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Siebenter Tag: Nala, Banepa und Panauti Der heutige Tag war einer Landpartie vorbehalten. Die kleinen Ortschaften Nala, Banepa und Panauti sind flächenmäßig kaum über die ehemaligen dörflichen Grenzen hinausgewachsen, die Menschen sind auf das wertvolle Nutzland in ihrem Umfeld angewiesen. Das tägliche Leben beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Arbeit auf den Feldern und Weiden, auch an und in den Tempeln begegnen sich die Menschen. Die Tempel als öffentliche Begegnungsstätten werden gepflegt und sauber gehalten. Einschränkend muss gesagt werden, dass manche Plätze und Wege in den Dörfern bei Touristen einen weniger positiven Eindruck hinterlassen. Zwei Tempel werten Nala als Zielort auf: der buddhistische Karunamaya Tempel und der hinduistische Bhagavati Tempel. Während der Wiederaufbau bzw. die Restaurierung am buddhistischen Tempel abgeschlossen ist, gibt es am hinduistischen Tempel noch viel zu tun. Hier müssen noch sämtliche Dachaufbauten erneuert werden, in wie weit die alten Dachstreben zur Wiederverwendung noch tauglich sind, müssen Fachleute entscheiden. Weitere konkrete Informationen zum Karunamaya Tempel sind nur über den QR-Code zu erfahren. Wohl dem, der ein Smartphone besitzt und eine passende Nepal-SIM Karte erworben hat. Der Bhagavati Tempel von Nala hat das Erdbeben von 2015 leider nur stark beschädigt überstanden, im November 2025 war der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Die wenig erfreuliche Tatsache der fehlenden Dächer, ermöglicht zumindest den turmartigen gemauerten Kern des Pagodentempels ungehindert betrachten zu können. Dieser vormals prachtvolle Tempel zählt zu den wenigen Tempeln mit vier Dächern, die sich im Kathmandu-Tal erhalten haben. Gewiss wird versucht, den Originalzustand wenigsten annähernd wiederherzustellen. – Bhagavati meint generell die Erhabene, und wird in Kathmandu häufig als Durga dargestellt. Leider konnten wir das Idol nicht sehen, der Tempel war verschlossen. Vielleicht ist die Statue oder das Relief während der Bauarbeiten in einem Depot sicher untergebracht worden. Die ruhige Atmosphäre auf dem Platz vor dem Bhagavati Tempel empfanden wir als sehr angenehm, diese wohltuende, völlig entspannte Stimmung wurde nicht nur von der Morgensonne hervorgerufen. Auf dem Tempelvorplatz treffen sich die Menschen, tauschen sich aus, beten gemeinsam. Wir wurden mit aller Selbstverständlichkeit ins Gespräch gezogen, vor allem Frauen hatten keine Scheu, mit den fremden Besuchern zu reden. Dieser Platz, einem Anger vergleichbar, bietet sich tatsächlich als idealer Treffpunkt im Dorf an. Zum Hiti (Brunnen, Vordergrund links) kommen die Menschen, holen dort Trinkwasser, im Pati (kleine Versammlungshalle, Vordergrund rechts) können die Menschen im Schatten oder bei Regen sitzen und die neuesten Nachrichten auswerten. Wir haben anderenorts beobachtet, dass Frauen in einer solchen Halle saßen und gemeinsam mit Handarbeiten beschäftigt waren, wobei die Unterhaltungen nicht abrissen. Häufig treffen sich auch Männer im Pati, reden und rauchen dort, spielen Schach, Dame oder Karten. Eine solche Halle ersetzt das Tee- oder Kaffeehaus. Kein Dorf, kein Stadtteil, in welchen nicht solche Hallen stehen und überall werden sie genutzt, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten bzw. neue zu knüpfen. Meist halten sogar die Busse und Taxis vor solchen Versammlungshallen. Was wir nicht gesehen haben: Männer und Frauen gemeinsam versammelt unter einem Dach. Zwei Pagodentempel, je eine Garuda-Statue, je ein Löwen-Paar, je ein Glockenbalken und zwei Nebenschreine zeichnen die Architektur vom Thanapati Narayan Mandir in Banepa aus. Nicht nur die zwei Pagoden differieren im Erscheinungsbild des Mandir, auch die Garuda-Statuen unterscheiden sich in Größe und Ausdruckskraft, ebenso die bemerkenswerten Schnitzarbeiten, von denen nur wenige erneuert werden mussten, insgesamt hinterlässt der Thanapati Narayan Mandir einen gediegenen Eindruck von Originalität. Beachtenswert ist der Thorana über dem Eingang der größeren Pagode, der Holzschnitzer hielt keines der Details für nebensächlich. Über Vishnu-Narayana, der zentralen Götterfigur erhebt sich der bekrönte Garuda, der das Schlangenpaar (Naga & Nagini) mit seinen Klauen fest umkrallt. Links und rechts schweben jeweils zwei göttliche Wesen. Den unteren Außenbereich der halbkreisförmigen Thorana besetzen prachtvolle Makaras, Mischwesen, welche stets in göttlichen Sphären in Erscheinung treten, hier treten sie als völlig eigenständige Schimären auf: Krokodilmaul mit Elefantenrüssel und üppigen Federschweif. Etwas eingerückt, nicht unmittelbar an der Straße steht ein großes dreigeschossiges tempelähnliches Ziegelgebäude, das Dach wird von einem Pagodenaufbau gekrönt. Der Bau trägt den Namen Dyo Chhen, der Begriff ist der Newari-Sprache entlehnt und bedeutet »Gottes Haus«. KI bemerkt: »Zweck: Im Gegensatz zu einem traditionellen Tempel, in dem Gottheiten dauerhaft für die öffentliche Verehrung verehrt werden, ist ein Dyo Chhen als "Zuhause" für den Gott gestaltet. Dort befinden sich oft das Prozessionsbild der Gottheit, Sänften und rituelle Ornamente. Architektur: Es ähnelt typischerweise einem traditionellen Newar-Wohnhaus, zeichnet sich jedoch durch religiöse Merkmale wie Toranas (Tympanone), ein Gajur (Spitze), und kunstvolle Holzschnitzereien an Fenstern und Streben aus.« (abgerufen am 27.02.2026) Der Shree Chandeshwori Tempel gehört folgerichtig zum sakralem Ensemble des Dorfes Banepa, ist ein Chandeswori Tempel vorhanden, existiert meist auch ein Dyo Chhen (nähere Erklärungen führen ins Uferlose). Chandeshwori bezeichnet eine spezielle Durga aus dem Reigen der Navadurgas. Über dem Eingang zum Tempel befindet sich ein modernes, bunt bemaltes Relief der Legende: Durga tötet den Dämon Chanda. Ein zweites motivgleiches Relief ist an der Innenseite vom Tor angebracht, beide Bilder meinen besagte Chandeshwori. Obgleich die eingangs vorgestellten Durga-Reliefs in neuerer Zeit geschaffen wurden, zählt der Chandeshwori Tempel zu den ältesten Tempelanlagen im Kathmandu-Tal. Touristen tauchen hier selten auf, was wohl an der Entfernung nach Kathmandu liegen mag, immerhin 25km. Statuen der Malla-Königspaare sind häufiger vor den Tempeln im Kathmandu-Tal aufgestellt. Für die stilisierten Paarstatuen wurden langlebige Materialien gewählt, Stein oder Metalllegierungen. Offenbar war die Dauerhaftigkeit der Bildnisse bestimmend bei der Materialauswahl, in Holz geschnitten fanden wir keine Statuen der Malla. Das Nicht-Vergessen der Herrscher, sollte den Pilgern vor Augen bleiben, faszinierend die demutsvolle Haltung der Königspaare: Mahnung zur Andacht. Wer die Dachstützen näher betrachtet, blickt auf die zyklische Gesamtheit der Ashtamatrikas und der Ashtabhairavas. Die acht Bhairava gelten als Wächter der acht Himmelsrichtungen, die acht Matrikas als deren weiblichen Gegenpole. In diesem Kontext muss auch an die Navagraha, die personifizierten Planeten und die jeweils zugeordneten Gottheiten gedacht werden, bemerkenswert ist die fundierte Verschränkung der göttlichen Erscheinungen und die Verbindungen zur astralen Realität. Jeder Himmelskörper entspricht einer Gottheit, nur ein Beispiel: Surya steht für die Sonne, das Licht, die Erhellung des Alls. Hinter Bhairava mit allen seinen Erscheinungsformen verbirgt sich immer SHIVA, die inneren Zusammenhänge sind mehr als nur komplex, für Außenstehende äußerst schwer fassbar. In den eingemauerten Rahmenfeldern finden sich weitere geschnitzte Durga-Idole und Makaras. Auf den Tympana sind die göttlichen und halbgöttlichen Erscheinungen im Halbkreisformat komprimiert. Am Ortsrand, nur wenige Schritte vom Chandeshwori Tempel entfernt, bewunderten wir die ausladend große Skulptur Bhaila Narayanthan, Gott Vishnu auf der Weltenschlange Ananda-Shesha. Während sich am motivgleichen ähnlichen Vishnu-Relief Budhanilkantha die Pilger stauen und nur kurze Momente auf die Reliefplatte schauen können, hatten wir hier in Banepa Zeit und Ruhe für Narayana (sprich: Vishnu). Es mag sein, dass hier nur eine moderne Replik des vielfach gestalteten Mythos vorliegt, dennoch ist die Gesamtwirkung der Skulptur überzeugend, schon deshalb, weil Schlange und Vishnu von klarem Quellwasser umspült werden. Blüten und Farben stehen für die wenigen Pilger gratis bereit. Bei Google Maps ist der Teich vom Waknu Ganesh Tempel als Dyo Pukhu eingezeichnet, das Becken ist nicht zu verfehlen, es befindet sich im Zentrum von Banepa direkt nördlich an der Chandeshwori Marg. Außer Ganesha sind noch weitere Götterreliefs vor der Ziegelmauer installiert. Unser nächstes Ziel: Panauti, eine Kleinstadt mit rund 28000 Einwohnern. Wir stoppten auf der Panauti-Namobuddha Rd, oberhalb vom Punyamata River, von dort sind der Brammayani Tempel und die Tempelgruppe am gegenüberliegenden Ufer gut zu sehen. Drei Brücken überspannen den Fluss, eine Kettenbrücke und zwei Steinbrücken. Ehe wir den Fluss überquerten, besichtigten wir am Nordufer den Brammayani Tempel. Die viergeschossige Pagode mit drei Dächern wurde 1617 erbaut und befindet sich baulich in einem soliden Zustand. Ein Kultbild der Brahmi hat sich nicht erhalten, weder ist ein markantes Relief noch eine Statue der Göttin vorhanden. Der Aufbau im Tempelinneren folgt einem ungewöhnlichen Konzept, zu sehen ist ein C-förmiger gemauerter Schrein, der Reste von älteren Reliefs und Statuen birgt. Brahmi oder Brahmini bzw. Brahmayani ist eine der acht Matrikas (Muttergöttinnen), insofern beansprucht der Tempel eine Sonderstellung , ist er doch dezidiert einer Göttin geweiht, eine Widmung, die auch an den weiblichen Dachstreben zum Ausdruck kommt. Tatsächlich sind die Holzschnitzarbeiten das Schönste, was an diesem Tempel zu bewundern ist. Das befestigte Südufer vom Punyamata River ist als Ghat ausgebaut, sicher werden dort auch heute noch im Schatten der Krishna Tempelgruppe Verbrennungen durchgeführt, es ist auszuschließen, dass die Menschen wegen Trauerritualen bis nach Kathmandu oder an andere zentrale Verbrennungsorte im Tal reisen. Der Krishna Narayan Tempel, eine im 17. Jahrhundert erbaute viergeschossige Pagode mit drei Dächern, steht auf einem Stufensockel, durch den Sockel wirkt der Tempel trotz gleicher Architektur höher als der am anderen Ufer gegenüberstehende Brammayani Tempel. Das verschlossene Garbhagriha (Sanktum) vom Krishna Tempel ist von einer offenen Galerie umgeben. Kleinere Schreine umgeben den Krishna Tempel. Eine offene Halle und ein Überdach schützen bei längeren Wartezeiten vor Regen und bieten Schatten, Verbrennungen und Trauerprozessionen dauern mehrere Stunden. Abgesehen vom Krishna- und Brammayni Tempel, wird in Panauti vorrangig Shiva angebetet. Die meisten der großen Tempel und kleinen Schreine sind dem Großen Gott gewidmet. Klingen auch die Namen der Tempel für Außenstehende nicht unmittelbar nach Shiva, gleich ob Indreshwar, Maheshwori, Mahadev oder Bhairab als Tempelname angegeben wird, gemeint ist immer SHIVA. Eine Vielzahl Lingas, oft in gleicher Form, nur durch Größe unterschieden, sind bildhafter Ausdruck für das tiefe Vertrauen zu diesem Gott. Ein gemütlicher Spaziergang durch die Straßen und engen Gassen von Panauti lieferte ergänzend tiefe Einsichten ins Alltagsleben der Newar, vorwiegend Menschen dieser Volksgruppe leben in verschiedenen Regionen des Kathmandu-Tals. Leider fanden wir die gut gezeichnete, für Touristen bestens geeignete Karte erst am Ende unserer Exkursion, doch die historischen Brunnen und die traditionellen Wohnhäuser und Zweckbauten waren auch ohne Karte nicht zu übersehen. Das Gebäude mit Holzerker und offener Säulenhalle dient zur Aufbewahrung sakraler Gegenstände, die zu Festen benötigt werden. Ebenerdig lagert ein zerlegter Prozessionswagen, vier Räder, die Achsen und die Deichsel sind vor Regen geschützt aufbewahrt. Die verantwortlichen Behörden beginnen sich auf die kulturhistorische Bedeutung ländlicher Kleinsiedlungen im Kathmandu-Tal endlich zu besinnen. Generelle Überlegungen werden angestellt, wie und durch welche Aktionen solchen Orten Wertschätzung zu verleihen wären. Werterhaltung von Kulturgütern würde nicht nur wirtschaftlichen Auftrieb mit sich bringen, sondern schlussendlich auch den Fremdenverkehr ankurbeln und langsam zunehmenden Wohlstand für alle Menschen im Tal bringen, de facto würde sich die allgemeine Lebensqualität steigern.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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