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Fünfter Tag: Pashupatinath, Bodnath und mehrere Tempelanlagen Für den heutigen Tag hatten wir ein umfangreiches Programm erstellt. Frühmorgens fuhren wir zu den bevorzugten Verbrennungsplätzen am heiligen Bagmati-Fluss, das Ziel ist als Pashupatinath bekannt. Der 18.11.2026 muss für die Nepalesen ein besonderer Tag gewesen sein. Ein religiöses Fest stand an. Was gefeiert werden sollte, erschloss sich dem außenstehenden Beobachter nicht. Schon um 7Uhr waren viele Menschen auf beiden Seiten vom Fluss unterwegs. Die Kremation einer Frau wurde vorbereitet, das schien aber nicht der Anlass für die ungewöhnliche Massenansammlung zu sein. Alle hatten zu tun, jeder schien intensiv beschäftigt. Schaumstoffmatten und Kissen wurden ausgelegt, Planen und Sonnenschirme aufgespannt, Brot und Getränke feilgeboten, die Menschen stellten sich auf einen langen Tag ein. Es lag mehr in der noch kühlen, leicht rauchgeschwängerten Morgenluft als nur Palavern und Musik aus Lautsprechern. Die Atmosphäre war erwartungsvoll positiv geladen. Auch wir harrten mit gemessenem Abstand den Dingen die kommen würden. Die Vorbereitungen, zu welchem Fest auch immer, währten lange, entsprachen nicht unseren Plänen, weshalb wir die Besichtigung der heiligen Stätte fortsetzten. Den Haupttempel dürfen nur Hindus betreten und das Interesse an der Verbrennung der alten Frau hielt sich unsererseits in Grenzen, so dass wir unerwartet schnell die für Touristen zugänglichen Bauten und Kunstschätze gesehen hatten, alsbald erklommen wir den Hügel am Ostufer, begutachteten die vielfach baugleichen Gräber auf den Terrassen, weiter oben einen Friedhof, wendeten uns mehrfach um, blickten hinunter zum Fluss, doch keinerlei Anzeichen deuteten auf den Beginn des Festes hin. Uns mitten in den vermutlichen Trubel eines religiösen Festes zu mischen, war nicht beabsichtigt, wir hatten ohnehin genug gesehen: einen lebensgroßen Vishnu, einen wunderbar geschnittenen Buddha (leider mit Zebrastreifen) und das berühmte, schräg stehende riesige Lingam, außerdem alte und neuere Holzfenster, addieren wir noch die stille Atmosphäre auf dem bewaldeten Friedhof hinzu, so konnten wir zufrieden sein. Mehr war diesem Ort am frühen Morgen nicht abzugewinnen. Am riesigen Stupa von Bodnath waren viele Menschen zu erwarten. Buddhisten würden wie eh und je im Uhrzeigersinn den Stupa umrunden, die sogenannte Kora (Pradakhshina) vollziehen, was auch wir beabsichtigten. Mehrere tibetische Klöster und Schulen wurden im Laufe von Jahrzehnten an der Peripherie des Heiligtums erbaut, Wohn- und Geschäftshäuser ergänzen das Bauensemble um den heiligen Ort. Restaurants bieten tibetische Speisen an, Pilger und Gäste sollen sich heimisch fühlen. Das Areal von Bodnath hat sich seit 1959 zur tibetischen Enklave etabliert. Flüchtlinge aus Tibet siedeln bevorzugt in der Nähe der Stupa. In dem relativ kleinem Staat Nepal fanden tausende Tibeter Zuflucht und versuchen gemäß ihren Traditionen und Gewohnheiten zu leben. Das 36m hohe Bauwerk wurde im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung erbaut, verlor im Mittelalter an rituellen Wert, erst in neuerer Zeit wurde die sakrale Bedeutung der Stupa wieder erkannt. Ältere Fotos zeigen noch das ländliche Ambiente des vormaligen Dorfes Bodnath, welches heute als Stadtteil zu Kathmandu zählt. Jedes Jahr zum buddhistischen Neujahrsfest wird der Stupa mit weißer Farbe getüncht und die safrangelben Bögen auf dem Kubus erneuert. Vor dreißig Jahren war der Stupa noch nicht aufwendig mit Blumenschmuck dekoriert, ein chinesischer Sponsor wollte sich offenbar positives Karma verschaffen. Den Gläubigen genügen die Gebetsmühlen und die im Himmel flatternden Gebetsfahnen. Wir empfanden die Blumenpräsentationen übertrieben, sogar überflüssig, zu dieser heiligen Stätte pilgern die Menschen auch ohne leuchtende Blumenparade und Bäume in großen Töpfen. In Kathmandu stehen hunderte Tempel, doch nur wenige sind für Touristen interessant. Nicht-Hindus schätzen nach flüchtiger Begutachtung die meisten Tempel als baugleiche Wiederholungen ein, wir hatten eine Vorauswahl getroffen, die unseren kulturhistorisch-religiösen Erwartungen gerecht werden könnte. Der am Bagmati-Fluss erbaute Shiva geweihte Gokarneshwar Tempel zählt zu den ältesten Tempeln im Kathmandu-Tal. Die sehr gepflegte Tempelanlage hinterlässt auf Grund seiner vielgestaltigen Reliefsammlung auch bei Kunstliebhabern einen nachhaltigen Eindruck, keine der bekannten hinduistischen Gottheiten fehlt. Nicht minder kommen die Freunde hinduistischer Tempelarchitektur auf ihre Kosten. Der dreigeschossige Hauptschrein und die Nebenschreine ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Der von einem uralten Baum vereinnahmte brüchige Ziegelschrein gibt ein lebendiges, sehr anschauliches Abbild der unwiderruflichen Tatsache vom Werden und Vergehen aller Dinge und allen Lebens, wer will, erkennt hier das göttlich-natürliche Schöpfungsprinzip. Die Auswahl von acht Reliefs dokumentiert die Vielfalt der im Gokarneshwar Tempel aufgestellten Götteridole, wobei einige der Reliefs auf Grund ihrer Volumina eher als Statuen zu bewerten sind. Leider finden westliche Besucher keine Hinweise zu den Götterbildern. Menschen, die betreffs hinduistischer Götterwelt über mangelnde oder ungenügende Vorkenntnisse verfügen, blicken auf rätselhafte Kunstwerke und werden bestenfalls die handwerkliche Ausführung rühmen. Ähnliches wäre zu den Schnitzarbeiten am Tempel auszuführen, auch hier machen sich grundlegende Kenntnisse bezahlt. Den Schnitzereien ist das Alter anzusehen, allerdings sind auch Verluststellen zu bedauern. In unmittelbarer Nachbarschaft einer Schule auf dem Pausenhof steht der Dhumrabarahi Tempel, dieser von einem Baum überwucherte unscheinbare Schrein wäre die Besichtigung kaum Wert, stünde nicht im Sanktum eine lebensgroße seltene Statue aus schwarzem Stein. Die Varaha Statue – Vishnu als Eber – sucht in Kathmandu seinesgleichen. Vishnu erscheint anthropomorph mit Eberkopf und Menschenkörper, Vishnu=Varaha hebt die Erde in der Gestalt der Bhudevi aus den Tiefen des Weltozeans. Über das Alter der Statue streiten sich die Sachkundigen, die meisten Expertisen nehmen die Liccavi-Periode als Entstehungszeit an. Die Wurzeln des Baumes sprengen die Mauern vom Schrein, bedrängen aber die Statue nicht, das wird als Wunder verstanden. In einem Vishnu geweihten Tempel darf sein Reittier Garuda nicht fehlen und warum sollte Ganesha, ein Sohn Shivas, nicht zugegen sein. In unmittelbarer Nähe, nur wenige Meter abwärts am Hang zur Straße hin, steht noch ein Schrein, der Shree Chandreshvar Mahadev Mandir, dort trafen wir den schlüsselgewaltigen Menschen, der auf freundliche Nachfrage den Varahi Tempel öffnete. In Kathmandu ragen die Spitzen mehrerer älterer Stupas gen Himmel, diese wurden in gemessenem Abstand den Haupthimmelsrichtungen folgend um den Stupa von Bodnath, weshalb diese einzeln stehenden Bauten als Ashoka Stupa Nord, Ost, Süd und West kenntlich sind. Innerhalb buddhistischer Tempelanlagen versteht sich die Existenz zahlreicher Stupas und Votivstupas von selbst, zusätzlich wurden im Laufe der Jahrhunderte auf kleinen Plätzen, an Straßenkreuzungen, zwischen Wohnhäusern und in Höfen hunderte, im gesamten Kathmandu-Tal wahrscheinlich tausende kleinere namenlose Stupas gebaut, die alle ihre Berechtigung haben, denn jeder gläubige Nepalese wird seinen Stupa haben, den er täglich zum Gebet aufsucht. Öffentliche Wasserbrunnen oder Briefkästen sind jedenfalls nachweislich weitaus weniger in der Stadt vorhanden, lediglich Mopeds übertreffen die Stupas zahlenmäßig. Morgens hatten wir den Bodnath Stupa umrundet, am Nachmittag liefen wir andächtig um den erheblich kleineren Charumati Stupa, der architektonisch dem großen Stupa entspricht, aber ohne monumentale Sockelplattform auskommt, sein Kubus lagert auf Bodenniveau, deshalb ist hier nur eine äußere Kora möglich. Mehrere kleine Votivstupas (durchaus älterer Herkunft) säumen den Kora-Weg. Den Stupa ließ Charumati, eine Tochter des Kaisers Ashoka, im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauen, so behauptet es die Legende und auch WIKIPEDIA liefert diese Auskunft. Sechster Tag: Swayambunath, National Museum of Nepal und Ichangu Narayan Tempel Morgens waren rund um den Hügel, welchen die Swayambunath Stupa krönt, viele Pilger auf den Straßen unterwegs, die sich aber auf geheimnisvolle Weise verliefen, so dass von anfänglichen Massenandrang weniger zu spüren war, der, je höher wir stiegen, stetig abnahm. Der berühmte Wallfahrtsort ist wahrscheinlich zu jeder Tageszeit gut besucht. Dreihundertfünfundsechzig Stufen müssen bewältigt werden, um das dicht bebaute Plateau zu betreten. Der Blickfang ist der bekannte rund 2500 Jahre alte Stupa. Diese Jahresangabe bezieht sich gewiss nur auf die ursprüngliche, eventuell mit groben Steinen umrahmte verfestigte Erdaufschüttung, eine Bauweise, die den frühesten Stupas im alten Indien und auf Sri Lanka entsprach. Ursprüngliche Grabhügel, die Reliquien verehrter Gurus enthielten, wuchsen im Laufe vieler Jahrhunderte zu von Menschenhand geschaffenen größeren, höheren und prachtvolleren Stupas. Auf dem Swayambunath-Plateau treffen buddhistische auf hinduistische Pilger, mitten drin Kleinhändler, die auf kauflustige Touristen hoffen, trotz der Vermischung verschiedener Interessen herrschte am Morgen eine entspannt friedliche Atmosphäre. Schlussendlich kommen die meisten Menschen herauf, um Buddha und der Göttin Hariti die gebührenden Referenzen zu erweisen. Nach dem Abstieg suchten wir mehrere unscheinbare Haus- und Hofheiligtümer auf, wir brauchten Abstand vom Trubel, benötigten eine Verschnaufpause, ehe wir das nahe gelegene National Museum of Nepal ansteuerten. Ohne Google Maps hätten wir die kleinen zwischen Häusern versteckten Familienschreine nicht gefunden, auf der Suche erschlossen sich nebenbei die Wohnverhältnisse der Menschen in Kathmandu. Der Schritt in die Moderne ist zu spüren. Alle Haushalte verfügen über Stromanschluss, doch die Wasserversorgung funktioniert noch nicht flächendeckend. Noch müssen die Menschen Wasser von öffentlichen Brunnen in die Häuser tragen, primitive Behelfslösungen mit Schläuchen oder frei verlegte Plastikrohre ersparen das Wassertragen. Trotz alltäglicher Schwierigkeiten scheint der Glaube der Menschen an die Götter und das Vertrauen auf deren Beistand ungebrochen. Jedem halbwegs alten Stein, jedem Relief wird Bedeutung beigemessen, nichts der historischen Hinterlassenschaften wird missachtet. Alles wird bewahrt, nichts ist wertlos, überall werden Blumen und Blüten als Opfergaben gebracht, das geschieht schon morgens, ehe das Tagwerk beginnt. Die Sammlungen vom National Museum of Nepal sind reichhaltig bestückt und sehr gut sortiert. Wir waren mehrere Stunden ernsthaft beschäftigt: anschauen, lesen, fotografieren, zwei Schritte weiter, anschauen, lesen, nochmals hinschauen, fotografieren, bloß nichts übersehen, hundertfache Wiederholungen der gleichen systematisierten Bewegungen, die Ausstellungsäle (leider nicht klimatisiert) und die Themen der Sammlungen wechseln. Erstaunlicherweise begegneten uns im Museum wenige ausländischen Touristen in den erstklassigen Kollektionen. Erfreulich und gleichzeitig seltsam komisch empfanden wir den Besuch dreier Schulklassen, die durch eine Sonderausstellung im Sinne des Wortes getrieben, regelrecht gejagt wurden. Die Schüler liefen nicht gemächlich, sondern eiligen Schrittes im Gänsemarsch an den Kunstwerken vorbei. Wir staunten, denn außer dem Rücken ihres Vordermannes haben die Schüler nichts gesehen und die Lehrer unternahmen nichts, um das Durchlauftempo zu verlangsamen. Dabei hätten die Lehrkräfte erklären können, hier werden erstmals Kunstwerke gezeigt, die unrechtmäßig außer Landes gebracht und endlich aus internationalen Sammlungen nach Nepal zurückgeführt wurden und hoffentlich in die vorhandenen Sammlungen integriert werden. – Die Sonderausstellung A TEMPORARY EXHIBITION OF THE REPATRIADED OBJECTS zeigt und dokumentiert außer sehenswerten Kunstwerken auch die unbedachte Sorglosigkeit mit der namhafte amerikanische und europäische Museen nepalesische Kunstschätze über Jahrzehnte hin präsentiert haben. Inzwischen wird weltweit Provenienzforschung betrieben. Bei berechtigten Ansprüchen werden die Kunstobjekte in die jeweiligen Länder oder an die privaten Eigentümer zurückgegeben, doch jede Rückführungsmaßnahme erfordert Bedacht. Es macht wenig Sinn, unwiederbringliche Schätze der Weltkultur in Länder zu geben, die sich permanent im Kriegszustand befinden. Am Nachmittag fuhren wir noch zum Ichangu Narayan Tempel und danach zum Ashoka Stupa West. Dieser Narayan Tempel ist einer von vier Vishnu-Tempeln, die an vier markanten Eckpunkten vom Tal gebaut wurden. Der in hügeliger Waldlandschaft errichtete Tempel hinterließ den Eindruck völliger Abgeschiedenheit. Trotz naher Wohnhäuser war kein Mensch zugegen. Kein Pilger, kein Tempeldiener, keine Aufsichtsperson trat auf den Plan. Wir genossen die Stille, die Sonnenwärme und blickten in Ruhe auf die wunderbare, unsere Meinnung nach seltene Vishnu-Statue, denn üblicherweise, zumindest in Nepal, wird Vishnu auf der Weltenschlange Ananta liegend als voluminöses Flachrelief dargestellt (als prominentes Beispiel: Budhanilkantha). Einen fast sitzenden Vishnu in diesem Format (annähernd lebensgroß) hatten wir zuvor noch nirgends in Kathmandu gesehen und bei dieser außergewöhnlichen Einzelentdeckung sollte es auch bei allen weiteren Exkursionen betreffs Vishnu bleiben. Den Ichangu Narayan Tempel suchen Kunstliebhaber auf, die den besonderen Vishnu sehen wollen. Wissenschaftler ordnen diese Statue der späten Malla-Periode zu, genaue Daten zur Entstehung sind nicht bekannt. Die vorbildlich restaurierte Tempelanlage bietet ansonsten wenig Sehenswertes, doch Pilgern einen stillen Ort zum Gebet. Auf dem Weg zum Hotel in Lalitpur stießen wir am späten Nachmittag auf einen von Wohnhäusern umgebenen Stupa, der mit seiner kompakten Form völlig anders wirkt, als der Grashügel vom Ashoka Stupa West. Buddhas Augen sind in Kathmandu allgegenwärtig. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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