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Günter Schönlein
Blog

Hitis in Kantipur und Bhaktapur

6/20/2026

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Kantipur bedeutet Stadt des Lichts. Diesen Namen trug eines der drei Malla-Königreiche im Tal von Kathmandu. Jeder spricht mit Selbstverständlichkeit von Bhaktapur und Lalitpur, den zwei anderen kleinen Königreichen der Malla, doch die Benennung Kantipur für das dritte Königreich wird selten verwendet. Alle Touristen berichten allgemein von Kathmandu, ihrem Urlaubsziel, tatsächlich haben sie die historischen Hinterlassenschaften von Kantipur, Bhaktapur und Lalitpur besichtigt. Konkret: der moderne Name Kathmandu bezeichnet vorrangig die Hauptstadt Nepals und darin eingeschlossen die ehemaligen drei Malla-Reiche im Tal.

Diesem Artikel vorangegangen ist eine Betrachtung der Wasseranlagen in der Altstadt von Lalitpur, in diesem Beitrag liegt der Fokus auf Kantipur und Bhaktapur.

Einleitend einige allgemeine Betrachtungen zur Wasserversorgung in den ehemaligen Königsstädten. Generell ging es, gleich in welchem Stadtteil, bei allen Zapfmöglichkeiten um eines: möglichst problemlos an Wasser zu gelangen bzw. jederzeit genügend Wasser zur Verfügung zu haben, zu unterscheiden wäre lediglich zwischen Brauch - und Trinkwasser.

Mit Brauchwasser (auch Nutzwasser) konnte gewaschen oder darin gebadet werden. An das Trinkwasser wurden hygienische Ansprüche gestellt, es musste klar und sauber sein, denn mangelhaftes Trinkwasser verursacht ernsthafte Erkrankungen.

Nutzwasserbecken konnten sich nur die Oberschichten der Gesellschaft bauen lassen. Falls das Trinkwasser knapp würde, konnte man das Brauchwasser notfalls filtern und abkochen, eine Prozedur, die bis heute in vielen ländlichen Regionen Nepals noch immer praktiziert wird.

Touristen wird dringend empfohlen, nur abgekochtes Wasser zu trinken, also heiße Getränke (Tee, Kaffee) oder aber in Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Die Ansprüche an die Reinheit des Trinkwassers sind gestiegen, Menschen aus der westlichen Hemisphäre sind weniger robust, als die Landbevölkerung Nepals.

Im Palast von Kantipur, genauer gesagt im Gartenbereich östlich hinter den Lohan Chowk befindet sich ein mittelgroßes, insgesamt recht tiefes Stufenbecken, aus dessen Zentrum eine senkrecht aufragende Säule gen Himmel ragt, der quadratische Pfeiler (genannt: Naagyu Statue) ist einer Naga (Schlange) nachempfunden. In einem der Innenhöfe vom Kantipur Palast existiert auch ein ähnliches Prachtbecken wie im Lalitpur-Palast. Im November 2025 waren jedoch einige Bereiche vom Palastgelände Kantipur wegen Wiederaufbauarbeiten nicht zugänglich, weshalb von diesem Becken kein Foto präsentiert werden kann. 
Kantipur – Gartenbereich mit Becken, Stufenzugang und Naagyu Statue
Kantipur – Gartenbereich mit Becken, Stufenzugang und Naagyu Statue
Keine 200m westlich vom Maju Dega Tempel (Palastbezirk Kantipur) hat sich das geräumige Maru Hiti erhalten. Großzügige Restaurierungsmaßnahmen vermitteln einen überzeugenden Eindruck einer prachtvollen Beckenanlage, die bis heute für die Bewohner des Stadtviertels Maru wichtig ist. Die Menschen nehmen das wahrscheinlich kostenlose Wasserangebot gern an. Die Betriebsamkeit in diesem Becken reißt nicht ab. Mütter waschen Kinder, Männer schrubben Wäsche, andere füllen Behälter mit Wasser für den Haushalt. Der Nutzungsbedarf und der Wert dieser Wasseranlage ist auch in der Jetztzeit offensichtlich vorhanden.
Kantipur – Maru Hiti, Gesamtaufnahme mit Wäsche- und Trinkwasserbecken
Kantipur – Maru Hiti, Gesamtaufnahme mit Wäsche- und Trinkwasserbecken
Kantipur – Maru Hiti, Trinkwasserrohr mit Muschelhornbläser-Relief
Kantipur – Maru Hiti, Trinkwasserrohr mit Muschelhornbläser-Relief
Picture
Kantipur – Maru Hiti, Trinkwasserbecken mit Makara-Steinausfluss (rechte Hiti-Seite)
Die Anordnung der Becken und der Ausflussrohre folgt erprobter Symmetrie. Das größte Becken in der Mitte (zwei Steinrohre) bleibt den verschiedenen Waschzwecken vorbehalten. Rechts und links sind die Trinkwasserrohre angeordnet. An der rechten Seite überwiegt die Verehrung der Götter, hier sind mehrere Götterbilder zur Anbetung präsent. Linksseitig ist nur eine Reliefnische über dem Makara-Rohr vorhanden. Unter dem Ausfluss fehlt ein Relief, kein Yaksha, kein Muschelhornbläser ist anwesend. 
Kantipur – Maru Hiti, Trinkwasserbecken mit Makara-Ausfluss (linke Hiti-Seite)
Kantipur – Maru Hiti, Trinkwasserbecken mit Makara-Ausfluss (linke Hiti-Seite)
Unmittelbar am Fahrweg mitten in Kantipur ist ein Objekt moderner Wasserversorgung zu sehen, ein Hydrant, welcher nach herkömmlicher Art durch eine Ummauerung geschützt wird. Wahrscheinlich fließt aus dem Stahlrohr nur nach Bedarf für Feuerlöschzwecke Wasser, für herkömmliche Nutzungszwecke ist das Ventil ungeeignet, das kleine Zapfrohr auf halber Höhe führt kein Wasser.
Kantipur – Hydrant (VJ)
Kantipur – Hydrant (VJ)
In Bhaktapur haben sich mehr Wasseranlagen als in Kantipur erhalten, das mag ein Fehlurteil sein, da viele Bereiche im Palastbereich von Kantipur nicht zugänglich, folglich weniger Entdeckungen möglich waren, während in Bhaktapur nur geringfügige Sperrungen wegen Bauarbeiten die Visite historischer Bausubstanz behinderten.

Neben dem Indrayani Tempel, gelegen am Treppenaufgang zum nördlichen Eingang zur Altstadt von Bhaktapur, befindet sich ein rechteckiges Stufenbecken, ein einfaches zweckgebundenes Hiti. 
Bhaktapur – Hiti neben Indrayani Tempel
Bhaktapur – Hiti neben Indrayani Tempel
Kurz hinter der Shree Padma Secondary School befindet sich ein sehenswertes mit Sandstein eingefasstes Tor zu einem Innenhof, dort haben die Malla ein Stufenbecken angelegt, das Bandhar Pokhari, dieses Becken gehörte zum Palastbereich und ist heute Teil des Museums. Die Ausbauphasen nachträglicher Restaurierungen sind unübersehbar. Der Pavillon am Beckenrand harrt noch seiner Fertigstellung.
Bhaktapur – Bhandar Pokhari (Stufenbecken)
Bhaktapur – Bhandar Pokhari (Stufenbecken)
Bhaktapur – Bhandar Pokhari (Stufenbecken)
Das prachtvolle, wenngleich heute funktionslose Layku Hiti blieb neben dem oktogonalen Pavillon Chyasilan Mandapa gegenüber vom königlichen Palast erhalten. Layku Hiti bedeutet: Wasserstrahl am königlichen Palast. Bhupatindra Malla soll diese Anlage 1691 erbaut haben, sie diente der Versorgung der umliegenden Tempel mit heiligem Wasser. Die Wasserleitung führte vom Palast nach draußen. 
Bhaktapur – Layku Hiti (auch: Layeku Hiti)
Bhaktapur – Layku Hiti (auch: Layeku Hiti)
Bhaktapur – Layku Hiti, Bhairava Statue
Bhaktapur – Layku Hiti, Bhairava Statue
Bhaktapur – Layku Hiti, Makara-Ausfluss in zwei Ansichten
Bhaktapur – Layku Hiti, Makara-Ausfluss in zwei Ansichten
Ein ziemlich vernachlässigtes, um nicht zu sagen verwahrlostes namenloses Hiti liegt am Weg, östlich gegenüber vom Shilu Mahadev Tempel. Noch ist zu ahnen, wie ansehnlich einst diese Brunnenanlage ausgeschaut haben muss. – Nördlich vom Shilu Mahadev Tempel an der Yalachhea Road steht eine Schwengelpumpe in einem steinernen Becken, dahinter mehrere Schreine, daneben ein Lingam, das ist ein Platz, der tiefste Volksfrömmigkeit im Verbund mit einer neuzeitlichen Wasservorrichtung dokumentiert.
Bhaktapur – namenloses Hiti
Bhaktapur – namenloses Hiti
Bhaktapur – Yalachhea Road, Wasserpumpe, Lingam, Schreine
Bhaktapur – Yalachhea Road, Wasserpumpe, Lingam, Schreine
Freistehende Steinwände mit Wasserhahn sorgten für die Trinkwasserversorgung der Menschen, diese sehr praktischen und sicher einst willkommenen Zapfstellen, sind meist deaktiviert, also funktionslos. Die ansehnlichen, meist mit Reliefverzierungen versehenen Wände sind wichtige Zeugnisse historischer Wasserbereitstellung.

Die hier mit zwei Bildern vorgestellte Steinwand=Tutedhara=Trinkwasserbrunnen an der Yalachhea Road weist sämtliche typischen Kennzeichen einer Wasserzapfstelle auf. Über dem nicht mehr vorhandenen, abgebrochenen Wasserhahn befindet sich ein Götterrelief, wir meinen Vishnu in seiner Inkarnation als Fisch (Vishnu Matsya) zu erkennen. Das Relief im unteren Bereich vom Trinkwasserbrunnen zeigt den fast schon obligatorischen Muschelhornbläser, mit dem im Regelfall Prinz Bhagiratha gemeint ist, welcher in mythologischer Beziehung zum Wasserfluss im Kathmandu-Tal steht. Beide Reliefs, sowohl Vishnu als auch Bhagiratha weisen durch das Muschelhorn auf die Verbindung zum Wasser hin. Das Muschelhorn (Shankha) ist eines der Attribute Vishnus, kann deshalb mit jeder Inkarnation Vishnus assoziiert werden. Es gilt als Objekt der Reinheit, welches Kraft vermitteln und den kosmischen Klang erzeugen kann, deshalb werden diese natürlichen Instrumente für religiöse Rituale verwendet. Bekannt ist das Muschelhorn auch als eines der buddhistischen Glückssymbole. Hinweis zur Identifizierung des Muschelbläsers als Prinz Bhagiratha → siehe weiter unten: Lun Hiti im Palastbereich.
Bhaktapur – Trinkwasserbrunnen
Bhaktapur – Trinkwasserbrunnen
Das Museum of Art in Bhaktapur wird gern besucht. Im Innenhof gleich hinter dem Kassenbereich befinden sich Toiletten, unmittelbar daneben existiert ein Hiti. Dieses tiefe, recht kleine Becken hat keinen Zugang, ein Zustand, der jegliche praktische Nutzung ausschließt. Es ist durchaus anzunehmen, dass es vormals auf diesem Hof einen Brunnen gab, doch was jetzt zu sehen ist, kann bestenfalls ein Nachbau, eine Rekonstruktion sein, sofern Wasser vorhanden wäre, könnte es ein Schöpfbrunnen sein.
Bhaktapur – rekonstruierter Brunnen im Innenhof vom Palast (direkt hinter dem Kassenbereich)
Bhaktapur – rekonstruierter Brunnen im Innenhof vom Palast (direkt hinter dem Kassenbereich)
Auf manchen stilisierten Plänen findet sich eine der schönsten Beckenanlagen in Bhaktapur als Golden Fountain eingetragen. Andere Karten nennen das Becken Naga Pokhari, weitere Autoren sprechen vom Lun Hiti bzw. vom Thantu Darbar Hiti. Die beiden letzten Begriffe kommen der architektonischen Sachlage am nächsten. Ein Hinweisschild für Touristen nennt  das Becken Sundhara Pond (siehe Foto). Welcher Begriff auch immer verwendet wird, die Rede ist allemal vom selben Wasserbecken.

Wir blicken in ein von liegenden Schlangen eingefasstes Stufenbassin mit integriertem Hiti, das Bassin wird vom Wasserstrahl aus dem Hiti-Rohr gespeist. Aus dem Zentrum des Bassins erhebt sich glorios eine Naga-Säule, der Schlangenkopf schaut in Richtung Hiti, über dem wiederum ein Schlangenkopf aufragt, der sich wiederum zur Naga-Säule wendet.

Das Wunder am Lun Hiti ist aber vor allem der einzigartige Makara-Ausfluss. Vergoldetes Messing umhüllt den selten schön geformten Makara-Körper, das ist eine unwiederbringliche Repoussé-Arbeit oder anders gesagt: nepalesisches Handwerk in höchster Qualität. Wer diesen Makara aus der Nähe gesehen hat, wird feststellen, dass keine Beschreibung diesem Kunstwerk gerecht wird. 
Bhaktapur Hinweisschild
Bhaktapur – Palastgelände Sundhara Pond mit Lun Hiti
Bhaktapur – Palastgelände Sundhara Pond mit Lun Hiti
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Lun Hiti – Nagas
Nur durch Nahsicht erschließt sich das vielschichtige Bildwerk dieses Makaras. Der Makara verschlingt eine Ziege, aus dem zahnreichen Maul ragen nur noch die Vorderläufe und der gehörnte Kopf. Auf der Rückenplatte steht ein Krokodil. 
Makara in zwei Ansichten
Makara in zwei Ansichten
Geradezu ungewöhnlich sind die Flanken des Makara gestaltet. Auf jeder Körperseite tummeln sich verschiedene Lebewesen: Wassertiere und Landtiere, sogar menschenähnliche mythische Tiere sind anwesend, gemeint sind die Kinnaras/Kinnari, die männlich/weiblichen Mensch-Vogel-Wesen, welche in Nepal unter dem Begriff Jalamanusha bekannt sind. Muscheln, Frösche, Fische, Krebse, Schlangen, Vögel, Wildschweine, Pferde, Ziege, Schildkröte: ein Sammelsorium der Tierwelt gibt sich die Ehre.

Hinweis: die Aufzählung der Tiere und andere Hinweise verdankt der Autor 
der sehr ausführlichen Beschreibung von dem 1940 geborenen Sanskritgelehrten 
Gautama Vajra Vajracharya auf der Internetseite: RUBIN (Museum of Himalayan Art NYC) 
darin das Essay Golden Fountain of Bhaktapur | Project Himalayan Art 
Makara – rechte und linke Körperflanke
Makara – rechte und linke Körperflanke
Im erwähnten Essay von Gautama V. Vajracharya wird auch die lesenswerte Geschichte vom Prinz Bhagiratha erzählt, der auf dem Relief unter dem Makara-Wasserausfluss zu sehen ist. Das ist ein konkreter Hinweis auf die ominösen Muschelhornbläser, welche an anderen Hitis zu sehen sind. Allein der Vergleich der Muschelhornbläser, sprich: Bhagiratha, wäre selbst für abitionierte kunstinteressierte Laien nicht ohne Belang.
Relief unter dem Makara – Prinz Bhagiratha
Relief unter dem Makara – Prinz Bhagiratha
Auf dem Taumadi Square in Bhaktapur stehen zwei bedeutende Tempel, neben dem Bhairavnat Tempel befindet sich ein prachtvolles Jahru (Wasserzapfanlage). Im unteren Bereich ist wieder Bhagiratha mit seinem Muschelhorn zu sehen, ihn flankieren Makaras und Kinnaras. Im oberen Wandbereich unter den Lufteinlassluken sehen wir einen vom Naga geschützten Buddha und zwei halbgöttliche Wesen, es müssen Chowry Bearer sein, ganz außen wiederum die Kinnaras. 
Bhaktapur – Jahru neben Bhairavnath Tempel
Bhaktapur – Jahru neben Bhairavnath Tempel
Wenige Schritte rechts vom Bhairavnath Tempel und dem Bhairavnath-Jahru etwas unter Bodenniveau versenkt, befindet sich das Lü Hiti. Dieses Hiti ist insofern außergewöhnlich, weil es mit einem besonderen Brunnen kombiniert ist. Die Newar sprechen von Jaldroni = Jahru, also von einer Trinkwasserzapfstelle. Dieses Jahru zeigt ein Navagraha-Relief, also die Aufreihung der neun Planeten, das Relief wird auf das 13.-14. Jh. datiert, das Lü Hiti soll erst im 16. Jh. erbaut worden sein.
Bhaktapur – Navagraha-Relief des Lü Hiti Jahru
Bhaktapur – Navagraha-Relief des Lü Hiti Jahru
Abgesehen vom Navagraha-Relief, welches bei unseren Exkursionen an keinem anderen Jaldroni in den drei Königsstädten gefunden wurde, weist auch das Lü Hiti Besonderheiten auf. Über dem Makara-Ausfluss thronen Shiva und Parvati (Uma-Mahesvara), ein wunderbares Relief, welches sehr voluminös wirkt, man meint, auf eine kleine, nicht völlig freistehende Statue zu blicken. Unter dem Makara kniet Bhagiratha, eine etwas andere als die gewohnte Darstellung, hier ohne Muschelhorn. 
Bhaktapur Taumadi Square – Lü Hiti
Bhaktapur Taumadi Square – Lü Hiti
Mitten in Bhaktapur auf dem Dattatreya Square fällt rechts neben dem Dattatraya Tempel hinter einer Steinwand ein rundes Brunnenbecken auf, das Becken gehört zur schmucken Steinwand, es handelt sich um ein Jahru, einen Trinkwasserbrunnen. Vor der verzierten Wand mit den typischen Lüftungsöffnungen, an denen die Trinkbrunnen zu erkennen sind, steht noch ein Wasserauffangbecken. Dieses wenig schöne Jahru hat mindestens eine Zerstörung und einen Wiederaufbau hinter sich, der Unterschied zu dem prächtigen Bhairavnath-Jahru oder dem Jahru an der Yalachhea Road ist auffällig. Lediglich der Standort ist markant: vor einem Tempel. 
Bhaktapur: Dattatraya Square mit Dattatraya Tempel und Jahru (rechts außen im Bild)
Bhaktapur: Dattatraya Square mit Dattatraya Tempel und Jahru (rechts außen im Bild)
Bhaktapur Dattatraya Square – Jahru (VJ) und Wasserbecken vor Jahru
Bhaktapur Dattatraya Square – Jahru (VJ) und Wasserbecken vor Jahru
Auf dem Verbindungsweg zwischen dem Taumadhi- und dem Tachapal Square liegen zwei Hitis nah beieinander: das eine Hiti (ohne Name) wurde gegenüber vom Bishnu Mandir wiederaufgebaut, das andere authentisch wirkende formschöne Palikhel Iho Hiti ist keine 100m östlich an der gleichen Straße vor dem Jhaur Bahi zu finden.
Bhaktapur – Hiti am Bishnu Mandir
Bhaktapur – Hiti am Bishnu Mandir
Bhaktapur – Palikhel Iho Hiti vor Jhaur Bahi (Mangal Dharmadeep Mahavir)
Bhaktapur – Palikhel Iho Hiti vor Jhaur Bahi (Mangal Dharmadeep Mahavir)
Wer in Bhaktapur auf der Bhailagaal Tole Road wandelt, der schreitet auf historischen Pflaster, findet dort auch einige kleine Tempel und stößt auf der abwärts führenden Straße auf ein aus Naturstein schlicht gebautes Hiti, welches keinen sakralen Schmuck aufweist. Neben dem historischen Makara-Ausflussrohr ragt zusätzlich eine Wasserleitung aus der steinernen Wand. Das verzinkte Rohr mit Wasserhahn stört die harmonische Ästhetik des formschönen Beckens, die Montage der modernen Leitung muss aus praktischer Notwendigkeit erfolgt sein. 
Bhaktapur Bhailagaal Tole Road
Bhaktapur Bhailagaal Tole Road
Bhaktapur – Hiti an der Bhailagaal Tole Road
Bhaktapur – Hiti an der Bhailagaal Tole Road
Am nördlichen Flussufer unterhalb der Brücke steht der tagsüber wenig besuchte Shree Hanuman Tempel, dort findet sich etwas versteckt ein ansehnlich restauriertes halbrundes Hiti.
Bhaktapur – Shree Hanuman Hiti
Bhaktapur – Shree Hanuman Hiti
Der Siddhikali Tempel in Thimi (ein dem Bezirk Bhaktapurs zugehöriger Ortsteil von Kathmandu) ist ein ansehnlicher Tempelkomplex, auf dessen Areal außer dem Haupttempel noch mehrere Schreine gebaut wurden, so auch der kleine Basundhara Tempel. Zu beiden Tempeln gehört jeweils ein Hiti, die sich keineswegs gleichen. 
Kathmandu, Ortsteil Thimi – Hiti im Siddhikali Tempelkomplex
Kathmandu, Ortsteil Thimi – Hiti im Siddhikali Tempelkomplex
Hiti im Siddhikali Tempelkomplex – Makaraausfluss
Hiti im Siddhikali Tempelkomplex – Makaraausfluss
Hiti im Siddhikali Tempelkomplex – Buddharelief
Hiti im Siddhikali Tempelkomplex – Buddharelief
Auf dem Gelände vom Siddhikali Tempel befindet sich außerdem der kleine Basundhara Tempel, dort wiederum etwas im Abseits versteckt sich noch ein weiteres Becken, welches selbstredend die obligatorischen Architekturelemente eines Hiti vorweisen kann: einen altarähnlichen Schrein über dem Makara-Ausfluss, den Makara selbst, übrigens eine Variante, die zuvor nicht zu sehen war, selten ist das schneckenartig gerollte Schuppenbild vom Makarakörper, darunter das Bhagiratha-Relief, ebenfalls variiert. 
Hiti am Basundhara Tempel – Makara – Bhagiratha
Hiti am Basundhara Tempel – Makara – Bhagiratha
Einigen Lesern mag das Thema Wasserversorgung in Kathmandu zu weitläufig vorkommen, dabei nähern sich die Fotos und Erläuterungen der Thematik Hiti und Jahru nur an, ohne zu erschöpfenden Erkenntnissen gelangt zu sein. Hier sei versichert, dass keine der Wasserversorgungsstellen bewusst gesucht wurde, alle Orte, die mit Wasser zu tun haben, fanden sich zufällig auf Exkursionen durch die verschiedenen Stadtteile von Kathmandu. Dieses Thema genügte sogar für den Umfang einer Doktorarbeit, das belegt eine 2015 vorgelegte im Internet als Download abrufbare Dissertation von Satya Shila Kashajoo:
LÜN-HITIS (golden spouts) OF BHAKTAPUR 
with special focus on Lün-hiti of Bhaktapur Durbar Complex and Taumadhi

In partial fulfillment of the requirements for the degree of Master in Art (MA), Tribhuvan University, Institute of Humanities and Social Science, Central Department of Nepalese History, Culture and Archaeology Kirtipur, Kathmandu
Submitted by Satya Shila Kashajoo
Im Vergleich zu den umfassenden Erkenntnissen von Frau Kashajoo beleuchten dieser Artikel und der Artikel HITIS IN LALITPUR in aller Bescheidenheit das Thema Hiti eher peripher. Die hier vorgebrachten Ausführungen schildern anschaulich (siehe Hiti-Fotos) die Entdeckerfreuden während mehrerer Stadtrundgänge. Ambitionierte Besucher könnten einwenden, warum dieses oder jenes Hiti fehlt. Nochmals sei verkündet, wir hatten keinen konkreten Arbeitsplan, der auf die Erkundung möglichst vieler Wasserstellen fokussiert gewesen wäre, obgleich wir von der Existenz einiger markanter Hitis wussten. Der Zufall und unermüdlicher Einsatz haben uns zu den vorgestellten Hitis und Trinkwasserbrunnen gelenkt.

Mit (VJ) gekennzeichnete Fotos
stammen von Vanessa Jones
Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Votiv-Stupa

6/13/2026

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In allen hinduistisch und buddhistisch geprägten Ländern Asiens finden sich Votiv-Stupas in verschiedenen Formen. Meist stehen die als Opfergaben dargebrachten Miniatur-Stupas in großer Zahl im Umfeld bedeutender Heiligtümer, doch auch als Einzelstücke werden sie an markanten Plätzen und auf Innenhöfen aufgestellt und werden dort zum Objekt der Anbetung. Speziell in kleineren Siedlungen ohne eigene Tempelanlage erfüllen Votiv-Stupas die Funktion eines Tempels. Bevorzugt eignen sich Plätze, an denen sich Menschen bei ihren täglichen Beschäftigungen häufig begegnen. Oft ersetzt schon kurzes Innehalten zum Gebet und das Niederlegen einer Opfergabe am Votiv-Stupa den Gang in den weiter entfernten Tempel.

Rund 85km nordwestlich von Siem Reap befindet sich die vormals von einem durchgängigen Wassergraben eingefasste rechteckig angelegte Klosteranlage Phnom Srok, die heutzutage ihr äußeres Erscheinungsbild als Wohnsiedlung mit Tempeln, Schulen, Kindergärten, Geschäften und kleinen Betrieben gewandelt hat. Von der historischen Bausubstanz hat sich nichts erhalten, die Bedürfnisse der Menschen erforderten die Neubebauung des Geländes. Mehrere moderne buddhistische Tempel stehen den dort lebenden Menschen als Andachtsorte zur Verfügung.

Der hier vorgestellte über 1000 Jahre alte, vierseitig gearbeitete Votiv-Stupa aus dem Pariser Musée Guimet ist nicht nur ein Beleg aus der Khleang-Periode, sondern auch ein beredtes Zeugnis religiöser Praxis dieser Zeit in der Provinz Banteay Meanchey.

Unentwegte Interessenten werden Kbal Sre Yeay Yin im Kartenwerk von Google Maps vergeblich suchen, doch die Nähe zu Phnom Srok scheint garantiert. Einheimische werden vielleicht wissen, in welcher Richtung zu suchen wäre.   
Musée Guimet Paris: Votiv-Stupa
Musée Guimet Paris: Votiv-Stupa
Die Route der deutschen Turfan Expedition von 1904/1905 nachzuvollziehen bzw. die damaligen Ausgrabungsstätten zu besichtigen, dürfte im China unserer Tage ernsthafte Probleme bereiten. Wahrscheinlich gelangen nur arivierte Archäologen in diese abgelegenen Regionen im nordwestlichen China. In dieser schwer zugänglichen Gegend kreuzten sich mehrere Seidenstraßen. Tausende Fragmente buddhistischer Wandmalereien konnten von den deutschern Forschern auf  vier Expeditionen gesichert und archiviert werden. Weiterhin wurden steinerne Objekte und Textilien gesichert und nach Berlin transferiert. Europäer sahen und betraten erstmals buddhistische Tempel und Höhlentempel im fernen China. Von der seinerzeit bedeutenden Oasenstadt am Rande der Taklamakan-Wüste existieren nur noch wenige Ruinen.

Ein ansehnlicher Votiv-Stupa aus Kocho (der ehemaligen Hauptstadt des Kocho-Reiches) wird in der Dauerausstellung im Humboldt Forum Berlin präsentiert. Neben vielen anderen Objekten in den Turfan-Ausstellungssälen ist dieser etwa 80cm hohe Stupa ein echter Blickfang, der von allen Seiten besichtigt werden kann. Vom 4. Jahrhundert an breitete sich von Indien kommend der Buddhismus in China aus. Heute beanspruchen die Uiguren erfolglos weite Gebiete dieser Region als ihren Lebensraum und ihr angestammtes Land. Die chinesische Regierung behält sich das Alleinbestimmungsrecht für diesen Landesteil vor. Von freier Religionsausübung kann längst keine Rede mehr sein. 
Humboldt Forum Berlin: Votiv-Stupa
Humboldt Forum Berlin: Votiv-Stupa
Der Miniaturstupa aus Bodhgaya (9. Jh. Schiefer) wird in der Dauerausstellung der indischen Abteilung vom Humboldt Forum Berlin gezeigt. Der Bildhauer hat sich bei diesem Stupa stilgetreu an klassischen Vorbildern orientiert. Ursprünglich wurden Stupas anikonisch gestaltet. Im Stupa erkannten und verehrten die Gläubigen die symbolhafte Darstellung des Buddha und seiner Lehre, worauf die Architekturelemente Bezug nehmen. Ein Stupa verkörpert den Sangha, den Dharma und den Buddha, also die Gemeinschaft der Gläubigen, die Lehre und den Religionsstifter selbst, aber auch die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft lassen sich den Stupa-Segmenten zuordnen, schlussendlich sehen viele in der Gesamtheit eines Stupas die Verkörperung Buddhas.

Folgende Bauteile machen einen Stupa aus: 
Krone - Spitze/Mast mit Ehrenschirm - Reliquienkammer - Kuppel - Sockel - Grundfläche. 

Leseempfehlung: Heino Kottkamp – Der Stupa als Repräsentation des buddhistischen Heilsweges. Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung architektonischer Symbolik. 
Harrassowitz, Wiesbaden 1992.
Humboldt Forum Berlin: Minaturstupa aus Bodhgaya
Humboldt Forum Berlin: Minaturstupa aus Bodhgaya
Schiefer findet sich als Vorkommen in vielen Ländern der Welt, so auch in Nordindien. Schiefer lässt sich gut bearbeiten und wird in der Neuzeit vorwiegend in der Bauindustrie geschätzt. Dieses gefügige Steinmaterial wurde aber schon in Gandhara (Pakistan) während der ersten vier Jahrhunderte unserer Zeitrechnung für die Herstellung buddhistischer Kunstwerke verwendet. Zahlreiche Statuen, Reliefs und Zierelemente aus längst zerstörten Tempeln geben Kunde einstiger religiöser Prachtentfaltung im ehemaligen Gandhara-Reich. Weltweit kommt kaum ein Museum, welches asiatische Kunst zeigt, an Objekten aus der Gandhara-Periode vorbei. Gandhara ist betreffs buddhistischer Kunst zum Begriff geworden. Die Rezeption der Reliefs und Statuen fallen westlichen Kunstliebhabern leicht, weil die Physiognomien der dargestellten Figuren europäisch, sprich: griechisch geprägt erscheinen, was wohl auf die Einflüsse der Hinterlassenschaften von Alexander dem Großen zurückzuführen ist, sein Feldzug gen Osten führten den Eroberer und sein Heer bis zum Himalaya und an den Indus. Griechen stießen auf Inder, umgekehrt Inder auf Griechen, eine Vermischung der Ethnien war Folge der Eroberungs- und Besiedlungsstrategie, folglich fand unvermeidbar kultureller Transfer statt.

Die ergänzenden Bildbeispiele anikonischer Stupas aus Sanchi und Gandhara belegen den Grundaufbau: Sockel-Kuppel-Reliquienkammer-Mast mit Ehrenschirmen. Die Anzahl der Schirme kann 3 oder 8 betragen: drei Schirme meinen Sangha, Dharma und Buddha, acht Schirme symbolisieren den achtfachen Pfad der buddhistischen Lehre. Bei den Gandhara-Stupas fällt das Ambiente auf. Ein Stupa ist umrahmt von vier Säulen mit Löwenkapitellen, das ist ein Verweis auf den König Ashoka, der den Buddhismus im damaligen Indien zur Staatsreligion erhob. Das zweite Gandhara-Relief zeigt einen Stupa, der in einem Tempelbau steht, zumindest vermittelt das bogenförmige Portal den Eindruck von einem Bauwerk. Beide Stupas unterscheiden sich in der äußeren Bauform, während der eine Stupa trotz seiner Lotos-Kuppel gedrungen wirkt, steht der andere von einer Vedika (Zaun) markierte Kubus turmartig schlank im Raum. Verschieden sind auch die Reliquienkammern geformt.

Jeder Buddhist wird einen Stupa resp. einen Votiv-Stupa andächtig umschreiten und sich vor den Buddha-Bildern verneigen. Die Stupa- und Buddha-Verehrung ist Teil der religiösen Praxis, welche auf den drei Reliefs eindrucksvoll dargestellt ist. Pilger kommen zum Heiligtum und beten dort, an diesen Riten hat sich bis heute nichts verändert. Einmal im Leben den Stupa von Sanchi gesehen zu haben oder in Bodhgaya, dem Ort von Buddhas Erleuchtung zu verweilen, danach sehnen sich wohl die meisten Buddhisten. 
Humboldt Forum Berlin: Verehrung anikonischer Stupas, Sanchi 1.Jh. & Gandhara 2-3.Jh.
Humboldt Forum Berlin: Verehrung anikonischer Stupas, Sanchi 1.Jh. & Gandhara 2-3.Jh.
Museum Rom: anikonischer Stupa, Gandhara
Museum Rom: anikonischer Stupa, Gandhara
Der im Londoner Victoria & Albert Museum präsentierte äußerst kunstvoll gearbeitete Stupa-Reliquiar aus Takht-i-Bahi (Gandhara), wird in die Jahre 200-500 datiert. Die Ruinen von Takht-i-Bahi, einer buddhistischen Klosteranlage aus dem 1. Jahrhundert auf dem Staatsgebiet von Pakistan, zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von der Tatsache ausgehend, dass das Reliquiar im Kloster selbst oder in dessen Umgebung gefunden und geborgen wurde, scheint es unmöglich, das Jahr der Entstehung genauer zu bestimmen. Die Identifikation als Gandhara-Kunstwerk muss genügen.

Auf quadratischen, mit Buddha-Bildern verzierten Sockel ruht der von zweifacher Vedika umwundene Lotos-Kubus, darauf erhebt sich die Reliquienkammer mit dreifacher Schirmbekrönung. Eine solch prächtige, sehr gut erhaltene Klein-Antiquität fällt selbst im reich bestückten Victoria & Albert Museum als Solitär in den Blick und aus dem anspruchsvollen Rahmen der umfangreichen Kollektion.
Stupa Reliquiar, London Victoria & Albert Museum
Stupa Reliquiar, London Victoria & Albert Museum
Im Jahr 2017 zeigte das British Museum London in einer gesonderten Präsentation eine restaurierte Reliefplatte aus dem berühmten Schrein vom Amaravati. Die Platte bietet einen ganzflächig reliefierten Stupa zur Anschauung. An Hand dieser Reliefansicht auf die Bauweise vom Amaravati-Stupa zu schließen, entbehrt jeglicher Logik. Die Darstellung ist eine idealisierte Vorstellung des Bildhauers.

Seit 1880 lagern 120 steinerne Einzelstücke vom Amaravati-Stupa im British Museum. Erst 1992 wurde ein klimatisierter Ausstellungsraum für die wertvollen Objekte eröffnet, rund siebzig Fragmente vom Stupa werden dem Publikum vorgestellt.  
British Museum London – Amaravati Collection, Plakat & Original
British Museum London – Amaravati Collection, Plakat & Original
Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Hitis in Lalitpur

5/23/2026

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Mit Hiti werden in Nepal Wasserbecken/Brunnen bezeichnet. Solche historischen Brunnenanlagen, die zum Teil wieder reaktiviert wurden, werden tatsächlich von der Bevölkerung heutzutage noch genutzt. Die Menschen waschen dort ihre Wäsche und sich selbst, nebenbei erwähnt: mit eiskaltem Wasser! Obwohl sich die Wasserversorgung der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren verbessert und stabilisiert hat und die meisten Stadtteile ans Trinkwassernetz angeschlossen sind, erfreuen sich vor allem in den historischen Stadtteilen die öffentlichen Brunnen wie eh und je großer Beliebtheit. Die Newar, eine in Nepal lebende Volksgruppe und geschätzte Handwerkerkaste, hatten vor mehreren hundert Jahren im Kathmandu ein unterirdisches Wasserrohrleitungssystem angelegt, welches ermöglichte, dass ständig frisches Wasser in die damals vorhandenen Becken floss. Das System muss über Jahre und Jahrzehnte hinweg permanent erweitert worden sein, ein aus heutiger Sicht beachtenswertes Großprojekt, denn jeder Meter Wasserkanal wurde in mühevoller Handarbeit verlegt. Kein Bagger, kein Kran, keine Abraumfahrzeuge, die den Menschen ihre harte Arbeit erleichtert hätte.

Die zuständige Organisation für das Wassermanagement im Großraum Kathmandu zählte im Jahr 2019 insgesamt 573 Hitis im Kathmandu-Tal. Von den ehemals verzeichneten 80 Hitis in Lalitpur (Patan) sind noch 72 aufzufinden. Wer in Patan auch nur wenige Stunden am Tag zu Fuß unterwegs ist, dem wird es gelingen, auf wenigstens ein halbes Dutzend historischer Brunnen zu stoßen – und die meisten werden aktiv genutzt.

Bestimmte, allen Brunnen gemeinsame Merkmale sollen in Folge näher betrachtet werden. Größe und Ausstattung unterscheiden die Brunnen. Die Wasserbecken sind bis auf wenige Ausnahmen unterhalb des Bodenniveaus angelegt und mit Ziegeln ausgemauert, seltener aus Natursteinen gefügt. Umlaufende Zierkanten aus Sandstein oder Granit schmücken die Brunnenbecken. Die oftmals prachtvollen Wasserausläufe aus Stein, neuerdings auch aus Metall sind der wahre Schmuck der Becken. Auffällig auch, dass keiner der Brunnen ohne Relief belassen wurde. Den Göttern ist das lebenserhaltende Wasser zu verdanken, das darf auch im Alltagsleben nicht vergessen werden. Religiosität im Alltag – völlig ohne sakralen Schmuck wurde keines der Becken belassen.

An dem kleinen unscheinbaren Washa Hiti (Bild 1 & 1.1) sind alle wesentlichen Bauelemente vorhanden, die alle weiteren Hitis in Lalitpur in variabler Bauweise aufweisen. Zwischen Säulen unter einem Kirtimukha-Bogen befinden sich die Gottheit, der Makara-Wasserauslauf und das Relief unter dem Wasserlauf, dazu die Zierkanten am Beckenrand.

Die beiden Fotos zeigen ein kleines Becken mit nur einem Wasserauslauf, der könnte erneuert oder ersetzt worden sein, dafür spricht das Metallrohr. Typisch ist die gestreckte Form der Ausläufe, deren Reliefschmuck meist den tradierten Makara-Statuen bzw. Makara-Reliefs nachempfunden ist. Die skulpturalen Formen imitieren das Aussehen der seltsamen Mischwesen, die als Reittier der Flussgöttin Ganga verbürgt und als Makara bekannt sind. Das mythologisch untermauerte Fundament von der Gottheit zum Wasser verdeutlicht sich an jedem Hiti. Über und oft auch neben den Ausläufen befinden sich Götterreliefs, nicht allenfalls die Flussgöttin, die ist ja schon durch ihr Reittier am Wasserauslauf symbolisch anwesend, eher sind es die lokal verehrten Götter. Unterhalb vom Auslauf ist meist auch ein Relief angebracht, hier gibt es keine Motivbeschränkungen, doch häufig ist ein Muschelhornbläser zu identifizieren. Die Verbindung zum Wasser ist bei diesem Motiv ebenfalls unverkennbar.

Nebenher erwähnt: der Makara lässt sich an etlichen Tempeln in Lalitpur nachweisen, dort finden sich diese Mischwesen als kunstvolle Steinfiguren zum Ablauf der Flüssigkeiten, welche im Tempel über das Lingam gegossen werden, sich in der Yoni sammeln und vom Garbhagriha nach Draußen gelangen, um wieder ins Erdreich zurück zu fließen. In der westlichen Welt heißen solche artverwandten Bauelemente Gargoyle=Wasserspeier, diese wurden vorwiegend an Kathedralen, Burgen und Schlössern zum Einsatz gebracht. Ein Beispiel für einen Tempel-Makara-Gargoyle wird mit Bild 1.2 vorgestellt.
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Größere Hitis verfügen im Regelfall über mehrere Wasserzuflüsse, es können drei oder vier, aber auch nur zwei Wasserspeier vorhanden sein, oftmals schien die angestrebte Symmetrie den Aufbau des jeweiligen Ensembles im Becken bestimmt zu haben. Üblicherweise führen Stufen zum zentralen Becken hinab, in welchen sich die Wasserstrahlen ergießen, dort finden sich plangehauene Steine zum Abstellen der Eimer oder anderer Wassergefäße. Auf diesen Steinen wird auch Wäsche geschrubbt.

Nördlich am Darbar Square von Lalitpur, gegenüber vom Bhimsen Mandir und dem Vishvanath Tempel befindet sich eine geräumige Beckenanlage: das Manga Hiti. Dieser Brunnen wartet mit drei sehr schönen steinernen Wasserrohren auf. Keiner der Makara-Rohre gleicht dem anderen, jeder Makara ist individuell gestaltet. Das besondere an den Rohren sind die oberen Abdeckungen, die beiden äußeren Wasserzuflüsse sind mit einer Krokodilplatte abgedeckt. Es könnten noch viele Einzelheiten erklärt und jedes Makara-Rohr einzeln beschrieben werden: der mittlere Makara hat einen Vogelkopf und einen Fisch im Maul, die anderen haben einen Rüssel, ihr zahnreiches Maul reißen alle drei weit auf. An den Flanken der Makaras befinden sich Götterbilder, unter den Makaras sind Reliefs der schon erwähnten Muschelhornbläser angebracht. Drei ehemalige Yonis liegen im Wasser, ein asymmetrisch aufgestellter Pfeiler ist vermutlich eine Säule, der Rest von einem Tempel. Zur Wiederverwertung als Stufe bot sich eine Traverse an, sicher ein weiterer Überrest von einem sakralen Bau, diese breite gut erhaltene Spolie zeigt wechselweise Purnagathas (Vasen) und Nagini (weibliche Schlangenwesen). Das untere Becken ist aus Naturstein gefügt, der obere Beckenbereich mit Ziegeln gemauert. Am prächtigem Manga Hiti können kunstinteressierte Besucher lange verweilen und ihre Studien betreiben.
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Im inneren Palastbereich existieren mehrere Höfe. Das königliche Bad Tusha Hiti im Sundhari Chowk ist der Blickfang schlechthin. Dieser Brunnen ist das prachtvollste aller Hitis in Lalitpur. Zahlreiche Reliefs zieren die runde Beckeneinfassung.  Der Wasserausfluss ist einem königlichem Hiti würdig. Angeblich haben die Malla-Könige in diesem schönen Becken gebadet. Wahrscheinlicher ist die Annahme, die Beckenanlage wurde für religiöse Zwecke genutzt und das Wasser als heiliger Quell wäre für königliche Sakralrituale geflossen. Man hätte wohl kaum das mit Götterreliefs dekorierte Becken geflutet, um ein Bad für den König zu ermöglichen.
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Ein größeres Becken (16x16m) im südlichen Palastareal hinter den Gebäuden ist zugänglich, doch dieses erfüllt nicht die oben aufgeführten Kriterien, welche ein Hiti kennzeichnen. Diese Beckenanlage scheint eher als Bad gedacht zu sein oder diente als Trinkwasserbecken. Auf kurzem Weg war diese Beckenanlage vom Palast aus zu erreichen. Auf jeden Fall muss das Becken als Bestandteil der königlichen Gartenanlagen gesehen werden. Unter dem Pavillondach konnten die Herrschaften im Schatten am Wasser geruhsame Stunden verbringen, ohne das Alltagstreiben auf der Straße vor dem Palast wahrzunehmen.
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Westlich vor dem Palast existiert ein Becken in Form einer stilisierten Lotosblüte. Dieser Brunnen wurde 1908 von einem Premierminister in Auftrag gegeben und bezahlt. Im November 2025 wies kein Indiz auf ein ehemaliges Hiti. Der Brunnen liegt trocken, ein gesperrter Steg führt in die Mitte vom Becken, dort steht auf einem Sockel die Büste der Maharani. Die Fotos vom Maharani Pukhu werden nur aus Gründen der Vollständigkeit gezeigt, immerhin ist die Porträtbüste der Maharani gelungen und vielleicht, wenn irgendwann die Bauarbeiten abgeschlossen sind, ist dieser Platz um den Brunnen ein ruhiger Sitzplatz für müde Touristen. 
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Nachdem keine wirklichen Hitis, sondern zwei Beckenanlagen, eines mit, das andere ohne Wasser, vorgestellt wurden, wenden wir uns wieder themenbezogen weiteren Hitis zu. Südlich hinter dem Palastgelände zweigen mehrere Straßen ab, auf der Satyajohan Joshi Marg gelangt man zu einem Hiti mit sakraler Ausstattung. Abgesehen von den zwei Wasserausläufen mutet alles wie ein Tempel unter freien Himmel an. Über den steinernen Wasserrohren stehen zwei gleiche Votivstupas, am Boden stehen zwei Lingams in Yonis, also das komplette anikonische Shiva-Ensemble. Asymmetrisch angeordnet befindet sich noch ein Ausfluss am rechten Seitenrand. Nicht häufig sind Hitis mit zwei Makara-Ausläufen in Lalitpur zu sehen, die Zahl zwei wird auch durch die Votivstupas und die Lingams doppelt betont (Bild 6.1. – 6.3.).

Ein weiteres Hiti mit zwei Ausläufen wird mit den Bildern 7.1 & 7.2 vorgestellt. Abgesehen von der improvisierten oder sehr bewusst eingerichteten Tempelecke am rechten Bildrand bestimmt auch hier die symmetrische Anordnung das Gesamterscheinungsbild dieser besonderen Beckenanlage, die den Namen Thapah Hiti trägt. Die Tempelecke besteht aus einem Lingam, einem davor liegenden Nandi, einem stehendem Relief, desweiteren mehreren Kugeln vor einer Altarnische. Rechts von der Nische befindet sich noch ein kleines Wasserausflussrohr und ein Relief. Stilisierte Nagas umfangen das gesamte Becken. Aus dem kleinem Rohr wird wohl nur nach Bedarf für Ritualzwecke Wasser entnommen. Ein flacher Abflusskanal leitet das Wasser am Lingam vorbei ins große Becken. Das sehr speziell ausgestattete Hiti ist in der Mahabauddha Marg zu finden. 
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Das Lun Hiti (benannt nach dem Ortsteil Lun) zählt zu den ältesten Brunnenanlagen im Stadtgebiet von Kathmandu. Prächtige Makara-Ausflussrohre und die sehr geschmackvolle Ziegeleinfassung des Beckens fallen am Nugah Lun Hiti (Sundhara) sofort ins Auge. Drei Reliefs oben – drei Makaras – drei Reliefs unten, dazu die Zierbänder im Mauerwerk, der Wirkung kann sich kaum einer entziehen, obgleich das Becken scheinbar trocken liegt oder nur zeitweise benutzt wird (Bild 8).

An dieser Stelle muss auf die in der Einleitung erwähnte Ausnahme verwiesen werden. Zumeist wurden die Wasserrohre unterhalb des Erdniveaus verlegt, doch das Lun Hiti lag vormals höher als der damalige Weg. Inzwischen wurde der alte Weg in eine moderne Straße verwandelt, wodurch das Hiti nun unterhalb des jetzigen Straßenniveaus geriet.

Sundhara bedeutet goldener Strahl, ein Begriff, welche die lebenswichtige Bedeutung des Wassers veranschaulicht.

Den Hinweis zu dieser baulichen Besonderheit entlehnten und weitere Informationen fanden wir in einer Forschungsdatei der Heidelberger Universität: NHDP - Welcome 
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 9.1 zeigt nochmals ein Hiti mit drei Stein-Makara-Ausflüssen, darüber drei Reliefs und jeweils an den Seiten drei kleine weiß/gelb getünchte Stupas und wiederum an der rechten Beckenseite eine Tempelecke. Die Reliefs müssen sehr wertvoll sein, weshalb sie durch unschöne massive Eisengitter gesichert wurden. Ein Lingam und ein Votiv-Lingam auf einer alten Yoni machen den eigentlichen Schmuck der Tempelecke aus (Bild 9.2). Blumenschmuck beweist Achtung und Verehrung für die unverkennbar religiösen Symbole, die einen Hindu-Tempel auszeichnen. Andererseits scheint das unsaubere Wasser im Becken keinen Menschen zu stören. Das Becken trägt den Namen Tangah Hiti bzw. Tangal Dhunge Dhara.
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bei dem Alko Hiti innerhalb vom Alko Ganesh Tempel handelt es sich entweder um einen Neu- oder einen Wiederaufbau der kleinen Tempelanlage inklusive Hiti. Der Tempel befindet sich direkt östlich an der Ikhachhe Road. Nicht zu übersehen sind die runden Plastikwassertanks. Das umliegende Areal mit neuen Wohnbauten belegt die Teilreaktivierung eines historischen Stadtbezirkes, wozu unbedingt auch die Wasserversorgung gehört (Bild 10). 
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Vor dem Kumbheshwor Tempelkomplex in Lalitpur befinden sich drei Wasserbecken, zwei davon sind Hitis, das dritte Becken wird als Wasserspeicher genutzt. Östlich der Kwalakhu Rd wurde das Misa Hiti, nördlich davon das Speicherbecken Kwonti Pukhu Hiti und westlich der Straße das Konti Hiti angelegt, das ist nicht nur das älteste, sondern auch das ansehnlichste und von der Bevölkerung am intensivsten genutzte der drei Becken auf dem Platz vor dem Kumbheshwor Tempel, bei Google Maps als Kumbheshwor water stone spout eingezeichnet. Das große Becken verfügt über mehrere Wasserspeier, drei in der Mitte und jeweils drei an den Seiten. Wesentlich unterscheiden sich die Reliefs unter den Speiern, hier ist nicht der Muschelhornbläser zu sehen, sondern ein Yaksha bzw. ein Yaksha und zwei Elefanten. 
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Neben den Hitis sind auch noch einige öffentliche Wasserhähne zu sehen, also verzierte Steinwände aus denen Zapfhähne ragten, genannt werden diese Trinkwasserversorgungsstellen Tutedhara oder Jahru oder Jaldroni (in Newari) Der Begriff Jahru meint wörtlich Wasserhahn. Blicken wir auf Steinwände mit Schmuck und Lufteinlassluken, stehen wir vor ehemaligen Trinkbrunnen. Hinter den Wänden befand sich das Trinkwasserreservoir, ein Steinbecken. Kaum einer der Jahru ist noch in Betrieb.

Der im Bild 11 vorgestellte Trinkwasserbrunnen nennt sich Ikhalakhu Jahdhum und befindet sich an der Kreuzung zum Ikhalakhu Platz, ganz in der Nähe vom Narayana Mandir.

Jahdhum wird vermutlich dem Wort Jahru verwandt sein und dasselbe bezeichnen, im Grunde nur ein anderes Wort für Tutedhara, wobei dhara als Adjektiv erhalten und als Substantiv die Erhaltende bedeutet, aber auch der Strom, Guss, Strahl meinen kann, allenfalls mit labenden Wasserfluss zu tun hat.
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Zusammenfassung: Hitis dienen nicht allein der Wasserversorgung, sondern werden auch als Orte der Andacht verstanden. Ohne sakrales Inventar kein Hiti.

Wasser ist ein Geschenk der Natur. Allumfassend werden alle Erscheinungen der Natur als gottgeschaffen angesehen. Jeder Berg, jeder Baum, jede Blume, jeder Fluss, jeder Bach, jede Quelle haben ihre Ursache in Gott, sind mithin Schöpfung, wen oder was auch immer der einzelne Mensch in den jeweiligen wunderbaren Erscheinungen der Natur erkennt und anbetet.

Nicht nur die Tempelanlagen, auch die Hitis müssen als Teil der Kultur- und Sozialgeschichte vom Kathmandu-Tal betrachtet werden, wobei der Wert der Brunnen von Touristen unterschätzt bzw. nicht bewertet wird. Die Hitis sind vorhanden, werden vom Publikum peripher wahrgenommen, doch die meisten Besucher gehen achtlos, bestenfalls staunend vorbei und wundern sich mitleidig über die rückständige Situation, welche viele Menschen in Nepal ertragen müssen. Dabei wird allzu schnell vergessen, ausreichend Wasser für den täglichen Bedarf war und ist Fortschritt und bedeutet Erleichterung im Leben. Noch leisten die Hitis zumindest einen ergänzenden Beitrag zur modernen Wasserversorgung in der Großstadt Kathmandu, immerhin benötigen rund 2,5 Millionen Menschen jeden Tag frisches und sauberes Wasser, das ist die Herausforderung der Zeit. Ohne die Brunnen hätten viele Familien ein hartes Leben.

Hinweis: Manche Leser werden die ausführliche Beschreibung und weitere Fotos vom Tusha Hiti vermissen. Selbst zehn Zeilen Text mehr und noch drei, vier Fotos zusätzlich wären dieser einmaligen Beckenanlage nicht gerecht geworden. Beabsichtigt ist ein gesonderter Artikel, der sich nur dem Tusha Hiti widmet.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Das mit (VJ) gekennzeichnete Foto stammt von Vanessa Jones
Korrektur: Vanessa Jones
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Purnagatha in Indien

11/3/2025

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Maskuline Sanskrit-Substantive, enden auf a, deshalb: der Purnagatha: sachlich und äußerlich eine Vase, diese jedoch muss als Dekorations- und Zierelement, gleich ob Relief oder Skulptur, eine typisch indische Erfindung genannt werden. Die künstlerisch anspruchsvollen Gestaltungen der Purnagatha-Reliefs lassen sich über die Jahrhunderte hinweg nachweisen. Das Glück verheißende Vasensymbol hat sich grenzüberschreitend ausgebreitet, dieses einprägsame Motiv, vorzufinden an hinduistischen, buddhistischen und jainistischen Tempeln, lässt sich außerhalb von Indien in variantenreichen Ausführungen beispielsweise in Indonesien, Sri Lanka und anderen asiatischen Ländern nachweisen.

Dieser Artikel nimmt keine Tempel näher in Augenschein, sondern stellt typische indische Purnagatha-Reliefs vor, lediglich nach Orten sortiert, was die namentliche Erwähnung der jeweiligen Tempel und die lokale Zuordnung keineswegs ausschließt, somit lässt sich die Provenienz nachvollziehen. Auf eine korrekt wissenschaftlich chronologische Darstellung der Entwicklungsgeschichte des Motivs und dessen Ausbreitung auf dem indischen Subkontinent wird verzichtet, dazu liegt dem Autor zu wenig authentisches, belastbares Bildmaterial vor.

Das riesige Ellora-Felsmassiv beherbergt hinduistische, buddhistische und jainistische Höhlentempel. An Hand der Bebauung lassen sich die fortwährende Erschließung des Felsgeländes und die in den Jahrhunderten jeweils dominante Glaubensrichtung ablesen. Während sich die Tempel in Gruppen gliedern, bildete der kolossale freistehende Kailasha Tempel als Solitär eine Ausnahme. Den östlichen Bereich der Felswand erschlossen sich die Buddhisten, den weit entfernten westlichen Bereich nahmen die Jaina ein, den Hindus blieb der dazwischen liegende mittlere Teil des Massivs für ihre Tempelanlagen. Etwa fünfunddreißig Tempel sind für das Publikum zugänglich. Trotz der Vielzahl von Tempeln an einem Ort erstaunt das geringe Vorhandensein von Purnagatha-Symbolen.

In den buddhistischen Höhlentempeln von Ellora befinden sich die Purnagatha-Reliefs vorwiegend als dreidimensionale Mittelteile mächtiger Stützpfeiler. Drei Grundtypen konnten fotografisch erfasst werden (Bilder I, II & III). Besonders prachtvoll ist die flächige Purnagatha-Dekoration auf einem durchgängig quadratisch gehauenen Pfeiler. Das Relief vermittelt mehr Volumen als tatsächlich vorhanden ist. Das reiche Beiwerk dieser völlig andersgestalteten Purnagatha überbietet alle anderen Dekorationen der gezeigten Vasenbeispiele (Bild IV). Im Bild II wird eine Purnagatha-Sonderform präsentiert. Die spezielle quadratisch-kantig erweiterte Form des Pfeilers ergibt eine noch größere Fläche, sprich höhere Tragfähigkeit. Der sehr einfach aussehende, spartanisch streng gestaltete Purnagatha gliedert sich den Seiten entsprechend vierfach, seine Schmuckanteile entbehren jegliche natürliche Schönheit. Säule und Vase wirken unglaublich modernistisch, wären nicht die geringen  kurvigen Linien vorhanden, welche andeutungsweise vegetabile Formen vermitteln. Wir blicken auf ein fast schon spartanisch seltenes, kühn und streng gegliedertes geometrisch-formalistisches Gestaltungskonzept, derart zeitlos zukünftig wurden selten Säulen bzw. Pfeiler dekoriert. 
Ellora – buddhistische Höhlentempel – Purnagathapfeiler I & II
Ellora – buddhistische Höhlentempel – Purnagathapfeiler I & II
Ellora – buddhistische Höhlentempel – Purnagathapfeiler III & IV
Ellora – buddhistische Höhlentempel – Purnagathapfeiler III & IV
In den jainistischen Tempeln von Ellora sind die Pfeiler, welche die Felslasten tragen, noch prächtiger gestaltet als in den buddhistischen Tempelanlagen. Die gestuften schlichten Basen, die herrlich mit Girlanden und floralen Gebilden geschmückten Purnagathas und die Amalakas (runde Faltenkissen) sind eindrucksvoll zu harmonisch durchgängigen Pfeilern verbunden: schönere Stützpfeiler sind in Ellora nicht zu finden (das ist die bescheidene Meinung des Autors). Die Purnagatha der Jaina-Pfeiler sind überreich verziert, hier wird dem glückverheißenden Symbol mehr Wertigkeit zugedacht. Schönheit soll unmittelbar beeindrucken, soll zu Andacht und Gebet verführen. 
Ellora – jainistische Purnagathapfeiler (Bild I & II)
Ellora – jainistische Purnagathapfeiler (Bild I & II)
An der Eingangsfassade der hinduistischen Tempelhöhle (Nr. 21) haben die Steinmetze ein herausragendes Säulenensemble geschaffen. Sechs Säulen (zwei davon sind randseitige Halbsäulen) dominieren sehr überzeugend die breite Frontansicht. Den Säulen fehlen die Basen, sie bestehen nur aus kurzen Säulenstümpfen und Purnagathas, welche sich aufs prachtvollste zu figuralen Kapitellen vereinen. Die vermeintlich hinduistischen Purnagatha sind als Stilanleihen bzw. Übernahmen aus den buddhistischen Tempeln zu bewerten. Der Vergleich mit den Fotos buddhistischer Purnagathas bestätigt diese Aussage.
 Ellora – hinduistischer Höhlentempel (Nr. 21) Bild I
Ellora – hinduistischer Höhlentempel (Nr. 21) Bild I
 Ellora – hinduistischer Höhlentempel (Nr. 21) Bild II & III
Ellora – hinduistischer Höhlentempel (Nr. 21) Bild II & III
Ajanta ist ein Felsmassiv, in das buddhistische Mönche und begnadete Steinmetze neunundzwanzig Höhlentempel in mühseliger Handarbeit geschlagen haben. Der Höhlenkomplex zählt neben Ellora zu den bekanntesten Tempelanlagen im indischen Bundesstaat Maharashtra.

Purnagathas finden sich im Verhältnis zu den zahlreichen Tempeln nur wenige, zu sehen sind diese vorwiegend an Säulen und Pfeilern, seltener als Relief an Türeinfassungen. Stilistisch erinnern die meisten Purnagatha an die Darstellungen in Ellora.

Türrahmen mit Purnagatharelief: Die Bildleisten vom Türrahmen bestehen aus drei Reliefkacheln, die Leisten werden zuunterst von Yakshas gestützt, diese tragen Purnagathas, darüber stehen Gottheiten 

Purnagathapfeiler I: Den Bildhauern genügte ein Purnagatha, welcher eher an ein Kalasha (Wassergefäß) als an eine Prachtvase erinnert.

Purnagathapfeiler II: Hier vereinen sich Purnagatha und Kapitell zur oberen Baueinheit des Pfeilers.

Purnagathapfeiler III: Nur die mittleren Pfeiler der Mandapa sind mit Purnagathas versehen, sie kennzeichnen den Eingang zum Tempel. Breite Kapitelle nehmen die balkenartige Traverse auf. 

Purnagathapfeiler IV: Hier liegt die Relief-Traverse direkt auf den Purnagathas, auf Kapitelle wurde verzichtet.
Ajanta – Türrahmen mit Purnagatharelief & Purnagathapfeiler I & II
Ajanta – Türrahmen mit Purnagatharelief & Purnagathapfeiler I & II
   Ajanta – Purnagathapfeiler III & IV
Ajanta – Purnagathapfeiler III & IV
Etwa 3500 Menschen leben in Aihole. In dem kleinen Dorf im Bundesstaat Karnataka stehen über 100 Hindu- und einige Jain-Tempel, wohlbemerkt historische Tempel. Die frühen Chalukya-Herrscher hatten Ayyapura (Aihole) zu ihrer Hauptstadt erklärt.

Wer alle Tempel besichtigen möchte, braucht einen ganzen Tag Zeit und einen ortskundigen Führer oder muss für den Rundgang bestens präpariert sein. Das Dorf ist überschaubar, doch die Tempel sind über die Gesamtfläche in alle Himmelsrichtungen verstreut. Von morgens bis abends summieren sich die Wege zu etlichen Kilometern.

Die wichtigsten Tempelanlagen sind umzäunt und nicht zu verfehlen. Im größten Komplex von Aihole stehen der bekannte Durga Tempel, das Aihole Museum und weitere sehenswerte Tempel, so auch der Lad Khan Tempel. An diesem Tempelbau ist die Einfassung der Mandapa für unsere Betrachtung von Belang, denn die Flächen der Außenwände sind mit verschiedenen Purnagatha-Reliefs dekoriert. 
Aihole – Lad Khan Tempel, Gesamtansicht & Teilansicht
Aihole – Lad Khan Tempel, Gesamtansicht & Teilansicht
Im zentralen Museumsgelände fanden sich an mehreren Tempeln und Mandapas gleichartig gestaltete Reliefbänder mit Purnagatha-Darstellungen als Außenschmuck der Wandflächen. 
Aihole – zentrales Tempelgelände, Mandapa
Aihole – zentrales Tempelgelände, Mandapa
Nach Begutachtung fast aller Aihole-Tempel fanden sich nur noch an zwei namenlosen Schreinen Purnagatha-Motive: an Pilastern einer Türeinfassung, deren Basen jeweils als Purnagatha ausgeprägt sind und an einem Pfeiler, hier fällt wiederum die typische Gefäßform der Kalasha auf. 
Aihole: Purnagatha-Pilaster und Pfeilerrelief
Aihole: Purnagatha-Pilaster und Pfeilerrelief
Die Chalukya regierten mit Unterbrechungen vom 6. – 12. Jahrhundert über weite Regionen Süd- und Zentralindiens. Ihre Tempelbauten sind großartige Zeugnisse mittelalterlicher Baukunst. Wichtige Tempel der Chalukya stehen auf der Liste der Geschützten Denkmale, die ASI (Archaeological Survey of India) sorgt für deren Wiederinstandsetzung bzw. Erhaltung.

Im Ancient Chalukya Shri Navalingeshwara Tempel in Kuknur sind die Spuren jahrhundertelanger Benutzung unverkennbar. Umbauten und Farbanstriche verraten den jeweils aktuellen Trend der Glaubensausübung. Nur wenige Bauteile sind von den Malern verschont geblieben, dazu zählt das sehr elegant gestaltete Purnagatha-Relief.

Keine 15km von Aihole entfernt liegt das ebenfalls kleine Dorf Pattadakal, hier befindet sich eine Gruppe von Chalukya-Tempeln aus dem 7. – 8. Jahrhundert, welche in die Liste der UNESCO-Weltkulturerbe-Stätten aufgenommen wurde. An den beeindruckenden Hindu-Tempeln dieser Gruppe findet sich nur ein bescheidenes Beispiel eines Purnagatha. Es hat den Anschein, als hätten die Chalukya dem Purnagatha als religiös-sakrales Symbol keinen sonderlichen Wert beigemessen.
Kuknur: Ancient Chalukya Shri Navalingeshwara Tempel & Pattadakal: Pilaster
Kuknur: Ancient Chalukya Shri Navalingeshwara Tempel & Pattadakal: Pilaster

Im dem kleinen Ort Lakkundi, der von Gadag gut zu erreichen ist, haben sich mehrere Chalukya Tempel erhalten. Die Zahl der Tempel im Verhältnis zu den Wohnhäusern in dem südindischen Dorf ist beträchtlich hoch. Einige wunderschöne Purnagatha fallen bei Besichtigung der wichtigsten Tempel unmittelbar ins Auge, der Fokus ist lediglich auf die Pilaster, Säulen, Pfeiler und Türrahmen zu richten, die prachtvollen Purnagatha-Darstellungen sind unschwer zu übersehen. 
Lakkundi: Purnagatha I, II, III & IV
Lakkundi: Purnagatha I, II, III & IV
Für die Hampi-Periode, die von 1336-1565 währte, zeigt das Gebiet Hampi (inklusive Hospet) eine speziell ausgeprägte Purnagatha-Darstellung, die als typisch für das gesamte Gebiet genannt werden kann. Vielfach sichtbar, schwerlich zu übersehen, finden sich diese Purnagathas an den Außen- und Innenfassaden zahlreicher Tempel. Zumeist zwischen zwei Pilastern, die einfacher gestaltet und eindeutig als (Dekorations)säulen zu erkennen sind, findet sich ein weiterer ungewöhnlicher Pilaster eingefügt, dessen Basis ein sehr plastisch hervortretendes Halbrelief einer Purnagatha ist. Florale Gebilde wachsen seitlich über die Vasenrand hinaus und ranken bodenwärts. Aus der Vase ragt die Säule heraus, die wiederum ein Kapitell aus tempelähnlichen Aufbauten trägt.

Die folgenden Bilder zeigen jene für das Gebiet Hampi (inklusive Hospet) typischen, stilisierten Purnagatha-Darstellungen. Auffällig ist die durchgängige Symmetrie der Fassaden. Vielfach sichtbar, schwerlich zu übersehen, finden sich die Purnagathas als sehr plastisch hervortretende Halbreliefs, die wiederum den Eindruck von Pilastern hervorrufen, diese Schmuckelemente sind in den unteren Bereichen der Außen- und Innenfassaden zahlreicher Tempel, jedoch seltener auf Pfeilern zu sehen. Die Architekten der Vijayanagara-Herrscher hatten sich auf die optisch beruhigende Wirkung symmetrischer Darstellungen festgelegt.

Vor Ort sieht der Besucher immer nur den jeweiligen Tempel und dessen Wandschmuck. Bei der Vielzahl der in Hampi vorhandenen Tempel wird das Auge schnell müde und irgendwann kristallisiert sich die Meinung heraus, die Tempel seien schlussendlich doch alle ziemlich ähnlich, was aber weder auf die Architektur noch auf die Wand- und Pfeilerdekorationen zutrifft und erst recht nicht für die Purnagatha selbst. Das hier vorgestellte Bildmaterial widerlegt eine solche voreilig gefasste irrige Ansicht. Die formale Ausprägung der Purnagatha hat sich während der Hampi-Periode nicht grundsätzlich verändert. Feindifferenzierte Variationen der Purnagatha-Formen lassen sich im Vergleich, besser noch in der Gegenüberstellung von Bildmaterial erkennen. Häufig zu sehen, was sich nicht bestreiten lässt, sind die gleichmäßig gestauchten rundgeformten Kugelvasen mit Faltengliederungen und vereinzelten Mittelbandeinfassungen, die auch als Banderolen oder Schleifen erkannt werden könnten (siehe: Pattabhirama Tempel). Jene markanten wellenförmigen Falten gehen vermutlich auf die weitaus früher in Indien kreierten Amalaka-Falten zurück. Die Grundformen der Vasen geben die zwei Bilder vom Pattabhirama Tempel und das eine Bild vom Anantasayana Tempel wieder. Die prächtigsten Purnagatha (samt Säulen) im heutzutage zugänglichen Gebiet von Hampi sind unserer bescheidenen Ansicht nach an den Vyala Pfeilern am Vitthala Tempel in Stein gehauen worden. Den krassen Gegensatz zu diesem Prunk bilden die sehr bescheidenen Vasen vom Yantrodharaka Hanuman Tempel. 
   Hospet: Gopuram Anantasayana Tempel & Hampi: Gopuram Malyavanta Raghunatha Tempel
Hospet: Gopuram Anantasayana Tempel & Hampi: Gopuram Malyavanta Raghunatha Tempel
  Hampi: Gopuram vom Varaha Tempel
Hampi: Gopuram vom Varaha Tempel
Hampi: Pattabhirama Tempel – Hospet: Anantasayana Tempel – Hampi: Pattabhirama Tempel
Hampi: Pattabhirama Tempel – Hospet: Anantasayana Tempel – Hampi: Pattabhirama Tempel
Hampi: Vitthala Tempel – Purnagathareliefs an Vyala-Pfeilern
Hampi: Vitthala Tempel – Purnagathareliefs an Vyala-Pfeilern
Ausnahmen bestätigen die Regel: auf dem glatt gehauenen Türrahmen zum Garbhagriha des wirklich unscheinbaren Yantrodharaka Hanuman Tempels finden sich nur zwei Purnagatha-Reliefs mit Deckel, ohne den ansonsten in Hampi typischen Säulenaufbau. 
  Hampi: Yantrodharaka Hanuman Tempel
Hampi: Yantrodharaka Hanuman Tempel
Die Verehrung der hinduistischen Gottheit Khandoba (viele Hindus sehen in ihm eine Manifestation Shivas), kann bis ins 12. Jahrhundert zurückverfolgt werden, angeblich zu dieser Zeit wurde der Khandhoba Tempel zu Aurangabad von den Yadavas erbaut, eine Dynastie, welche vom 9. - 14 Jahrhundert große Teile Südindiens beherrschten. Der Wiederaufbau bzw. eine Restaurierung des Tempels erfolgte während der Regierungszeit der Peshwas. Die Peshwa regierten im 18. Jahrhundert das Gebiet von Maharashtra, sie bestimmten jeweils als Premierminister die Geschicke des Landes bis zur Machtübernahme der britischen Kolonialherren. Bis in unsere Zeit wird der Tempel für religiöse Rituale benutzt. Bauarbeiten im Jahr 2024 beweisen, wie wichtig die Erhaltung dieses Tempels den Gläubigen sein muss. 
Aurangabad: Shri Khandoba Tempel
Aurangabad: Shri Khandoba Tempel
Die Detailaufnahme einer Türeinfassung vom Shri Khandoba Tempel ist im Rahmen der kurzen Betrachtung das jüngste Beispiel innerhalb der vorgestellten Purnagatha-Motive.

Mit diesem Artikel wurde der Versuch unternommen, die offenbar religionsunabhängige bzw. religionsübergreifende Bedeutung des Glück verheißenden Symbols darzulegen.

Leseempfehlungen: 
Prithvi Kumar Agrawala – Purna kalasa Varanasi 1965 
     Veröffentlicht von Survay of India, die sehr sachkundige und reich bebilderte Publikation 
     ist online kostenfrei abrufbar. 
Purnagatha Teil 1, 2 & 3 die drei Artikel sind in diesem Blog abrufbar

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Rundreise Rajasthan - Teil 1

7/5/2025

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Organisierte Reisen durch Nordindien streifen im Regelfall die weltbekannten Sehenswürdigkeiten in Delhi, Agra und Jaipur, um nur die markantesten Orte einer solchen Rundreise zu nennen. Gut vermarkten lassen sich die von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklarierten Stätten, zu denken ist an das Rote Fort und die Freitagsmoschee in Delhi, an das berühmte Grabmal Taj Mahal in Agra oder an den Palast der Winde in Jaipur. Von den Hinterlassenschaften der Mogul-Dynastien und der Maharadschas profitieren nicht nur der Staat Indien und die jeweiligen Orte und Regionen, auch renommierte Reiseveranstalter der westlichen Welt ziehen aus den klangvollen Namen ihre merkantilen Vorteile.

Das selbst erstellte Reiseprogramm durch Rajasthan und die von INDO VACATIONS organisierte Realisation des geplanten Reiseverlaufs ließ keinen unserer Wünsche unberücksichtigt. Wir bewegten uns über weite Strecken fernab touristischer Betriebsamkeit. Selbstredend hatten wir die Traumziele, welche jeder Reisende in Nordindien meint sehen zu müssen, nicht ausgeklammert. Die bekannten Ziele werden in diesem Bericht nur erwähnt, kaum näher beschrieben und mit wenigen Fotos vorgestellt. Alle Reisehandbücher preisen diese Sehnsuchtsziele umfassend an.

Erster Reisetag DELHI:     Jama Masjid (Freitagsmoschee)
      Lal Qila (Rotes Fort)
     Raj Gath (Gandhi-Grabstätte)
     National Museum

Abgesehen vom National Museum sind die genannten Ziele des ersten Tages allesamt als Pflichtprogrammpunkte organisierter Delhi-Sightseeing-Touren festgeschrieben. Gleich zu welcher Tageszeit die Jama Masjid, das Lal Qila und das Gandhi Grab aufgesucht werden, ist dort mit massenhaften Menschenaufläufen zu rechnen, an diesem Zustand vermochte auch der Smog, der Mitte November 2024 permanent über dem Großraum Delhi lagerte, nichts zu ändern. Gesundheitsschädliche Luftverschmutzungen werden die Menschen in Indien und der restlichen Welt fortan aushalten und damit leben müssen, was Touristen nicht abhalten wird, ihre Ziele anzustreben. Wir haben die Prachtbauten der Hauptstadt und von Agra nur im weichzeichnenden Nebeldunst bewundern können. Glücklich wer vormals Delhi und Agra bei klarer Luft erleben durfte. Wäre die Luft nicht derart schlecht gewesen, dass sie Hustenreiz und Atembeschwerden hervorrief, hätte man die Permanentverschleierung der Stadt als besonderes Naturphänomen bewerten und nach speziellen Reizwerten hinterfragen können. Der digitalen Dokumentation unserer Reise hat der Smog nur geschadet, noch nie entstanden auf einer Reise Fotos geringerer Aussagekraft.
Delhi – Jama Masjid im Smog bei diffuser Morgensonne
Delhi – Jama Masjid im Smog bei diffuser Morgensonne
Delhi – La Qila, Rotes Fort Außenmauer
Delhi – La Qila, Rotes Fort Außenmauer
Wenig beachtet liegt der durchaus sehenswerte aus hellem Sandstein erbaute Stufenbrunnen (Baoli=Stepwell) im nordwestlichen Gelände vom Roten Fort. Architektur, Geometrie und harmonisches Erscheinungsbild solcher unter dem normalen Bodenniveau errichteter Zweckbauten überzeugen bis heute die Betrachter. Die Wasserversorgung der Menschen im Fort war überlebenswichtig. Große Herrscher haben zuallererst für die Bereitstellung von Wasser sorgen müssen, was von jeher für alle menschlichen Ansiedlungen die Grundvoraussetzung war. 
Delhi – Rotes Fort, Stepwell (Baoli)
Delhi – Rotes Fort, Stepwell (Baoli)
Gedränge herrscht an und in der Grabstätte des bis heute verehrten Gandhi. Zahlreiche Schülergruppen nähern sich lärmend dem Grab. Alte Menschen nähern sich vom Stock gestützt schleppend dem Vater der Nation, sie nennen ihn liebevoll Vater ("Bapu"). Jeder möchte einmal im Leben dem großen Mahatma (der "großen Seele") nahe gewesen sein.

Für Touristen zählt die Referenz vor dem großen Mann zum Pflichtprogramm. Frühzeitig schon war Gandhi auch in Europa als Führer des indischen Volkes zur Berühmtheit avanciert. Der bedeutende französische Schriftsteller und Humanist Romain Rolland veröffentlichte 1924 ein Buch, worin er die Verdienste Gandhis hervorhob und gleichzeitig seine Seelenverwandtschaft mit dem Mahatma betonte.
Raj Gath – Grabstätte Mahatma Gandhi und Gandhi-Statue
Raj Gath – Grabstätte Mahatma Gandhi und Gandhi-Statue
Das 1949 eröffnete National Museum in Delhi hat seit 1960 seinen endgültigen/jetzigen Standort im Ortsteil Janpath, es ist das größte Museum Indiens. In 29 Ausstellungsräumen verteilt auf 3 Etagen wird das kulturelle Erbe Indiens präsentiert, hinzukommen Objekte, die in Nebengebäuden und im Außenbereich gezeigt werden. Einen Tag in diesem Museum zu verbringen, genügt nicht, um alle Sammlungen eingehend zu betrachten. Wir hatten das Glück, zusätzlich zur Dauerausstellung eine Sonderausstellung zum Thema Buddha sehen zu können. Die gepflegte Webseite des Museum erleichtert den Besuchern die Vorauswahl, falls der Zeitrahmen Beschränkungen erfordert. Eine für den Artikel aussagekräftige Bildauswahl zu treffen, welche den Schauwert der Sammlungen repräsentiert, ist schier unmöglich, es müssten so ziemlich alle Kunstwerke in den Fokus gerückt werden. In den einzelnen Sälen werden gut sortiert nach Epochen die jeweiligen Objekte vorgestellt. 
Buddhistische Ausstellungsstücke im Nationalmuseum in Delhi
National Museum Delhi
Manjushri aus Nalanda, Bihar (8. Jahrhundert)
Votiv-Stupa mit vieramiger Chunda aus Udayagiri (8. Jahrhundert)
Buddha-Kopf aus Sarnath, Gupta Ära (5. Jahrhundert)
Bodhisattva Maitreya, Kushan/Gandhara (2. Jahrhundert)

Der außergewöhnliche Lintel mit den Navagrahas, den neun (Nava) und Planeten (Graha) ist selbst in der umfangreichen Sammlung des National Museums als Unikat zu bewerten. Dargestellt von links nach rechts finden sich im unteren Bildband neun personifizierte Himmelsgestalten: die Sonne, der Mond, der Mars, der Merkur, der Jupiter, die Venus, der Saturn, Rahu und Ketu (aufsteigender und absteigender Mondknoten), was der tradierten hinduistischen Astrologie (Jyotisha) entspricht. 
Lintel mit Navagrahas, Pratihara Dynastie, 8.Jahrhundert, Fundort Chittorgarh (58x180x31cm)
Lintel mit Navagrahas, Pratihara Dynastie, 8.Jahrhundert, Fundort Chittorgarh (58x180x31cm)
Lintel mit Navagrahas (Detailansicht)
Lintel mit Navagrahas (Detailansicht)
Fundstücke aus Mohenjo-Daro belegen die frühe Harappa-Epoche (die Indus-Kultur). Exponate aus der Ashoka-Ära (Kelchkapitell mit Löwe) bis hin zu moderner Bildhauerei decken alle Bereiche der künstlerischen Entwicklung Indiens ab. Die Vielfalt der Sammlungen ist kaum fassbar.

An präsenter Stelle im Außenbereich steht die Statue Rhythm vom bedeutenden indischen Bildhauer Devi Prasad Roy Chundhery, der von 1899 bis 1975 lebte. Seine Gandhi-Büste wird im Government Museum Chennai gezeigt. Berühmt machten ihn seine großformatigen Skulpturen Triumph Of Labour in Chennai und das Martyrs‘ Memorial in Patna. 
Kelchkapitell mit Löwe & Werke von Devi Prasad Roy Chundhery: Rhythm & Mahathma Gandhi
Kelchkapitell mit Löwe & Werke von Devi Prasad Roy Chundhery: Rhythm & Mahathma Gandhi
Zweiter Reisetag  DELHI: Agrasen ki Baoli
     Lodi Gardens
     Bade Khan Tomb & Chotte Khan Tomb
     Safdarjung Tomb
     Old Fort Delhi
     Humayun Tomb
     Masjid Khairum Manazil
Gern hätten wir auf dieser Reise jeden Tag einen Stufenbrunnen besichtigt, was uns gefallen hätte. Es muss in Delhi eine Vielzahl solcher Becken gegeben haben. Der mitten in Delhi von Wohnhäusern eingerahmte 60m lange und 15m breite Brunnen Agrasen ki Baoli zählt zu den mustergültigen Beispielen klassischer Wasserbauten in Nordindien. Die Ausmaße solcher Nutzbauten variieren. Oft rufen die kühnen architektonischen Mauerstrukturen Staunen hervor. Die Funktionalität dieser originären Nutzbauten ist denkbar einfach: während der Regenzeit wird das Wasser aufgefangen und gespeichert. Weitere Informationen → https://de.wikipedia.org/wiki/Stufenbrunnen 
Delhi – Stufenbrunnen Agrasen ki Baoli
Delhi – Stufenbrunnen Agrasen ki Baoli
Im Lodi Garden, einer bei jungen Leuten beliebten Parkanlage, befinden sich mehrere Grabanlagen und Moscheen. Spricht man von der Lodi-Dynastie, ist an die paschtunischen Herrscher aus Afghanistan zu denken, die in den Jahren von 1421–1525 ihren Machtanspruch über weite Gebiete des indischen Subkontinents ausübten. Zahlreiche Bauwerke aus diesen Jahren haben sich erhalten, so sind es nicht zuletzt die Grabmale, welche bis heute bewundert und wertgeschätzt werden. Kaum verwunderlich, dass wir heute ohne Schwierigkeiten ein halbes Dutzend Gräber besichtigt haben, von denen jedes eine gesonderte Beschreibung verdient hätte.

Pracht und Größe der Lodi- Grabmale sind nur noch von den später erbauten Mogul-Grabmalen übertroffen worden. Oft blieben weite von Mauern umrahmte Flächen nur einer Grabanlage vorbehalten. Die Vorstellung westlicher Friedhöfe, Grab neben Grab zu reihen, ist zu vergessen. Jeder Lodi-Herrscher wollte nach seinen Tod in Erinnerung bleiben, gebaut wurde wohl nach dem Motto je größer, je auffälliger das Grab, desto länger wird man meiner gedenken. Hier könnte eine Abhandlung über Sepulkral-Architektur indischer Mogul-Dynastien folgen, belassen wir es bei mehreren Fotos.
Lodi Garden – Bada Gumbad mit Moschee (1490) und Shis Gumbad (1489-1517)
Lodi Garden – Bada Gumbad mit Moschee (1490) und Shis Gumbad (1489-1517)
Lodi Garden – Sikandar Lodi Tomb (1517-1518)
Lodi Garden – Sikandar Lodi Tomb (1517-1518)
Lodi Garden – Mohammed Shah Tomb, letzter Herrscher der Sayyid-Dynastie, erbaut 1444
Lodi Garden – Mohammed Shah Tomb, letzter Herrscher der Sayyid-Dynastie, erbaut 1444
Mit den nächsten Zielwünschen haben wir unseren Fahrer etwas in Staunen versetzt, obwohl in Delhi wohnhaft, kannte er die zwei benachbarten Gräber Bade Khan & Chotte Khan nicht, und wir mussten einsehen, ihm eine schwer lösbare Aufgabe gestellt zu haben. Konnten wir ahnen, dass in der Großstadt Delhi die modernen Wohnhäuser derart dicht an historischen Bauten heranrücken, dass nur noch sehr schmale Straßen verbleiben, die auch noch rettungslos unsystematisch zugeparkt sind? Geduldig meisterte Kamal diese Bewährungsprobe. Gegen ein geringes Entgelt  verschafften wir uns Zutritt in die Gräber. Dem Mann, dem Schlüssel und Aufsicht anvertraut waren, besserten wir seinen wahrscheinlich geringen Tageslohn auf und wir sahen ungestört zwei selten besuchte Tombs von innen.
Delhi – Bade Khan & Chotte Khan Tomb, wenig besuchte Gräber aus der Lodi-Ära (1451-1526)
Delhi – Bade Khan & Chotte Khan Tomb, wenig besuchte Gräber aus der Lodi-Ära (1451-1526)
Rein optisch war der Zeitsprung nicht zu übersehen, mehr als 200 Jahre schieben sich zwischen den Bau der Lodi-Gräber und dem Safdarjung Grab, welches als letztes aufwendig gestaltetes Grabmal der Mogul-Dynastie bewertet wird. 
Delhi – Safdarjung Tomb, 1754 fertiggestellt
Delhi – Safdarjung Tomb, 1754 fertiggestellt
Im Purana Qila, dem ältesten Fort in Delhi, angeblich 1538 von Humayun erbaut, sind nur wenige Bauten erhalten geblieben. Sehenswert ist die Moschee, der Sher Mandal, das Hamam, die Tore und nicht zuletzt ein kleiner Stufenbrunnen. Sher Mandal, ein zweigeschossiger oktogonaler Turmbau, ist insofern von Belang, weil Kaiser Humayun diesen angeblich als Bibliothek benutzte. Mehrere Hofleute bestätigten in schriftlichen Zeugnissen, dass Humayun im Januar 1556 die Treppe hinabstürzte, mit der Schläfe aufschlug und wenige Tage später seinen Verletzungen erlag.
Delhi Purana Qila – Bara Darwaza (Eingangstor) und Baoli (Stufenbrunnen)
Delhi Purana Qila – Bara Darwaza (Eingangstor) und Baoli (Stufenbrunnen)
Delhi Purana Qila – Qila-E-Kuhna Masjid (erbaut 1541)
Delhi Purana Qila – Qila-E-Kuhna Masjid (erbaut 1541)
Der ansehnlich mit bunter Keramik dekorierte oktogonale Grabpavillon des Isa Khan Niyazi Tomb, gebaut für einen afghanischen Adligen, nimmt insofern eine Sonderstellung ein, weil nur wenige Gräber in dieser Bauform nachweisbar sind. Vielleicht hatte der Baumeister für seinen Entwurf das rund 100 Jahr zuvor erbaute Mohammed Shah Grab im Lodi Garden vor Augen, die Ähnlichkeit der Architektur ist unverkennbar. 
Delhi – Isa Khan Niyazi Tomb (erbaut 1547)
Delhi – Isa Khan Niyazi Tomb (erbaut 1547)
Der Zulauf der Menschen zum Humayuns Tomb zeichnet dieses Mausoleum als Publikumsmagnet aus. Die Visite der zweigeschossigen Grablege müssen viele Menschen miteinander teilen. Diesen Prunkbau gab Humayuns Frau Bega Begum in Auftrag. Der zweigeschossige oktogonale Zentralraum beherbergt ausschließlich den Kenotaph Humayuns. Außer Humayun wurden in diesem Mausoleum 150 Familienmitglieder in Seitenkapellen begraben. Das Grab ist das erste im persischen Stil erbaute Gartengrab in Indien, gesprochen wird von einem Char-Bagh. Die konsequent verwirklichte Symmetrie der Gartenanlage und die Mischung aus rotem und weißem Stein am Bauwerk verleihen dem Ensemble das unverwechselbare Aussehen. Dieses Grabmal gilt als architektonischer Vorgriff auf das Akbar Mausoleum und auf das Taj Mahal. Die obere Plattform ermöglicht Ausblicke auf das weitläufige Gelände, auf dem weitere Grabstellen erbaut wurden, die alle auf guten Wegen zu erreichen sind, doch an Schauwert hinter dem eleganten Humayun Tomb weit zurückbleiben. 
Delhi – Humayuns Tomb (erbaut 1571)
Delhi – Humayuns Tomb (erbaut 1571)
Delhi – Humayun Tomb, Eckansicht der unteren und oberen Plattform
Delhi – Humayun Tomb, Eckansicht der unteren und oberen Plattform
Delhi – Humayun Tomb: Familienkenotaphe/Humayun-Kenotaph/Familienkenotaphe
Delhi – Humayun Tomb: Familienkenotaphe/Humayun-Kenotaph/Familienkenotaphe
Dritter Reisetag DELHI:    Qutb Minar Komplex
     Mehrauli (Archäologischer Park)
    Adham Khans Tomb (Bhool Bhulaiya) Mehrauli
     Zafar Mahal (im Dorf Mehrauli)
     Hauz Khas Komplex

Im Qutb Minar Komplex konzentrieren sich die Blicke der staunenden Touristen auf einen Turm und eine Säule. Schnell übergangen werden die anderen Prachtbauten auf diesem erschlossenen Areal. Die rund 7m hohe nichtrostende Eisensäule aus dem 4. Jahrhundert stammt wahrscheinlich von den Guptas, seit wenigstens 800 Jahren steht die Säule auf dem Innenhof der Qutb-Moschee. Der Minar misst 72,30m in der Höhe und besticht durch Form und Erscheinungsbild.

Für die Säulengänge der Moschee wurden 1192/1193 etliche Jain- und Hindu Tempel zerstört, eine Inschrift behauptet, es wären 27 Tempel gewesen. Billiger konnte man nicht an prächtiges Baumaterial gelangen, besonders die Säulen und Deckplatten eigneten sich zum zügigen Aufbau der überdachten Hofeinfassung. Den wieder verwendeten Säulen und den Spolien müsste ein gesondertes Kapitel gewidmet werden. Zur intensiven übrigens lohnenswerten Betrachtung der Reliefs müssten Interessenten viel Zeit aufwenden. An den Säulen wurden alle Menschengesichter und Tierbilder unkenntlich gemacht, die Radikalität der Bilderstürmerei erschüttert verständige Besucher noch heute. 
Delhi/Mehrauli: Qutb Minar Komplex – Minar (2 Ansichten)-Eisensäule-Säulengang
Delhi/Mehrauli: Qutb Minar Komplex – Minar (2 Ansichten)-Eisensäule-Säulengang
Im Archäologischen Park Mehrauli müssen, um wenigstens die zugänglichen (erschlossenen) Bauten gesehen zu haben, längere Wege als im Qutb Minar Komplex gegangen werden, dafür aber wird der Spaziergänger mit wohltuender Ruhe entschädigt. Im Park sind nur wenige Menschen unterwegs. Hier kann der vom Qutb Minar Komplex gestresste Tourist Atem schöpfen und gleichfalls zum Entdecker werden. Oft genügen wenige Schritte ins Abseits, um Ruinen und Mauern zu begutachten.
Archäologischer Park Mehrauli – Gräber – Grab der Pathan Periode
Archäologischer Park Mehrauli – Gräber – Grab der Pathan Periode
Archäologischer Park Mehrauli: Ruine einer Moschee – Moschee in restauro – Mauer
Archäologischer Park Mehrauli: Ruine einer Moschee – Moschee in restauro – Mauer
Das groß angelegte Rajon Ki Baoli befand sich im November 2024 im Zustand einer Baustelle und durfte nicht betreten werden. Mit denkbar einfachsten Mitteln und Werkzeugen wird restauriert. Es bleibt zu hoffen, dass der (noch) ansehnliche Sandsteinbrunnen nicht völlig ocker verputzt wird, womit ihm das charakteristische Aussehen genommen wäre. 
Archäologischer Park Mehrauli: Rajon Ki Baoli
Archäologischer Park Mehrauli: Rajon Ki Baoli
Im Ort Mehrauli, unmittelbar an und über der Durchgangsstraße steht das missachtete und vielfach zweckentfremdet verwendete Grabmal des in Ungnade gefallenen Generals Adham Khan.
Delhi/Mehrauli – Adham Khans Tomb (Bhool Bhulaiya) erbaut 1562
Delhi/Mehrauli – Adham Khans Tomb (Bhool Bhulaiya) erbaut 1562
Delhi/Mehrauli – Adham Khans Tomb
Wer das Abenteuer sucht, muss sich zum und ins Zafar Mahal begeben. Die Zufahrt ist nur mit TukTuk möglich, besser noch zu Fuß. Mit etwas Glück ist die mit Stacheldraht umzäunte Baustelle geöffnet. Den einzigen Zugang  bildet eine Einstiegsluke in der massiven hölzernen Tür vom Torbau. Nachdem die ebenerdigen Ruinen und die bemerkenswerte Moti-Moschee aus purem Marmor besichtigt sind, beginnt der Aufstieg in die oberen Geschosse des nur fragmentarisch erhaltenen weitläufigen Palastes. Wagemut, Selbstvertrauen und Schwindelfreiheit sind gefragt. Absperrungen und Sicherungen gegen Absturz sind nicht vorhanden. Das Staunen nimmt kein Ende. Hier gibt es viel zu sehen, was in keinem Reiseführer vermerkt ist. Zafar Mahal ist der letzte große Sommerpalast, der im 18. Jahrhundert während der Mogul-Ära erbaut wurde. Der Stadtteil Mehrauli verfügt wohl nicht über ausreichende Mittel, diesen Palast in eine touristisch vermarktbare ansehnliche Baustruktur zu verwandeln. Immerhin zählt das Objekt zu den von der ASI registrierten und geschützten Bauwerken. 
Mehrauli Zafar Mahal: Torbau (außen und innen) – Moti Moschee mit Grabanlagen
Mehrauli Zafar Mahal: Torbau (außen und innen) – Moti Moschee mit Grabanlagen
Mehrauli Zafar Mahal: Kuppelbau – Saal im oberen Palast – Blick auf die unteren Palastruinen
Mehrauli Zafar Mahal: Kuppelbau – Saal im oberen Palast – Blick auf die unteren Palastruinen
Kein Ortsteil in Delhi wirkt sauberer als Hauz Khas Village, zumindest gewinnt der kurzfristig anwesende Tourist diesen überraschenden Eindruck. Sauber gehalten und sehr ordentlich aufgeräumt werden nicht nur die historischen Hinterlassenschaften, auch die umliegenden Straßen und Wege. Hier weht ein Hauch von Schickeria, als wöllte man sich vom restlichen Teil der Hauptstadt abheben, was sich auch im Preisniveau spiegelt. Der Masala Chai kostet hier ein vielfaches des in der Stadt üblichen Preises. Wichtig allein sind die erhaltenen Bauten aus dem 13/14. Jahrhundert, die Überreste der historischen Stadt Siri, die wiederum zum Sultanat Delhi gehörte. Der übersichtliche Komplex erschließt sich mit wenigen Schritten. Bedeutend ist das Grabmal des Firuz Shah Tughlaq, dieser Herrscher lebte von 1351-1388, seiner Vernunft und Weitsicht werden 50 Staudämme, 40 Moscheen, 30 Hochschulen, 100 Karawansereien, gleich viele Krankenhäuser und Bäder, außerdem 150 Brücken zugeschrieben. Er wusste, was den Aufschwung einer Stadt und einer Region fördert. 
Hauz Khas sideplan
Delhi/Hauz Kas Komplex: Assemble Hall & Grabmal Feruz Shah Tughlaq
Delhi/Hauz Kas Komplex: Assemble Hall & Grabmal Feruz Shah Tughlaq
Im nachhinein bedauerten wir, für Delhi nur drei Tage veranschlagt zu haben, ein weiterer Tag in der weitläufigen Stadt hätte einige Programmerweiterungen ermöglicht.  

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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    Autor Günter Schönlein

    Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen.


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