|
Borobudur ist die größte buddhistische Tempelanlage der Welt. An den Wänden der unteren vier Galerien sind Szenen aus dem Leben Buddhas dargestellt. Aneinander gereiht ergeben diese Reliefs eine Gesamtlänge von über fünf Kilometern Länge. Diese Fakten und vieles mehr teilt der WIKIPEDIA-Artikel https://de.wikipedia.org/wiki/Borobudur mit. Auf eine Erläuterung der baulichen Strukturen der Pyramide wird verzichtet. Der Autor verfolgt nicht die Absicht, einen weiteren inhaltlich gleichen Borobudur-Artikel vorzulegen, vielmehr sollen die Reliefs mit all ihrem Bilderreichtum vorgeführt werden. Möglich und einfach wäre es, eine Bilderfolge mit den schönsten Reliefs zu zeigen, ein Verfahren, welches häufig in Bildbänden zur Anwendung kommt, hierzu bedarf es lediglich genügend Auswahlmaterial guter Fotos. In diesem Artikel wird versucht, bestimmte Facetten des Erden- und überirdischen Lebens aufzuzeigen. Einerseits werden Menschen, Tiere und Pflanzen und andererseits Götter und himmlische Wesen zu sehen sein, desweiteren werden religiöse Bauten, Wagen und Boote fokussiert und nicht unbeachtet bleiben die dekorativen Einfassungen der Reliefs. An der Südost-Ecke sind einige Reliefs der unteren Pyramidenebene zur Ansicht freigelegt (siehe Foto: Borobudur Gesamtansicht Südost, untere Bildmitte). An keiner anderen ebenerdigen Passage sind weitere Reliefs zu sehen. Die untere Reliefreihe verbirgt sich hinter später angebrachten Stützmauern. Der frei zugängliche Bilderreigen beginnt folglich auf der ersten Pyramidenebene. Wo anfangen, wo aufhören? Ein Rollbild im Querformat, welches hintereinander alle Reliefs abbilden würde, wäre die Idealvorstellung, doch ein solches Studienmaterial wird wohl niemals vorliegen. Eine Fotofolge in mehreren Teilen würde die Reihenfolge der Reliefs dokumentieren, doch selbst diese Sortierung führt zu Problemen, der Betrachter muss über weite Strecken beidseitig Reliefs betrachten. In welcher Reihenfolge wären die Reliefs zu reproduzieren? Besucher und Leser sollten sich vergegenwärtigen, dass der Borobudur als Prozessionsweg konzipiert ist. Auf dem Rundweg im Uhrzeigersinn werden die Menschen von Ebene zu Ebene, es sind deren vier, mit dem Leben Buddhas und seinen 500 Vorleben vertraut gemacht. Jedes Bild, jede Bildfolge bietet sich zum Gebet, zur Meditation an. Die Anwesenheit Buddhas ist ohnehin garantiert, denn viele Statuen seiner selbst sind am Borobudur präsent. Es bleibt nicht aus: Buddha ist am Borobudur allgegenwärtig. Wenden wir uns einleitend den dekorativen Einfassungen der Reliefs zu. Verschiedene Varianten der Reliefeinfassungen sind nachweisbar. Geradlinige Pfeiler und Gesimse ohne Dekoration trennen die Reliefs voneinander (Bild 1). Übereinander angeordnete Reliefregister meist im Breitbandformat sind mit floralen Motiven bzw. mit Pilastern gerahmt (Bild 2). Vielfache Verwendung fanden Rahmen, die auf einen Blick die Örtlichkeit des Geschehens vermitteln. Geschwungene Gewölbebögen, die auf Pfeilern mit Basen und Kapitellen lagern, lenken den Blick in einen Tempelraum (Bild 3). Als parallele Trennung zwischen den Bildregistern funktionieren sehenswerte Querbänder mit floralen Motiven (Bild 4). Die fantasiereichen und sehr geschmackvoll gestalteten Bildrahmen profitieren von indischen Vorlagen. Adaptiert und variiert finden sich symmetrisch angeordnet Purnagatha (Vasen) und Lotosranken, das sind Motive, die sowohl in hinduistischen wie auch im buddhistischen Glaubenskontext als glückverheißende Symbole gepriesen werden (Bild 5). Absichtlich wurden bisher keine Beschreibungen der Bildinhalte gegeben, der Blick soll vorerst einzig auf die Reliefrahmen gelenkt werden. Die Tempel (Bild 6 & 7) und der Stupa (Bild 8) sind Detailausschnitte aus Reliefs. Architektonisch erinnern die Reliefs an Bauwerke indischer Provenienz. In Süd-Indien existieren zahlreiche Tempel der Chalukya-Epoche, welche stilistisch den am Borobudur abgebildeten Tempeln entsprechen. Auch der Stupa gilt als ureigene indische Erfindung, welche im Laufe der Jahrhunderte bautechnisch eine durchaus rasante Weiterentwicklung erfuhr: vom Erdhügel zum gemauerten Bauwerk. Im Stupa verkörpert sich nicht zuletzt auch (zumindest anikonisch) der Buddha. Vor Stupas verneigen sich die Gläubigen, wie auch Götterbilder in Tempeln angebetet werden. Das Relief (Bild 9) und der entsprechende Ausschnitt (Bild 10) geben Einblick in höfisches Leben. Das Prinzenpaar sitzt unter dem Dach eines Pavillons, dessen Ausstattung durchaus fürstlich zu nennen ist. Die Säulen, der Baldachin und das verzierte Dach bestätigen die hochwohlgeborene Herkunft der Nutzer. Ihnen zu Füßen sitzen andächtig acht Personen, alles Männer, fast alle mit niedergeschlagenen Augen, noch halb unterm Pavillon sitzen zwei Frauen, vermutlich Dienerinnen. Der schmucklose Pfahlbau (Bild 11), nur wenig über dem Erdboden gelagert, muss als weltliches Gebäude angesehen werden. Das Ambiente und die Räumlichkeiten sprechen nicht für einen Tempel, es wird eher eine Versammlungshalle dargestellt sein. Die Menschen in den unteren Räumen machen einen vergnügten, ausgelassenen Eindruck. Womit werden sie beschäftigt sein? Sofern nicht eindeutig erkennbar und wissenschaftlich belegbar, sind alle bisherigen und alle weiteren Beschreibungen der Bildinhalte lediglich als unverbindliche Deutungen zu bewerten. Zu lesen sind die persönlichen Meinungen und Erkenntnisse des Autors. Tausende Inseln ergeben die Landmasse Indonesiens, zwangsläufig mussten die Menschen lernen, sich auf dem Wasser zu bewegen. Kein Wunder also, Indonesien entwickelte sich zur Seefahrernation und folglich finden sich auch Seestücke auf den Borobudur-Reliefs. Die Segelboote (Bild 12 & 14) zeigen die Ausstattung seetüchtiger Auslegerboote damaliger Zeit. Im Bild 12 werden die Segel gerefft oder gesetzt. Bootsleute sind im Mast- und Takel beschäftigt. Stürmisch bewegte See (Bild 14) bringt das Boot in bedenkliche Schräglage. Auf beiden Reliefs sind Wolkenballungen in den oberen Reliefbereichen zu sehen. Wind und Wellen in Stein gehauen, Naturgewalten, denen die Menschen Herr werden oder sich ihnen beugen müssen. Anders im quadratischen Relief (Bild 13), hier ist eine konkrete Begebenheit geschildert. Ein in Seenot geratener Mensch (Kind oder Mann?) wird vor dem Angriff eines Krokodils gerettet. Die Gestalten auf dem kleinen Boot schauen aus wie Kinder. Krokodile leben nicht im Meer. Auf welche Szene aus den ungezählten Vorleben Buddhas spielt dieses Relief an? Der Borobudur steht auf der Insel Java. Die Ausdehnung der Insel ist groß, die Landwege sind lang. Nicht nur am Meer lebten die Menschen. Zu Fuß oder mit Wagen waren die Menschen landeinwärts unterwegs. Der Alltag bestand aus Bewegung. Handel und Gewerbe forderten Ortsveränderungen. Prozessionen führten von Tempel zu Tempel. Damals, wie heute auch, gab es vielfältige Anlässe aufzubrechen. Die Bilder 15 & 16 zeigen jeweils einen von zwei Pferden gezogenen Wagen. Die Ausstattung der Gefährte unterscheidet sich erheblich, das ist deutlich zu erkennen, also erübrigen sich nähere Beschreibungen. Wohlhabende Menschen benutzten Elefanten um ihr Ziel zu erreichen, darüber später mehr. Sämtliche Reliefs stellen, wie schon erwähnt, Szenen aus Buddhas Leben vor. Alle Bilder sind demnach religiös unterfüttert. Die Bildhauer kannten nur ihren Lebensbereich, lebten in ihrem Umfeld. Wer galt in dieser Zeit schon als weitgereist? Wunderbarerweise und das ist kein Zufall spiegeln die Reliefs zumindest ausschnittsweise das Alltagsleben der Menschen auf Java. Die Reliefs reflektieren mehr oder weniger idealisiert das reale Leben und die Lebensbedingungen der verschiedenen Gesellschaftsschichten. Wir blicken im Grunde auf eine nichtgeschriebene, in Stein gehauene Sozialgeschichte der Lebensweise der Menschen auf Java. Die Darstellungen himmlischer Sphären fallen, wie alle Kunst, die sich dem Nichtsichtbarem widmet, in den Bereich der Imagination. Die wichtigsten Fortbewegungsarten der Menschen wurden in den bisherigen Bildern schon gezeigt. Betrachten wir nun den Alltag der Menschen näher. Wie überall bestimmten sowohl der Ackerbau und die Jagd als auch der Kriegsdienst den Tages- und Lebenslauf der Menschen und allen Verpflichtungen übergeordnet war der Tempeldienst. Zwei Buckelrinder ziehen die Furchen. Der Bauer lenkt den (Holz)-Pflug und treibt die Tiere an (Bild 17). Während die Bauern durch harte Arbeit unter glühender Sonne das eigene und das Überleben der Mitmenschen sichern, ziehen andere zur Jagd in den Wald (Bild 18). Die hier vorgestellten Reliefs tanzender Frauen (Bilder 19 – 21) können verschiedenartiger kaum sein. Die Tanzszene (Bild 19) atmet volkstümlichen Charakter, die Tanzszenen (Bild 20 & 21) scheinen religiös motiviert zu sein. Der Aufmarsch der Kriegsleute zeigt einerseits die Entschlossenheit der Kämpfer und andererseits die Bewaffnung der Krieger und die Ausstattung der Truppen (Bild 22). Voran schritt das Fußvolk, dahinter die berittenen Kämpfer. Auf der Sänfte getragen wurde der König. Auf den Elefanten saßen die Generäle, auf den Pferden die Offiziere. (Die genannten militärischen Dienstränge sind erfunden, entsprechen den Dienstgraden moderner Armeen.) Rechts im Bild ist ein Tempelbau zu sehen. Der Staketenzaun trennt den Profanbereich vom Tempelbezirk. Hier erhebt sich die Frage, ziehen die Kriegsleute zum oder am Tempel vorbei? – Für die Kampfszene (Bild 23) taugt nur eine Überschrift: Verbissen im Schlachtengetümmel. Zusätzliche Kommentare sind nicht erforderlich. Das religiöse Leben im Alltag beschränkte sich nicht ausschließlich nur auf die täglichen Gebete zu bestimmten festgesetzten Zeiten. Der Gang zum Tempel, allein oder in Gemeinschaft, galt als verpflichtend. Dort verkündeten Mönche die Lehren Buddhas und segneten die Leute. Opfergaben wurden zu den Altären gebracht. Tägliche Niederwerfungen, Mantras und Gebete wurden wiederholt und gezählt. Alle religiösen Verrichtungen verbessern das persönliche Karma, so die Verheißungen. Die Hoffnung auf eine Wiedergeburt als Mensch steigert den Eifer der Bemühungen des Einzelnen. Im Tempel, im Angesicht Buddhas oder vor einem Stupa fühlen sich die Menschen dem verehrten Gott näher. Es gilt erstrebenswert, schon als Kind oder Jugendlicher am Klosterleben teilzunehmen. Der Eintritt ins Kloster bietet den Kindern Lernmöglichkeiten. Das Bild 24 zeigt die Versammlung junger Novizen, die gemeinsam zur Puja in den Tempel schreiten. Im Bild 25 haben sich Frauen vor einem Stupa versammelt. Sie bringen Opfergaben, die der Tempeldiener (oder ein Brahmane) in Empfang nimmt und aufbereitet. Auf die andächtig geschilderte Buddha-Szene (Bild 26) lohnt ein zweiter, genauerer Blick. Bekleidet mit einem hauchdünnen Gewand, versehen mit einem Heiligenschein und von Glückssymbolen umgeben dominiert der aufrechtstehende Buddha die Bildmitte. Die hauchdünn bekleidete Buddha-Gestalt ist eine späte Reminiszenz an Buddha-Statuen aus der Gupta-Periode. Zu seiner rechten (im Bild links) knien Büßer, die sich ehrerbietig beugen. In den Lüften schweben anmutige halbgöttliche Wesen, es könnten Himmelsmusiker (Gandharvas) oder Weisheitshalter (Vidyadharas) sein. Die einen wie die anderen erscheinen sowohl in den hinduistischen wie auch in den buddhistischen Überlieferungen. Zurück zu Buddha, er steht nicht auf festen Boden, eine auf der Wasseroberfläche schwimmende Lotosblüte trägt ihn. Die indische Lotosblume (Nelumbo nucifera) gilt in ganz Asien als Symbol für Reinheit und Erleuchtung. Der Buddha resp. die Erleuchteten werden fast ausnahmslos auf Lotos-Thronen dargestellt. Das Ufer, die Bäume und eigenwillig seltsame Bauten erfüllen den Hintergrund. Zu Buddhas linken (im Bild rechts) tauchen zwei Schlangen aus dem Wasser. Hier können nur der Naga und die Nagini gemeint sein. Der Naga, ein Schlangenwesen, bot dem Buddha in bedrohter Situation seinen Schutz. Es existieren zahlreiche überlieferte Episoden aus Buddhas Leben, doch welche konkrete Begebenheit in diesem Relief geschildert wird, ist dem Autor nicht bekannt. Mag sein, dass Buddha sich auf oder über dem Wasser zu bewegen verstand, über diese außergewöhnliche Fähigkeit verfügte ja auch ein Heiliger aus Nazareth. Buddha verfügte für sich den Weg der Mitte. Weder durch exzessives Leben im Überfluss noch durch entbehrungsreiche Askese gelangte er zu maßgeblichen Erkenntnissen, die ihn zur Erleuchtung geführt haben. Das Relief (Bild 27) zeigt den Buddha als Waldmönch (Samana), in dieser Lebensperiode hatte er seine Reisration auf wenige Körner pro Tag reduziert. Die Meditation in der Abgeschiedenheit des Waldes bedeutete ihm mehr als die Stillung körperlicher Bedürfnisse. Das eindrucksvolle Relief zeigt einen unter früchtetragenden Bäumen sitzenden, abgemagerten, um Erkenntnis ringenden Menschen. Die Anbetungsszene (Bild 28), die Betenden Bild (29 & 31) und der am Boden liegende unterwürfige Mensch (Bild 30) müssen nicht kommentiert werden, diese Reliefs sprechen für sich. Im irdischen Umfeld Buddhas finden sich zahllose betende und opfernde Menschen dargestellt. In luftiger Höhe, also im Himmel tummeln sich scharenweise schöne Frauen, welche sich dem Buddha zuwenden. Nach buddhistischer Auffassung zählen die Gandharvas zu den göttlichen Wesen, die als Sänger und Musiker die Götter unterhalten. Ihre weiblichen Gefährten sind bekannt als Apsaras, die wiederum gelten auch als Geistwesen in den Wolken (Bild 32 & 33). Berühmte Beispiele sind zweifellos die wunderbaren Felszeichnungen der Wolkenmädchen von Sigiriya auf Sri Lanka, bekannt sind auch die Apsaras in Angkor, hier sind die Himmelswesen vorwiegend als Tänzerinnen dargestellt. Die Apsaras vom Borobudur treten nicht als Tänzerinnen in Erscheinung, sie sind durchgängig als in den Himmeln fliegende göttliche Wesen dargestellt. Einen verwandten Status wie die Gandharvas und Apsaras besetzen die Vidyadharis. Diese ungewöhnlichen Mischwesen, halb Mensch/halb Vogel, stets in Paaren auftretend, werden in alten indischen Epen beschrieben, wurden später auch als halbgöttliche Geistwesen in den buddhistischen Schriftenkanon integriert. Die Bilder 34 & 35 zeigen zwei stolze Paare besagter Wesen. Kein Mensch, kein Bildhauer hat je einen Vidyadhara/Vidyadhari gesehen, so schön und fantasiereich die Darstellungen auch ausfallen mögen, sie müssen dem Bereich der Fiktion zugeordnet werden. Wenig beachtet und dennoch allerorten präsent sind die Yakshas, die Makaras und der Kala, sie zählen zu den schwer definierbaren mythischen Wesen, die vielgestaltig auftreten, deren Funktion nicht exakt zu umreißen ist, die im Grunde ein Schattendasein führen und doch nicht zu übersehen sind. Treten sie für die Menschen (wenn überhaupt) nur als schemenhafte Vorstellung bzw. als steinerne Bilder in Erscheinung, so sind sie aus den Götterwelten nicht wegzudenken. Die Treppenaufgänge zum Borobudur werden von Löwen und Makara-Löwen bewacht, aber über den Toren übernimmt Kala die apotropäischen Funktionen. Batara Kala gilt als javanische Version Kalas (Bild 37). Er gilt als Sachwalter der Zeit und als Zerstörer, Kala wird auch als Sohn Shivas angesehen. Die Problematik liegt im Detail: das grimmige Gesicht mit dem gefräßigen Maul kann sowohl als Kala und auch als Kirtimukha identifiziert werden. Dazu schreibt Heinrich Zimmer: "Kirtimukha dient in erster Linie als apotropäische Dämonenmaske, als grauenhafter, ehrfurchtgebietender Wächter der Schwelle." (Zitat: Myths and Symbols in Indian Art and Civilisation. New York 1946 S.182) Über die mythologischen Zusammenhänge zwischen Kala (Kirtimukha) und den Makaras ließe sich endlos referieren. Grundlegend nur so viel: vielfach wird Kala als Schlangen verschlingendes Monster dargestellt, seine Krallen klammern die gewundenen Schlangenkörper. Am Ende bäumen sich die Schlangenköpfe auf, dann ist der Naga, der Schlangenkönig dargestellt, häufig aber enden die Schlangen in untypischen Mischwesen, in besagten Makaras, jenen Mischwesen aus Krokodil, Elefant und/oder Löwe, selbst vogeltypischer Wuchs kann sich mit dem Makara-Körper verbinden. Es wird wohl niemals ergründet werden, wer wen frisst oder wer wen ausspeit, sprich: gebiert. Der Leser muss sich begnügen, auf vielgestaltige Sinnbilder der Vergänglichkeit (Kala) im Verbund mit der Geburt neuen Lebens (Makara) zu blicken. Makara und Kala schmücken (bewachen) die Eingänge vieler Tempel in Südostasien, wobei von Land zu Land die jeweils regionale Ausprägung der Kala-Makara-Symbolik zu registrieren ist. Die Bildhauer der Khmer haben nicht unbeträchtlich von den javanischen Makara-Darstellungen profitiert. Die Makara-Abbildungen auf den Türstürzen und Tympana der Khmer-Tempel sind fast als Übernahme javanischer Muster zu werten. Die ursprünglich hinduistisch konnotierte Kala/Makara-Symbolik wurde auch in die buddhistische Bilderwelt übernommen. Hier hat im synkretistischen Sinn eine Kulturvermischung stattgefunden, die keiner der Religionen zum Schaden gereichte. Noch immer steht eine wissenschaftliche Bearbeitung dieser Thematik in deutscher Sprache aus. In ihrer Symbolik korrespondieren die Wasserspeier (Gargoyle) mit dem Figurenwerk an den Eingängen javanischer Tempelbauten, ihre besondere Gestaltung besticht (Bild 38 & 39, 42 & 43). Aus den weit aufgerissenen Mäulern fließt das Regenwasser heraus. Der wasserspeiende Rachen des Makara ist als Abflussrohr geformt. Am Borobudur werden die Makara-Wasserspeier von kräftigen kleinwüchsigen geduckten Gestalten gestützt: jeweils ein Yaksha stemmt die Last (Bild 38 - 41). Die Yakshas vom Borobudur sind außer als Gargoyle-Träger auch noch als Pfeilerfiguren an den vielen Buddha-Nischen im Einsatz. Auf den Kapitellen der Pfeiler stehen die Yakshas und tragen die Last der Kala/Makara-Bögen (Bild 41). Die furchtgebietenden Kala-köpfigen Wasserspeier sind in den oberen Ebenen der Borobudur-Pyramide in verschiedenen Varianten eingebaut, doch in den Grundzügen gleichen sich die Kala-Gesichter, egal ob sie als Eck-Wasserspeier oder an geraden Mauerbereichen ihren Zweck erfüllen (Bild 43 & 44). Nach der nicht völlig unwesentlichen Abschweifung in mythologische Bereiche wird auf die Fortsetzung der bebilderten Borobudur-Berichterstattung hingewiesen. Der Artikel Reliefs am Borobudur Teil 2 befasst sich mit Buddha-Darstellungen, Menschen-, Tier- und Pflanzenabbildungen.
Rubriken: Buddha Tiere Menschen Pflanzen, Bäume (Wald) Leseempfehlung: https://de.wikipedia.org/wiki/Gandharva Foto: Borobudur Gesamtansicht Südost und Bild 35 Vanessa Jones, alle weiteren Fotos: Günter Schönlein Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
0 Comments
Leave a Reply. |
Autor Günter Schönlein
Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
Kategorien
All
Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
Die Fotos in den Blog-Artikeln werden durch Anklicken vergrößert. sortiert nach Erscheinungsdatum:
ARTIKEL
Prasat Leak Neang Leak Neang bei Pre Rup Tempel bei Beng Mealea Prasat Banteay Ampil Prasat Chaw Srei Vibol Rong Damrei und Phnea Kol Tempelmauern in Kambodscha Namenlose Tempel Angkor Thoms Trapeang Roun Tempel Stupas in Kambodscha Spean Thma Prasat Sanlong Prasat To Stupas in Süd-Indien Inmitten von Göttern 1 Inmitten von Göttern 2 Inmitten von Göttern 3 Inmitten von Göttern 4 Inmitten von Göttern 5 Inmitten von Göttern 6 Inmitten von Göttern 7 Inmitten von Göttern 8 Inmitten von Göttern 9 Inmitten von Göttern 10 Inmitten von Göttern 11 Inmitten von Göttern 12 Jainismus Jali Gesinnungswandel zweier Könige Lintel - Spezial Prasat Kravan Unbekannte Tempel in Siem Reap Unbekannte Tempel in Roluos Tempel im Umfeld des Bakong Prasat Trapeang Kaek Daun Troung Tempel Gargoyle (Wasserspeier) Prasat Preah Pithu Wasserbecken in Angkor Thom Preah Khan Brücken der Khmer Prasat Ta Muon Dharmasala - Vahnigriha Angkor Wat - Spezial Prasat Ta Prohm Banteay Kdei Tempel Spurensuche in Angkor Thom Wat Chedei bei Siem Reap Klöster in Siem Reap Geisterhäuser Museen in Siem Reap Museen in Kambodscha Banteay Kbal Chen Tempel Prasat Chanseyma Tomnob Anlong Kravil Tempel Banteay Samre Banteay Toap Tempel Kasen Tempel Banteay Chhmar Satellitentempel Löwen in Kambodscha Löwen in Indien Löwen in Myanmar Löwen in Indonesien Löwen in Sri Lanka Khmer-Bronzen in Mandalay Seima-Steine Stufen Akroterion Empfehlenswerte Bücher Trav Tempel Phnom Kampot Tempel Reangsai & Chamreang Tempel Wat Banteay Srei Tempel Prasat Totung Thngai Rundweg um den Phnom Bakheng Berg-Tempel Rund um den West Baray Pram Tempel & Char Leu Tempel Scheintüren Scheinfenster Stupas in Myanmar Stuckaturen in Bagan 1 Stuckaturen in Bagan 2 Stuckaturen in Bagan 3 Stuckaturen in Bagan 4 Stuckaturen in Bagan 5 Holzarchitektur in Myanmar 1 Holzarchitektur in Myanmar 2 Holzarchitektur in Myanmar 3 Tempel in Sale (Saley) Thiri Muni Pagoda in Sale Fenster in Bagan Fenstersäulen in Angkor Wanddekorationen Stelenhäuser in Angkor Prasat Kok Pongro Prasat Ta Keo Fundstücke in Angkor Thom Beatocello Artikel Nr. 100 Kala resp. Kirtimukha Buddha-Statuen in Angkor Thom Prasat Suor Prat & Khleangs Elefantenterrasse Spezial Tier-Reliefs am Baphuon Tempel Tier-Reliefs am Bayon Tempel Khmer zur See Bauabläufe Vidyadharis Apsara: Tänzerin oder Göttin Apsara Spezial Dvarapala Teil I Dvarapala Teil II Dvarapala Teil III Purnagatha Teil I Purnagatha Teil II Purnagatha Teil III Hamsa Vishnu in Angkor Sapta Matrika Trimurti in Angkor Wassertiere in Angkor Elefanten in Kambodscha Prasat Kouk Nokor Prasat Banteay Prei Nokor Prasat Banteay Khchorng Prasat Chrung Stuckaturen an Khmer-Tempeln Roluos Spezial Türsäulen 1 Türsäulen 2 Basen Kapitelle Boundary Bibliotheken Bayon Bibliotheken Bayon Spezial Unterwegs im Abseits 1 Unterwegs im Abseits 2 Unterwegs im Abseits 3 Unterwegs im Abseits 4 Unterwegs im Abseits 5 Leben am Fluss Reamker-Epos Tuol Sleng und Wat Thmei War Memorial Siem Reap Jean Commaille Saptarishi - die Sieben Weisen Hiranyakashipu und Narasimha Krishna Govardhana Balaha und Uchchaihshravas Sri Lanka Reise 2019 Teil 1 Sri Lanka Reise 2019 Teil 2 Sri Lanka Reise 2019 Teil 3 Sri Lanka Reise 2019 Teil 4 Sri Lanka Reise 2019 Teil 5 Sri Lanka Reise 2019 Teil 6 Sri Lanka Reise 2019 Teil 7 Mihintale Sri Pada - Buddhapada Ungewöhnliche Reliefs Seltene Götter-Reliefss Sugriva und Valin Prasat Kansaeng TK 2 bei Beng Mealea Prasat Chrei Prasat Kong Phluk Toab Chey Thom / Toan Chey Tauch Ta En Tempel Pram Tempel (Trapeang Chhun) Prasat Kuk Troap Pram Tempel Koh Ker Sambor Prei Kuk (Teil 1) Sambor Prei Kuk (Teil 2) Fliegende Paläste Kbal Spean Bauernhäuser Preah Phnom Tempel Kat Kdei Tempel und mehr Baset Tempel Prasat Cheang Thom Prasat Rorng Ramong Götterstatuen im Angkor Wat Spuren der Intoleranz Unbekannte Tempel in Siem Reap 2 Yoni & Lingam Banteay Srei (Tempel ohne Namen) Kok Singh Tempel Prasat Ta Tnur Ergänzung: Baset Tempel Prasat Prei Prasat Bay Kaek Tempel Prasat Kongbong Alter Weg nach Roluos Neuentdeckungen in Roluos 1 Neuentdeckungen in Roluos 2 Neuentdeckungen in Roluos 3 Neuentdeckungen in Roluos 4 Neuentdeckungen in Roluos 5 Bilderbogen 2 als 200ster Artikel Phnom Chisor Trotz Corona in Kambodscha 1 Trotz Corona in Kambodscha 2 Trotz Corona in Kambodscha 3 Trotz Corona in Kambodscha 4 Bayon Tempel Spezial 1 Bayon Tempel Spezial 2 Prasat Top West Spezial Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 1 Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 2 Angkor Wat Spezial 2022 - Teil 3 Hayagriva Indrajit Krishna & Kaliya Vishnu allgegenwartig Die verlorene Sammlung (The Lost Collection) Srah Srang Yeay Pow Tempel Ta Prohm (Tonle Bati) Tempel Prasat Neang Khmau Phnom Bayang Tempel Phnom Bayang Nebentempel Prei Tempel Spezial Banteay Prei Spezial Krol Ko Spezial Prasat Tonle Snguot Phnom Da Angkor Borei Museum Prei Khmeng Stil Kala Preah Norodom Sihanouk Museum Krol Romeas & Kral Romeas Preah Khan versus Banteay Kdei Frömmigkeit versus Glaube Khmer Halsschmuck Spean Toap & Prasat Prohm Kal Dachlandschaften in Angkor Eindrücke vom Tag Bilderbögen Zentral-Vietnam Da Nang Marmorberge Da Nang Da Nang Halbinsel Son Tra Da Nang Museum Cham Sculpture Cham-Skulpturen: Vishnu & Shiva Cham Tempel in Vietnam Thap Phu Dien Thap Bang An Thap Khuong My Thap Chien Dan Thap Chien Dan - Museum Thap Dong Duong My Son (Teil 1) My Son (Teil 2) My Son (Teil 3) My Son (Teil 4) My Son (Teil 5) Cham Phong Lee Makaras der Cham Kala in Vietnam Hue - Verbotene Stadt Incense Burner Sepulkralkultur in Vietnam I Sepulkralkultur in Vietnam II Sepulkralkultur in Vietnam III Sepulkralkultur in Vietnam IV Hoi An Cao Dai Tempel in Hoi An Glocken in Vietnam Museum of Da Nang Skulpturen in Da Nang Musik und Tanz der Cham Henri Parmentier West Mebon Tempel 2022 Mebon Tempel Banteay Chhmar Phnom Sampov Garuda gegen Naga Naga-Chakra Mucalinda versus Naga Provincial Museum Battambang Tempel in der Region Damdek Preah Khan Spezial Teil 1 Preah Khan Spezial Teil 2 Preah Khan Spezial Teil 3 Preah Khan Spezial Teil 4 Preah Khan Spezial Teil 5 Preah Khan Spezial Teil 6 Kna Phtoul Tempel Phnom Komnop Pagoda Neak Buos Tempel Prasat Kuk Bros & Prasat Kuk Srei Phnom Chhngork Cave Tempel Preah Theat Kvav Region Beng Mealea Wat Kok Chan & 2 Tempel Wat Kesararam Siem Reap Siem Reap Generäle Royal Garden Siem Reap Theam’s Gallery Siem Reap Wandbilder im Wat Bo Siem Reap Bilderbogen Indien 2024 Kanheri Caves Karla Caves Mahakali Caves Mandapeshwar Caves Elephanta Caves Teil 1 Elephanta Caves Teil 2 Ajanta Caves Teil 1 Ajanta Caves Teil 2 Ajanta Caves Teil 3 Bedse Caves Bhaja Caves Yogeshwari Caves Pandava Caves - Teil 1 Pandava Caves - Teil 2 Khandoba Tempel Aurangabad Aurangabad Caves Daulatabad Fort Khuldabad Bhuikot Fort Solapur Bijapur (Teil 1) Bijapur (Teil 2) Tempel in Gadag Lakshmirasimha Tempel Jagaval Dodda Basappa & Someshwara Itagi Mahadeva Tempelkomplex Musafirkhana und Honda Kallesvara Tempel Bagali Archaeological Art Gallery Bagali Mondusale Tempel Somanathapura Panchalingeshwara Tempel Jain-Tempel in Halebidu Hoysalesvara Tempel in Halebidu 1 Hoysalesvara Tempel Halebidu 2 Bhimesvara Tempel in Nilagunda Harihareshvara Tempel Harihar Anantashayana Tempel Hospet Hampi (Teil 1) Hampi (Teil 2) Hampi (Teil 3) Hampi (Teil 4) Hampi (Teil 5) Hampi (Teil 6) Hampi (Teil7) Mysore Palace Die Museen in Hampi Government Museum Chennai Hindu-Tempel in Chennai Mamallapuram Teil 1 Mamallapuram Teil 2 Mamallapuram Teil 3 Mamallapuram Teil 4 Stufenbrunnen in Rajasthan Kenotaphe in Rajasthan Tempel in Osian - Teil 1 Tempel in Osian - Teil 2 Tempel in Osian - Teil 3 Trommelmaschinen Jaisalmer Rundreise Rajasthan - Teil 1 Rundreise Rajasthan - Teil 2 Rundreise Rajasthan - Teil 3 Rundreise Rajasthan - Teil 4 Rundreise Rajasthan - Teil 5 Rundreise Rajasthan - Teil 6 Rundreise Rajasthan - Teil 7 Rundreise Rajasthan - Teil 8 Rundreise Rajasthan - Teil 9 Rundreise Rajasthan - Teil 10 Rundreise Rajasthan - Teil 11 Rundreise Rajasthan - Teil 12 Sas Bahu Tempel Jain-Tempel in Ranakpur Ambika Mata Tempel in Jagat Torana Keshava Tempel in Somanathapura Purnagatha in Indien Prambanan Tempel in Indonesien Museum Candi Prambanan Candi Mendut Candi Pawon Candi Sewu Reliefs am Borobudur - Teil 1 Reliefs am Borobudur - Teil 2 Reliefs am Borobudur - Teil 3 Reliefs am Borobudur - Teil 4 Candi Banduyinan weitere Artikel werden folgen ... alle Artikel alphabetisch sortiert:
Archive
January 2026
|
RSS Feed