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Siebenter Tag: Nala, Banepa und Panauti Der heutige Tag war einer Landpartie vorbehalten. Die kleinen Ortschaften Nala, Banepa und Panauti sind flächenmäßig kaum über die ehemaligen dörflichen Grenzen hinausgewachsen, die Menschen sind auf das wertvolle Nutzland in ihrem Umfeld angewiesen. Das tägliche Leben beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Arbeit auf den Feldern und Weiden, auch an und in den Tempeln begegnen sich die Menschen. Die Tempel als öffentliche Begegnungsstätten werden gepflegt und sauber gehalten. Einschränkend muss gesagt werden, dass manche Plätze und Wege in den Dörfern bei Touristen einen weniger positiven Eindruck hinterlassen. Zwei Tempel werten Nala als Zielort auf: der buddhistische Karunamaya Tempel und der hinduistische Bhagavati Tempel. Während der Wiederaufbau bzw. die Restaurierung am buddhistischen Tempel abgeschlossen ist, gibt es am hinduistischen Tempel noch viel zu tun. Hier müssen noch sämtliche Dachaufbauten erneuert werden, in wie weit die alten Dachstreben zur Wiederverwendung noch tauglich sind, müssen Fachleute entscheiden. Weitere konkrete Informationen zum Karunamaya Tempel sind nur über den QR-Code zu erfahren. Wohl dem, der ein Smartphone besitzt und eine passende Nepal-SIM Karte erworben hat. Der Bhagavati Tempel von Nala hat das Erdbeben von 2015 leider nur stark beschädigt überstanden, im November 2025 war der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Die wenig erfreuliche Tatsache der fehlenden Dächer, ermöglicht zumindest den turmartigen gemauerten Kern des Pagodentempels ungehindert betrachten zu können. Dieser vormals prachtvolle Tempel zählt zu den wenigen Tempeln mit vier Dächern, die sich im Kathmandu-Tal erhalten haben. Gewiss wird versucht, den Originalzustand wenigsten annähernd wiederherzustellen. – Bhagavati meint generell die Erhabene, und wird in Kathmandu häufig als Durga dargestellt. Leider konnten wir das Idol nicht sehen, der Tempel war verschlossen. Vielleicht ist die Statue oder das Relief während der Bauarbeiten in einem Depot sicher untergebracht worden. Die ruhige Atmosphäre auf dem Platz vor dem Bhagavati Tempel empfanden wir als sehr angenehm, diese wohltuende, völlig entspannte Stimmung wurde nicht nur von der Morgensonne hervorgerufen. Auf dem Tempelvorplatz treffen sich die Menschen, tauschen sich aus, beten gemeinsam. Wir wurden mit aller Selbstverständlichkeit ins Gespräch gezogen, vor allem Frauen hatten keine Scheu, mit den fremden Besuchern zu reden. Dieser Platz, einem Anger vergleichbar, bietet sich tatsächlich als idealer Treffpunkt im Dorf an. Zum Hiti (Brunnen, Vordergrund links) kommen die Menschen, holen dort Trinkwasser, im Pati (kleine Versammlungshalle, Vordergrund rechts) können die Menschen im Schatten oder bei Regen sitzen und die neuesten Nachrichten auswerten. Wir haben anderenorts beobachtet, dass Frauen in einer solchen Halle saßen und gemeinsam mit Handarbeiten beschäftigt waren, wobei die Unterhaltungen nicht abrissen. Häufig treffen sich auch Männer im Pati, reden und rauchen dort, spielen Schach, Dame oder Karten. Eine solche Halle ersetzt das Tee- oder Kaffeehaus. Kein Dorf, kein Stadtteil, in welchen nicht solche Hallen stehen und überall werden sie genutzt, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten bzw. neue zu knüpfen. Meist halten sogar die Busse und Taxis vor solchen Versammlungshallen. Was wir nicht gesehen haben: Männer und Frauen gemeinsam versammelt unter einem Dach. Zwei Pagodentempel, je eine Garuda-Statue, je ein Löwen-Paar, je ein Glockenbalken und zwei Nebenschreine zeichnen die Architektur vom Thanapati Narayan Mandir in Banepa aus. Nicht nur die zwei Pagoden differieren im Erscheinungsbild des Mandir, auch die Garuda-Statuen unterscheiden sich in Größe und Ausdruckskraft, ebenso die bemerkenswerten Schnitzarbeiten, von denen nur wenige erneuert werden mussten, insgesamt hinterlässt der Thanapati Narayan Mandir einen gediegenen Eindruck von Originalität. Beachtenswert ist der Thorana über dem Eingang der größeren Pagode, der Holzschnitzer hielt keines der Details für nebensächlich. Über Vishnu-Narayana, der zentralen Götterfigur erhebt sich der bekrönte Garuda, der das Schlangenpaar (Naga & Nagini) mit seinen Klauen fest umkrallt. Links und rechts schweben jeweils zwei göttliche Wesen. Den unteren Außenbereich der halbkreisförmigen Thorana besetzen prachtvolle Makaras, Mischwesen, welche stets in göttlichen Sphären in Erscheinung treten, hier treten sie als völlig eigenständige Schimären auf: Krokodilmaul mit Elefantenrüssel und üppigen Federschweif. Etwas eingerückt, nicht unmittelbar an der Straße steht ein großes dreigeschossiges tempelähnliches Ziegelgebäude, das Dach wird von einem Pagodenaufbau gekrönt. Der Bau trägt den Namen Dyo Chhen, der Begriff ist der Newari-Sprache entlehnt und bedeutet »Gottes Haus«. KI bemerkt: »Zweck: Im Gegensatz zu einem traditionellen Tempel, in dem Gottheiten dauerhaft für die öffentliche Verehrung verehrt werden, ist ein Dyo Chhen als "Zuhause" für den Gott gestaltet. Dort befinden sich oft das Prozessionsbild der Gottheit, Sänften und rituelle Ornamente. Architektur: Es ähnelt typischerweise einem traditionellen Newar-Wohnhaus, zeichnet sich jedoch durch religiöse Merkmale wie Toranas (Tympanone), ein Gajur (Spitze), und kunstvolle Holzschnitzereien an Fenstern und Streben aus.« (abgerufen am 27.02.2026) Der Shree Chandeshwori Tempel gehört folgerichtig zum sakralem Ensemble des Dorfes Banepa, ist ein Chandeswori Tempel vorhanden, existiert meist auch ein Dyo Chhen (nähere Erklärungen führen ins Uferlose). Chandeshwori bezeichnet eine spezielle Durga aus dem Reigen der Navadurgas. Über dem Eingang zum Tempel befindet sich ein modernes, bunt bemaltes Relief der Legende: Durga tötet den Dämon Chanda. Ein zweites motivgleiches Relief ist an der Innenseite vom Tor angebracht, beide Bilder meinen besagte Chandeshwori. Obgleich die eingangs vorgestellten Durga-Reliefs in neuerer Zeit geschaffen wurden, zählt der Chandeshwori Tempel zu den ältesten Tempelanlagen im Kathmandu-Tal. Touristen tauchen hier selten auf, was wohl an der Entfernung nach Kathmandu liegen mag, immerhin 25km. Statuen der Malla-Königspaare sind häufiger vor den Tempeln im Kathmandu-Tal aufgestellt. Für die stilisierten Paarstatuen wurden langlebige Materialien gewählt, Stein oder Metalllegierungen. Offenbar war die Dauerhaftigkeit der Bildnisse bestimmend bei der Materialauswahl, in Holz geschnitten fanden wir keine Statuen der Malla. Das Nicht-Vergessen der Herrscher, sollte den Pilgern vor Augen bleiben, faszinierend die demutsvolle Haltung der Königspaare: Mahnung zur Andacht. Wer die Dachstützen näher betrachtet, blickt auf die zyklische Gesamtheit der Ashtamatrikas und der Ashtabhairavas. Die acht Bhairava gelten als Wächter der acht Himmelsrichtungen, die acht Matrikas als deren weiblichen Gegenpole. In diesem Kontext muss auch an die Navagraha, die personifizierten Planeten und die jeweils zugeordneten Gottheiten gedacht werden, bemerkenswert ist die fundierte Verschränkung der göttlichen Erscheinungen und die Verbindungen zur astralen Realität. Jeder Himmelskörper entspricht einer Gottheit, nur ein Beispiel: Surya steht für die Sonne, das Licht, die Erhellung des Alls. Hinter Bhairava mit allen seinen Erscheinungsformen verbirgt sich immer SHIVA, die inneren Zusammenhänge sind mehr als nur komplex, für Außenstehende äußerst schwer fassbar. In den eingemauerten Rahmenfeldern finden sich weitere geschnitzte Durga-Idole und Makaras. Auf den Tympana sind die göttlichen und halbgöttlichen Erscheinungen im Halbkreisformat komprimiert. Am Ortsrand, nur wenige Schritte vom Chandeshwori Tempel entfernt, bewunderten wir die ausladend große Skulptur Bhaila Narayanthan, Gott Vishnu auf der Weltenschlange Ananda-Shesha. Während sich am motivgleichen ähnlichen Vishnu-Relief Budhanilkantha die Pilger stauen und nur kurze Momente auf die Reliefplatte schauen können, hatten wir hier in Banepa Zeit und Ruhe für Narayana (sprich: Vishnu). Es mag sein, dass hier nur eine moderne Replik des vielfach gestalteten Mythos vorliegt, dennoch ist die Gesamtwirkung der Skulptur überzeugend, schon deshalb, weil Schlange und Vishnu von klarem Quellwasser umspült werden. Blüten und Farben stehen für die wenigen Pilger gratis bereit. Bei Google Maps ist der Teich vom Waknu Ganesh Tempel als Dyo Pukhu eingezeichnet, das Becken ist nicht zu verfehlen, es befindet sich im Zentrum von Banepa direkt nördlich an der Chandeshwori Marg. Außer Ganesha sind noch weitere Götterreliefs vor der Ziegelmauer installiert. Unser nächstes Ziel: Panauti, eine Kleinstadt mit rund 28000 Einwohnern. Wir stoppten auf der Panauti-Namobuddha Rd, oberhalb vom Punyamata River, von dort sind der Brammayani Tempel und die Tempelgruppe am gegenüberliegenden Ufer gut zu sehen. Drei Brücken überspannen den Fluss, eine Kettenbrücke und zwei Steinbrücken. Ehe wir den Fluss überquerten, besichtigten wir am Nordufer den Brammayani Tempel. Die viergeschossige Pagode mit drei Dächern wurde 1617 erbaut und befindet sich baulich in einem soliden Zustand. Ein Kultbild der Brahmi hat sich nicht erhalten, weder ist ein markantes Relief noch eine Statue der Göttin vorhanden. Der Aufbau im Tempelinneren folgt einem ungewöhnlichen Konzept, zu sehen ist ein C-förmiger gemauerter Schrein, der Reste von älteren Reliefs und Statuen birgt. Brahmi oder Brahmini bzw. Brahmayani ist eine der acht Matrikas (Muttergöttinnen), insofern beansprucht der Tempel eine Sonderstellung , ist er doch dezidiert einer Göttin geweiht, eine Widmung, die auch an den weiblichen Dachstreben zum Ausdruck kommt. Tatsächlich sind die Holzschnitzarbeiten das Schönste, was an diesem Tempel zu bewundern ist. Das befestigte Südufer vom Punyamata River ist als Ghat ausgebaut, sicher werden dort auch heute noch im Schatten der Krishna Tempelgruppe Verbrennungen durchgeführt, es ist auszuschließen, dass die Menschen wegen Trauerritualen bis nach Kathmandu oder an andere zentrale Verbrennungsorte im Tal reisen. Der Krishna Narayan Tempel, eine im 17. Jahrhundert erbaute viergeschossige Pagode mit drei Dächern, steht auf einem Stufensockel, durch den Sockel wirkt der Tempel trotz gleicher Architektur höher als der am anderen Ufer gegenüberstehende Brammayani Tempel. Das verschlossene Garbhagriha (Sanktum) vom Krishna Tempel ist von einer offenen Galerie umgeben. Kleinere Schreine umgeben den Krishna Tempel. Eine offene Halle und ein Überdach schützen bei längeren Wartezeiten vor Regen und bieten Schatten, Verbrennungen und Trauerprozessionen dauern mehrere Stunden. Abgesehen vom Krishna- und Brammayni Tempel, wird in Panauti vorrangig Shiva angebetet. Die meisten der großen Tempel und kleinen Schreine sind dem Großen Gott gewidmet. Klingen auch die Namen der Tempel für Außenstehende nicht unmittelbar nach Shiva, gleich ob Indreshwar, Maheshwori, Mahadev oder Bhairab als Tempelname angegeben wird, gemeint ist immer SHIVA. Eine Vielzahl Lingas, oft in gleicher Form, nur durch Größe unterschieden, sind bildhafter Ausdruck für das tiefe Vertrauen zu diesem Gott. Ein gemütlicher Spaziergang durch die Straßen und engen Gassen von Panauti lieferte ergänzend tiefe Einsichten ins Alltagsleben der Newar, vorwiegend Menschen dieser Volksgruppe leben in verschiedenen Regionen des Kathmandu-Tals. Leider fanden wir die gut gezeichnete, für Touristen bestens geeignete Karte erst am Ende unserer Exkursion, doch die historischen Brunnen und die traditionellen Wohnhäuser und Zweckbauten waren auch ohne Karte nicht zu übersehen. Das Gebäude mit Holzerker und offener Säulenhalle dient zur Aufbewahrung sakraler Gegenstände, die zu Festen benötigt werden. Ebenerdig lagert ein zerlegter Prozessionswagen, vier Räder, die Achsen und die Deichsel sind vor Regen geschützt aufbewahrt. Die verantwortlichen Behörden beginnen sich auf die kulturhistorische Bedeutung ländlicher Kleinsiedlungen im Kathmandu-Tal endlich zu besinnen. Generelle Überlegungen werden angestellt, wie und durch welche Aktionen solchen Orten Wertschätzung zu verleihen wären. Werterhaltung von Kulturgütern würde nicht nur wirtschaftlichen Auftrieb mit sich bringen, sondern schlussendlich auch den Fremdenverkehr ankurbeln und langsam zunehmenden Wohlstand für alle Menschen im Tal bringen, de facto würde sich die allgemeine Lebensqualität steigern.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Dreizehnter Reisetag: Chittorgarh Besichtigung Fort Chittorgar Schon im Morgengrauen verließen wir das Hotel. Frühstück war später angesagt. Das Fort Chittorgarh bietet zahlreiche sehenswerte Ziele, um diese aufzusuchen, hatten wir heute den ganzen Tag vorgesehen. Es galt, alle Lichtstunden des Tages auszunutzen. Vor Sonnenaufgang sind fast nur Tiere unterwegs. Kühe trotten gemächlich auf gewohnten Wegen durch die schmalen Gassen, sie sind auf Futtersuche. Größere Weideflächen findet das Milchvieh nicht, denn das Fortgelände ist zumindest im nördlichen und mittleren Teil dicht besiedelt. Schweine wühlen in den Abflussrinnen (Kanalisation) nach Essbaren. Hühner stolzieren dazwischen herum und Hähne schreien den Weckruf heraus. Das dörfliche Milieu hat sich im Fort ziemlich unverfälscht erhalten, obgleich die Wohnbauten inzwischen den modernen Lebensgewohnheiten angepasst wurden, diesbezüglich ist ein Veränderungsprozess nicht zu übersehen. Auffällig dicht stehen zahlreiche Tempelbauten zwischen den Häusern, anders: jeder freie Platz wurde für Wohnhäuser genutzt, deshalb drängen Häuser bis an Tempelmauern, selbige dienen oft als Grundstücksbegrenzungen. Manche von eifrigen Neuerern verursachten baulichen Entgleisungen befremden die Gäste aus fernen Ländern. Eine Freilufttoilette direkt neben ein Wohnhaus und an eine Tempelmauer zu platzieren, zeugt von mehr als nur Geschmacklosigkeit, andererseits finden sich an dieser Mauer sehenswerte Spolien. Wer solche Bausünden mit Kunstwerken vereint, muss vergessen oder missachtet haben, dass die Festung Chittorgarh zum Weltkulturerbe zählt. Auf unserer Arbeitsliste standen etliche Tempel, einige (fast ein Dutzend!) wollten wir vor dem Frühstück besichtigt haben. Morgens Ganesha zu begegnen, betrachten wir als gutes Omen für den ambitionierten Tagesablauf. Die Unart, Ganesha-Idole silbern, gelb oder rot anzumalen, löst mindestens Kopfschütteln, wenn nicht Verwunderung aus. Müssen Reliefs farblich markiert werden? Sind Farbanstriche Ehrerweisungen für die Gottheiten? Schaut Kubera, der Gott des Reichtums, spöttisch oder missbilligend auf die Toilettenanlage herab? Wie auch immer, der für uns namenlose Tempel mit seinen drei Idolen am gedrungenen Turm, dessen markantes Erscheinungsbild durch Miniatur-Türme (Urushringas) geprägt wird, lohnt die Besichtigung. Das Licht am Morgen färbt den Himmel herrlich blau, doch das Sanctum mancher Tempel bleibt in den frühen Morgenstunden noch ziemlich dunkel. Für die Wiedergabe der Vishnu-Reliefs war das Blitzlicht vonnöten. Ganesha, die Einheimischen nennen ihn Ganesh, ist in Chittorgarh omnipräsent, er zählt als Sohn Shivas zum Götterkanon. Wir sollten dem Elefantengott im Laufe des Tages noch oft begegnen. Der übersichtliche Plan der Festung veranschaulicht die Bebauung des Felsrückens. Chittaurgarh muss die lokale Schreibweise des Ortsnamens sein. Google Maps verwendet Chittorgarh. In der Stadt leben etwa 120000 Menschen, davon der geringere Teil im Fort. Die Fläche der Festung beträgt 2,8 km². Im südlichen Teil vom Fortgelände nimmt die Besiedelung deutlich ab. Im Norden, wie schon erwähnt, drängen sich Häuser und Tempel aneinander, dort befinden sich kleinere Wasserbecken, während im südlichen Areal der Festung größere Becken vorzufinden sind. Touristen engagieren zumeist einen Fahrer (vorzugsweise mit TukTuk) und einen Guide, der ihnen im Schnelldurchlauf die vermeintlich wesentlichen Sehenswürdigkeiten zeigt und vor Ort mit Jahreszahlen und Fakten brilliert, die sich kaum einer merken kann, er glänzt mit Angaben, die in jedem Reisehandbuch nachzulesen sind. Gewiss, diese Menschen leben vom Zulauf ahnungsloser Touristen, doch wir benötigten keinen solchen routinierten Auskenner, denn wir hatten unsere Aufgaben Daheim erledigt. Auf unserem Arbeitsblatt zum Fort Chittorgarh waren rund fünfzig Einzelziele gelistet, das klingt erschreckend viel, die Summe relativiert sich aber, weil die Objekte oftmals unmittelbar nebeneinander stehen, nur durch wenige Schritte getrennt sind oder mit einem Rundgang zu besichtigen sind. Für den südlichen weitläufigeren Bereich der Festung hatten wir uns den Fahrer ausbedungen, der am Nachmittag planmäßig mit Auto bereitstand. Bis zum Mittag haben wir alle geplanten Ziele zu Fuß erreicht und ohne Guide gefunden. In Folge werden Fotos von Palästen, Tempel, Becken und Wohnbauten gezeigt. Die Bilder sind nur mit einem Titel versehen, auf Kommentierungen wird verzichtet. Mehr als vier Dutzend Fotos dokumentieren den unglaublich abwechslungsreichen Schauwert der Bauten im Fort Chittorgarh. Zwei Besichtigungstage für das Fort zu veranschlagen ist ein realistischer Zeitraum, um nicht in Zeitdruck zu geraten. Am Abend vermochten wir einzuschätzen, weshalb das Fort in ganz Indien als lohnenswertes Reiseziel bekannt ist.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Zwölfter Reisetag: Baroli – Bijolia – Menal – Chittorgarh Shri Parshvanath Digambar Jain Tempel Mandakini Tempelkomplex Menal Shiv Tempelkomplex Chittorgarh Fort Als Auftakt des sonnigen Tages besichtigten wir den Shri Parshvanath Digambar Jain Tempel. Der Name benennt nur einen Tempel, meint aber ein großflächiges Gelände, auf dem etliche moderne Jain Tempel und Schreine stehen. Noch sind die Bauarbeiten nicht abgeschlossen, der Eindruck auf einer Dauerbaustelle unterwegs zu sein, drängt sich auf. Was Monumentalität betrifft, haben wir in Rajasthan keinen größeren Jain Tempel, auch keine ausgedehntere Jain Anlage gesehen, dabei ist Bijolia mit rund 15000 Einwohnern nur eine Kleinstadt. Das Jain Pilgerzentrum beruft sich wohl auf die Tatsache, dass dort laut Felsinschriften im Jahr 1160 fünf Jain Tempel erbaut wurden, von denen anscheinend keiner erhalten blieb, zumindest haben wir auf dem Gelände keinen alten Jain Tempel entdeckt. Etwa 2km südöstlich von Bijolia breitet sich das Tempelgelände aus. Das gesamte Areal fällt durch Ordnung und Sauberkeit angenehm auf. Zukünftige Rasenflächen sind schon angelegt, auch an Blumenrabatten, Sträucher und Bäume ist gedacht worden. Irgendwann stehen ansehnliche Tempel in einer schmucken Parkanlage. Neben dem Haupttempel entsteht ein turmartiges Gebäude. Wird das ein Pilgerhotel? Wann wird das Pilgerzentrum fertig sein? Drei Tempel und eine Beckenanlage stehen auf dem Bijolia-Gelände zur Ansicht. Der gesamten in der Zeitspanne vom 11. bis zum 13. Jahrhundert erbauten Tempelanlage könnte stilistische Geschlossenheit attestiert werden, wären nicht die von Mogulbauten entlehnten dem Undeshvar Mahadev Tempel unpassend aufgesetzten Architekturelemente vorhanden: gemeint sind die Chhatris, jene offenen, vermutlich später hinzugefügten nutzlosen, nur der Verzierung dienenden Pavillons im Dachbereich. Trotz des bemängelten Stilbruchs sind die Bijolia Tempel ein lohnenswertes Ziel, nicht zuletzt wegen einigen außergewöhnlichen Reliefs an den Fassaden und Säulen der Tempel, hier muss etwa an einen stehenden Ganesha, auch an einen weiblichen Ganesha (eine Ganeshi?) oder an eine drastisch erschreckende Durga gedacht werden, außerdem sind einige Kapitelle bemerkenswert, üblicherweise vierseitig gestaltet, hier oktogonal, also mit acht Trägerfiguren. Senkrechte Sonne über uns, das heißt, wir müssen in der Mittagsglut eine große Tempelanlage besichtigen. Die Mahanal Tempel in Menal stehen auf dem Programm. Ausschließlich roter Sandstein strahlt uns warm entgegen und blendet die Augen. Schlechtes Licht für Fotos. Ungünstige Bedingungen, aber für unser Wohlbefinden haben wir mit genügend Wasser im Rucksack gut vorgesorgt. Die Mahanal Tempelgruppe von Menal umgibt eine hohe Mauer. Noch ehe wir die Anlage betreten, zeichnet sich ab, hier würde es viel zu tun geben, also aufmerksam unterwegs sein und möglichst umfassend die Tempel und die Reliefs digital festschreiben. Schon an der Außenseite vom Tor sehen wir drei Reliefs, die unbedingt ein Foto wert sind, allen voran Ganesha. Kein Tag an dem der Elefantengott, ein Sohn Shivas, nicht präsent gewesen wäre. Die Menschen lieben, verehren und glauben an ihn. Bhairava, der "Furchteinflößende", eine Inkarnation Shivas verweist auf eine dem Gott Shiva gewidmete Tempelanlage, diesbezüglich wäre zumindest Klarheit geschaffen. Die von der ASI restaurierten kleinen und großen Tempel der Menal-Gruppe geben dem Laien viele Rätsel auf. Hier muss über viele Jahre hinweg gebaut worden sein, stilistisch unterscheiden sich die Tempelbauten erheblich. Zwei schmale Schreine sollen im 8. Jahrhundert erbaut worden sein, andererseits gibt eine Felsinschrift von 1170 Auskunft, dass die Tempel Ziel vieler Pilgerfahrten waren. Es verging geraume Zeit, ehe wir alle Tempelbauten visuell erfasst und wenigstens die äußeren Strukturen auf den SD-Karten gespeichert haben. Wir müssen die Anlage verlassen, um über ein Felsplateau vorbei an einem Wasserfall zu einem weiteren Tempel zu gelangen, der wohl als letzter Bau der Gesamtanlage entstand. Diesen Tempel nicht gesehen zu haben, ist kein Verlust, doch schon wegen der Landschaft lohnt der Abstecher nach Draußen. Dort im Außenbereich herrscht Ruhe, wenig Publikum ist hier unterwegs, das mag zur Regenzeit anders sein, dann wird das Felsplateau vom Regenwasser überspült sein und der Wasserfall mächtig rauschen. Am 25. November 2024 tropft nur ein klägliches Rinnsal in die Felsschlucht hinab. Zu anderen Jahreszeiten muss der Wasserfall ein imposantes Naturschauspiel liefern. Nach dem Kurzausflug in die Canyonlandschaft von Menal begeben wir uns zurück auf das Gelände der Tempelgruppe, dort gilt es die Feinarbeit zu erledigen. Details müssen erfasst, sehenswerte Reliefs, Säulen, Pfeiler, Kapitelle, Türstürze und Türschwellen fotografiert werden. Statuen finden sich in keinem der Tempelbauten. 90 Minuten haben wir unter glühender Sonne ausgehalten, haben unsere Aufgaben fürwahr im Schweiße des Angesichts erledigt. Der Lohn: eine erkleckliche Anzahl aussagestarker Fotos, die zur späteren Auswertung auf den Festplatten der Computer bereitstehen. Kurz vor 16Uhr erreichen wir Chittorgarh. Ich habe unseren Fahrer gebeten, bei der Auffahrt zur Festung an jedem der sieben Tore kurz zu halten, um jeweils ein Fotos zu schießen, eine Anweisung, die er befolgt, so kann ich beliebig oft die Serpentinenauffahrt zum Fort nachvollziehen. Wir schlafen zwei Nächte innerhalb der Festung in einem von Frauen geführten gepflegten Hotel. Kaum haben wir das Zimmer bezogen, machen wir uns auf den Weg, um Teile der nördlichen Festung zu erkunden. Ehrgeizig wollen wir noch die letzten zwei Lichtstunden des Tages ausnutzen, ehe wir im Hotel gemeinsam mit einer australischen Familie das Dinner einnehmen. Im Fort haben sich mehrere Wasserbecken unterschiedlicher Größe erhalten, inwieweit diese Speicher noch von praktischen Nutzen sind, ist schwerlich zu ermessen, für Trinkwasserzwecke halten wir das Wasser als absolut unbrauchbar. Kulturhistorisch sind diese Becken wertvoll, zumal an den Wänden meist Reliefs eingemauert sind, solche Spolien lohnen allemal den Abstieg, mitunter sind sogar kleine Tempel zu entdecken. In keinem Reiseführer wird weder der Kund noch der Schrein erwähnt, der in einer Ecke direkt über dem Wasser seinen versteckten Platz hat, zwar ist der Abstieg zu dem äußerst reizvollem Ganesha-Schrein etwas waghalsig, aber lohnenswert allemal. Bleiben wir bei diesem vom Autor geprägten Namen, weil der Elefantengott an und in diesem kleinen Schrein mehrfach präsent ist, obgleich der kleine Tempel eindeutig dem Gott Shiva dediziert ist. Noch nirgends woanders sahen wir Ganesha auf einem Lotosblatt, das wunderschöne Motiv ist nicht populär. Selbst wenn das Relief eine neuere Arbeit sein sollte und dem Kunstgewerbe zuzurechnen sein sollte, meinen wir dennoch eine Rarität entdeckt zu haben. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Neunter Reisetag: Jaipur – Ajmer – Pushkar Ajmer Akbari Fort mit Government Museum Ajmer Soni Ji Ki Nasiya Jain Tempel Buland Darwaza/Khwaja Gharib Nawaz Gargah Sharif (geplant & nicht durchgeführt) Adhai-Din-Ka-Johnpra-Moschee (geplant & nicht durchgeführt) Pushkar (1.Rundgang) Die von Akbar I. 1570 in Auftrag gegebene Stadtfestung, genutzt als Wohnpalast, beherbergt mittlerweile die Sammlungen vom Ajmer Government Museum. In aller Ruhe ohne Beaufsichtigung und von keinerlei Publikum gestört konnten wir sämtliche Abteilungen des Hauses in Augenschein nehmen, dabei gab es aus unserer bescheidenen Sicht sensationelle Entdeckungen zu machen. Von der historischen Stadt Madyamika hatten wir noch nie gehört, ganz zu schweigen von 1915-1916 dort stattgefundenen Ausgrabungen, die bemerkenswerte Funde ans Licht brachten. Lapidar, fast untertrieben lauten die Beschriftungen in den Vitrinen, wie beiläufig angepriesen werden Human Figurines Period: Approxymately 5000 years old und Animal Figurines Period: Approxymately 5000 years old als wären es alltägliche Objekte, die überall zur Ansicht ausgestellt sind. Wir kamen aus dem Staunen nicht heraus, gleich die ersten Museumsräume übertrafen jegliche Erwartungen. Begeistert besichtigten wir danach die Säle mit den sehr gut sortierten, chronologisch geordneten Skulpturensammlungen. Gezeigt werden Exponate aus verschiedenen Zeiten, darunter finden sich seltene Stücke, auf die größere Museen der Welt stolz sein würden. Fast allen Skulpturen und Reliefs widmeten wir mehr als nur einen flüchtigen Blick. Einen solch ungewöhnlichen Lingodbhav (auch: Lingodbhava) hatten wir bis dato noch nirgends gesehen. Ohne Kenntnis der Feuersäulen-Legende fällt die kunstgeschichtliche Bewertung dieses einmaligen Reliefs schwer: im Grunde ist der Übergang von der anikonischen zur antropomorphen Shiva-Darstellung versinnbildlicht. Eine weitere Besonderheit, die mancher Besucher vielleicht unter Kuriosa verbuchen wird, gibt es in Ajmer zu bestaunen: im Soni Ji Ki Nasiya Jain Tempel stehen das raumfüllende vergoldete Modell der historischen Stadt Ayodya, außerdem Modelle vom Mount Kailasha, Mount Sumeru und der Stadt Hastinapur. Von 1870 – 1895 wurde an den Modellen gearbeitet, angeblich 1000kg Gold bringen die besagten Fantasieobjekte zum leuchtenden Glänzen. Bestimmt wird diskutiert, unter welchen Aspekten die Modelle zu bewerten sind, dabei kommen garantiert die Termini Kunst und Kitsch zur Sprache. Während im Untergeschoss alle Modelle frei stehen und aus der Nähe betrachtet werden können, befinden sich die Modelle im Obergeschoss in einer riesigen Vitrine. Der komplett verglaste Saal, kann nur von drei Seiten umgangen werden. Einfallendes Seitenlicht und lästige Spiegelungen behindern die Gesamtansicht. Anders der geheimnisvolle Jain Tempel, den dürfen Besucher aus welchen Gründen auch immer nicht betreten. Die einzigen Hinweise auf einen Jain Tempel stehen neben dem Kassenhäuschen in kalten Räumen vor kahlen Wänden. Kommentarlos werden einige Jain-Idole aus früheren Zeiten gezeigt, angeblich stammen diese vermutlich ausrangierten Kunstwerke aus dem 12. Jahrhundert. Im Government Museum wären diese Stücke besser präsentiert worden. Die nächsten geplanten Programmpunkte führten uns direkt hinein ins mittägliche Stadtgewühl von Ajmer. Das Menschengedränge auf dem Weg zum Buland Darwaza wurde immer dichter, alsbald wurde uns der laute Trubel und die Mittagshitze lästig, genervt brachen wir die Unternehmung ab. Glücklich und zufrieden eine richtige Entscheidung getroffen zu haben, verzichteten wir auf die Visite in der Adhai-Din-Ka-Johnpra-Moschee. Schon am frühen Nachmittag erreichten wir Pushkar. Nach angemessener Pause begaben wir uns voller Erwartungen in die Heilige Stadt, wollten gemütlich am Heiligen See von Tempel zu Tempel, von Schrein zu Schrein flanieren, doch weit gefehlt: wirkliche Heiligkeit herrscht nach unserem Empfinden nicht, Verwahrlosung und Verschmutzung der religiösen Stätten überwiegen. Unser Entsetzen über die Vernachlässigung einer Stadt, die täglich von Pilgern übervölkert wird, überwog alle aufkommenden Gefühle, die auch nur irgendwie mit Andacht zu tun haben könnten. Heilige Kühe und andächtige Büßer, einzeln und in Gruppen, glaubten wir anzutreffen, doch überall achtlos weggeworfenen Unrat hatten wir in Pushkar nicht erwartet. Einige Tempel liegen direkt am See, was aus der Ferne malerisch wirkt, die Nahsicht jedoch schaut anders aus. Kopfschütteln über unvorstellbare Widersprüchlichkeiten bis zum Abend. Zehnter Tag: Pushkar Sonntagsspaziergang Pushkar intensiv Absichtlich bleiben die Pushkar-Bilder ohne Titel und Kommentierungen. Die Betrachter der Bilderfolge mögen sich selbst ihr Urteil bilden. Wir empfehlen Pushkar als Reiseziel nicht. Elfter Reisetag: Pushkar – Baroli Baroli Tempelgruppe: Shiva Tempel Shiva Tempel im Tank Sheshashyai Vishnu Tempel Vamana Tempel Mahisasuramardini Tempel Gateshwara Mahadeva Tempel Ganesha Tempel Trimurti Tempel (Ashtamatha Tempel?) Nach langer Autofahrt (260km) kamen wir am frühen Nachmittag in Baroli an. Strecken über 200km können in Indien durchaus halbe Tage oder noch längere Zeiträume in Anspruch nehmen. Routinierte Autofahrer bringen es auf zirka 40km pro Stunde. Die maximal zulässige Geschwindigkeit auf Indiens Straßen, auch auf den Highways beträgt 80km/h. Von den Autofahrten durch Rajasthan bleiben neben abwechslungsreicher Landschaft die zahllosen unfreiwilligen Geschwindigkeitsverringerungen und Stopps in Erinnerung, weil Menschen oder Tiere die Fahrbahnen überqueren oder Lastwagenkolonnen überholt werden müssen. Heute saßen wir von 6Uhr50 bis 13Uhr20 im Auto. Zehn Minuten später betraten wir die Baroli-Tempelanlage. Alle von der ASI registrierten Tempelanlagen sind umzäunt, im Regelfall restauriert und im gepflegten Zustand. Meist liefert eine Tafel Informationen zu den Tempeln, so auch in Baroli bzw. Badoli, beide Begriffe sind richtig. Alle Angaben auf unserem Vorbereitungsblatt zu den Baroli-Tempeln fanden wir vor Ort bestätigt. Obwohl neben der Tempelgruppe eine Hauptstraße vorbeiführt, die Baroli-Monumente aus dem 11. Jahrhundert, also problemlos zu erreichen sind, stießen wir, unser Glück, nur auf wenige Besucher. Menschenmassen können bei einer Visite und der fotografischen Dokumentation wichtiger Bauwerke durchaus lästig sein. Mehr Affen als Menschen tobten auf dem Tempelgelände umher. Der Tempelkomplex ist zweigeteilt: im vorderen Bereich stehen drei Tempel (Shiva, Shiva im Tank, Sheshashayi), im hinteren Bereich fünf Tempel (Mahisasuramardini, Vamana, Trimurti, Ganesha, Ghateshwar), außerdem sind zwei markante Säulen (Reste einer Thorana) zu sehen, ein am Boden liegendes erhaltenes Tor mit bemerkenswertem Sturz und ein Stufenbrunnen. Dazukommen noch zahlreiche fragmentarische Architekturteile, die auf die Randgebiete des Areals verteilt wurden und dort ein wenig beachtetes Dasein führen. Mit einem Wort, es gibt mehr als genug in der gepflegten Anlage zu begutachten. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Vierter Reisetag: Mathura – Sikand(a)ra – Agra Mathura Government Museum Akbars Tomb Kanch Mahal Lodi Tomb Sikandra R C Cementery: Red Taj Geplant war und gelohnt hat sich auf dem Weg von Delhi nach Agra der Zwischenstopp in Mathura . Die Kollektion vom Mathura Government Museum wollten wir unbedingt gesehen haben. In diesem Haus wird (soweit uns bekannt ist) die größte Sammlung in Indien präsentiert, welche sich umfassend der Mathura-Kunst widmet. Im Gegensatz zu den weltbekannten buddhistischen Bildwerken aus Gandhara (Pakistan) stehen die annähernd zeitgleich in Nord-Indien, nämlich in der Region MATHURA entstandenen ebenfalls buddhistischen Kunstwerken noch immer etwas im Schatten der internationalen Kunstbetrachtung und fristen ein unverdientes Nischendasein, so zumindest unser persönlicher Erkenntnisstand. Das Government Museum leistet einen würdigen Beitrag, um Licht auf das Dunkel der Mathura-Periode zu werfen. Der geringe Eintrittspreis steht in keinem Verhältnis zum unschätzbaren Wert der Sammlung. An einem Sonntagvormittag waren wir zwei Stunden hindurch fast die einzigen Besucher. Die Kollektion ist hochwertig, leider werden viele Objekte in Glasvitrinen präsentiert, deren Scheiben blind geworden sind und geputzt werden müssten, aber alle Exponate sind vorbildlich zweisprachig beschriftet. Fotografieren ist unbeschränkt gestattet. Leider waren die Lichtverhältnisse in den Sälen ungünstig, Sonnenreflektionen und lästige Spiegelungen beschädigten manches für uns wichtige Foto, so dienen etliche der digitalen Festschreibungen lediglich als Informationsdateien. Gern hätte ich einen Museumskatalog gekauft, doch der ist noch nicht aufgelegt, wahrscheinlich noch nicht geschrieben. Schade, doch immerhin haben wir von der MATHURA-KUNST detailliertere Vorstellungen gewonnen als wir je zuvor besaßen. Die meisten Mathura-Objekte wurden aus rötlich getöntem Sandstein geschaffen, so auch der Buddha Maitraya aus dem 2. Jahrhundert. Das folgende als Gemeinfrei deklarierte Maitraya-Foto steht im WIKIPEDIA-Artikel Buddhistische Kunst unter der Überschrift Ikonische Periode (1.Jh. bis heute) Gandhara und Mathura als Belegbeispiel für die Mathura-Kunst. Das hervorragende Kunstwerk wird in der Dauerausstellung im Pariser Musée Guimet gezeigt. Als Bestätigung für intensive Forschungsarbeit und ausreichende Besucherinformation wurden den zwei folgenden Kunstwerken die entsprechenden zweisprachigen Schrifttafeln gegenübergestellt. Überzeugend natürliche Darstellungen menschlicher Körper zeichnen die verschiedenen Epochen der Mathura-Periode aus. Das Verhältnis zur ungezwungenen Körperlichkeit verleiht allen Statuen Lebendigkeit, gleich ob Mann, ob Frau, gleich ob Gott, Halbgott, Buddha oder Prinz, die beim Betrachter Wohlwollen und Gefallen hervorrufen und den Eindruck hinterlassen, hier haben lebende Menschen Modell gestanden, zweifellos, diese Figuren wurden fernab jeglicher Atelierkunst geschaffen. Nur wenige Kaiser und Könige wurden mit dem Attribut Der Große versehen und sind als verbindliche Begriffe schlagwortartig in die Geschichte eingegangen. Jeder hat wohl schon die Namen Alexander der Große oder Friedrich der Große vernommen. In Indien wird Akbar der Große verehrt. Akbar regierte von 1552 bis zu seinem Tod im Jahr 1605, für damalige Verhältnisse ein ungewöhnlich langer Zeitraum. Neben dem Kaiser Ashoka wird Akbar als zweiter bedeutender Herrscher Indiens, der ein genialer Stratege war und den Religionen tolerant gegenüber stand, verehrt. Anschauliche Beispiele für sein Wirken sind heute zu Zielen avanciert, welche Touristen aus aller Herren Länder besuchen: aufgesucht werden die Stadt Fatehpur Sikri, das Fort in Agra und nicht zuletzt Akbarˈs Grabmal in Sikandra (oft auch Sikandara geschrieben). Betreffs dieser herrlichen Grabanlage Worte zu suchen, ist überflüssig, Besucher werden sich auch ohne Erklärungen an der harmonischen Architektur erfreuen und die weitläufige Gartenanlage, ein Char-Bagh, genießen. Leider lagen im November 2024 die Kanäle und Brunnen trocken, das lässt sich entweder auf Wasserknappheit oder auf mangelnde Pflege der Pumpanlagen zurückführen. Wasser sparen zu wollen, hätte mit Vernunft zu tun, technische Anlagen verkommen zu lassen, wäre eine peinliche Unterlassungssünde. Das unvollendete (oder zerstörte?) Lodi-Grab in der Nähe vom Kanch Mahal ist das interessantere der beiden Bauwerke, die nahe der Grabanlage Akbars zu finden sind. Das durchaus ansehnliche Kanch Mahal diente verschiedenen Zwecken, unter anderem als Sommerresidenz und als Jagdschloss. Die stattliche Lodi-Grabanlage wurde auf einem quadratischen Sockel errichtet. Die oktogonale Bauform bezieht sich auf bewährte Architekturmuster der aus Afghanistan nach Nord-Indien eingewanderten Lodi, welche von 1451 – 1489 die Regierung vom Sultanat Delhi übernahmen. Um einen zentralen Raum reihen sich peripher kleinere Grabkammern. Das Panoramafoto der Innenräume offenbart die Verbindungen der Räume miteinander, woraus die lichte Architektur resultiert. Wer dort seine letzte Ruhe fand, bleibt bis heute Vermutung bzw. Rätsel. Die Forschung stuft den Bau des Grabmals in die Jahre 1517 – 1526 ein. R C Cemetery? Die Abkürzung R C meint schlichtweg Roman Catholic Cemetery. Dieser in Nordindien älteste christliche Friedhof wurde 1550 angelegt, um armenische Christen zu beerdigen, die sich während Akbars Herrschaft in der Stadt angesiedelt hatten. Das schönste und auffälligste Mausoleum auf diesem Friedhof ist das Grab für den 1803 gestorbenen Offizier John William Hessing, welches seine Witwe zum Gedenken an ihren Mann erbauen ließ. Dieser ansehnliche Bau im Mogul-Stil wird als "The Red Taj" bezeichnet. Weitere kleinere Gräber im Mogul-Stil machen den überschaubaren Totenacker zum Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Wer dem quirligen Treiben und dem Lärm in Sikandra und sei es nur kurzfristig entgehen möchte, der hat mit dem Römisch-Katholischen Friedhof den richtigen Platz gewählt. Fünfter Reisetag (Vormittag): Agra Taj Mahal Agra Fort Das Taj Mahal gesehen und betreten zu haben, gehört zu den außergewöhnlichen Glücksmomenten eines jeden Nordindien-Reisenden. Vielen Menschen gilt es als das schönste Grabmal der Welt. Wer an Indien denkt, dem fällt unwillkürlich das Taj Mahal ein. Ohne dieses Bauwerk wäre Indien undenkbar, eine solche Vorstellung entspräche etwa den unvorstellbaren Visionen, Deutschland ohne Brandenburger Tor oder Bayern ohne Schloss Neuschwanstein. Viele Menschen waren am frühen Morgen des 18.11.2024 noch in der Dunkelheit zuversichtlich aufgebrochen, um sich den Traum zu erfüllen, endlich das TAJ MAHAL sehen zu können. Auf vorgeschriebenen Wegen, zwecks besserer Kanalisation der Menschenmassen, strömten scharenweise Touristen dem großartigen Bauwerk entgegen. Vordergründig tobt rechts und links der Straße gnadenlos und überaus lästig der schonungslose Kommerz. Ein Paar Plastiküberschuhe und eine Flasche Wasser sind im überteuerten Ticket inkludiert. Die Eingangskontrollen wurden routiniert streng durchgeführt, arteten dennoch in Chaos aus. Die Begleiterscheinungen, die der Visite vorausgehen, empfinden sicher die meisten Touristen als äußerst unangenehm. Nachdem endlich der südliche Torbau durchschritten ist und die von ungezählten Fotos bekannte Ansicht ins Auge fallen muss, nahmen die erwartungsvollen Menschen nur eine schemenhafte Vision ihres Traumes wahr. Der im November 2024 über Delhi und Agra lagernde extreme Smog wird vielen Menschen die Visite und das Erlebnis Taj Mahal nachhaltig getrübt, wenn nicht vergällt haben. Erst die unmittelbare Annäherung und die Umrundung ermöglichte detaillierte Ansichten der Baustrukturen. Bleibt noch zu erwähnen, dass im Innenbereich das Fotografieren strikt verboten ist. Gedränge herrscht sicher zu allen Tageszeiten. Die meisten Menschen sind kaum länger als zehn Minuten im Innern der Grabanlage unterwegs, weil sie regelrecht im Kreis um das herrlich umzäunte Grab geschoben werden. Man muss schon auf das eigene Besichtigungstempo beharren, um tatsächlich die wundervollen Intarsien und Steinschneidearbeiten bewundern und im Hirn abspeichern zu können. Obwohl es schon auf Mittag zuging, war auch das Rote Fort von Agra ähnlich dem Taj Mahal von Smogschleiern umhüllt. Die schädlichen Wolken gaben der Sonne keine Chance. Agra im Smog, daran schien sich nichts ändern. Der warme rotbraune Farbton der Mauern leuchtete nur blass. Nicht die geringste Spur vom zu dieser Jahreszeit üblichen Himmelsblau zeigte sich über dem Roten Fort. Den Nahansichten konnte der Smog jedoch nichts anhaben, im Detail offenbarte sich uneingeschränkt die Herrlichkeit der Bauten. Keiner glaube im Roten Fort zu Agra sei nur roter Sandstein als Baustoff verwendet worden, auch edler Marmor mit eingelegten Edelsteinen kam zum Einsatz und davon nicht wenig. Was im Taj Mahal mehr oder weniger im Drängen und Schieben wahrzunehmen ist, kann an den Prachtbauten im Agra Fort ohne Hast und im Detail begutachtet werden, weil sich im Fort der Massenauflauf in Grenzen hält und sich die Menschen auf Grund der verschiedenen Bauten verlaufen. Erst die Nahansichten offenbaren die kunstfertige Verarbeitung und äußerst feine Behandlung der steinernen Materialien. Gleich ob Sandstein oder Marmor geschnitten wurde, begnadete Handwerker haben herausragende Zeugnisse ihrer Fähigkeiten hinterlassen, die wir heute als Kunstwerke bewundern. Fortsetzung Fünfter Reisetag (Nachmittag) Agra
im Teil 3 der Reisebeschreibung RUNDREISE RAJASTHAN Foto und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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