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Nur einen Kilometer südlich vom Swayambunath Stupa stehen die Gebäude vom National Museum. Drei Museumsbauten bergen gut sortiert verschiedene Sammlungen. Es versteht sich von selbst, dass vorrangig Kunstwerke aus dem alten Nepal präsent sind. Dem ehemaligen Premierminister Juddha Shumsher verdankt das heutige Nepal sein National Museum. Er sorgte für die Erweiterung des Museums, der Bau vom Nord- und Südflügel wurde von ihm veranlasst. Seit 1943 ist das Museum offiziell für Publikum zugänglich. Shumsherꞌs Porträtbüste wurde im Erdgeschoss in einem düsteren Durchgangsraum aufgestellt. Auf Grund seiner Verdienste hätte der Porträtbüste ein würdigerer Platz zugestanden, so beispielsweise im Eingangsbereich. Wenigsten gibt ein zweisprachiges Hinweisschild Auskunft, auf welchen feinen Herrn in Generalsuniform die Besucher flüchtig blicken. Wäre die Büste nicht so ungewöhnlich auffällig, würde kein Mensch auch nur einen Blick auf das nicht näher bezeichnete Porträt werfen. Übrigens historische Fotos belegen, dass Shumsher bei offiziellen Empfängen tatsächlich diese pompöse Uniform trug. Das Museum zeigt Kunstwerke aus Stein, Metall und Holz. Für die jeweiligen Präsentationen sind die Fundorte, die Jahre der Entstehung und die thematischen Bezüge ausschlaggebend. Außer der Kunstgalerie existieren die Buddhistische Kunstgalerie und das Historische Museum. Die längste Zeit wird der kunstinteressierte Besucher in den zwei erstgenannten Häusern benötigen. Geprägt von persönlichen Vorlieben ist die hier gezeigte Auswahl der Kunstwerke. Ein Höhepunkt der Sammlung hinduistischer Kunstwerke stellen die aus dem 6.-7. Jahrhundert stammenden in Naghal Tol (Kathmandu) geborgenen Reliefs dar. Der Fundort befindet sich nur einen Kilometer nördlich vom Durbar Square, dort steht im Stadtteil Naghal auf einem Platz der Stupa Kashi Swayambhu (erbaut um 1650), ein Standort als Referenz an den historischen Platz und gleichzeitig die etwas verkleinerte Replik der großen Swayambunath Stupa. Wo genau Naghal Tol auszumachen wäre, könnten Archäologen bestimmen, Laien würden ziellos durch einen typischen Stadtteil von Kathmandu streifen. Fünf Reliefs (Bild 1 – 5) geben Episoden einer Geschichte wieder. Der berühmte indische Dichter Kalidasa lebte im 4. – 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Sein in Sanskrit verfasstes Epos in Gedichtform Kumarsambhava (Die Geburt von Kumara) beinhaltet vorwiegend das Werben Shivas um Parvati und die Geburt des Sohnes Kumara (Skanda). Sind auch die Reliefs teilweise arg beschädigt, fallen doch wunderbare Partien auf, die nicht nur die überragende Kunst des unbekannten Bildhauers dokumentieren, sondern auch das Aussehen damaliger Menschen vermitteln, ihre Haartrachten, ihre Kleiderordnung, ihre Gebärden und nicht zuletzt ihr Lebensumfeld in der Natur, zu sehen sind Bäume und Tiere. Geradezu revolutionär sind die zeitlos wirkenden, schroffen felsigen Hintergrundlandschaften, vor denen die vermenschlichten Götter agieren. Kein Mensch ist je Shiva und Parvati begegnet, Bildhauer mussten sich folglich an lebenden Menschen für ihre Bildnisse orientieren. Sind auch etliche der Gesichter ausgelöscht, die erhaltenen Gesichter sind von berückender Schönheit, nicht minder die anmutige Eleganz der Körper. Der Pfau (Bild 4) ist als Hinweis auf Kumara zu sehen, Kumara=Skanda der Kriegsgott nutzte als Reittier einen Pfau. Erlaubt sei die Annahme, dass dieser Zyklus aus mehr als nur fünf Tafeln bestand . . . andererseits ist es ein Glücksfall, dass die Reliefs gerettet wurden und im Museum gezeigt werden. In keinem anderen Museum von Kathmandu, Bhaktapur und Lalitpur haben wir weitere Reliefs dieses Bildhauers gefunden. Hinweis: Die hier verwendeten englischsprachigen Bildtitel entsprechen den originalen Bildbeschriftungen des Museums. Der Verzicht auf den verbindenden Artikel and zwischen Shiva und Parvati soll vermutlich die Untrennbarkeit des Götterpaares symbolisieren: Shiva Parvati sind nur als Einheit vorstellbar. Kumbha (ein Sanskritbegriff) bedeutet Krug und/oder Topf. Den in Hadigaon (Kathmandu) gefundenen Heiligen Krug (Holy Pitcher) haben Archäologen ins 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert. Vier weibliche Gesichter waren in den oberen Teil des Kruges geschnitten, sie gelten als Abbilder der Göttin des Wohlstands (Lakshmi). Tatsächlich ist nur das vordere Gesicht ansehnlich erhalten, auch sind Ansätze von Armen sichtbar, vierseitig wäre die Körperlichkeit (Brust, Schulterbereich und Arme) auf Grund der Größe der vorderen Figur nicht realisierbar. Wichtiger scheint die Erwähnung, wenn der Kumbha als Heiliger Krug verwendet wurde, muss das Gefäß zweigeteilt sein, heißt also, das obere Kopfteil diente als Deckel, der untere Teil (Krug) war das Aufnahmegefäß für Flüssigkeiten (Wasser, Milch, Öle). Wie sonst hätte der Krug befüllt werden können? Die Kumbha aus einem Stück gehauen, wäre erstens ein nutzloses schweres Requisit (bestenfalls ein Schmuckstück) und zweitens kein Ritualgefäß, folglich überflüssig. Wer genau hinschaut, kann die Trennung zwischen Kumbha und Deckel erkennen. Ein solch seltenes Objekt müsste zum besseren Verständnis zweigeteilt zur Ansicht präsentiert werden, – den Einwand beiseite: der Kumbha ist außergewöhnlich und verdient besondere Aufmerksamkeit. In welchem Museum wird noch ein Ritualgefäß aus dem 2. Jahrhundert ausgestellt? Die 162cm hohe Statue zeigt den König Jayavarma in Lebensgröße. Das würdige Standbild eines Herrschers wurde im zweiten nachchristlichen Jahrhundert geschaffen, es wird der Pre-Licchavi-Periode zugeordnet. Die Licchavi-Dynastien regierten ungefähr von 450-750 nach Chr. Sie sorgten für den wirtschaftlichen Auftrieb im Kathmandu-Tal. Die drei folgenden Götterbilder sind wegen ihrer ungewöhnlichen Art der Darstellung selten, zusätzlich in Bezug auf ihr Alter wertvoll. Die Hariti Statue aus dem 1. Jh. ist eines der ältesten steinernen Objekte, die jemals in Nepal geborgen wurden. Die Matrika Hariti sitzt sehr entspannt in europäischer Positur, leicht vorgeneigt die Hände auf den Knien abgelegt. Wäre nicht der Nimbus hinter ihrem Kopf, käme kaum eine Göttin (Urmutter=Matrika) in Betracht. Ardanarishvara Statuen, die Verbindung von männlichen und weiblichen körperspezifischen Merkmalen, sind in Indien öfters zu sehen, doch in Nepal bilden diese Mischfiguren eher die Ausnahme. Ardanarishvara meint der Mann, der halb Frau ist. Dargestellt ist immer die Vereinigung von Shiva und Parvati in einer Person. In keinem mir bekannten Ardanarishvara-Bild findet sich die Shiva-Körperseite derart dezidiert männlich hervorgehoben, wie an der Statue aus dem Zeitraum 2. – 4. Jahrhundert. Mit erigiertem Glied zeigt sich Shiva ansonsten nur in seiner Erscheinung als Lakulisha (Wanderasket). Der Fundort dieses seltenen Objekts ist nicht bekannt. Durga-Reliefs existieren in zahlreichen Varianten, meist als furchterregende schwer bewaffnete Göttin, hier sitzt Durga mit gekreuzten Beinen auf dem Lotos-Thron, neben ihr zwei weibliche Figuren mit Yakschwanz-Wedel, unter ihr ist Ganesha zu sehen. Der Elefantengott ist im Regelfall nur im Familienkontext bzw. separat zu sehen, der Bildhauer meinte wohl die Verwandtschaft von Durga und Uma=Parvati zeigen zu müssen. Die Symbole neben Ganesha vermag der Laie nicht eindeutig erklären: es könnten Musikinstrumente sein, stark vereinfacht links eine Trommel oder eine Rassel und rechts ein Muschelhorn. Ganesha ist auch als Musiker und Tänzer bekannt. Eventuell meinen die Zeichen nur glückverheißende Symbole: das Muschelhorn und die Kalasha (auch Purnagatha). Auch bei diesem Werk fehlt die Angabe vom Fundort. Mit zwei Bildbeispielen soll das Thema Uma-Maheshvara vorgestellt werden. Das Paar Siva und Parvati ist tausendfach in Stein gehauen worden. Auf Reliefs aus allen Jahrhunderten findet sich immer und immer wieder das reizvolle Motiv in Szene gesetzt. Das Götterpaar sitzt sehr vertraut aneinander geschmiegt, die Archäologen nennen diese Pose lalitasana posture (königliche Haltung): ein Bein ist angewinkelt, das andere ruht entspannt auf dem Boden oder auf einem Podest. Sie befinden sich in ihrer himmlischen Wohnung auf dem Kailash, dargestellt durch felsige Blöcke (unterer Bildbereich). Dem Paar zur Seite sitzt der Sohn, hier: Kumar=der Jugendliche, später bekannt als Skanda, hinter ihnen Nandi, der Buckelstier, Shivas Reittier. Der andere Sohn Ganesha ist nicht anwesend. Während Shiva vierarmig, wird Parvati=Uma nur zweiarmig dargestellt. Shiva war zusätzlich durch einen großen ovalen Nimbus hervorgehoben (nur teilweise vorhanden). Die fragmentarisch erhaltene sehr elegante weibliche Randfigur lässt sich nicht identifizieren. Geborgen wurde das über tausend Jahre alte Werk in Sankhu am Nord-Ost-Ende vom Kathmandu-Tal. Das zweite Relief Uma-Mahesvara aus der späten Licchavi-Periode wurde im Kathmandu-Tal geborgen. Ebenfalls in ihrer Wohnung auf dem Kailash gibt sich das göttliche Paar die Ehre, anwesend sind ihre Söhne Skanda (Bildmitte links) und Ganesha (Bildmitte unten) und fehlen darf auch Nandi nicht (links hinter Shiva). Parvati (rechts) und Shiva (links) erscheinen nochmals als Halbfiguren, sozusagen außerhalb der Wohnung auf dem Berg Kailash, der durch zackige Markierungen sich über das gesamte Relief ausbreitet. Der untere felsige Bildrand mutet wie eine Anleihe aus dem anderen, wahrscheinlich älteren Uma-Maheshvara-Relief aus Naghal Tol (Kathmandu) an. Die Terrakotta-Produktion in Nepal lässt sich bis ins dritte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung belegen. Ein markantes Beispiel der Terrakotta-Anwendung steht in Kathmandu: die Rede ist vom Mahabodhi Tempel in Patan. Auch an vielen anderen Tempeln in den drei Königsstädten Patan, Bhaktapur & Kathmandu finden sich vielfach Terrakotta-Bauteile. Im National Museum wird eine sehr seltene Kollektion von neun Terrakotta-Reliefs gezeigt: zu sehen ist der Zyklus NAVADURGA aus dem 17. Jahrhundert. Es handelt sich um die neun (NAVA) Manifestationen der Göttin DURGA: Sailaputri – Brahmhacarini – Chandraghanta – Kusmanda – Skandamata – Katayayani – Kalaratri – Mahagauri – Siddhidatri (die Namen entsprechen den Museumsbeschriftungen). Nähere Einzelheiten zu den neun Durga-Manifestationen finden sich im Artikel NAVADURGA bei WIKIPEDIA Die Entwicklung der Bronzekunst in Nepal trieben vor allen die Newar voran, ein Volksstamm der vorwiegend im Kathmandu-Tal lebt, sich auf verschiedene Handwerkstechniken spezialisiert hat, eine eigene Sprache (Newari) spricht und zum kulturellen Aufschwung in Nepal entscheidende Beiträge leistete. Der Bronzeguss ist in Nepal seit dem 7. Jahrhundert bekannt, bis heute sind die vorwiegend in Patan gefertigten oftmals vergoldeten Figuren nicht nur in Nepal gefragt. Das Nationalmuseum präsentiert einige Meisterwerke dieser speziellen Kunst, die sich vorrangig der Herstellung von Statuen hinduistischer und buddhistischer Gottheiten widmet. Vier Bildbeispiele dokumentieren die aufwendige Bronzekunst der Newar, die das traditionelle Wachsausschmelzverfahren nutzen, eine Technik, die bis heute auch von europäischen Bildhauern favorisiert wird. Die Holzschnitzkunst der Nepali lässt sich nicht ignorieren. Hölzerne Bauteile sind an Tempeln, Palästen und Wohnhäusern derart präsent, dass sie nicht zu übersehen sind. Seit dem späten Mittelalter gelangte das figürliche Schnitzen in Nepal zur Perfektion. An Tempelbauten fallen vorwiegend prächtige Thoranas und mit feingliedrigen Götterbildern verzierte Dachstützen auf. Paläste und Wohnhäuser schmücken opulente Fenster. Holz ist ein empfindlicher Werkstoff, deshalb sind ältere Arbeiten selten, in situ wurden sie oft ersetzt oder ausgebessert. In den Sälen der drei Museumsbauten können sich Kunstfreunde durchaus einen ganzen Tag lang aufhalten, ohne dass Langeweile aufkommt. Die Sammlungen sind mit hochwertigen Kunstwerken bestückt. Der Museumsbesuch kann als wichtige Ergänzung zu Stadt- und Tempelbesichtigungen empfohlen werden. Erstaunlicherweise trafen wir keine Touristen in den Museumsräumen an. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Das nordöstlich vom Prambanan Tempel gelegene Museum ist der ideale Ort zum Durchatmen. Hier treffen Kunst und Natur in wunderbarer Synthese aufeinander und ergänzen sich zu berückender Harmonie. Wissenschaftlichen Anforderungen wird die Art der Präsentation der Objekte in diesem kleinen Museum keineswegs gerecht, weder Fundorte noch sonstige Angaben werden genannt, lediglich einige Götterstatuen sind mit Namensschild versehen. Die Statuen sind gewiss in den umliegenden Tempeln geborgen worden, so etwa im Candi Prambanan, im Candi Lumbung und im Candi Sewu. Wer über die Wiesenflächen und die schmalen Wege von Statue zu Statue schreitet, dem scheinen die Definitionen der Gottheiten sekundär. Das gelungene Arrangement der Gottheiten zwischen Blumenrabatten und blühenden Sträuchern macht den primären Reiz dieser Sammlung aus. Der Reigen hinduistischer und buddhistischer Götter vermittelt wortlos friedfertig, völlig unprätentiös religiöse Toleranz, nach der Menschen suchen sollten. Kunst in diesem Ambiente zu erleben, gerät zu höchstem Vergnügen, dabei erübrigen sich Fragen nach den Eigenschaften von Durga, Brahma oder Ganesha, verkörpern sie doch alle mehr oder weniger menschliche Befindlichkeiten, die es zu kultivieren gilt. Neben den javanischen Kunstschätzen hält das Museum eine weitere Attraktion bereit: ein Gamelan. Das für Indonesien und seine Musik typische Instrumentarium steht unter einem offenen Pavillon für Konzerte bereit. Unter einem weiteren hölzernen Pavillon werden Bilder zeitgenössischer indonesischer Maler präsentiert. Die wahrscheinlich temporären Bilder-Ausstellungen vervollständigen den positiven Gesamteindruck, den das Museum hinterlässt, wofür zuletzt noch ein kleines Café sorgt. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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