte Wächterlöwen zu unterscheiden, siehe auch die bemalten Löwen vom Kutusingha Vihar. 

Zum Machindranath Tempel, der auf Fundamenten einer früheren Tempelanlage 1673 erbaut wurde, kommen Hindus und Buddhisten. Vielleicht wird der Tempel für Feiern bestimmter Rituale zeitweise geöffnet.
Lalitpur: Rato Machindranath Tempel, Kutusingha Vihar
Lalitpur: Rato Machindranath Tempel, Kutusingha Vihar
Auf dem Darbar Square (Palastbezirk Lalitpur) gibt es viel zu sehen. Ohne weiteres kann man dort einen Tag unterwegs sein. Es ist nicht nur der Gesamteindruck der Staunen hervorruft, besonders die Vielfalt der Tempel und deren Einzelbegutachtung fasziniert. Dort stehen auch zwei Krishna Tempel, sie sind leicht auseinander zu halten, sofern man die Namen richtig auswertet: Chyasym Deval Krishna Tempel und Krishna Mandir. Baustilistisch unterscheiden sich die erwähnten Krishna Tempel. Der Chyasym Deval Krishna Tempel ist ein oktogonaler Bau und hat nur zwei Wächterlöwen, der Krishna Mandir präsentiert sich in quadratischer Bauform und vier Löwen halten Wache, zwei von ihnen sind Garuda-Löwen, sofern die Klassifizierung erlaubt ist, auch sie treten als Paar in Erscheinung. Die Löwengruppe am Krishna Mandir (Darbar Square) unterscheidet sich von den eingangs gezeigten Löwen vom Kobaha Krishna Mandir und vom Harishankar Mandir nur unwesentlich, selbst die Kronen gleichen sich, nur der Hals- und Brustschmuck differiert. Die kleinen Löwen am Sockel, jeweils unter den Säulen, müssen als obligatorisches Accessoire vorgeschrieben sein, sie sind an beiden genannten Krishna Tempeln vorhanden.
Lalitpur: Chyasym Deval Krishna Tempel & Krishna Mandir, Löwengruppe & Garuda-Löwe
Lalitpur: Chyasym Deval Krishna Tempel & Krishna Mandir, Löwengruppe & Garuda-Löwe
Auch die monumentalen Palastlöwen (Darbar Square) treten als Paar in Erscheinung, deutlich ist die Löwin kenntlich. Beachtenswert sind die verschieden geschmückten Fußfesseln an drei Beinen. Reste einer ehemaligen Fassung (Bemalung) sind zu ahnen, falls die Tönungen nicht der natürlichen Verwitterung anzulasten sind. Dieses Löwenpaar erinnert an die Löwen am Eingang zum Rudravarna Mahavira. Die Palastlöwen hinterlassen den Eindruck, als seien sie aus mehreren Steinschichten gefügt und nicht aus einem Steinblock gehauen.

Anmerkung: in Myanmar wurden und werden Löwenstatuen gemauert, verputzt, in Form gebracht und schlussendlich bemalt. Welche Fertigungsverfahren in Nepal bevorzugt oder ausschließlich angewendet wurden, vermag der kunstinteressierte Laie nicht verbindlich behaupten, hierzu müssten wissenschaftliche Spezialbetrachtungen zu Rate gezogen werden.
Lalitpur Darbar Square – Löwenpaar vor dem Palast
Lalitpur Darbar Square – Löwenpaar vor dem Palast
Die folgenden sechs unbenannten Bildbeispiele repräsentieren stellvertretend die Vielfalt der Sockel-Löwen und Pfeiler-Löwen, die an fast allen Tempeln zu finden sind. Diese speziellen Löwen ragen aus den jeweiligen Wandpartien deutlich heraus, sind nicht mehr als Reliefs einzuordnen, folglich muss von Statuen gesprochen und diese als Kleinplastiken betrachtet werden. Auch diese im Maßstab und in der Form veränderten Löwen existieren in männlichen (Bild I & III) und weiblichen Varianten (Bild IV, V & VI), sogar als Garuda-Löwe (Bild II).
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen I & II
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen I & II
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen III & IV
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen III & IV
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen V & VI
Lalitpur – Sockel- und Pfeilerlöwen V & VI
Zu erwähnen sind noch Löwenkopfvarianten an Holzeinfassungen über Tempeleingängen, an holzgeschnitzen Umrahmungen unter den Dächern und an den Enden von Dachbalken. Diese katzenartig wirkenden Löwenköpfe wurden und werden in mehreren Grundvarianten gefertigt.
Lalitpur – Löwenköpfe in Holz
Lalitpur – Löwenköpfe in Holz
Nicht zu übersehen sind Elefanten als Wächtertiere neben den Stufen und Eingängen, das aber ist schon wieder ein gesondertes Thema, welches hier nur informativ als Randnotiz angeschlagen wird.
Lalitpur
Lalitpur
Jeder aufmerksame Besucher wird in Lalitpur noch weiteren Wächterlöwen begegnen, was bei der Vielzahl der Tempel einer leichten Übung entspricht. Die hier vorgestellten Löwen erheben nicht den Anspruch, die schönsten Exemplare in Lalitpur zu sein, sie sind lediglich maßgebliche Beispiele, welche das Thema genügend repräsentieren.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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    Autor Günter Schönlein

    Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen.


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    Indrajit
    Krishna & Kaliya

    Vishnu allgegenwartig
    Die verlorene Sammlung
    (The Lost Collection)
    Srah Srang
    Yeay Pow Tempel
    Ta Prohm (Tonle Bati) Tempel
    Prasat Neang Khmau
    Phnom Bayang Tempel
    Phnom Bayang Nebentempel
    Prei Tempel Spezial
    Banteay Prei Spezial
    Krol Ko Spezial
    Prasat Tonle Snguot
    Phnom Da
    Angkor Borei Museum
    Prei Khmeng Stil

    Kala
    Preah Norodom Sihanouk Museum
    Krol Romeas & Kral Romeas
    Preah Khan versus Banteay Kdei
    Frömmigkeit versus Glaube
    Khmer Halsschmuck
    Spean Toap & Prasat Prohm Kal

    Dachlandschaften in Angkor
    Eindrücke vom Tag
    Bilderbögen Zentral-Vietnam
    Da Nang

    Marmorberge Da Nang
    Da Nang Halbinsel Son Tra
    Da Nang Museum Cham Sculpture
    Cham-Skulpturen: Vishnu & Shiva
    Cham Tempel in Vietnam
    Thap Phu Dien
    Thap Bang An
    Thap Khuong My
    Thap Chien Dan
    Thap Chien Dan - Museum
    Thap Dong Duong
    My Son (Teil 1)
    My Son (Teil 2)
    My Son (Teil 3)
    My Son (Teil 4)
    My Son (Teil 5)
    Cham Phong Lee
    Makaras der Cham
    Kala in Vietnam
    Hue - Verbotene Stadt
    Incense Burner

    Sepulkralkultur in Vietnam I
    Sepulkralkultur in Vietnam II

    Sepulkralkultur in Vietnam III
    Sepulkralkultur in Vietnam IV
    Hoi An
    Cao Dai Tempel in Hoi An
    Glocken in Vietnam

    Museum of Da Nang
    Skulpturen in Da Nang
    Musik und Tanz der Cham

    Henri Parmentier
    West Mebon Tempel 2022
    Mebon Tempel Banteay Chhmar
    Phnom Sampov
    Garuda gegen Naga

    Naga-Chakra
    Mucalinda versus Naga
    Provincial Museum Battambang
    Tempel in der Region Damdek
    Preah Khan Spezial Teil 1
    Preah Khan Spezial Teil 2
    Preah Khan Spezial Teil 3
    Preah Khan Spezial Teil 4
    Preah Khan Spezial Teil 5
    Preah Khan Spezial Teil 6
    Kna Phtoul Tempel
    Phnom Komnop Pagoda
    Neak Buos Tempel
    Prasat Kuk Bros & Prasat Kuk Srei
    Phnom Chhngork Cave Tempel
    Preah Theat Kvav
    Region Beng Mealea

    Wat Kok Chan & 2 Tempel
    Wat Kesararam Siem Reap

    Siem Reap
    Generäle Royal Garden Siem Reap
    Theam’s Gallery Siem Reap
    Wandbilder im Wat Bo Siem Reap
    Bilderbogen Indien 2024
    Kanheri Caves
    Karla Caves
    Mahakali Caves
    Mandapeshwar Caves
    Elephanta Caves Teil 1
    Elephanta Caves Teil 2
    Ajanta Caves Teil 1
    Ajanta Caves Teil 2
    Ajanta Caves Teil 3
    Bedse Caves
    Bhaja Caves
    Yogeshwari Caves
    Pandava Caves - Teil 1
    Pandava Caves - Teil 2
    Khandoba Tempel Aurangabad
    Aurangabad Caves
    Daulatabad Fort
    Khuldabad
    Bhuikot Fort Solapur
    Bijapur (Teil 1)
    Bijapur (Teil 2)
    Tempel in Gadag
    Lakshmirasimha Tempel Jagaval
    Dodda Basappa & Someshwara
    Itagi Mahadeva Tempelkomplex
    Musafirkhana und Honda

    Kallesvara Tempel Bagali
    Archaeological Art Gallery Bagali
    Mondusale Tempel Somanathapura
    Panchalingeshwara Tempel
    Jain-Tempel in Halebidu
    Hoysalesvara Tempel in Halebidu 1
    Hoysalesvara Tempel Halebidu 2
    Bhimesvara Tempel in Nilagunda
    Harihareshvara Tempel Harihar
    Anantashayana Tempel Hospet
    Hampi (Teil 1)
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    Mysore Palace
    Die Museen in Hampi
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    Rundreise Rajasthan - Teil 1
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