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Im November starteten wir zu einer Zwei-Länder-Reise. In Nepal bin ich seit dreißig Jahren nicht mehr gewesen und im Nachbarland Indien werden uns die Ziele auch nach mehreren Reisen niemals ausgehen. Auf dem Subkontinent unterwegs zu sein, hat uns bislang immer gefallen. Die Flugroute Frankfurt-Delhi ist uns mittlerweile vertraut. Wir flogen zuverlässig mit EMIRATES. Nach einer Übernachtung in einem Hotel Nähe dem Airport Delhi starteten wir am Vormittag nach Kathmandu. Klares ruhiges Wetter und ein Fensterplatz auf der rechten Seite ermöglichten die Sicht auf die unvergleichlich majestätisch und endlos wirkende Himalaya-Bergkette, das war die ideale Einstimmung auf unsere Tage in Kathmandu und ausgewählte Ziele in der näheren Umgebung. Reisende berichten oft, sie seien in Kathmandu gewesen, lassen aber unerwähnt, ob sie damit die historische Hauptstadt meinen, die früher einmal Kantipur hieß und später in Kathmandu umbenannt wurde oder ob sie die moderne Großstadt Kathmandu meinen, zu der zwei weitere ehemalige Hauptstädte der Malla-Dynastien gehören. Auf Grund von Besiedelungsprozessen in moderner Zeit wuchsen die ursprünglich drei im Tal benachbarten unabhängigen Königreiche zur Großstadt zusammen. Wer heute in Lalitpur (Patan), in Bhaktapur und in Kantipur (Kathmandu) unterwegs ist, der überschreitet unmerklich und ahnungslos Grenzen, deren früheren Verlauf nur noch Archäologen oder Kartographen kennen. Mag sein, dass manche Stadtbezirke teilweise noch dem damaligen Grenzen entsprechen. Die Zentren damaliger Machtbereiche, nämlich die Paläste und Tempel der Herrscher, bilden heute den touristisch verwertbaren Schatz der Großstadt Kathmandu. Über die geschichtlichen Ursprünge und den Fortgang der Urbanisierung im Kathmandu-Tal wird hier nicht referiert. Die archäologische Forschung liefert über die verflossenen 1000 Jahre einen ziemlich geschlossenen Überblick, der von exakten Zahlen gestützt wird. Alle geschichtlichen Ereignisse kann jeder im Internet oder in Büchern nachlesen, jeder solide Reiseführer liefert diesbezüglich Daten und Fakten. Visum und Geldtausch waren schnell erledigt. Noch am späten Nachmittag fuhren wir zum ersten Tempel. Auf einem Bergrücken in der Nähe von Bhaktapur steht der Changu Narayan Tempel, diese Tempelanlage hatten wir bewusst als Auftakt gewählt, die Vishnu geweihte heilige Stätte gilt als einer der ältesten Tempel, die sich im Tal von Kathmandu erhalten haben. Selbstredend sind die Zerstörungen durch Erdbeben, der wetterbedingte Verschleiß und die Abnutzung durch tägliche religiöse Nutzung ins Kalkül aller Visiten zu ziehen, zu sehen sind Wiederaufbauten, zumeist sorgfältige, im Einzelfall auch mal unsachgemäße Restaurierungen, diese Feststellung gilt umfassend für alle religiösen Orte, die für das internationale touristische Publikum zugänglich sind. Den Garbhagriha (das Heiligtum) darf nur der Priester betreten, nur er kennt das Angesicht der Vishnu-Statue im Changu Narayan-Haupttempel, alle anderen Schreine sind für die Hindus und das übrige Publikum zugänglich. Am späten Abend bezogen wir in Patan, einem Ortsteil von Kathmandu, für zehn Nächte ein für unsere Vorhaben vorteilhaft gelegenes Quartier. Ein Fahrer mit Auto (übrigens Elektroantrieb Made in China) stand uns täglich von morgens bis abends bzw. nach spezieller Absprache zur Verfügung. Zweiter Tag: Ganztägig zu Fuß in Patan unterwegs Noch vor dem Frühstück besichtigten wir den Jagat Narayan Mandir. Außer zwei Nepalesen, die auf dem Weg zur Arbeit kurz zum Gebet innehielten, konnten wir den Tempel, der wahrscheinlich nur in wenigen Reiseführern empfohlen wird, allein besichtigen. Narayan meint Vishnu. Vom Narayan Tempel sahen wir außer den Klosterbauten, die in U-Form den Tempel rahmen, nicht viel, das Erdbeben 2015 hat den hohen Shikhara-Tempel vollständig dem Erdboden gleichgemacht, jedoch der Wiederaufbau vom östlich vorgelagerten Shiva Tempel war bereits abgeschlossen. Hier ließen sich alle diversen Materialien nachweisen, die einen hinduistischen Tempel auszeichnen: gebrannte Ziegel, Terrakotta, Sandstein, Holz und Metall, das sind die bevorzugten Baustoffe, welche für die Tempel im Kathmandu-Tal verwendet wurden und für neue Tempelbauten bis heute zum Einsatz kommen. Unser Morgenausflug zum Jagat Narayan Mandir war die ideale Vorstudie für alle weiteren Tempelanlagen, welche wir heute in Lalitpur besichtigen wollten. Vom Frühstück gestärkt brachen wir auf zu neuen Taten. Die Hauptziele des Tages: der Palastbereich und das Palast Museum Patan, die Tempel am Darbar Square und ausgewählte Straßenzüge in Patan, hier mit dem Fokus auf Hitis (Brunnen). Gegen 8Uhr30 herrschte vor dem Palastbereich am Darbar Square schon reges Treiben. Die meisten Tempel waren von betenden Menschen belagert, auch Touristen waren schon unterwegs, bezüglich Menschenströme war mit zunehmender Tendenz zu rechnen, eine Prognose, die eintraf. Noch konnten wir ohne dichtes Gedränge die einzelnen Tempel begutachten, wenn auch nicht alle betreten. Schilder mit dem konkreten Hinweis Visit only for Hindus oder No Visit schränken die Aktivitäten ambitionierter Touristen ein, gerechterweise muss gesagt werden, die meisten Hindu-Tempel sind auch für Nicht-Hindus zugänglich. Bei buddhistischen Tempelanlagen gibt es ohnehin keine Beeinträchtigungen, die darf jeder betreten. Hindus und Buddhisten leben in Nepal seit Jahrhunderten in friedlicher Koexistenz, diese erfreuliche Situation menschlicher Toleranz wird oft beschrieben und vermittelt sich auch unverfälscht den außenstehenden Fremden, alle sind willkommen. Schon der erste Augenschein von dem verdichteten Tempel-Ensemble auf dem Darbar Square beeindruckt. Tatsächlich stehen die Tempel nah beieinander, bedrängen sich, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. Sich jedem Tempel im Detail zu widmen erfordert viele Stunden, wenn nicht Tage, doch die stilistischen Unterschiede machen den Reiz der verschiedenen Tempelanlagen aus. Kurz gesagt: das Staunen nimmt kein Ende. Pünktlich 10Uhr betraten wir den Palast und gingen zuerst ins völlig neue, vorbildlich eingerichtete Museum. Es sollte Mittag werden, ehe wir erfüllt mit mannigfaltigen Eindrücken wieder im Menschengemenge untertauchten. Wer nepalesische Kunst sehen und einen Überblick über die sagenhaft unerschöpfliche Götterwelt erhalten möchte, der ist im Patan Museum richtig, das wiederum ist Bestandteil vom Palast, der mit deutscher Unterstützung saniert und umgebaut wurde. Kunstliebhaber werden bestätigen, dass die Sammlungen und deren museale Präsentation modernen Ansprüchen gerecht werden. Mehrere Innenhöfe (Chowk) gliedern das weitläufige Palastgelände. Einen dieser Höfe darf man keinesfalls auslassen: den Sundhari Chowk mit dem Tusha Hiti, das ist ein Hof mit einem schönen Brunnen. Im Stadtgebiet von Kathmandu findet sich kein Pendant zu diesem königlichen Brunnenbecken. In zwei Registern finden sich jeweils als Einzelrelief über fünfzig tantrische Gottheiten in Stein gehauen. Kein Laie hält sie auseinander, doch die Gesamtheit ihrer Vielzahl betört das Auge, ruft Staunen hervor, was durch das harmonische Oval des Beckens verstärkt wird. Im Mul Chowk sind zwei sehenswerte vergoldete Messingskulpturen zu sehen: die Flussgöttinnen Ganga auf dem Makara und Yamuna auf der Schildkröte agieren als Wächterinnen der vergoldeten zweiflügligen Tür. An ihren Reittieren (Vahana) sind die Flussgöttinnen eindeutig zu identifizieren. Beachtenswert sind auch die aufwendigen Holzarbeiten im Palast: Schnitzwerk in feinster Qualität. Der Fokus kann sowohl einzeln auf die Pfeiler, Säulen und Balken, auf die Fenster und auf die Dachstützen oder aber auf die Holzarchitektur in ihrer Gesamtheit gerichtet werden. Detailreiche Variationen der verschiedenen Bauelemente fallen ohne langes Suchen unmittelbar ins Blickfeld. Die Formen und Muster der geschnitzten Fenster sind an Vielfalt den mit vielarmigen Götteridolen besetzten Dachstützen ebenbürtig. Motivische Abwechslung ist garantiert. Figurale Erscheinungen und ornamentale Verschlingungen vereinigen sich zum harmonischen Wunder. Die Newar haben über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation ihre Erfahrungen betreffs Holzschnitzerei bis in die heutige Zeit übermittelt, nicht umsonst und mit Stolz wird von der Newar-Kunst gesprochen. Ehrgeizige Fotografen könnten themenbezogene Sammelordner von Holzschnitzereien anlegen. Es wäre an der Zeit, dass eine umfassende wissenschaftliche Studie über die Götterbilder auf geschnitzten Dachstreben an nepalesichen Tempeln, Palästen und Wohnhäusern erstellt wird. Außerhalb vom Darbar Square wird das unverfälschte Alltagsleben augenfällig. Das undurchschaubare Gewirr von Straßen, Gassen und Höfen ist durchsetzt von Tempeln, Geschäften, Marktständen und Brunnen. Jene bunte Welt, die westliche Touristen als pittoreske Fotomotive erfassen, gilt den Nepalesen meist notgedrungen als selbstverständlicher Lebensraum. Je weiter westliche Besucher sich von touristischen Zielen entfernen und in entlegenere Stadtteile vordringen, desto radikaler scheinen die krassen Unterschiede zwischen Wohlstand und Armut, zwischen Vergangenheit und Fortschritt auf. Die Alltagseindrücke sind nicht immer bunt und der Himmel nicht durchgängig blau. Sorgen, Geldnot und Krankheit markieren das Stadtbild und zeichnen die Gesichter der Menschen. Dritter Tag: Ganztägig zu Fuß in Kathmandu (Kantipur) unterwegs Aufbruch noch vor sieben Uhr scheint früh, dennoch waren wir in der Morgenstunde nicht allein unterwegs auf dem Durbar Square. Die Nepalesen sind im Unterschied zu vielen Indern Frühaufsteher. Zum Morgengebet sammeln sich Hindus vor den Tempeln und kleineren Heiligtümern, ehe sie ihren Beschäftigungen nachgehen. Mächtig Andrang herrschte am Shree Kaal Bhairav Tempel, während der Swet Bhairav Tempel (Haathwon Dyo) weniger frequentiert wurde. Angebetet wird jeweils ein Avatar von Shiva. In gewohnter Form zeigt sich im Swet Bhairav Tempel der Verehrte mit grimmigen furchterregenden Gesicht, anders der angeblich aus einem Stein gefertigte Kaal Bhairav, die Gläubigen meinen hier ein freundliches, lächelndes Antlitz zu erkennen. In den drei Königsstädten ähneln sich die Paläste und die Tempelbauten, die Materialen für die typischen Pagoden sind die gleichen, verwendet wurden Backsteinziegel, Sandstein und Holz. Die meist quadratischen, seltener oktogonalen Bauten unterscheiden sich in der Anzahl der Dachaufbauten, ein bis drei Dächer sind die Regel, fünf Dächer fallen als Ausnahme auf. Nach intensiver Begutachtung fallen die Unterschiede der Tempelbauten selbst unvoreingenommenen Betrachtern auf. Für wenige Tempel wurden ausschließlich Sandstein bzw. Granitstein verwendet, diese Tempel bestätigen die Ausnahmen im homogen Erscheinungsbild vom Pagodenensemble. Auch in Kathmandu, gemeint ist das Zentrum der Königsstadt vom ehemaligen Malla-Reich, umschließen Tempel, moderne Wohnhäuser und Geschäftsbauten den Palastbezirk. Namenlose Heiligtümer wechseln mit bekannten in Reisehandbüchern empfohlenen Tempeln ab. Chaityas (Miniaturstupas) stehen an vielen Straßenecken, auf Hinterhöfen und innerhalb von Tempelanlagen. Ältere von Bäumen umschlossene, dem natürlichen Wachstum auf Gedeih und Verderben ausgelieferte Schreine haben sich nur noch wenige im Stadtzentrum erhalten. Die besten Kunstwerke älterer Provenienz werden in größeren Tempeln bewahrt, so befinden sich beispielsweise in buddhistischen Tempeln wertvolle Statuen aus der Licchavi-Periode (300-750 n. Chr.), ähnlich seltene Götteridole früherer Jahrhunderte werden in hinduistischen Tempeln hinter Verschluss gehalten oder in Museen präsentiert. Ein Gang durch die belebten Straßen strukturiert sich durch Zwischenhalte: ein Stopp vor einem Schrein, der Blick in einen Tempel, das Begutachten einer Votivstupa, der Blick in einen Brunnen (Hiti). Zufällige Stadtrundgänge bieten neben Staunen noch die Möglichkeit ungezwungener vergleichender Kunstbetrachtung, sofern man religiöse Stätten und Reliefs als Kunstobjekte schätzt. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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