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Außer dem Borobudur, dem Prambanan Tempel und dem Candi Sewu existieren auf Java etliche Tempel mittlerer Größenordnung. Nichts spricht dagegen, diese Tempel zielgerichtet als lohnenswerte Einzelziele anzusteuern oder nach Belieben diese Tempelanlagen zu abwechslungsreichen Tagestouren zu kombinieren. Die Auswahl sollte im Vorfeld der Reise getroffen werden, denn nicht alle Google-Einträge die als Candi=Tempel kenntlich sind, werden in jedem Fall den vielschichtigen Vorstellungen des Publikums gerecht. In Reiseführern empfohlene Ziele erfüllen meist die Erwartungen der Touristen, hier wird wohl nach kulturhistorischen (Schau)Wert und Erreichbarkeit der Tempel klassifiziert. Ahnungslos gewählte abgelegene Ziele könnten sich als Ausgrabungsstätten oder als noch nicht restaurierte Tempelruinen entpuppen. Um Enttäuschungen zu vermeiden, sollte Klarheit über die Beschaffenheit der archäologischen Stätten bestehen. Das Archaeological Office of Yogyakarta Province hat sich bemüht, die wichtigsten Tempel auf Java entweder mit Schildern zu versehen, die zumindest den offiziellen Namen nennen oder aber sie haben erklärende Tafeln angebracht, welche außer dem Tempelnamen noch historische Fakten und architektonische Besonderheiten hervorkehren. Selbst unbekannte entlegene Tempel, so etwa der Candi Sari, der Candi Pendem und der Candi Lumbung, wurden mit Schildern bzw. Tafeln bedacht. Die lobenswerte Initiative wurde jedoch nicht durchgängig einheitlich und keinesfalls zweisprachig realisiert. Gewiss sind hier noch Verbesserungen möglich. Wahrscheinlich bestimmten die Attraktivität des Zieles und das jeweilige Touristenaufkommen den Vorsatz, nur ein Namensschild oder aber eine zusätzliche Infotafel anzubringen. Oft stehen Touristen vor Informationstafeln in indonesischer Sprache (Bild 2), seltener vor englischsprachigen Tafeln (Bild 1), folglich heißt es, seine Hausaufgaben schon im Vorfeld einer Tempelexkursion zu erledigen. Nicht zufällig befasst sich dieser Artikel mit dem Candi Kalasan und dem Candi Sari, ein Vergleich bietet sich unmittelbar an. Der buddhistische Tempel Kalasan und das Klostergebäude Candi Sari stehen im Kontext einer größeren (leider verlorenen) Klosteranlage. Die geringe Entfernung der Gebäude zueinander (nur 800m) und die Erwähnung eines Klosters auf einer in Sanskrit verfassten Kalasan-Inschrift veranlasste die Wissenschaftler zur Annahme, dass zwischen beiden Bauten ein Zusammenhang bestehen müsse, obwohl keine belastbaren Funde oder weitere Inschriften diese These untermauern. Besagte Inschrift vermeldet, dass der Kalasan-Tempel im Jahr 778 der Göttin Tara geweiht wurde, somit gilt der Candi Kalasan als ältester buddhistischer Tempel in der Region Yogyakarta. Ehe keine älteren Einweihungsinschriften anderer Tempel entdeckt werden, behält diese Aussage ihre Gültigkeit. Der erste Blick auf den Kalasan-Tempel fasziniert: ein Solitär in flacher Landschaft, Bäume und Häuser umgeben den gleichmäßig geschichteten vierseitigen Bau großräumig. Auf einem flachen Sockel, der den polygonalen Grundriss des Tempels (regelmäßiges Zwölfeck) vorgibt oder nochmals wiederholt, erhebt sich der massive Turm mit vier Vorbauten, dessen östlicher als Eingang funktioniert. Opulente Reliefs und elegant geformte Gesimse bilden den schmerzlichen Kontrast zu eingestürzten Mauern der Vorbauten und leeren Nischen der Außenwände. Es ist schwerlich vorstellbar, welche Wirkung der fertige, mit allen Statuen und vollständigen Reliefflächen versehene Tempel einst hinterließ. Die Bilder 1.3 – 1.10 versuchen Eindrücke ehemaliger dekorativer Pracht wiederzugeben. In den offenen Mauernischen standen Götterstatuen. Die nicht begehbaren Räume wirken wie kleine Tempel, weil die hohen Öffnungen der Nischen Toren nachempfunden sind. Säulen tragen geschwungene Türstürze, die Formgebung der Stürze orientiert sich eindeutig an indischer Provenienz (Bild 1.3). Erst Nahansichten einzelner Flächen der Fassaden vermitteln den inhaltlichen Bilderreichtum und die detaillierte Feinarbeit der Reliefs (Bild 1.4 – 1.6). Kala, der Herrscher über die Vergänglichkeit, dominiert die Kudu-Bögen, welche als Makaras enden. Kala zur Seite stehen göttliche Helfer. Über/hinter Kala ragt ein himmlischer Palast (Svarga, Svargaloka) empor (Bild 1.5 & 1.6). Die Paläste stehen in der himmlischen Hauptstadt Amaravati, die paradiesische Stadt erhebt sich weit über dem Berg Meru. Das Tor zur Stadt wird vom Elefant Airavata bewacht, der wiederum ist das Reittier Indras. Nicht nur die architektonischen Formen und Bauelemente sind indischen Mustern geschuldet, auch die Reliefs greifen die überlieferten Legenden der indischen Mythen auf, allen voran die der Ramayana und der Mahabharata. Übergroß, fast ins Riesenhafte gesteigert, beherrscht eine prägnante Kala-Erscheinung das Tor zum Tempel (Bild 1.9). Der Torvorbau (Mandapa) mit dem weit nach oben gezogenem Kala-Giebel gerät unwillkürlich zum Blickfang, doch auch weitere Vorzüge zeichnen den Schmuck der Mandapa aus. Zu beachten sind die göttlichen Figuren rund um Kalas Haupt, die Löwen neben Kala, die wiederum nach unten verlaufenden Blumenkanten, welche in prächtige Makaras übergehen. Der unglaublich gediegen geschwungene und herrlich geschmückte Türsturz (ebenfalls in Kudu-Form) nimmt nochmals, wenngleich nur floral Kalas Gestalt auf. Der Sturz lagert auf Yaksha-Kapitellen und oktogonalen Säulen. Unter dem Türsturz befindet sich, tief eingerückt, ein Buddha-Relief: Buddha in Meditation. Neben dem Eingang befinden sich Hochreliefs, dargestellt sind wahrscheinlich Dvarapalas (Tempelhüter), alles zu sehen auf den Bildern 1.7 – 1.10). Äußerst beeindruckende Makara-Skulpturen schmücken die Sockelzugänge (Bild 1.11 & 1.12). Im Jahr 1840 notiert ein gewisser H. N. Sieburg den Candi Sari als nicht zerstörtes Gebäude gesehen zu haben. Wer auch immer Herr Sieburg gewesen sein mag, die jüngere Überlieferung weiß nur von einem maroden Bau zu berichten, der auf Veranlassung der niederländischen Kolonialherren in den Jahren 1929/1930 restauriert wurde. Das zweigeschossige, auf hohem Sockel gelagerte Gebäude wurde in einer vermuteten architektonischen Grundform wiederhergestellt, historische Fotoplatten könnten wertvolle Anhaltspunkte geliefert haben. Die an den Außenwänden verbliebenen Reliefs geben Kunde von der Pracht einstiger Fassadendekorationen. Der Mandapa an der Ostfassade ist komplett verloren, erhalten haben sich die Reliefs auf bzw. über den Fensterstürzen und die Figurenreliefs neben den Fenstern des Bauwerks, welches aus wissenschaftlicher Sicht nicht als Tempel, sondern als Wohngebäude für Mönche genutzt wurde, was keineswegs sakralen Schmuck außen, als auch im Innenbereich ausschließt. Beeindruckend ist die Dachgestaltung, welche entweder einer Erhöhung der oberen Wohnebene geschuldet oder aber als ausgebautes Dachgeschoss konzipiert war. Die Bilder 2.4 – 2.6 zeigen einen Ausschnitt vom oberen Fassadenbereich. Auf gestaffelten Gesimsen, welche die Fassaden etagenweise gliedern, ruhen Reliefsäulen, die Figurennischen und das Fenster einrahmen. Fensterbank und Fenstersturz ragen weit heraus. Neben einem quadratischen Fenster ist jeweils eine Figur platziert: ein Vidyadhara (männlich) und eine Vidyadhari (weiblich), das sind halbgöttliche Wesen, die im Raum zwischen Himmel und Erde leben und zu Shivas Gefolgschaft gezählt werden. Hohe Figurennischen neben dem Fenster ragen vom Gesims bis zum Fenstersturz hinauf. Weibliche Gottheiten (Tribhanga) stehen zwischen Säulen, über ihnen ein Girlanden-Sturz. Tribhanga (auch Tribungha) meint eine dreifach gebogene Körperhaltung, diese Art der Menschendarstellung ist der indischen Reliefkunst entlehnt und lässt sich rund 2000 Jahre zurückverfolgen. Alle Innenräume des Candi Sari sind nur über den einzigen ostseitigen Eingang zugänglich (Bild 2.1). Im Gegensatz zu dunklen Sakralräumen (Garbhagriha) vieler Tempel, oftmals ohne Fenster, sind die Innenräume vom Candi Sari lichtdurchflutet (Bild 2.7 – 2.9). Fenster an allen vier Gebäudeseiten ermöglichen Lichteinfall und garantieren Belüftung der Räume. In den umlaufenden oberen Gesimsen sind noch die Vierkantlöcher zu sehen, in denen Deckenbalken steckten. Holz ist weniger langlebig als Stein, weshalb sich von der Deckenkonstruktion nichts erhalten hat. Die wunderbar verzierten Außenwände vom Candi Sari stehen im Kontrast zu den fast schmucklosen Wänden der Innenräume. In zwei von Makara-Kala-Bögen umrahmten Mauernischen könnten Statuen gestanden haben oder Ritualgegenstände aufbewahrt worden sein (Bild 2.10). Makara und Kala als Schutzwesen sind an bzw. in buddhistischen und hinduistischen Tempelanlagen gleichermaßen anwesend (Bild 2.11 & 2.12). Die Makara-Reliefs vom Candi Sari (Bild 2.10) gleichen den Makara-Skulpturen der Aufgänge vom Candi Kalasan (Bild 1.11 & 1.12), sie entstammen einer Spezies. Mit dicken Backen, einer menschlichen Nase und eng neben der Nase vorstehenden Augen sind Kala-Gesichter auf Java kenntlich (Bild 2.12). Zwei Kala-Typen stehen zum Vergleich: Kala am Candi Kalasan (Bild 1.9) und Kala am Candi Sari (Bild 2.10 & 2.12). Anders in Kambodscha, dort stellten die Khmer-Bildhauer Kala meist mit aufgerissenem Breitmaul dar. Der Candi Sari (um weiter den offiziellen Namen zu benutzen), ein Wohnbau für Mönche, hat im Großraum Yogyakarta kein Pendant, sowohl die buddhistischen als auch die hinduistischen Tempel auf Java heben sich architektonisch vom Candi Sari deutlich ab (Bildvergleich 2.13 & 2.14). Zum muslimischen Glauben bekennen sich 85% der Bevölkerung Indonesiens, 10% sind Christen, die restlichen 5% teilen sich Hindus, Buddhisten und sonstige Religionsgruppen. Im Gegensatz zu anderen asiatischen und südostasiatischen Ländern zählen die buddhistisch orientierten Menschen zu den Minderheiten im Land, trotz der zahlenmäßigen Unterlegenheit können die Buddhisten ungehindert ihre Glaubensrituale ausüben. Bemerkenswert auffällig ist die sorgfältige Pflege der historischen Tempelanlagen, die gewiss nicht staatlich verordnet ist. Den Menschen scheinen das Bewahren der Hinterlassenschaften und das Gedächtnis an die Vorfahren schlichtweg Herzensangelegenheit zu sein.
Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones
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Autor Günter Schönlein
Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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