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Wo flattern Gebetsfahnen im Bayrischen Wald? Am Eingangstor zum Nepal Himalaya Park, auf der Martiniplatte bei Wiesent, in der Nähe von Regensburg: die in Deutschland einmalige Parkanlage ist in den Sommermonaten Samstag, Sonntag und Montag von 13-18Uhr für das Publikum geöffnet. Die Hauptattraktion im Park bildet zweifelsohne der Wiederaufbau des Pavillons mit dem sich das Königreich Nepal auf der Weltausstellung in Hannover im Jahr 2000 überaus würdig präsentierte. Dem bemerkenswerten Engagement des Fabrikanten Heribert Wirth ist der Erhalt des Nepal-Pavillons auf der Martiniplatte zu danken. Es wäre schade gewesen, den schönen Pavillon zu verschrotten, immerhin hatten begnadete nepalesische Handwerker aus 800 Familien drei Jahre lang gearbeitet, um den Pavillon in Einzelteilen vorzufertigen, der dann in Hannover aufgebaut wurde und dort zum Publikumsmagnet avancierte. Der Architekt Amrit Ratna Shakya, der übrigens auch den Wiederaufbau des Pavillons auf der Martiniplatte leitete, hatte eine geniale Idee: er kombinierte einen buddhistischen Stupa mit einem hinduistischen Tempel. Der Anblick und die lokalen Gegebenheiten der ungewöhnlichen Gebäude-Verbindung fordern die Betrachter zum Nachdenken und zum interreligiösen Diskurs. Ein solches Bauensemble, in denen Hinduismus und Buddhismus als Religionen sozusagen unter einem Dach gepflegt werden, gibt es weder in Nepal noch in anderen asiatischen Ländern zu sehen. Votivstupas und Götterstatuen säumen die gepflegten Wege, welche an einem kleinen See vorbei, indem sich ein majestätischer Buddha spiegelt, zum Tempel führen. Blumen, Sträucher und Bäume asiatischer Provenienz an den Wegen stimmen die Besucher auf das besondere Bauwerk ein. Leise Musik schwingt wie eine Orientierungshilfe durch den Garten. Der Pavillon ist nicht zu verfehlen. Eine Glocke (hinduistisch) und ein Vajra (buddhistisch) markieren den Eingangsbereich zum Pavillon. Ein luftiger Laubengang umrahmt dreiseitig ein quadratisches Wasserbecken. Die Tempel-Stupa-Kombination beschließt harmonisch die Gebäudeeinheit. Buddha-Augen blicken in die Welt. Gebetsfahnen flattern versöhnlich im Wind. Weihrauchduft schwängert die Luft. Die Atmosphäre ist dem beeindruckenden Ambiente stimmig angepasst. Turmartige Aufbauten über den Tumuli sind typisch für Stupas der späteren Epochen. Ursprünglich bestanden Stupas nur aus verfestigten schlichten Erdhügeln, in denen Reliquienbehälter mit den sterblichen Überresten hochverehrter Verkünder der Lehren Buddhas verwahrt wurden. Diese indische Erfindung der Bestattung hat sich in den asiatischen Ländern buddhistischer Prägung bis in unsere Zeit erhalten. Die Gestaltung vom Turmaufbau mit den Augen Buddhas, welche in alle Himmelsrichtungen blicken, ist dem berühmten Stupa Swayambhunath in Kathmandu, der Hauptstadt Nepals, nachempfunden. Nach Swayambhunath, einem Wallfahrtsort im Westen der Stadt Kathmandu, kommen Hindus und Buddhisten gleichermaßen zahlreich. Einen wichtigen Aspekt, der nicht nur von ritueller Bedeutung, mehr noch von alltäglicher, sprich überlebenswichtiger Bedeutung für die Menschen ist, wurde vom Architekten Shakya nicht unterschlagen: die Rede ist vom Wasser. Ohne Wasser kein Leben, wer wöllte darüber streiten. Aus besagten Gründen wurden in die Tempelanlage ein Bad und ein Wasserbecken integriert. Der erwähnte luftige Laubengang umschließt das Wasserbecken. Vertiefte ausgemauerte Becken (sogenannte Hitis), traditionell mit kunstvoll gestalteten Ausläufen, aus denen ununterbrochen Trinkwasser fließt, finden sich sowohl an vielen Straßenecken und wichtigen Wohnvierteln in Kathmandu als auch in den ländlichen Gegenden Nepals, meist in der Nähe von Tempeln gelegen. Sie dienen vorrangig rituellen Zwecken, gleichzeitig zur Körper- und Wäschereinigung und auch zur Trinkwasserversorgung. Wasser ist den Menschen heilig. Das gezeigte Wasserbecken ist einem Hiti nachempfunden. In die Mauer eingelassene Altäre bestätigen die Anwesenheit der Götter. Der Gargoyle (Wasserspeier) wird von einem Yaksha gestützt. Auf dem zum mythischen Vogel ausgeformten Wasserrohr reitet eine Gottheit. Der Außenstehende würde vermuten, dass hier eine der bekannten Flussgöttinnen, etwa Ganga oder Yamuna aufsitzt. Besagte Göttinnen nutzen üblicherweise einen Makara bzw. eine Schildkröte als Reittier. Jeder Gottheit ist ein Vahana (Reittier) zugeordnet. Wir blicken also auf eine nicht eindeutig definierbare nepalesische Gottheit, etwa auf Swasthani, falls nicht gar Parvati oder Lakshmi den Fluss des Wassers behütet. An den fünf Altären sind glückbringende Vasen (Purnagatha) und die Lebensbäume zu sehen, beide Symbole stehen für den endungslosen Kreislauf des Lebens, für das Wachstum der Natur überhaupt. Noch zum Sterben wird das Wasser benötigt. Die Asche der Verstorbenen wird den heiligen Flüssen überantwortet, die in der Vorstellung der Hindus allenfalls eine rituelle Verbindung zur Mutter Ganga (Fluss Ganges) haben. In heiliges Wasser einzugehen, gilt den Hindus als höchstes Erleben, dadurch vollzieht sich die ewige Verbindung mit den Göttern. Wahrhafte Kunst teilt sich ohne Wissen mit, auch in Unkenntnis bleibt die Freude an den schönen Altarnischen ungetrübt. Allein bei deren Betrachtung ließe sich länger verweilen, doch zuviel ungewohnte Blickfänge lenken die Schritte weiter ins Innere des Tempels. Im Artikel wird das Wort Tempel nur unter Vorbehalt verwendet. Der Autor verweist nochmals ausdrücklich auf die Tatsache hin, dass sich die Besucher in keinem Tempel, sondern in einem ehemaligen Ausstellungspavillon umschauen, ein Umstand, der die einem Tempel angemessene Andacht nicht ausschließen sollte. Die vielfältigen Erscheinungen der fremden Götter im hinduistischen Tempelbereich beeindrucken und verwirren den Erstbesucher, während sich dem Kundigen die meisten der Götterbilder leicht erschließen. Auf der Weltausstellung in Hannover sollte den Besuchern aus aller Welt die Bandbreite des hinduistischen Götterpantheons und gleichzeitige Toleranz gegenüber dem Buddhismus vorgeführt werden. Der Pavillon bietet die wunderbare Möglichkeit, sich in aller Ruhe und mit Andacht den Göttern zu nähern. Die detailreichen Holzschnitzereien an Pfeilern, Balken, Streben und Stützen sind herausragende Beispiele nepalesischer Handwerkskunst und erstklassige Beweise tradierter Bildübertragungen, deren Originale sich an und in nepalesischen Tempelanlagen erhalten haben. Die Behauptung, nepalesische Holzschnitzer sind bezogen auf die Wiedergabe hinduistischer Götterbilder unübertrefflich, ist wohl kaum übertrieben. Der gesamte Pavillon gibt Zeugnis ihrer großartigen Handwerkskunst, welche ohne die tradierten indischen Vorbilder nicht auskommt. Die handgefertigten Statuen und Reliefs nepalesischer Herkunft, durchweg Unikate, heben sich wohltuend von chinesischer Massenware ab, die den Devotionalienhandel weltweit überschwemmt. Kein hinduistischer Priester, kein akreditierter buddhistischer Mönch wird uns im Pavillon begegnen, aber die Götter sind teilweise zum Anfassen nah. Im begehbaren Tumulus des Stupa werden einige Götterstatuen vorgestellt. Ganesha, der Elefanten-Gott, ein Sohn Shivas, ist fast überpräsentiert, wie auch Garuda, Ganga und Lokeshvara präsent sind. Ob in Holz oder Metall geformt, die Statuen sind durchweg handwerklich auf hohem eigenständigen Niveau, wofür die Nepali bekannt sind. In einem Nebengebäude, einer Versammlungshalle werden neben anderen Objekten auch eine wunderbar kunstvoll gearbeitete Truhe und ein filigran geschnitztes Wandbild ausgestellt. Beide Objekte belegen die Kunstfertigkeit begnadeter namenloser Handwerker. An der Vorderfront der Truhe wird der Blick automatisch auf den Mittelteil gelenkt, das quadratisch eingefasste runde Fenster ist indischen Vorbildern entlehnt. Diese Form durchbrochener (luftiger) Fenster werden in Indien als Jali bezeichnet, die europäische Kunstgeschichte hat für solche Fenster den Begriff Transenna geprägt. Es ist hier nicht der Platz, um auf derlei Entsprechungen näher einzugehen. Links ist eindeutig der Gott Ganesha zu identifizieren. Rechts ist mit hoher Wahrscheinlichkeit der Kriegsgott Skanda dargestellt, falls das Reittier einen Pfau meint. Das Wandbild, laut der Beschriftung ein geschnitztes Thangkha, zeigt Szenen aus dem Leben des Shakyamuni Buddha. Der Begriff Thangkha steht als kunstgeschichtlicher Terminus üblicherweise für gerollte Wandbilder im Hochformat, also auf Leinen gemalte, gewebte oder gestickte Bilder, welche in Tempeln und Hausaltären aufgehängt und bei Prozessionen mitgeführt werden. Wir blicken auf ein äußerst filigran geschnittenes Relief. Inhaltlich ist die Kurzbeschreibung zutreffend: auf dem Relief sind einige der überlieferten Stationen aus Buddhas Leben anschaulich und sehr detailreich dargestellt. Die Vielfalt der einzelnen Szenen und deren motivischen Verbindungen sind mit einem Blick nicht zu erfassen. Hier lohnt längerer Verweil. Der weitläufig angelegte Park wartet mit vielfältigen Überraschungen auf. Hier vollzieht sich im Sinne der Lehre des Buddha ein ständiger Wandel. Natur und Mensch sorgen für Veränderungen. Das Projekt BRÜCKEN VERBINDEN im unteren Parkteil kann ad libitum erweitert werden. Brücken führen zu neuen Ufern, bringen Menschen zueinander. Mögen die Götter den Menschen Toleranz lehren. Park und Pavillon laden zu innerer Andacht ein und sind nicht zuletzt als Vermittlungsversuch zu bewerten, der die Menschen verschiedener Anschauungen friedvoll zusammenführen soll. Dank der außergewöhnlichen Atmosphäre ist dem einmaligen Ort auch fortan Besucherzulauf gewiss. Unbedingt muss auf die offizielle Pavillon-Internetseite hingewiesen werden:
https://www.nepal-himalaya-pavillon.de/ Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektor: Vanessa Jones
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Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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