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Siebenter Tag: Nala, Banepa und Panauti Der heutige Tag war einer Landpartie vorbehalten. Die kleinen Ortschaften Nala, Banepa und Panauti sind flächenmäßig kaum über die ehemaligen dörflichen Grenzen hinausgewachsen, die Menschen sind auf das wertvolle Nutzland in ihrem Umfeld angewiesen. Das tägliche Leben beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Arbeit auf den Feldern und Weiden, auch an und in den Tempeln begegnen sich die Menschen. Die Tempel als öffentliche Begegnungsstätten werden gepflegt und sauber gehalten. Einschränkend muss gesagt werden, dass manche Plätze und Wege in den Dörfern bei Touristen einen weniger positiven Eindruck hinterlassen. Zwei Tempel werten Nala als Zielort auf: der buddhistische Karunamaya Tempel und der hinduistische Bhagavati Tempel. Während der Wiederaufbau bzw. die Restaurierung am buddhistischen Tempel abgeschlossen ist, gibt es am hinduistischen Tempel noch viel zu tun. Hier müssen noch sämtliche Dachaufbauten erneuert werden, in wie weit die alten Dachstreben zur Wiederverwendung noch tauglich sind, müssen Fachleute entscheiden. Weitere konkrete Informationen zum Karunamaya Tempel sind nur über den QR-Code zu erfahren. Wohl dem, der ein Smartphone besitzt und eine passende Nepal-SIM Karte erworben hat. Der Bhagavati Tempel von Nala hat das Erdbeben von 2015 leider nur stark beschädigt überstanden, im November 2025 war der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Die wenig erfreuliche Tatsache der fehlenden Dächer, ermöglicht zumindest den turmartigen gemauerten Kern des Pagodentempels ungehindert betrachten zu können. Dieser vormals prachtvolle Tempel zählt zu den wenigen Tempeln mit vier Dächern, die sich im Kathmandu-Tal erhalten haben. Gewiss wird versucht, den Originalzustand wenigsten annähernd wiederherzustellen. – Bhagavati meint generell die Erhabene, und wird in Kathmandu häufig als Durga dargestellt. Leider konnten wir das Idol nicht sehen, der Tempel war verschlossen. Vielleicht ist die Statue oder das Relief während der Bauarbeiten in einem Depot sicher untergebracht worden. Die ruhige Atmosphäre auf dem Platz vor dem Bhagavati Tempel empfanden wir als sehr angenehm, diese wohltuende, völlig entspannte Stimmung wurde nicht nur von der Morgensonne hervorgerufen. Auf dem Tempelvorplatz treffen sich die Menschen, tauschen sich aus, beten gemeinsam. Wir wurden mit aller Selbstverständlichkeit ins Gespräch gezogen, vor allem Frauen hatten keine Scheu, mit den fremden Besuchern zu reden. Dieser Platz, einem Anger vergleichbar, bietet sich tatsächlich als idealer Treffpunkt im Dorf an. Zum Hiti (Brunnen, Vordergrund links) kommen die Menschen, holen dort Trinkwasser, im Pati (kleine Versammlungshalle, Vordergrund rechts) können die Menschen im Schatten oder bei Regen sitzen und die neuesten Nachrichten auswerten. Wir haben anderenorts beobachtet, dass Frauen in einer solchen Halle saßen und gemeinsam mit Handarbeiten beschäftigt waren, wobei die Unterhaltungen nicht abrissen. Häufig treffen sich auch Männer im Pati, reden und rauchen dort, spielen Schach, Dame oder Karten. Eine solche Halle ersetzt das Tee- oder Kaffeehaus. Kein Dorf, kein Stadtteil, in welchen nicht solche Hallen stehen und überall werden sie genutzt, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten bzw. neue zu knüpfen. Meist halten sogar die Busse und Taxis vor solchen Versammlungshallen. Was wir nicht gesehen haben: Männer und Frauen gemeinsam versammelt unter einem Dach. Zwei Pagodentempel, je eine Garuda-Statue, je ein Löwen-Paar, je ein Glockenbalken und zwei Nebenschreine zeichnen die Architektur vom Thanapati Narayan Mandir in Banepa aus. Nicht nur die zwei Pagoden differieren im Erscheinungsbild des Mandir, auch die Garuda-Statuen unterscheiden sich in Größe und Ausdruckskraft, ebenso die bemerkenswerten Schnitzarbeiten, von denen nur wenige erneuert werden mussten, insgesamt hinterlässt der Thanapati Narayan Mandir einen gediegenen Eindruck von Originalität. Beachtenswert ist der Thorana über dem Eingang der größeren Pagode, der Holzschnitzer hielt keines der Details für nebensächlich. Über Vishnu-Narayana, der zentralen Götterfigur erhebt sich der bekrönte Garuda, der das Schlangenpaar (Naga & Nagini) mit seinen Klauen fest umkrallt. Links und rechts schweben jeweils zwei göttliche Wesen. Den unteren Außenbereich der halbkreisförmigen Thorana besetzen prachtvolle Makaras, Mischwesen, welche stets in göttlichen Sphären in Erscheinung treten, hier treten sie als völlig eigenständige Schimären auf: Krokodilmaul mit Elefantenrüssel und üppigen Federschweif. Etwas eingerückt, nicht unmittelbar an der Straße steht ein großes dreigeschossiges tempelähnliches Ziegelgebäude, das Dach wird von einem Pagodenaufbau gekrönt. Der Bau trägt den Namen Dyo Chhen, der Begriff ist der Newari-Sprache entlehnt und bedeutet »Gottes Haus«. KI bemerkt: »Zweck: Im Gegensatz zu einem traditionellen Tempel, in dem Gottheiten dauerhaft für die öffentliche Verehrung verehrt werden, ist ein Dyo Chhen als "Zuhause" für den Gott gestaltet. Dort befinden sich oft das Prozessionsbild der Gottheit, Sänften und rituelle Ornamente. Architektur: Es ähnelt typischerweise einem traditionellen Newar-Wohnhaus, zeichnet sich jedoch durch religiöse Merkmale wie Toranas (Tympanone), ein Gajur (Spitze), und kunstvolle Holzschnitzereien an Fenstern und Streben aus.« (abgerufen am 27.02.2026) Der Shree Chandeshwori Tempel gehört folgerichtig zum sakralem Ensemble des Dorfes Banepa, ist ein Chandeswori Tempel vorhanden, existiert meist auch ein Dyo Chhen (nähere Erklärungen führen ins Uferlose). Chandeshwori bezeichnet eine spezielle Durga aus dem Reigen der Navadurgas. Über dem Eingang zum Tempel befindet sich ein modernes, bunt bemaltes Relief der Legende: Durga tötet den Dämon Chanda. Ein zweites motivgleiches Relief ist an der Innenseite vom Tor angebracht, beide Bilder meinen besagte Chandeshwori. Obgleich die eingangs vorgestellten Durga-Reliefs in neuerer Zeit geschaffen wurden, zählt der Chandeshwori Tempel zu den ältesten Tempelanlagen im Kathmandu-Tal. Touristen tauchen hier selten auf, was wohl an der Entfernung nach Kathmandu liegen mag, immerhin 25km. Statuen der Malla-Königspaare sind häufiger vor den Tempeln im Kathmandu-Tal aufgestellt. Für die stilisierten Paarstatuen wurden langlebige Materialien gewählt, Stein oder Metalllegierungen. Offenbar war die Dauerhaftigkeit der Bildnisse bestimmend bei der Materialauswahl, in Holz geschnitten fanden wir keine Statuen der Malla. Das Nicht-Vergessen der Herrscher, sollte den Pilgern vor Augen bleiben, faszinierend die demutsvolle Haltung der Königspaare: Mahnung zur Andacht. Wer die Dachstützen näher betrachtet, blickt auf die zyklische Gesamtheit der Ashtamatrikas und der Ashtabhairavas. Die acht Bhairava gelten als Wächter der acht Himmelsrichtungen, die acht Matrikas als deren weiblichen Gegenpole. In diesem Kontext muss auch an die Navagraha, die personifizierten Planeten und die jeweils zugeordneten Gottheiten gedacht werden, bemerkenswert ist die fundierte Verschränkung der göttlichen Erscheinungen und die Verbindungen zur astralen Realität. Jeder Himmelskörper entspricht einer Gottheit, nur ein Beispiel: Surya steht für die Sonne, das Licht, die Erhellung des Alls. Hinter Bhairava mit allen seinen Erscheinungsformen verbirgt sich immer SHIVA, die inneren Zusammenhänge sind mehr als nur komplex, für Außenstehende äußerst schwer fassbar. In den eingemauerten Rahmenfeldern finden sich weitere geschnitzte Durga-Idole und Makaras. Auf den Tympana sind die göttlichen und halbgöttlichen Erscheinungen im Halbkreisformat komprimiert. Am Ortsrand, nur wenige Schritte vom Chandeshwori Tempel entfernt, bewunderten wir die ausladend große Skulptur Bhaila Narayanthan, Gott Vishnu auf der Weltenschlange Ananda-Shesha. Während sich am motivgleichen ähnlichen Vishnu-Relief Budhanilkantha die Pilger stauen und nur kurze Momente auf die Reliefplatte schauen können, hatten wir hier in Banepa Zeit und Ruhe für Narayana (sprich: Vishnu). Es mag sein, dass hier nur eine moderne Replik des vielfach gestalteten Mythos vorliegt, dennoch ist die Gesamtwirkung der Skulptur überzeugend, schon deshalb, weil Schlange und Vishnu von klarem Quellwasser umspült werden. Blüten und Farben stehen für die wenigen Pilger gratis bereit. Bei Google Maps ist der Teich vom Waknu Ganesh Tempel als Dyo Pukhu eingezeichnet, das Becken ist nicht zu verfehlen, es befindet sich im Zentrum von Banepa direkt nördlich an der Chandeshwori Marg. Außer Ganesha sind noch weitere Götterreliefs vor der Ziegelmauer installiert. Unser nächstes Ziel: Panauti, eine Kleinstadt mit rund 28000 Einwohnern. Wir stoppten auf der Panauti-Namobuddha Rd, oberhalb vom Punyamata River, von dort sind der Brammayani Tempel und die Tempelgruppe am gegenüberliegenden Ufer gut zu sehen. Drei Brücken überspannen den Fluss, eine Kettenbrücke und zwei Steinbrücken. Ehe wir den Fluss überquerten, besichtigten wir am Nordufer den Brammayani Tempel. Die viergeschossige Pagode mit drei Dächern wurde 1617 erbaut und befindet sich baulich in einem soliden Zustand. Ein Kultbild der Brahmi hat sich nicht erhalten, weder ist ein markantes Relief noch eine Statue der Göttin vorhanden. Der Aufbau im Tempelinneren folgt einem ungewöhnlichen Konzept, zu sehen ist ein C-förmiger gemauerter Schrein, der Reste von älteren Reliefs und Statuen birgt. Brahmi oder Brahmini bzw. Brahmayani ist eine der acht Matrikas (Muttergöttinnen), insofern beansprucht der Tempel eine Sonderstellung , ist er doch dezidiert einer Göttin geweiht, eine Widmung, die auch an den weiblichen Dachstreben zum Ausdruck kommt. Tatsächlich sind die Holzschnitzarbeiten das Schönste, was an diesem Tempel zu bewundern ist. Das befestigte Südufer vom Punyamata River ist als Ghat ausgebaut, sicher werden dort auch heute noch im Schatten der Krishna Tempelgruppe Verbrennungen durchgeführt, es ist auszuschließen, dass die Menschen wegen Trauerritualen bis nach Kathmandu oder an andere zentrale Verbrennungsorte im Tal reisen. Der Krishna Narayan Tempel, eine im 17. Jahrhundert erbaute viergeschossige Pagode mit drei Dächern, steht auf einem Stufensockel, durch den Sockel wirkt der Tempel trotz gleicher Architektur höher als der am anderen Ufer gegenüberstehende Brammayani Tempel. Das verschlossene Garbhagriha (Sanktum) vom Krishna Tempel ist von einer offenen Galerie umgeben. Kleinere Schreine umgeben den Krishna Tempel. Eine offene Halle und ein Überdach schützen bei längeren Wartezeiten vor Regen und bieten Schatten, Verbrennungen und Trauerprozessionen dauern mehrere Stunden. Abgesehen vom Krishna- und Brammayni Tempel, wird in Panauti vorrangig Shiva angebetet. Die meisten der großen Tempel und kleinen Schreine sind dem Großen Gott gewidmet. Klingen auch die Namen der Tempel für Außenstehende nicht unmittelbar nach Shiva, gleich ob Indreshwar, Maheshwori, Mahadev oder Bhairab als Tempelname angegeben wird, gemeint ist immer SHIVA. Eine Vielzahl Lingas, oft in gleicher Form, nur durch Größe unterschieden, sind bildhafter Ausdruck für das tiefe Vertrauen zu diesem Gott. Ein gemütlicher Spaziergang durch die Straßen und engen Gassen von Panauti lieferte ergänzend tiefe Einsichten ins Alltagsleben der Newar, vorwiegend Menschen dieser Volksgruppe leben in verschiedenen Regionen des Kathmandu-Tals. Leider fanden wir die gut gezeichnete, für Touristen bestens geeignete Karte erst am Ende unserer Exkursion, doch die historischen Brunnen und die traditionellen Wohnhäuser und Zweckbauten waren auch ohne Karte nicht zu übersehen. Das Gebäude mit Holzerker und offener Säulenhalle dient zur Aufbewahrung sakraler Gegenstände, die zu Festen benötigt werden. Ebenerdig lagert ein zerlegter Prozessionswagen, vier Räder, die Achsen und die Deichsel sind vor Regen geschützt aufbewahrt. Die verantwortlichen Behörden beginnen sich auf die kulturhistorische Bedeutung ländlicher Kleinsiedlungen im Kathmandu-Tal endlich zu besinnen. Generelle Überlegungen werden angestellt, wie und durch welche Aktionen solchen Orten Wertschätzung zu verleihen wären. Werterhaltung von Kulturgütern würde nicht nur wirtschaftlichen Auftrieb mit sich bringen, sondern schlussendlich auch den Fremdenverkehr ankurbeln und langsam zunehmenden Wohlstand für alle Menschen im Tal bringen, de facto würde sich die allgemeine Lebensqualität steigern.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Fünfter Tag: Pashupatinath, Bodnath und mehrere Tempelanlagen Für den heutigen Tag hatten wir ein umfangreiches Programm erstellt. Frühmorgens fuhren wir zu den bevorzugten Verbrennungsplätzen am heiligen Bagmati-Fluss, das Ziel ist als Pashupatinath bekannt. Der 18.11.2026 muss für die Nepalesen ein besonderer Tag gewesen sein. Ein religiöses Fest stand an. Was gefeiert werden sollte, erschloss sich dem außenstehenden Beobachter nicht. Schon um 7Uhr waren viele Menschen auf beiden Seiten vom Fluss unterwegs. Die Kremation einer Frau wurde vorbereitet, das schien aber nicht der Anlass für die ungewöhnliche Massenansammlung zu sein. Alle hatten zu tun, jeder schien intensiv beschäftigt. Schaumstoffmatten und Kissen wurden ausgelegt, Planen und Sonnenschirme aufgespannt, Brot und Getränke feilgeboten, die Menschen stellten sich auf einen langen Tag ein. Es lag mehr in der noch kühlen, leicht rauchgeschwängerten Morgenluft als nur Palavern und Musik aus Lautsprechern. Die Atmosphäre war erwartungsvoll positiv geladen. Auch wir harrten mit gemessenem Abstand den Dingen die kommen würden. Die Vorbereitungen, zu welchem Fest auch immer, währten lange, entsprachen nicht unseren Plänen, weshalb wir die Besichtigung der heiligen Stätte fortsetzten. Den Haupttempel dürfen nur Hindus betreten und das Interesse an der Verbrennung der alten Frau hielt sich unsererseits in Grenzen, so dass wir unerwartet schnell die für Touristen zugänglichen Bauten und Kunstschätze gesehen hatten, alsbald erklommen wir den Hügel am Ostufer, begutachteten die vielfach baugleichen Gräber auf den Terrassen, weiter oben einen Friedhof, wendeten uns mehrfach um, blickten hinunter zum Fluss, doch keinerlei Anzeichen deuteten auf den Beginn des Festes hin. Uns mitten in den vermutlichen Trubel eines religiösen Festes zu mischen, war nicht beabsichtigt, wir hatten ohnehin genug gesehen: einen lebensgroßen Vishnu, einen wunderbar geschnittenen Buddha (leider mit Zebrastreifen) und das berühmte, schräg stehende riesige Lingam, außerdem alte und neuere Holzfenster, addieren wir noch die stille Atmosphäre auf dem bewaldeten Friedhof hinzu, so konnten wir zufrieden sein. Mehr war diesem Ort am frühen Morgen nicht abzugewinnen. Am riesigen Stupa von Bodnath waren viele Menschen zu erwarten. Buddhisten würden wie eh und je im Uhrzeigersinn den Stupa umrunden, die sogenannte Kora (Pradakhshina) vollziehen, was auch wir beabsichtigten. Mehrere tibetische Klöster und Schulen wurden im Laufe von Jahrzehnten an der Peripherie des Heiligtums erbaut, Wohn- und Geschäftshäuser ergänzen das Bauensemble um den heiligen Ort. Restaurants bieten tibetische Speisen an, Pilger und Gäste sollen sich heimisch fühlen. Das Areal von Bodnath hat sich seit 1959 zur tibetischen Enklave etabliert. Flüchtlinge aus Tibet siedeln bevorzugt in der Nähe der Stupa. In dem relativ kleinem Staat Nepal fanden tausende Tibeter Zuflucht und versuchen gemäß ihren Traditionen und Gewohnheiten zu leben. Das 36m hohe Bauwerk wurde im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung erbaut, verlor im Mittelalter an rituellen Wert, erst in neuerer Zeit wurde die sakrale Bedeutung der Stupa wieder erkannt. Ältere Fotos zeigen noch das ländliche Ambiente des vormaligen Dorfes Bodnath, welches heute als Stadtteil zu Kathmandu zählt. Jedes Jahr zum buddhistischen Neujahrsfest wird der Stupa mit weißer Farbe getüncht und die safrangelben Bögen auf dem Kubus erneuert. Vor dreißig Jahren war der Stupa noch nicht aufwendig mit Blumenschmuck dekoriert, ein chinesischer Sponsor wollte sich offenbar positives Karma verschaffen. Den Gläubigen genügen die Gebetsmühlen und die im Himmel flatternden Gebetsfahnen. Wir empfanden die Blumenpräsentationen übertrieben, sogar überflüssig, zu dieser heiligen Stätte pilgern die Menschen auch ohne leuchtende Blumenparade und Bäume in großen Töpfen. In Kathmandu stehen hunderte Tempel, doch nur wenige sind für Touristen interessant. Nicht-Hindus schätzen nach flüchtiger Begutachtung die meisten Tempel als baugleiche Wiederholungen ein, wir hatten eine Vorauswahl getroffen, die unseren kulturhistorisch-religiösen Erwartungen gerecht werden könnte. Der am Bagmati-Fluss erbaute Shiva geweihte Gokarneshwar Tempel zählt zu den ältesten Tempeln im Kathmandu-Tal. Die sehr gepflegte Tempelanlage hinterlässt auf Grund seiner vielgestaltigen Reliefsammlung auch bei Kunstliebhabern einen nachhaltigen Eindruck, keine der bekannten hinduistischen Gottheiten fehlt. Nicht minder kommen die Freunde hinduistischer Tempelarchitektur auf ihre Kosten. Der dreigeschossige Hauptschrein und die Nebenschreine ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Der von einem uralten Baum vereinnahmte brüchige Ziegelschrein gibt ein lebendiges, sehr anschauliches Abbild der unwiderruflichen Tatsache vom Werden und Vergehen aller Dinge und allen Lebens, wer will, erkennt hier das göttlich-natürliche Schöpfungsprinzip. Die Auswahl von acht Reliefs dokumentiert die Vielfalt der im Gokarneshwar Tempel aufgestellten Götteridole, wobei einige der Reliefs auf Grund ihrer Volumina eher als Statuen zu bewerten sind. Leider finden westliche Besucher keine Hinweise zu den Götterbildern. Menschen, die betreffs hinduistischer Götterwelt über mangelnde oder ungenügende Vorkenntnisse verfügen, blicken auf rätselhafte Kunstwerke und werden bestenfalls die handwerkliche Ausführung rühmen. Ähnliches wäre zu den Schnitzarbeiten am Tempel auszuführen, auch hier machen sich grundlegende Kenntnisse bezahlt. Den Schnitzereien ist das Alter anzusehen, allerdings sind auch Verluststellen zu bedauern. In unmittelbarer Nachbarschaft einer Schule auf dem Pausenhof steht der Dhumrabarahi Tempel, dieser von einem Baum überwucherte unscheinbare Schrein wäre die Besichtigung kaum Wert, stünde nicht im Sanktum eine lebensgroße seltene Statue aus schwarzem Stein. Die Varaha Statue – Vishnu als Eber – sucht in Kathmandu seinesgleichen. Vishnu erscheint anthropomorph mit Eberkopf und Menschenkörper, Vishnu=Varaha hebt die Erde in der Gestalt der Bhudevi aus den Tiefen des Weltozeans. Über das Alter der Statue streiten sich die Sachkundigen, die meisten Expertisen nehmen die Liccavi-Periode als Entstehungszeit an. Die Wurzeln des Baumes sprengen die Mauern vom Schrein, bedrängen aber die Statue nicht, das wird als Wunder verstanden. In einem Vishnu geweihten Tempel darf sein Reittier Garuda nicht fehlen und warum sollte Ganesha, ein Sohn Shivas, nicht zugegen sein. In unmittelbarer Nähe, nur wenige Meter abwärts am Hang zur Straße hin, steht noch ein Schrein, der Shree Chandreshvar Mahadev Mandir, dort trafen wir den schlüsselgewaltigen Menschen, der auf freundliche Nachfrage den Varahi Tempel öffnete. In Kathmandu ragen die Spitzen mehrerer älterer Stupas gen Himmel, diese wurden in gemessenem Abstand den Haupthimmelsrichtungen folgend um den Stupa von Bodnath, weshalb diese einzeln stehenden Bauten als Ashoka Stupa Nord, Ost, Süd und West kenntlich sind. Innerhalb buddhistischer Tempelanlagen versteht sich die Existenz zahlreicher Stupas und Votivstupas von selbst, zusätzlich wurden im Laufe der Jahrhunderte auf kleinen Plätzen, an Straßenkreuzungen, zwischen Wohnhäusern und in Höfen hunderte, im gesamten Kathmandu-Tal wahrscheinlich tausende kleinere namenlose Stupas gebaut, die alle ihre Berechtigung haben, denn jeder gläubige Nepalese wird seinen Stupa haben, den er täglich zum Gebet aufsucht. Öffentliche Wasserbrunnen oder Briefkästen sind jedenfalls nachweislich weitaus weniger in der Stadt vorhanden, lediglich Mopeds übertreffen die Stupas zahlenmäßig. Morgens hatten wir den Bodnath Stupa umrundet, am Nachmittag liefen wir andächtig um den erheblich kleineren Charumati Stupa, der architektonisch dem großen Stupa entspricht, aber ohne monumentale Sockelplattform auskommt, sein Kubus lagert auf Bodenniveau, deshalb ist hier nur eine äußere Kora möglich. Mehrere kleine Votivstupas (durchaus älterer Herkunft) säumen den Kora-Weg. Den Stupa ließ Charumati, eine Tochter des Kaisers Ashoka, im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauen, so behauptet es die Legende und auch WIKIPEDIA liefert diese Auskunft. Sechster Tag: Swayambunath, National Museum of Nepal und Ichangu Narayan Tempel Morgens waren rund um den Hügel, welchen die Swayambunath Stupa krönt, viele Pilger auf den Straßen unterwegs, die sich aber auf geheimnisvolle Weise verliefen, so dass von anfänglichen Massenandrang weniger zu spüren war, der, je höher wir stiegen, stetig abnahm. Der berühmte Wallfahrtsort ist wahrscheinlich zu jeder Tageszeit gut besucht. Dreihundertfünfundsechzig Stufen müssen bewältigt werden, um das dicht bebaute Plateau zu betreten. Der Blickfang ist der bekannte rund 2500 Jahre alte Stupa. Diese Jahresangabe bezieht sich gewiss nur auf die ursprüngliche, eventuell mit groben Steinen umrahmte verfestigte Erdaufschüttung, eine Bauweise, die den frühesten Stupas im alten Indien und auf Sri Lanka entsprach. Ursprüngliche Grabhügel, die Reliquien verehrter Gurus enthielten, wuchsen im Laufe vieler Jahrhunderte zu von Menschenhand geschaffenen größeren, höheren und prachtvolleren Stupas. Auf dem Swayambunath-Plateau treffen buddhistische auf hinduistische Pilger, mitten drin Kleinhändler, die auf kauflustige Touristen hoffen, trotz der Vermischung verschiedener Interessen herrschte am Morgen eine entspannt friedliche Atmosphäre. Schlussendlich kommen die meisten Menschen herauf, um Buddha und der Göttin Hariti die gebührenden Referenzen zu erweisen. Nach dem Abstieg suchten wir mehrere unscheinbare Haus- und Hofheiligtümer auf, wir brauchten Abstand vom Trubel, benötigten eine Verschnaufpause, ehe wir das nahe gelegene National Museum of Nepal ansteuerten. Ohne Google Maps hätten wir die kleinen zwischen Häusern versteckten Familienschreine nicht gefunden, auf der Suche erschlossen sich nebenbei die Wohnverhältnisse der Menschen in Kathmandu. Der Schritt in die Moderne ist zu spüren. Alle Haushalte verfügen über Stromanschluss, doch die Wasserversorgung funktioniert noch nicht flächendeckend. Noch müssen die Menschen Wasser von öffentlichen Brunnen in die Häuser tragen, primitive Behelfslösungen mit Schläuchen oder frei verlegte Plastikrohre ersparen das Wassertragen. Trotz alltäglicher Schwierigkeiten scheint der Glaube der Menschen an die Götter und das Vertrauen auf deren Beistand ungebrochen. Jedem halbwegs alten Stein, jedem Relief wird Bedeutung beigemessen, nichts der historischen Hinterlassenschaften wird missachtet. Alles wird bewahrt, nichts ist wertlos, überall werden Blumen und Blüten als Opfergaben gebracht, das geschieht schon morgens, ehe das Tagwerk beginnt. Die Sammlungen vom National Museum of Nepal sind reichhaltig bestückt und sehr gut sortiert. Wir waren mehrere Stunden ernsthaft beschäftigt: anschauen, lesen, fotografieren, zwei Schritte weiter, anschauen, lesen, nochmals hinschauen, fotografieren, bloß nichts übersehen, hundertfache Wiederholungen der gleichen systematisierten Bewegungen, die Ausstellungsäle (leider nicht klimatisiert) und die Themen der Sammlungen wechseln. Erstaunlicherweise begegneten uns im Museum wenige ausländischen Touristen in den erstklassigen Kollektionen. Erfreulich und gleichzeitig seltsam komisch empfanden wir den Besuch dreier Schulklassen, die durch eine Sonderausstellung im Sinne des Wortes getrieben, regelrecht gejagt wurden. Die Schüler liefen nicht gemächlich, sondern eiligen Schrittes im Gänsemarsch an den Kunstwerken vorbei. Wir staunten, denn außer dem Rücken ihres Vordermannes haben die Schüler nichts gesehen und die Lehrer unternahmen nichts, um das Durchlauftempo zu verlangsamen. Dabei hätten die Lehrkräfte erklären können, hier werden erstmals Kunstwerke gezeigt, die unrechtmäßig außer Landes gebracht und endlich aus internationalen Sammlungen nach Nepal zurückgeführt wurden und hoffentlich in die vorhandenen Sammlungen integriert werden. – Die Sonderausstellung A TEMPORARY EXHIBITION OF THE REPATRIADED OBJECTS zeigt und dokumentiert außer sehenswerten Kunstwerken auch die unbedachte Sorglosigkeit mit der namhafte amerikanische und europäische Museen nepalesische Kunstschätze über Jahrzehnte hin präsentiert haben. Inzwischen wird weltweit Provenienzforschung betrieben. Bei berechtigten Ansprüchen werden die Kunstobjekte in die jeweiligen Länder oder an die privaten Eigentümer zurückgegeben, doch jede Rückführungsmaßnahme erfordert Bedacht. Es macht wenig Sinn, unwiederbringliche Schätze der Weltkultur in Länder zu geben, die sich permanent im Kriegszustand befinden. Am Nachmittag fuhren wir noch zum Ichangu Narayan Tempel und danach zum Ashoka Stupa West. Dieser Narayan Tempel ist einer von vier Vishnu-Tempeln, die an vier markanten Eckpunkten vom Tal gebaut wurden. Der in hügeliger Waldlandschaft errichtete Tempel hinterließ den Eindruck völliger Abgeschiedenheit. Trotz naher Wohnhäuser war kein Mensch zugegen. Kein Pilger, kein Tempeldiener, keine Aufsichtsperson trat auf den Plan. Wir genossen die Stille, die Sonnenwärme und blickten in Ruhe auf die wunderbare, unsere Meinnung nach seltene Vishnu-Statue, denn üblicherweise, zumindest in Nepal, wird Vishnu auf der Weltenschlange Ananta liegend als voluminöses Flachrelief dargestellt (als prominentes Beispiel: Budhanilkantha). Einen fast sitzenden Vishnu in diesem Format (annähernd lebensgroß) hatten wir zuvor noch nirgends in Kathmandu gesehen und bei dieser außergewöhnlichen Einzelentdeckung sollte es auch bei allen weiteren Exkursionen betreffs Vishnu bleiben. Den Ichangu Narayan Tempel suchen Kunstliebhaber auf, die den besonderen Vishnu sehen wollen. Wissenschaftler ordnen diese Statue der späten Malla-Periode zu, genaue Daten zur Entstehung sind nicht bekannt. Die vorbildlich restaurierte Tempelanlage bietet ansonsten wenig Sehenswertes, doch Pilgern einen stillen Ort zum Gebet. Auf dem Weg zum Hotel in Lalitpur stießen wir am späten Nachmittag auf einen von Wohnhäusern umgebenen Stupa, der mit seiner kompakten Form völlig anders wirkt, als der Grashügel vom Ashoka Stupa West. Buddhas Augen sind in Kathmandu allgegenwärtig. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Vierter Reisetag: Mathura – Sikand(a)ra – Agra Mathura Government Museum Akbars Tomb Kanch Mahal Lodi Tomb Sikandra R C Cementery: Red Taj Geplant war und gelohnt hat sich auf dem Weg von Delhi nach Agra der Zwischenstopp in Mathura . Die Kollektion vom Mathura Government Museum wollten wir unbedingt gesehen haben. In diesem Haus wird (soweit uns bekannt ist) die größte Sammlung in Indien präsentiert, welche sich umfassend der Mathura-Kunst widmet. Im Gegensatz zu den weltbekannten buddhistischen Bildwerken aus Gandhara (Pakistan) stehen die annähernd zeitgleich in Nord-Indien, nämlich in der Region MATHURA entstandenen ebenfalls buddhistischen Kunstwerken noch immer etwas im Schatten der internationalen Kunstbetrachtung und fristen ein unverdientes Nischendasein, so zumindest unser persönlicher Erkenntnisstand. Das Government Museum leistet einen würdigen Beitrag, um Licht auf das Dunkel der Mathura-Periode zu werfen. Der geringe Eintrittspreis steht in keinem Verhältnis zum unschätzbaren Wert der Sammlung. An einem Sonntagvormittag waren wir zwei Stunden hindurch fast die einzigen Besucher. Die Kollektion ist hochwertig, leider werden viele Objekte in Glasvitrinen präsentiert, deren Scheiben blind geworden sind und geputzt werden müssten, aber alle Exponate sind vorbildlich zweisprachig beschriftet. Fotografieren ist unbeschränkt gestattet. Leider waren die Lichtverhältnisse in den Sälen ungünstig, Sonnenreflektionen und lästige Spiegelungen beschädigten manches für uns wichtige Foto, so dienen etliche der digitalen Festschreibungen lediglich als Informationsdateien. Gern hätte ich einen Museumskatalog gekauft, doch der ist noch nicht aufgelegt, wahrscheinlich noch nicht geschrieben. Schade, doch immerhin haben wir von der MATHURA-KUNST detailliertere Vorstellungen gewonnen als wir je zuvor besaßen. Die meisten Mathura-Objekte wurden aus rötlich getöntem Sandstein geschaffen, so auch der Buddha Maitraya aus dem 2. Jahrhundert. Das folgende als Gemeinfrei deklarierte Maitraya-Foto steht im WIKIPEDIA-Artikel Buddhistische Kunst unter der Überschrift Ikonische Periode (1.Jh. bis heute) Gandhara und Mathura als Belegbeispiel für die Mathura-Kunst. Das hervorragende Kunstwerk wird in der Dauerausstellung im Pariser Musée Guimet gezeigt. Als Bestätigung für intensive Forschungsarbeit und ausreichende Besucherinformation wurden den zwei folgenden Kunstwerken die entsprechenden zweisprachigen Schrifttafeln gegenübergestellt. Überzeugend natürliche Darstellungen menschlicher Körper zeichnen die verschiedenen Epochen der Mathura-Periode aus. Das Verhältnis zur ungezwungenen Körperlichkeit verleiht allen Statuen Lebendigkeit, gleich ob Mann, ob Frau, gleich ob Gott, Halbgott, Buddha oder Prinz, die beim Betrachter Wohlwollen und Gefallen hervorrufen und den Eindruck hinterlassen, hier haben lebende Menschen Modell gestanden, zweifellos, diese Figuren wurden fernab jeglicher Atelierkunst geschaffen. Nur wenige Kaiser und Könige wurden mit dem Attribut Der Große versehen und sind als verbindliche Begriffe schlagwortartig in die Geschichte eingegangen. Jeder hat wohl schon die Namen Alexander der Große oder Friedrich der Große vernommen. In Indien wird Akbar der Große verehrt. Akbar regierte von 1552 bis zu seinem Tod im Jahr 1605, für damalige Verhältnisse ein ungewöhnlich langer Zeitraum. Neben dem Kaiser Ashoka wird Akbar als zweiter bedeutender Herrscher Indiens, der ein genialer Stratege war und den Religionen tolerant gegenüber stand, verehrt. Anschauliche Beispiele für sein Wirken sind heute zu Zielen avanciert, welche Touristen aus aller Herren Länder besuchen: aufgesucht werden die Stadt Fatehpur Sikri, das Fort in Agra und nicht zuletzt Akbarˈs Grabmal in Sikandra (oft auch Sikandara geschrieben). Betreffs dieser herrlichen Grabanlage Worte zu suchen, ist überflüssig, Besucher werden sich auch ohne Erklärungen an der harmonischen Architektur erfreuen und die weitläufige Gartenanlage, ein Char-Bagh, genießen. Leider lagen im November 2024 die Kanäle und Brunnen trocken, das lässt sich entweder auf Wasserknappheit oder auf mangelnde Pflege der Pumpanlagen zurückführen. Wasser sparen zu wollen, hätte mit Vernunft zu tun, technische Anlagen verkommen zu lassen, wäre eine peinliche Unterlassungssünde. Das unvollendete (oder zerstörte?) Lodi-Grab in der Nähe vom Kanch Mahal ist das interessantere der beiden Bauwerke, die nahe der Grabanlage Akbars zu finden sind. Das durchaus ansehnliche Kanch Mahal diente verschiedenen Zwecken, unter anderem als Sommerresidenz und als Jagdschloss. Die stattliche Lodi-Grabanlage wurde auf einem quadratischen Sockel errichtet. Die oktogonale Bauform bezieht sich auf bewährte Architekturmuster der aus Afghanistan nach Nord-Indien eingewanderten Lodi, welche von 1451 – 1489 die Regierung vom Sultanat Delhi übernahmen. Um einen zentralen Raum reihen sich peripher kleinere Grabkammern. Das Panoramafoto der Innenräume offenbart die Verbindungen der Räume miteinander, woraus die lichte Architektur resultiert. Wer dort seine letzte Ruhe fand, bleibt bis heute Vermutung bzw. Rätsel. Die Forschung stuft den Bau des Grabmals in die Jahre 1517 – 1526 ein. R C Cemetery? Die Abkürzung R C meint schlichtweg Roman Catholic Cemetery. Dieser in Nordindien älteste christliche Friedhof wurde 1550 angelegt, um armenische Christen zu beerdigen, die sich während Akbars Herrschaft in der Stadt angesiedelt hatten. Das schönste und auffälligste Mausoleum auf diesem Friedhof ist das Grab für den 1803 gestorbenen Offizier John William Hessing, welches seine Witwe zum Gedenken an ihren Mann erbauen ließ. Dieser ansehnliche Bau im Mogul-Stil wird als "The Red Taj" bezeichnet. Weitere kleinere Gräber im Mogul-Stil machen den überschaubaren Totenacker zum Ort der Ruhe und Beschaulichkeit. Wer dem quirligen Treiben und dem Lärm in Sikandra und sei es nur kurzfristig entgehen möchte, der hat mit dem Römisch-Katholischen Friedhof den richtigen Platz gewählt. Fünfter Reisetag (Vormittag): Agra Taj Mahal Agra Fort Das Taj Mahal gesehen und betreten zu haben, gehört zu den außergewöhnlichen Glücksmomenten eines jeden Nordindien-Reisenden. Vielen Menschen gilt es als das schönste Grabmal der Welt. Wer an Indien denkt, dem fällt unwillkürlich das Taj Mahal ein. Ohne dieses Bauwerk wäre Indien undenkbar, eine solche Vorstellung entspräche etwa den unvorstellbaren Visionen, Deutschland ohne Brandenburger Tor oder Bayern ohne Schloss Neuschwanstein. Viele Menschen waren am frühen Morgen des 18.11.2024 noch in der Dunkelheit zuversichtlich aufgebrochen, um sich den Traum zu erfüllen, endlich das TAJ MAHAL sehen zu können. Auf vorgeschriebenen Wegen, zwecks besserer Kanalisation der Menschenmassen, strömten scharenweise Touristen dem großartigen Bauwerk entgegen. Vordergründig tobt rechts und links der Straße gnadenlos und überaus lästig der schonungslose Kommerz. Ein Paar Plastiküberschuhe und eine Flasche Wasser sind im überteuerten Ticket inkludiert. Die Eingangskontrollen wurden routiniert streng durchgeführt, arteten dennoch in Chaos aus. Die Begleiterscheinungen, die der Visite vorausgehen, empfinden sicher die meisten Touristen als äußerst unangenehm. Nachdem endlich der südliche Torbau durchschritten ist und die von ungezählten Fotos bekannte Ansicht ins Auge fallen muss, nahmen die erwartungsvollen Menschen nur eine schemenhafte Vision ihres Traumes wahr. Der im November 2024 über Delhi und Agra lagernde extreme Smog wird vielen Menschen die Visite und das Erlebnis Taj Mahal nachhaltig getrübt, wenn nicht vergällt haben. Erst die unmittelbare Annäherung und die Umrundung ermöglichte detaillierte Ansichten der Baustrukturen. Bleibt noch zu erwähnen, dass im Innenbereich das Fotografieren strikt verboten ist. Gedränge herrscht sicher zu allen Tageszeiten. Die meisten Menschen sind kaum länger als zehn Minuten im Innern der Grabanlage unterwegs, weil sie regelrecht im Kreis um das herrlich umzäunte Grab geschoben werden. Man muss schon auf das eigene Besichtigungstempo beharren, um tatsächlich die wundervollen Intarsien und Steinschneidearbeiten bewundern und im Hirn abspeichern zu können. Obwohl es schon auf Mittag zuging, war auch das Rote Fort von Agra ähnlich dem Taj Mahal von Smogschleiern umhüllt. Die schädlichen Wolken gaben der Sonne keine Chance. Agra im Smog, daran schien sich nichts ändern. Der warme rotbraune Farbton der Mauern leuchtete nur blass. Nicht die geringste Spur vom zu dieser Jahreszeit üblichen Himmelsblau zeigte sich über dem Roten Fort. Den Nahansichten konnte der Smog jedoch nichts anhaben, im Detail offenbarte sich uneingeschränkt die Herrlichkeit der Bauten. Keiner glaube im Roten Fort zu Agra sei nur roter Sandstein als Baustoff verwendet worden, auch edler Marmor mit eingelegten Edelsteinen kam zum Einsatz und davon nicht wenig. Was im Taj Mahal mehr oder weniger im Drängen und Schieben wahrzunehmen ist, kann an den Prachtbauten im Agra Fort ohne Hast und im Detail begutachtet werden, weil sich im Fort der Massenauflauf in Grenzen hält und sich die Menschen auf Grund der verschiedenen Bauten verlaufen. Erst die Nahansichten offenbaren die kunstfertige Verarbeitung und äußerst feine Behandlung der steinernen Materialien. Gleich ob Sandstein oder Marmor geschnitten wurde, begnadete Handwerker haben herausragende Zeugnisse ihrer Fähigkeiten hinterlassen, die wir heute als Kunstwerke bewundern. Fortsetzung Fünfter Reisetag (Nachmittag) Agra
im Teil 3 der Reisebeschreibung RUNDREISE RAJASTHAN Foto und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones Organisierte Reisen durch Nordindien streifen im Regelfall die weltbekannten Sehenswürdigkeiten in Delhi, Agra und Jaipur, um nur die markantesten Orte einer solchen Rundreise zu nennen. Gut vermarkten lassen sich die von der UNESCO zum Weltkulturerbe deklarierten Stätten, zu denken ist an das Rote Fort und die Freitagsmoschee in Delhi, an das berühmte Grabmal Taj Mahal in Agra oder an den Palast der Winde in Jaipur. Von den Hinterlassenschaften der Mogul-Dynastien und der Maharadschas profitieren nicht nur der Staat Indien und die jeweiligen Orte und Regionen, auch renommierte Reiseveranstalter der westlichen Welt ziehen aus den klangvollen Namen ihre merkantilen Vorteile. Das selbst erstellte Reiseprogramm durch Rajasthan und die von INDO VACATIONS organisierte Realisation des geplanten Reiseverlaufs ließ keinen unserer Wünsche unberücksichtigt. Wir bewegten uns über weite Strecken fernab touristischer Betriebsamkeit. Selbstredend hatten wir die Traumziele, welche jeder Reisende in Nordindien meint sehen zu müssen, nicht ausgeklammert. Die bekannten Ziele werden in diesem Bericht nur erwähnt, kaum näher beschrieben und mit wenigen Fotos vorgestellt. Alle Reisehandbücher preisen diese Sehnsuchtsziele umfassend an. Erster Reisetag DELHI: Jama Masjid (Freitagsmoschee) Lal Qila (Rotes Fort) Raj Gath (Gandhi-Grabstätte) National Museum Abgesehen vom National Museum sind die genannten Ziele des ersten Tages allesamt als Pflichtprogrammpunkte organisierter Delhi-Sightseeing-Touren festgeschrieben. Gleich zu welcher Tageszeit die Jama Masjid, das Lal Qila und das Gandhi Grab aufgesucht werden, ist dort mit massenhaften Menschenaufläufen zu rechnen, an diesem Zustand vermochte auch der Smog, der Mitte November 2024 permanent über dem Großraum Delhi lagerte, nichts zu ändern. Gesundheitsschädliche Luftverschmutzungen werden die Menschen in Indien und der restlichen Welt fortan aushalten und damit leben müssen, was Touristen nicht abhalten wird, ihre Ziele anzustreben. Wir haben die Prachtbauten der Hauptstadt und von Agra nur im weichzeichnenden Nebeldunst bewundern können. Glücklich wer vormals Delhi und Agra bei klarer Luft erleben durfte. Wäre die Luft nicht derart schlecht gewesen, dass sie Hustenreiz und Atembeschwerden hervorrief, hätte man die Permanentverschleierung der Stadt als besonderes Naturphänomen bewerten und nach speziellen Reizwerten hinterfragen können. Der digitalen Dokumentation unserer Reise hat der Smog nur geschadet, noch nie entstanden auf einer Reise Fotos geringerer Aussagekraft. Wenig beachtet liegt der durchaus sehenswerte aus hellem Sandstein erbaute Stufenbrunnen (Baoli=Stepwell) im nordwestlichen Gelände vom Roten Fort. Architektur, Geometrie und harmonisches Erscheinungsbild solcher unter dem normalen Bodenniveau errichteter Zweckbauten überzeugen bis heute die Betrachter. Die Wasserversorgung der Menschen im Fort war überlebenswichtig. Große Herrscher haben zuallererst für die Bereitstellung von Wasser sorgen müssen, was von jeher für alle menschlichen Ansiedlungen die Grundvoraussetzung war. Gedränge herrscht an und in der Grabstätte des bis heute verehrten Gandhi. Zahlreiche Schülergruppen nähern sich lärmend dem Grab. Alte Menschen nähern sich vom Stock gestützt schleppend dem Vater der Nation, sie nennen ihn liebevoll Vater ("Bapu"). Jeder möchte einmal im Leben dem großen Mahatma (der "großen Seele") nahe gewesen sein. Für Touristen zählt die Referenz vor dem großen Mann zum Pflichtprogramm. Frühzeitig schon war Gandhi auch in Europa als Führer des indischen Volkes zur Berühmtheit avanciert. Der bedeutende französische Schriftsteller und Humanist Romain Rolland veröffentlichte 1924 ein Buch, worin er die Verdienste Gandhis hervorhob und gleichzeitig seine Seelenverwandtschaft mit dem Mahatma betonte. Das 1949 eröffnete National Museum in Delhi hat seit 1960 seinen endgültigen/jetzigen Standort im Ortsteil Janpath, es ist das größte Museum Indiens. In 29 Ausstellungsräumen verteilt auf 3 Etagen wird das kulturelle Erbe Indiens präsentiert, hinzukommen Objekte, die in Nebengebäuden und im Außenbereich gezeigt werden. Einen Tag in diesem Museum zu verbringen, genügt nicht, um alle Sammlungen eingehend zu betrachten. Wir hatten das Glück, zusätzlich zur Dauerausstellung eine Sonderausstellung zum Thema Buddha sehen zu können. Die gepflegte Webseite des Museum erleichtert den Besuchern die Vorauswahl, falls der Zeitrahmen Beschränkungen erfordert. Eine für den Artikel aussagekräftige Bildauswahl zu treffen, welche den Schauwert der Sammlungen repräsentiert, ist schier unmöglich, es müssten so ziemlich alle Kunstwerke in den Fokus gerückt werden. In den einzelnen Sälen werden gut sortiert nach Epochen die jeweiligen Objekte vorgestellt. National Museum Delhi Manjushri aus Nalanda, Bihar (8. Jahrhundert) Votiv-Stupa mit vieramiger Chunda aus Udayagiri (8. Jahrhundert) Buddha-Kopf aus Sarnath, Gupta Ära (5. Jahrhundert) Bodhisattva Maitreya, Kushan/Gandhara (2. Jahrhundert) Der außergewöhnliche Lintel mit den Navagrahas, den neun (Nava) und Planeten (Graha) ist selbst in der umfangreichen Sammlung des National Museums als Unikat zu bewerten. Dargestellt von links nach rechts finden sich im unteren Bildband neun personifizierte Himmelsgestalten: die Sonne, der Mond, der Mars, der Merkur, der Jupiter, die Venus, der Saturn, Rahu und Ketu (aufsteigender und absteigender Mondknoten), was der tradierten hinduistischen Astrologie (Jyotisha) entspricht. Fundstücke aus Mohenjo-Daro belegen die frühe Harappa-Epoche (die Indus-Kultur). Exponate aus der Ashoka-Ära (Kelchkapitell mit Löwe) bis hin zu moderner Bildhauerei decken alle Bereiche der künstlerischen Entwicklung Indiens ab. Die Vielfalt der Sammlungen ist kaum fassbar. An präsenter Stelle im Außenbereich steht die Statue Rhythm vom bedeutenden indischen Bildhauer Devi Prasad Roy Chundhery, der von 1899 bis 1975 lebte. Seine Gandhi-Büste wird im Government Museum Chennai gezeigt. Berühmt machten ihn seine großformatigen Skulpturen Triumph Of Labour in Chennai und das Martyrs‘ Memorial in Patna. Zweiter Reisetag DELHI: Agrasen ki Baoli Lodi Gardens Bade Khan Tomb & Chotte Khan Tomb Safdarjung Tomb Old Fort Delhi Humayun Tomb Masjid Khairum Manazil Gern hätten wir auf dieser Reise jeden Tag einen Stufenbrunnen besichtigt, was uns gefallen hätte. Es muss in Delhi eine Vielzahl solcher Becken gegeben haben. Der mitten in Delhi von Wohnhäusern eingerahmte 60m lange und 15m breite Brunnen Agrasen ki Baoli zählt zu den mustergültigen Beispielen klassischer Wasserbauten in Nordindien. Die Ausmaße solcher Nutzbauten variieren. Oft rufen die kühnen architektonischen Mauerstrukturen Staunen hervor. Die Funktionalität dieser originären Nutzbauten ist denkbar einfach: während der Regenzeit wird das Wasser aufgefangen und gespeichert. Weitere Informationen → https://de.wikipedia.org/wiki/Stufenbrunnen Im Lodi Garden, einer bei jungen Leuten beliebten Parkanlage, befinden sich mehrere Grabanlagen und Moscheen. Spricht man von der Lodi-Dynastie, ist an die paschtunischen Herrscher aus Afghanistan zu denken, die in den Jahren von 1421–1525 ihren Machtanspruch über weite Gebiete des indischen Subkontinents ausübten. Zahlreiche Bauwerke aus diesen Jahren haben sich erhalten, so sind es nicht zuletzt die Grabmale, welche bis heute bewundert und wertgeschätzt werden. Kaum verwunderlich, dass wir heute ohne Schwierigkeiten ein halbes Dutzend Gräber besichtigt haben, von denen jedes eine gesonderte Beschreibung verdient hätte. Pracht und Größe der Lodi- Grabmale sind nur noch von den später erbauten Mogul-Grabmalen übertroffen worden. Oft blieben weite von Mauern umrahmte Flächen nur einer Grabanlage vorbehalten. Die Vorstellung westlicher Friedhöfe, Grab neben Grab zu reihen, ist zu vergessen. Jeder Lodi-Herrscher wollte nach seinen Tod in Erinnerung bleiben, gebaut wurde wohl nach dem Motto je größer, je auffälliger das Grab, desto länger wird man meiner gedenken. Hier könnte eine Abhandlung über Sepulkral-Architektur indischer Mogul-Dynastien folgen, belassen wir es bei mehreren Fotos. Mit den nächsten Zielwünschen haben wir unseren Fahrer etwas in Staunen versetzt, obwohl in Delhi wohnhaft, kannte er die zwei benachbarten Gräber Bade Khan & Chotte Khan nicht, und wir mussten einsehen, ihm eine schwer lösbare Aufgabe gestellt zu haben. Konnten wir ahnen, dass in der Großstadt Delhi die modernen Wohnhäuser derart dicht an historischen Bauten heranrücken, dass nur noch sehr schmale Straßen verbleiben, die auch noch rettungslos unsystematisch zugeparkt sind? Geduldig meisterte Kamal diese Bewährungsprobe. Gegen ein geringes Entgelt verschafften wir uns Zutritt in die Gräber. Dem Mann, dem Schlüssel und Aufsicht anvertraut waren, besserten wir seinen wahrscheinlich geringen Tageslohn auf und wir sahen ungestört zwei selten besuchte Tombs von innen. Rein optisch war der Zeitsprung nicht zu übersehen, mehr als 200 Jahre schieben sich zwischen den Bau der Lodi-Gräber und dem Safdarjung Grab, welches als letztes aufwendig gestaltetes Grabmal der Mogul-Dynastie bewertet wird. Im Purana Qila, dem ältesten Fort in Delhi, angeblich 1538 von Humayun erbaut, sind nur wenige Bauten erhalten geblieben. Sehenswert ist die Moschee, der Sher Mandal, das Hamam, die Tore und nicht zuletzt ein kleiner Stufenbrunnen. Sher Mandal, ein zweigeschossiger oktogonaler Turmbau, ist insofern von Belang, weil Kaiser Humayun diesen angeblich als Bibliothek benutzte. Mehrere Hofleute bestätigten in schriftlichen Zeugnissen, dass Humayun im Januar 1556 die Treppe hinabstürzte, mit der Schläfe aufschlug und wenige Tage später seinen Verletzungen erlag. Der ansehnlich mit bunter Keramik dekorierte oktogonale Grabpavillon des Isa Khan Niyazi Tomb, gebaut für einen afghanischen Adligen, nimmt insofern eine Sonderstellung ein, weil nur wenige Gräber in dieser Bauform nachweisbar sind. Vielleicht hatte der Baumeister für seinen Entwurf das rund 100 Jahr zuvor erbaute Mohammed Shah Grab im Lodi Garden vor Augen, die Ähnlichkeit der Architektur ist unverkennbar. Der Zulauf der Menschen zum Humayuns Tomb zeichnet dieses Mausoleum als Publikumsmagnet aus. Die Visite der zweigeschossigen Grablege müssen viele Menschen miteinander teilen. Diesen Prunkbau gab Humayuns Frau Bega Begum in Auftrag. Der zweigeschossige oktogonale Zentralraum beherbergt ausschließlich den Kenotaph Humayuns. Außer Humayun wurden in diesem Mausoleum 150 Familienmitglieder in Seitenkapellen begraben. Das Grab ist das erste im persischen Stil erbaute Gartengrab in Indien, gesprochen wird von einem Char-Bagh. Die konsequent verwirklichte Symmetrie der Gartenanlage und die Mischung aus rotem und weißem Stein am Bauwerk verleihen dem Ensemble das unverwechselbare Aussehen. Dieses Grabmal gilt als architektonischer Vorgriff auf das Akbar Mausoleum und auf das Taj Mahal. Die obere Plattform ermöglicht Ausblicke auf das weitläufige Gelände, auf dem weitere Grabstellen erbaut wurden, die alle auf guten Wegen zu erreichen sind, doch an Schauwert hinter dem eleganten Humayun Tomb weit zurückbleiben. Dritter Reisetag DELHI: Qutb Minar Komplex Mehrauli (Archäologischer Park) Adham Khans Tomb (Bhool Bhulaiya) Mehrauli Zafar Mahal (im Dorf Mehrauli) Hauz Khas Komplex Im Qutb Minar Komplex konzentrieren sich die Blicke der staunenden Touristen auf einen Turm und eine Säule. Schnell übergangen werden die anderen Prachtbauten auf diesem erschlossenen Areal. Die rund 7m hohe nichtrostende Eisensäule aus dem 4. Jahrhundert stammt wahrscheinlich von den Guptas, seit wenigstens 800 Jahren steht die Säule auf dem Innenhof der Qutb-Moschee. Der Minar misst 72,30m in der Höhe und besticht durch Form und Erscheinungsbild. Für die Säulengänge der Moschee wurden 1192/1193 etliche Jain- und Hindu Tempel zerstört, eine Inschrift behauptet, es wären 27 Tempel gewesen. Billiger konnte man nicht an prächtiges Baumaterial gelangen, besonders die Säulen und Deckplatten eigneten sich zum zügigen Aufbau der überdachten Hofeinfassung. Den wieder verwendeten Säulen und den Spolien müsste ein gesondertes Kapitel gewidmet werden. Zur intensiven übrigens lohnenswerten Betrachtung der Reliefs müssten Interessenten viel Zeit aufwenden. An den Säulen wurden alle Menschengesichter und Tierbilder unkenntlich gemacht, die Radikalität der Bilderstürmerei erschüttert verständige Besucher noch heute. Im Archäologischen Park Mehrauli müssen, um wenigstens die zugänglichen (erschlossenen) Bauten gesehen zu haben, längere Wege als im Qutb Minar Komplex gegangen werden, dafür aber wird der Spaziergänger mit wohltuender Ruhe entschädigt. Im Park sind nur wenige Menschen unterwegs. Hier kann der vom Qutb Minar Komplex gestresste Tourist Atem schöpfen und gleichfalls zum Entdecker werden. Oft genügen wenige Schritte ins Abseits, um Ruinen und Mauern zu begutachten. Das groß angelegte Rajon Ki Baoli befand sich im November 2024 im Zustand einer Baustelle und durfte nicht betreten werden. Mit denkbar einfachsten Mitteln und Werkzeugen wird restauriert. Es bleibt zu hoffen, dass der (noch) ansehnliche Sandsteinbrunnen nicht völlig ocker verputzt wird, womit ihm das charakteristische Aussehen genommen wäre. Im Ort Mehrauli, unmittelbar an und über der Durchgangsstraße steht das missachtete und vielfach zweckentfremdet verwendete Grabmal des in Ungnade gefallenen Generals Adham Khan. Wer das Abenteuer sucht, muss sich zum und ins Zafar Mahal begeben. Die Zufahrt ist nur mit TukTuk möglich, besser noch zu Fuß. Mit etwas Glück ist die mit Stacheldraht umzäunte Baustelle geöffnet. Den einzigen Zugang bildet eine Einstiegsluke in der massiven hölzernen Tür vom Torbau. Nachdem die ebenerdigen Ruinen und die bemerkenswerte Moti-Moschee aus purem Marmor besichtigt sind, beginnt der Aufstieg in die oberen Geschosse des nur fragmentarisch erhaltenen weitläufigen Palastes. Wagemut, Selbstvertrauen und Schwindelfreiheit sind gefragt. Absperrungen und Sicherungen gegen Absturz sind nicht vorhanden. Das Staunen nimmt kein Ende. Hier gibt es viel zu sehen, was in keinem Reiseführer vermerkt ist. Zafar Mahal ist der letzte große Sommerpalast, der im 18. Jahrhundert während der Mogul-Ära erbaut wurde. Der Stadtteil Mehrauli verfügt wohl nicht über ausreichende Mittel, diesen Palast in eine touristisch vermarktbare ansehnliche Baustruktur zu verwandeln. Immerhin zählt das Objekt zu den von der ASI registrierten und geschützten Bauwerken. Kein Ortsteil in Delhi wirkt sauberer als Hauz Khas Village, zumindest gewinnt der kurzfristig anwesende Tourist diesen überraschenden Eindruck. Sauber gehalten und sehr ordentlich aufgeräumt werden nicht nur die historischen Hinterlassenschaften, auch die umliegenden Straßen und Wege. Hier weht ein Hauch von Schickeria, als wöllte man sich vom restlichen Teil der Hauptstadt abheben, was sich auch im Preisniveau spiegelt. Der Masala Chai kostet hier ein vielfaches des in der Stadt üblichen Preises. Wichtig allein sind die erhaltenen Bauten aus dem 13/14. Jahrhundert, die Überreste der historischen Stadt Siri, die wiederum zum Sultanat Delhi gehörte. Der übersichtliche Komplex erschließt sich mit wenigen Schritten. Bedeutend ist das Grabmal des Firuz Shah Tughlaq, dieser Herrscher lebte von 1351-1388, seiner Vernunft und Weitsicht werden 50 Staudämme, 40 Moscheen, 30 Hochschulen, 100 Karawansereien, gleich viele Krankenhäuser und Bäder, außerdem 150 Brücken zugeschrieben. Er wusste, was den Aufschwung einer Stadt und einer Region fördert. Im nachhinein bedauerten wir, für Delhi nur drei Tage veranschlagt zu haben, ein weiterer Tag in der weitläufigen Stadt hätte einige Programmerweiterungen ermöglicht.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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