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Günter Schönlein
Blog

Nepal-Indien 2025 Teil 5

7/26/2026

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Achter Tag: Zweite Tour über Land nach Kirtipur, Chopar und Chapagaun

Nicht jeder Tourist hat oder nimmt sich die Zeit für das vermeintlich Unscheinbare, dabei sind oftmals in unbekannten, touristisch wenig erschlossenen Gegenden überraschende Entdeckungen zu machen. Nur weil bestimmte Orte nicht empfohlen werden, heißt doch nicht, das dort kaum Lohnendes oder nichts Sehenswertes vorhanden ist. Jeder Mensch hat ohnehin seine persönlich geprägten Neigungen, die ihn veranlassen, diesen oder jenen Ort sehen zu müssen bzw. andere Orte vorsätzlich zu meiden. Architektur und unbekannte Tempel in ländlichen Regionen standen heute im Fokus unserer Exkursion.

Oft stehen Kultstätten der verschiedenen Religionen dicht beieinander. Die unmittelbare Nachbarschaft buddhistischer und hinduistischer Tempel sind in Kathmandu keine Seltenheit, eher selbstverständlich. Diese erfreuliche, aus Toleranz resultierende Nähe der Tempel zueinander fällt in der Stadt und in den Dörfern auf, folglich auch in Kirtipur. Dhamma Kirti Bihar spielt sich das religiöse Leben mehr im inneren Bereich des Tempels ab, im Außenbereich buddhistischer Klöster stehen die Wohn- und Wirtschaftsgebäude. Zum für jedermann zugänglichen Indrayani Devi Tempel kommen die Dorfbewohner zum Morgengebet, sicher auch abends nochmals, tagsüber wird der Tempel verwaist sein. Der Weg zur Arbeit führt am Tempel vorbei.
Kirtipur – Buddhistisches KlosterDhamma Kirti Bhiar & Hinduistischer Indrayani Devi Tempel
Kirtipur – Buddhistisches Kloster Dhamma Kirti Bhiar & Hinduistischer Indrayani Devi Tempel
Der Saraswati Tempel steht auf einem hohen Stufensockel, rund um den Sockel auf etwas niedrigeren Niveau als der Tempel wurden mehrere Schreine errichtet. Die Tempelanlage hinterlässt den Eindruck von einem Wiederaufbau, als wären bestimmte Reliefs und Architekturelemente im Sinne des Wortes gerettet worden, woraus sich die Verschiedenheit und die willkürlich gewählten Standorte der Schreine erklären ließen, denn ein homogenes Tempelensemble sieht anders aus. Das letzte schwere Erdbeben hat den Saraswati Tempel schwer beschädigt, vielleicht völlig zerstört und der Neuaufbau wurde mit bescheidenen Mitteln in Angriff genommen. Es galt, die erhaltenen Kunstschätze zu retten, gleichsam die Götteridole wieder zur Anbetung für jeden sichtbar zu präsentieren. Die Menschen nehmen direkten Kontakt zu ihren Gottheiten auf, das mindeste ist ein Blumenopfer. – Auch am Uma Maheshwor Tempel trafen wir frühmorgens schon Menschen an und das waren keine schaulustigen Touristen. Ein freiwilliger Tempeldiener sorgte für Sauberkeit und Ordnung.
Kirtipur – Schreine am Saraswati Tempel
Kirtipur – Schreine am Saraswati Tempel
Kirtipur – Saraswati Tempel und Saraswati-Relief
Kirtipur – Saraswati Tempel und Saraswati-Relief
Kirtipur – Uma Maheshwor Tempel
Kirtipur – Uma Maheshwor Tempel
Vormittags mit wachen Augen gemächlich durch die Hauptstraße und die Nebenstraßen von Kirtipur sich treiben lassen, liefert zahllose Eindrücke vom Alltagsleben der Menschen. Durchgängig fällt die Geschäftigkeit der Menschen auf, die aber in ruhiger Gelassenheit vollzogen wird. Hier hat keiner Eile. Hektik scheint den Nepalesen fremd zu sein.

Die Charakteristik der Wohn- und Zweckbauten wechselt von Haus zu Haus. Alte ehrwürdige Gebäude schmiegen sich an moderne neu errichtete Wohnhäuser, dazwischen stehen noch Häuser, denen die jahrelange Benutzung und der Geldmangel zur Restaurierung anzusehen ist. Wahrscheinlich wurden Tempel, Schreine und die gemeinnützigen Bauten nach dem Erdbeben zuerst wiederaufgebaut, ehe sich die Bautätigkeiten auf die Wohnhäuser konzentrierte.

In Kirtipur wurden kahle Wandflächen mit farbenfreudigen Bildern bedeckt, als Kunst am Bau oder Street Art stufen westliche Besucher solche erfreulichen, in Nepal nicht selbstverständlichen Aktivitäten ein. Die meisten der Wandbilder zeigen Szenen aus dem Leben der Menschen, etwa Tänze und Prozessionen oder Alltagsverrichtungen und Landschaften (Kathmandu-Tal). Neben Farbenreigen auf Häuserwänden und Mauerflächen beeindruckt das frische, reichhaltige und wunderbar farbige Gemüseangebot den flanierenden Touristen. 
Kirtipur – Häuser an der Hauptstraße
Kirtipur – Häuser an der Hauptstraße
Kirtipur – alte und neue Häuser
Kirtipur – alte und neue Häuser
Kirtipur – bemalte Häuserwände I
Kirtipur – bemalte Häuserwände I
Kirtipur – bemalte Häuserwände I
Kirtipur – Gemüseverkauf am Straßenrand und mobiler Bäckerladen
Kirtipur – Gemüseverkauf am Straßenrand und mobiler Bäckerladen
Kirtipur – Bhag Bhairab Tempel
Kirtipur – Bhag Bhairab Tempel
Kirtipur – Chithu Chaitya & Taanani Chaitya
Kirtipur – Chithu Chaitya & Taanani Chaitya
Kirtipur – bemalte Häuserwände II
Kirtipur – bemalte Häuserwände II
Auf einem von Häusern umstandenen Platz steht der beachtlich große aus Granitsteinen gefügte Lodegal Tempel. Auf einem Hinterhof, selbst Einheimischen unbekannt und nur den Anwohnern vertraut, versteckt sich der buddhistische Tempel Yaka Baha, ein Kleinod, welches wir erst nach intensiver Suche und mehrfacher Nachfrage fanden. Hier wird gelebt und abgeschieden von der Außenwelt dem Buddha gehuldigt. Näher können sich Alltag und Religion kaum noch berühren.

Wenn die Bauarbeiten abgeschlossen, die Wohnhäuser fertig sind, dann wird es einen weiteren, in einem Innenhof versteckten buddhistischen Tempel in Kirtipur geben. Die Wohnhäuser mussten entweder wegen Baufälligkeit abgerissen werden oder das letzte schwere Erdbeben hat die Häuser zum Einsturz gebracht. Mauerrisse an der Tempelfassade und fehlende Teile der Holzschnitzarbeiten fordern eine baldige Restaurierung. Dieser alte (für uns namenlose) Tempel ähnelt baustilistisch dem Yaka Baha Tempel, beide Tempel müssen annähernd zeitgleich erbaut worden sein, das könnte im 18. Jahrhundert, vielleicht sogar schon im 17. Jahrhundert geschehen sein. Die Verantwortlichen der im 11. Jahrhundert gegründeten Stadt Kirtipur, werden sich hoffentlich der verpflichtenden Tradition bewusst sein und die historischen Bauten erhalten.
Kirtipur – Blick zum Lodegal Tempel und Yaka Baha Tempel
Kirtipur – Blick zum Lodegal Tempel und Yaka Baha Tempel
Kirtipur – Baustelle mit Tempel
Kirtipur – Baustelle mit Tempel
Wer buddhistische Bauten, bevorzugt Stupas sehen möchte, der ist in Kirtipur richtig, selbst wenn nur wegen der Chilancho Stupa die kleine Stadt aufgesucht wird, lohnt der Weg. Dieser Stupa ist angeblich zu Zeiten Kaiser Ashokas erbaut worden, das wäre im 3. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung gewesen, diese Angabe konnte jedoch aus archäologischer Sicht bislang nicht bestätigt werden, dessen ungeachtet blicken die Besucher auf ein Meisterwerk buddhistischer Baukunst und die Buddhisten haben einen Ort für innige Andacht. Es muss nicht täglich Bodnath oder Swayambunath umrundet werden, selbst der kleinste Stupa ist ein Ort zum Gebet. 
Kirtipur – Stufen zum Chilancho Stupa und Chaityas auf der unteren Ebene neben dem Zugang
Kirtipur – Stufen zum Chilancho Stupa und Chaityas auf der unteren Ebene neben dem Zugang
Kirtipur – Chilancho Stupa
Kirtipur – Chilancho Stupa
Der aus Sandstein erbaute Majjaa Deval Stupa hat seinen Standplatz auf einem vierfachen Ziegelsteinsockel. Wer sich von unten der Chaitya (Stupa) nähert, um diesen betend zu umrunden, muss viele Stufen bewältigen. Touristen erleben von der Plattform bei guter Sicht einem atemberaubenden Blick in das Kathmandu-Tal und die nahen Berge der Himalaya-Kette.
Kirtipur – Majaa Deval Stupa
Kirtipur – Majaa Deval Stupa
In dem kleinen Dorf Chopar steht der Aanandadi Lokeshwar Tempel (Cho Baha: Karunnamye), dieser Tempel gilt Hindus und Buddhisten gleichermaßen heilig. 
Chobar – Aanandadi Lokeshwar Tempel
Chobar – Aanandadi Lokeshwar Tempel
Chobar – Aanandadi Lokeshwar Tempel: Schalen, Stupa und Sanctum mit Lokeshwar-Idol
Chobar – Aanandadi Lokeshwar Tempel: Schalen, Stupa und Sanctum mit Lokeshwar-Idol
In der Nähe vom Aanandadi Lokeshwar Tempel stehen auf einem kleinen Platz zwei kleine Schreine Amitabha Tathagat Bihar (Chwabaha) und ein Stupa. Das unscheinbare buddhistische Ensemble zeichnet sich durch typische Charakteristik religiöser Bauwerke aus, die im dörflichen Ambiente errichtet wurden. Vor dem Stupa befindet sich ein oktogonaler Unterbau, dessen Seitenflächen mit Reliefs stehender Buddhas bedeckt sind. Auf dem ansehnlichen Sockel ruht eine stilisierte Lotosblüte, auf ihr ist der Vajra (Donnerkeil) angebracht. Der Stupa selbst ist wiederum von vier Miniatur-Stupas umgeben. Im Stupa-Sockel integriert, den Haupthimmelsrichtungen zugeordnet, befinden sich vier Nischen mit Buddha-Statuen. Das Dach vom größeren (verschlossenen) Schrein ist mit einem Stupa-Oberteil bekrönt, ein Kuppeldach bedeckt den kleinen offenen Schrein. 
Chobar – Amitabha Tathagat Bihar (Chwabaha) neben Stupa
Chobar – Amitabha Tathagat Bihar (Chwabaha) neben Stupa
Rund zwei Kilometer südlich vom  Aanandadi Lokeshwar Tempel  wurde am Ufer des Bagmati River der Jal Vinayaka Tempel gebaut. Lt. Google Maps zählt diese Gegend noch zu Chobar (auch Chobhar, je nach Schreibweise). Der Tempel entspricht in seiner Bauweise der Newar-Architektur im Kathmandu-Tal. Allein wegen diesem Aspekt müsste man den Tempel nicht unbedingt aufsuchen, doch es ist einer der vier wichtigen Ganesha-Heiligtümer im Tal und außerdem beeindruckt die landschaftliche Umgebung. Der heilige Fluss Bagmati hat sich tief in eine felsige Schlucht gefressen und strömt reißend heraus und am Tempel vorbei. Über den Fluss hinweg führt eine moderne Straße. Eine Hängebrücke (Chandra Bridge) gleich neben der Straße gewährt Einblicke in die Chobhar-Schlucht und auf den Fluss. Ein Weg führt uferseitig flussaufwärts zu einem von den Nepalesen verehrten Naturdenkmal, die Gläubigen erkennen in einer Felsenstruktur ihren Gott Ganesha. Mit Fantasie lässt sich tatsächlich eine elefantenähnliche Form erkennen. Der Weg zum Elefanten-Felsen (Basuki Naag Tempel) ist nicht gesichert, Vorsicht Gefahr! Absturz ist nicht ausgeschlossen.
Chobar Jal Vinayaka Tempel: Eingang (straßenseitig) – Tempel – Ausgang (uferseitig)
Chobar Jal Vinayaka Tempel: Eingang (straßenseitig) – Tempel – Ausgang (uferseitig)
Chobar Jal Vinayaka Tempel – Dachstreben
Chobar Jal Vinayaka Tempel – Dachstreben
Chobar – Uferweg am Bagmati River & Blick in die Chobhar-Schlucht
Chobar – Uferweg am Bagmati River & Blick in die Chobhar-Schlucht
Chobar – Hängebrücke & Blick in die Schlucht
Chobar – Hängebrücke & Blick in die Schlucht
Chobar – Elefanten-Felsen (Basuki Naag Tempel)
Chobar – Elefanten-Felsen (Basuki Naag Tempel)
Man möchte meinen Bajrabarahi wäre die nepalesische Variante der Varahi. Weit gefehlt: Vishnu zeigt sich in seiner dritten Inkarnation als mächtiger Eber=Varaha. Lakshmi, seine Frau gibt sich ebenfalls mit Eberkopf und ist in dieser Erscheinung als Varahi bekannt. Sieht man Lakshmi im Verein mit den anderen Muttergöttinnen (Saptamatrika), hebt sie sich immer als Varahi von den anderen Matrikas ab.

Bajrabarahi wird in Nepal zwar als Muttergöttin verehrt, doch sie gilt als Gemahlin von Asta Bhairav. Die acht Bhairavas gelten als die Hüter der acht Haupthimmelsrichtungen. Bhairav (Bhairava, Bhairab) ist kein Geringerer als Shiva höchstselbst, er zeigt in dieser Rolle eine absolut furchterregende Manifestation. Der Bhairav-Kult gelangte in Nepal im Laufe von Jahrhunderten zu gesteigerter Bedeutung. 

Der Bajrabarahi Tempel soll sehr alt sein, der jetzige Bau könnte im 17. Jahrhundert entstanden sein, mehrfache Restaurierungen und Umbauten sind nicht auszuschließen. Die Menschen kommen gern zu dieser von dichten Wald eingeschlossenen heiligen Stätte. Das Gelände ist eingezäunt und wird als Naturpark gepflegt. Draußen fließt der Verkehr, drinnen hört man Vogelgesang. Ein ruhiger Platz für die Anwohner von Chapagaun. 
Chapagaun – Bajrabarahi Tempel und Nandi-Idol
Chapagaun – Bajrabarahi Tempel und Nandi-Idol
Auf zahlreiche Stupas im Kathmandu stoßen Touristen auf ihren Wegen. Der Lagan Stupa in Patan hebt sich von den anderen großen Stupas in Kathmandu deutlich ab, sein Unterbau wirkt flacher und ist grasbewachsen. Kleinere Schreine in Stupa-Form wurden an den Hauptkoordinaten errichtet, diese markieren die Himmelsrichtungen, weitere Votivstupas zeichnen den Platz als heiligen Ort aus.
Patan – Lagan Stupa (Süd-Stupa)
Patan – Lagan Stupa (Süd-Stupa)
Neunter Tag: Budanilkantha und Patan

Schon frühmorgens standen die Menschen ruhig und gelassen in langer Schlange an, um das legendäre Vishnu-Relief (bekannt als Budhanilkantha) sehen und anbeten zu können. Vishnu ruht auf der Weltenschlange Ananda, völlig versunken im Schöpfungsschlaf. Zu dem großartigen Meisterwerk aus schwarzem Basalt existiert weder in Nepal noch in Indien kein annähernd vergleichbares Pendant. Kenner könnten einwänden, es gäbe doch beispielsweise einen ähnlichen Vishnu in Banepa. Das ist richtig, aber die zauberhafte Einmaligkeit der Aura erhebt den prachtwollen Budhanilkantha-Vishnu zum unübertroffenen Kultbild. Das etwa 5m lange Basalt-Relief schwimmt in einem schmucklosen Zementbecken, welches den Weltenozean symbolisieren soll, blickt man aber auf den grandios gehauenen Vishnu, schaut auf das Gesicht, dann entschwinden sämtliche bautechnischen Makel der heiligen Stätte im Unschärfebereich der Wahrnehmung. Man muss kein Hindu sein, um die atmosphärische Magie dieser Kultstätte wahrzunehmen.
Budhanilkantha
Budhanilkantha
In Lalitpur (Patan) verbrachten wir die Nachmittagsstunden, suchten noch einige Tempel auf, ließen uns auf einer Bank mit Blick auf die Buddha-Statue Nagbahal nieder und beschlossen diesen Tag und den Aufenthalt in Kathmandu mit einer stillen Umrundung der Ashok Chaitya ab. Alles war gut, nichts gab es mehr zu tun. Die Götter haben uns behütet. Mit Dankbarkeit im Herzen flogen wir am anderen Morgen nach Delhi, am nächsten Tag weiter nach Kajuraho.
Lalitpur: Buddha-Statue Nagbahal & Ashok Chaitya
Lalitpur: Buddha-Statue Nagbahal & Ashok Chaitya
Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Nepal-Indien 2025 Teil 4

7/18/2026

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Siebenter Tag: Nala, Banepa und Panauti

Der heutige Tag war einer Landpartie vorbehalten. Die kleinen Ortschaften Nala, Banepa und Panauti sind flächenmäßig kaum über die ehemaligen dörflichen Grenzen hinausgewachsen, die Menschen sind auf das wertvolle Nutzland in ihrem Umfeld angewiesen. Das tägliche Leben beschränkt sich nicht ausschließlich auf die Arbeit auf den Feldern und Weiden, auch an und in den Tempeln begegnen sich die Menschen. Die Tempel als öffentliche Begegnungsstätten werden gepflegt und sauber gehalten. Einschränkend muss gesagt werden, dass manche Plätze und Wege in den Dörfern bei Touristen einen weniger positiven Eindruck hinterlassen. Zwei Tempel werten Nala als Zielort auf: der buddhistische Karunamaya Tempel und der hinduistische Bhagavati Tempel. Während der Wiederaufbau bzw. die Restaurierung am buddhistischen Tempel abgeschlossen ist, gibt es am hinduistischen Tempel noch viel zu tun. Hier müssen noch sämtliche Dachaufbauten erneuert werden, in wie weit die alten Dachstreben zur Wiederverwendung noch tauglich sind, müssen Fachleute entscheiden. 
Nala – Karunamaya Tempel
Nala – Karunamaya Tempel
Weitere konkrete Informationen zum Karunamaya Tempel sind nur über den QR-Code zu erfahren. Wohl dem, der ein Smartphone besitzt und eine passende Nepal-SIM Karte erworben hat. 
Nala – Karunamaya Tempel: Glockengerüst mit QR-Code – Lokeshwara (Bodhisattva)
Nala – Karunamaya Tempel: Glockengerüst mit QR-Code – Lokeshwara (Bodhisattva)
Der Bhagavati Tempel von Nala hat das Erdbeben von 2015 leider nur stark beschädigt überstanden, im November 2025 war der Wiederaufbau noch nicht abgeschlossen. Die wenig erfreuliche Tatsache der fehlenden Dächer, ermöglicht zumindest den turmartigen gemauerten Kern des Pagodentempels ungehindert betrachten zu können. Dieser vormals prachtvolle Tempel zählt zu den wenigen Tempeln mit vier Dächern, die sich im Kathmandu-Tal erhalten haben. Gewiss wird versucht, den Originalzustand wenigsten annähernd wiederherzustellen. – Bhagavati meint generell die Erhabene, und wird in Kathmandu häufig als Durga dargestellt. Leider konnten wir das Idol nicht sehen, der Tempel war verschlossen. Vielleicht ist die Statue oder das Relief während der Bauarbeiten in einem Depot sicher untergebracht worden.
Nala – Bhagavati Tempel
Nala – Bhagavati Tempel
Nala – Bhagavati Tempel: Eingangsbereich und aufbewahrtes hölzernes Dachmaterial
Nala – Bhagavati Tempel: Eingangsbereich und aufbewahrtes hölzernes Dachmaterial
Die ruhige Atmosphäre auf dem Platz vor dem Bhagavati Tempel empfanden wir als sehr angenehm, diese wohltuende, völlig entspannte Stimmung wurde nicht nur von der Morgensonne hervorgerufen. Auf dem Tempelvorplatz treffen sich die Menschen, tauschen sich aus, beten gemeinsam. Wir wurden mit aller Selbstverständlichkeit ins Gespräch gezogen, vor allem Frauen hatten keine Scheu, mit den fremden Besuchern zu reden. Dieser Platz, einem Anger vergleichbar, bietet sich tatsächlich als idealer Treffpunkt im Dorf an. Zum Hiti (Brunnen, Vordergrund links) kommen die Menschen, holen dort Trinkwasser, im Pati (kleine Versammlungshalle, Vordergrund rechts) können die Menschen im Schatten oder bei Regen sitzen und die neuesten Nachrichten auswerten. Wir haben anderenorts beobachtet, dass Frauen in einer solchen Halle saßen und gemeinsam mit Handarbeiten beschäftigt waren, wobei die Unterhaltungen nicht abrissen. Häufig treffen sich auch Männer im Pati, reden und rauchen dort, spielen Schach, Dame oder Karten.  Eine solche Halle ersetzt das Tee- oder Kaffeehaus. Kein Dorf, kein Stadtteil, in welchen nicht solche Hallen stehen und überall werden sie genutzt, um soziale Kontakte aufrecht zu erhalten bzw. neue zu knüpfen. Meist halten sogar die Busse und Taxis vor solchen Versammlungshallen. Was wir nicht gesehen haben: Männer und Frauen gemeinsam versammelt unter einem Dach. 
Nala – Bhagavati Tempel: Vorplatz mit Hiti und Pati
Nala – Bhagavati Tempel: Vorplatz mit Hiti und Pati
Zwei Pagodentempel, je eine Garuda-Statue, je ein Löwen-Paar, je ein Glockenbalken und zwei Nebenschreine zeichnen die Architektur vom Thanapati Narayan Mandir in Banepa aus.
Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Nicht nur die zwei Pagoden differieren im Erscheinungsbild des Mandir, auch die Garuda-Statuen unterscheiden sich in Größe und Ausdruckskraft, ebenso die bemerkenswerten Schnitzarbeiten, von denen nur wenige erneuert werden mussten, insgesamt hinterlässt der Thanapati Narayan Mandir einen gediegenen Eindruck von Originalität. 
Banepa – Narayan Mandir
Banepa – Narayan Mandir
Beachtenswert ist der Thorana über dem Eingang der größeren Pagode, der Holzschnitzer hielt keines der Details für nebensächlich. Über Vishnu-Narayana, der zentralen Götterfigur erhebt sich der bekrönte Garuda, der das Schlangenpaar (Naga & Nagini) mit seinen Klauen fest umkrallt. Links und rechts schweben jeweils zwei göttliche Wesen. Den unteren Außenbereich der halbkreisförmigen Thorana besetzen prachtvolle Makaras, Mischwesen, welche stets in göttlichen Sphären in Erscheinung treten, hier treten sie als völlig eigenständige Schimären auf: Krokodilmaul mit Elefantenrüssel und üppigen Federschweif. 
Banepa – Narayan Mandir, Thorana (Gesamt- und Detailaufnahmen)
Banepa – Narayan Mandir, Thorana (Gesamt- und Detailaufnahmen)
Banepa – Narayan Mandir, Thorana (Gesamt- und Detailaufnahmen)
Etwas eingerückt, nicht unmittelbar an der Straße steht ein großes dreigeschossiges tempelähnliches Ziegelgebäude, das Dach wird von einem Pagodenaufbau gekrönt. Der Bau trägt den Namen Dyo Chhen, der Begriff ist der Newari-Sprache entlehnt und bedeutet »Gottes Haus«.

KI bemerkt: »Zweck: Im Gegensatz zu einem traditionellen Tempel, in dem Gottheiten dauerhaft für die öffentliche Verehrung verehrt werden, ist ein Dyo Chhen als "Zuhause" für den Gott gestaltet. Dort befinden sich oft das Prozessionsbild der Gottheit, Sänften und rituelle Ornamente.
Architektur: Es ähnelt typischerweise einem traditionellen Newar-Wohnhaus, zeichnet sich jedoch durch religiöse Merkmale wie Toranas (Tympanone), ein Gajur (Spitze), und kunstvolle Holzschnitzereien an Fenstern und Streben aus.« (abgerufen am 27.02.2026)
Banepa – Dyo Chhen
Banepa – Dyo Chhen
Der Shree Chandeshwori Tempel gehört folgerichtig zum sakralem Ensemble des Dorfes Banepa, ist ein Chandeswori Tempel vorhanden, existiert meist auch ein Dyo Chhen (nähere Erklärungen führen ins Uferlose). Chandeshwori bezeichnet eine  spezielle Durga aus dem Reigen der Navadurgas. Über dem Eingang zum Tempel befindet sich ein modernes, bunt bemaltes Relief der Legende: Durga tötet den Dämon Chanda. Ein zweites motivgleiches Relief ist an der Innenseite vom Tor angebracht, beide Bilder meinen besagte Chandeshwori.
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel, Vorhof und Eingang zum Tempel mit Durga-Reliefs
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel, Vorhof und Eingang zum Tempel mit Durga-Reliefs
Obgleich die eingangs vorgestellten Durga-Reliefs in neuerer Zeit geschaffen wurden, zählt der Chandeshwori Tempel zu den ältesten Tempelanlagen im Kathmandu-Tal. Touristen tauchen hier selten auf, was wohl an der Entfernung nach Kathmandu liegen mag, immerhin 25km. 
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel, Pagode, Ziegeltempel und Steinsäulen
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel, Pagode, Ziegeltempel und Steinsäulen
Statuen der Malla-Königspaare sind häufiger vor den Tempeln im Kathmandu-Tal aufgestellt. Für die stilisierten Paarstatuen wurden langlebige Materialien gewählt, Stein oder Metalllegierungen. Offenbar war die Dauerhaftigkeit der Bildnisse bestimmend bei der Materialauswahl, in Holz geschnitten fanden wir keine Statuen der Malla. Das Nicht-Vergessen der Herrscher, sollte den Pilgern vor Augen bleiben, faszinierend die demutsvolle Haltung der Königspaare: Mahnung zur Andacht.
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Malla-Königspaar in zwei Ansichten
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Malla-Königspaar in zwei Ansichten
Wer die Dachstützen näher betrachtet, blickt auf die zyklische Gesamtheit der Ashtamatrikas und der Ashtabhairavas. Die acht Bhairava gelten als Wächter der acht Himmelsrichtungen, die acht Matrikas als deren weiblichen Gegenpole. In diesem Kontext muss auch an die Navagraha, die personifizierten Planeten und die jeweils zugeordneten Gottheiten gedacht werden, bemerkenswert ist die fundierte Verschränkung der göttlichen Erscheinungen und die Verbindungen zur astralen Realität. Jeder Himmelskörper entspricht einer Gottheit, nur ein Beispiel: Surya steht für die Sonne, das Licht, die Erhellung des Alls. Hinter Bhairava mit allen seinen Erscheinungsformen verbirgt sich immer SHIVA, die inneren Zusammenhänge sind mehr als nur komplex, für Außenstehende äußerst schwer fassbar.

In den eingemauerten Rahmenfeldern finden sich weitere geschnitzte Durga-Idole und Makaras. Auf den Tympana sind die göttlichen und halbgöttlichen Erscheinungen im Halbkreisformat komprimiert.
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Dachstützen
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Dachstützen
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Holzschnitzarbeiten an den Fassaden
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Holzschnitzarbeiten an den Fassaden
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Eingang mit Thorana
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Eingang mit Thorana
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Thorana
Banepa – Shree Chandeshwori Tempel: Thorana
Am Ortsrand, nur wenige Schritte vom Chandeshwori Tempel entfernt, bewunderten wir die ausladend große Skulptur Bhaila Narayanthan, Gott Vishnu auf der Weltenschlange Ananda-Shesha. Während sich am motivgleichen ähnlichen Vishnu-Relief Budhanilkantha die Pilger stauen und nur kurze Momente auf die Reliefplatte schauen können, hatten wir hier in Banepa Zeit und Ruhe für Narayana (sprich: Vishnu). Es mag sein, dass hier nur eine moderne Replik des vielfach gestalteten Mythos vorliegt, dennoch ist die Gesamtwirkung der Skulptur überzeugend, schon deshalb, weil Schlange und Vishnu von klarem Quellwasser umspült werden. Blüten und Farben stehen für die wenigen Pilger gratis bereit. 
Banepa – Bhaila Narayanthan
Banepa – Bhaila Narayanthan
Banepa – Bhaila Narayanthan
Bei Google Maps ist der Teich vom Waknu Ganesh Tempel als  Dyo Pukhu eingezeichnet, das Becken ist nicht zu verfehlen, es befindet sich im Zentrum von Banepa direkt nördlich an der Chandeshwori Marg. Außer Ganesha sind noch weitere Götterreliefs vor der Ziegelmauer installiert.
Banepa – Teich vom Waknu Ganesh Tempel und Ganesh-Idol
Banepa – Teich vom Waknu Ganesh Tempel und Ganesh-Idol
Banepa Waknu Ganesh Tempel: Vishnu – Vishnu Matsya – Statue (nicht identifizierbar)
Banepa Waknu Ganesh Tempel: Vishnu – Vishnu Matsya – Statue (nicht identifizierbar)
Unser nächstes Ziel: Panauti, eine Kleinstadt mit rund 28000 Einwohnern. Wir stoppten auf der Panauti-Namobuddha Rd, oberhalb vom Punyamata River, von dort sind der Brammayani Tempel und die Tempelgruppe am gegenüberliegenden Ufer gut zu sehen. Drei Brücken überspannen den Fluss, eine Kettenbrücke und zwei Steinbrücken. Ehe wir den Fluss überquerten, besichtigten wir am Nordufer den Brammayani Tempel. Die viergeschossige Pagode mit drei Dächern wurde 1617 erbaut und befindet sich baulich in einem soliden Zustand. Ein Kultbild der Brahmi hat sich nicht erhalten, weder ist ein markantes Relief noch eine Statue der Göttin vorhanden. Der Aufbau im Tempelinneren folgt einem ungewöhnlichen Konzept, zu sehen ist ein C-förmiger gemauerter Schrein, der Reste von älteren Reliefs und Statuen birgt. Brahmi oder Brahmini bzw. Brahmayani ist eine der acht Matrikas (Muttergöttinnen), insofern beansprucht der Tempel eine Sonderstellung , ist er doch dezidiert einer Göttin geweiht, eine Widmung, die auch an den weiblichen Dachstreben zum Ausdruck kommt. Tatsächlich sind die Holzschnitzarbeiten das Schönste, was an diesem Tempel zu bewundern ist.
Blick vom Nordufer auf Panauti & Brammayani Tempel
Blick vom Nordufer auf Panauti & Brammayani Tempel
Panauti Brammayani Tempel & Blick ins Sanctum
Panauti Brammayani Tempel & Blick ins Sanctum
Panauti Brammayani Tempel – Dachstreben
Panauti Brammayani Tempel – Dachstreben
Panauti Brammayani Tempel – Schnitzarbeiten
Panauti Brammayani Tempel – Schnitzarbeiten
Das befestigte Südufer vom Punyamata River ist als Ghat ausgebaut, sicher werden dort auch heute noch im Schatten der Krishna Tempelgruppe Verbrennungen durchgeführt, es ist auszuschließen, dass die Menschen wegen Trauerritualen bis nach Kathmandu oder an andere zentrale Verbrennungsorte im Tal reisen. Der Krishna Narayan Tempel, eine im 17. Jahrhundert erbaute viergeschossige Pagode mit drei Dächern, steht auf einem Stufensockel, durch den Sockel wirkt der Tempel trotz gleicher Architektur höher als der am anderen Ufer gegenüberstehende Brammayani Tempel. Das verschlossene Garbhagriha (Sanktum) vom Krishna Tempel ist von einer offenen Galerie umgeben. Kleinere Schreine umgeben den Krishna Tempel. Eine offene Halle und ein Überdach schützen bei längeren Wartezeiten vor Regen und bieten Schatten, Verbrennungen und Trauerprozessionen dauern mehrere Stunden. 
Panauti Südufer Punyamata River – Krishna Tempelgruppe und Ghat
Panauti Südufer Punyamata River – Krishna Tempelgruppe und Ghat
Panauti – Krishna Tempel und Schreine
Panauti – Krishna Tempel und Schreine
Abgesehen vom Krishna- und Brammayni Tempel, wird in Panauti vorrangig Shiva angebetet. Die meisten der großen Tempel und kleinen Schreine sind dem Großen Gott gewidmet. Klingen auch die Namen der Tempel für Außenstehende nicht unmittelbar nach Shiva, gleich ob Indreshwar, Maheshwori, Mahadev oder Bhairab als Tempelname angegeben wird, gemeint ist immer SHIVA. Eine Vielzahl Lingas, oft in gleicher Form, nur durch Größe unterschieden, sind bildhafter Ausdruck für das tiefe Vertrauen zu diesem Gott.   
Panauti – Schreine und Lingams
Panauti – Schreine und Lingams
Panauti – Indreshwor Mahadev Tempel & Thampam Bhairab Tempel/Maheshwori Mandir
Panauti – Indreshwor Mahadev Tempel & Thampam Bhairab Tempel/Maheshwori Mandir
Panauti – Unmatta Bhairav Tempel
Panauti – Unmatta Bhairav Tempel
Ein gemütlicher Spaziergang durch die Straßen und engen Gassen von Panauti lieferte ergänzend tiefe Einsichten ins Alltagsleben der Newar, vorwiegend Menschen dieser Volksgruppe leben in verschiedenen Regionen des Kathmandu-Tals. Leider fanden wir die gut gezeichnete, für Touristen bestens geeignete Karte erst am Ende unserer Exkursion, doch die historischen Brunnen und die traditionellen Wohnhäuser und Zweckbauten waren auch ohne Karte nicht zu übersehen. Das Gebäude mit Holzerker und offener Säulenhalle dient zur Aufbewahrung sakraler Gegenstände, die zu Festen benötigt werden. Ebenerdig lagert ein zerlegter Prozessionswagen, vier Räder, die Achsen und die Deichsel sind vor Regen geschützt aufbewahrt. 
Karte von Panauti
Panauti – Brunnen (Hiti)
Panauti – Brunnen (Hiti)
Panauti – traditionelle und moderne Bauten & zerlegter Prozessionswagen
Panauti – traditionelle und moderne Bauten & zerlegter Prozessionswagen
Die verantwortlichen Behörden beginnen sich auf die kulturhistorische Bedeutung ländlicher Kleinsiedlungen im Kathmandu-Tal endlich zu besinnen. Generelle Überlegungen werden angestellt, wie und durch welche Aktionen solchen Orten Wertschätzung zu verleihen wären. Werterhaltung von Kulturgütern würde nicht nur wirtschaftlichen Auftrieb mit sich bringen, sondern schlussendlich auch den Fremdenverkehr ankurbeln und langsam zunehmenden Wohlstand für alle Menschen im Tal bringen, de facto würde sich die allgemeine Lebensqualität steigern.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Nepal-Indien 2025 Teil 3

7/11/2026

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Fünfter Tag: Pashupatinath, Bodnath und mehrere Tempelanlagen

Für den heutigen Tag hatten wir ein umfangreiches Programm erstellt. Frühmorgens fuhren wir zu den bevorzugten Verbrennungsplätzen am heiligen Bagmati-Fluss, das Ziel ist als Pashupatinath bekannt. Der 18.11.2026 muss für die Nepalesen ein besonderer Tag gewesen sein. Ein religiöses Fest stand an. Was gefeiert werden sollte, erschloss sich dem außenstehenden Beobachter nicht. Schon um 7Uhr waren viele Menschen auf beiden Seiten vom Fluss unterwegs. Die Kremation einer Frau wurde vorbereitet, das schien aber nicht der Anlass für die ungewöhnliche Massenansammlung zu sein. Alle hatten zu tun, jeder schien intensiv beschäftigt. Schaumstoffmatten und Kissen wurden ausgelegt, Planen und Sonnenschirme aufgespannt, Brot und Getränke feilgeboten, die Menschen stellten sich auf einen langen Tag ein. Es lag mehr in der noch kühlen, leicht rauchgeschwängerten Morgenluft als nur Palavern und Musik aus Lautsprechern. Die Atmosphäre war erwartungsvoll positiv geladen. Auch wir harrten mit gemessenem Abstand den Dingen die kommen würden. 
Pashupatinath – Ansichten vom Westufer
Pashupatinath – Ansichten vom Westufer
Pashupatinath – Tempelbauten und Verbrennungsplätze am Westufer
Pashupatinath – Tempelbauten und Verbrennungsplätze am Westufer
Pashupatinath – Terrassen am Ostufer der Bagmati
Pashupatinath – Terrassen am Ostufer der Bagmati
Die Vorbereitungen, zu welchem Fest auch immer, währten lange, entsprachen nicht unseren Plänen, weshalb wir die Besichtigung der heiligen Stätte fortsetzten. Den Haupttempel dürfen nur Hindus betreten und das Interesse an der Verbrennung der alten Frau hielt sich unsererseits in Grenzen, so dass wir unerwartet schnell die für Touristen zugänglichen Bauten und Kunstschätze gesehen hatten, alsbald erklommen wir den Hügel am Ostufer, begutachteten die vielfach baugleichen Gräber auf den Terrassen, weiter oben einen Friedhof, wendeten uns mehrfach um, blickten hinunter zum Fluss, doch keinerlei Anzeichen deuteten auf den Beginn des Festes hin. Uns mitten in den vermutlichen Trubel eines religiösen Festes zu mischen, war nicht beabsichtigt, wir hatten ohnehin genug gesehen: einen lebensgroßen Vishnu, einen wunderbar geschnittenen Buddha (leider mit Zebrastreifen) und das berühmte, schräg stehende riesige Lingam, außerdem alte und neuere Holzfenster, addieren wir noch die stille Atmosphäre auf dem bewaldeten Friedhof hinzu, so konnten wir zufrieden sein. Mehr war diesem Ort am frühen Morgen nicht abzugewinnen. 
Pashupatinath Westufer – Vishnu und Buddha
Pashupatinath Westufer – Vishnu und Buddha
Pashupatinath Westufer – Lingam und gesammelte Skulpturen
Pashupatinath Westufer – Lingam und gesammelte Skulpturen
Pashupatinath Westufer – geschnitzte Fenster
Pashupatinath Westufer – geschnitzte Fenster
Pashupatinath Ostufer – Tempel mit Ganesha & Garuda
Pashupatinath Ostufer – Tempel mit Ganesha & Garuda
Pashupatinath Ostufer – Grabmale auf dem terrassierten Hang & Friedhof auf dem Hangplateau
Pashupatinath Ostufer – Grabmale auf dem terrassierten Hang & Friedhof auf dem Hangplateau
Am riesigen Stupa von Bodnath waren viele Menschen zu erwarten. Buddhisten würden wie eh und je im Uhrzeigersinn den Stupa umrunden, die sogenannte Kora (Pradakhshina) vollziehen, was auch wir beabsichtigten. Mehrere tibetische Klöster und Schulen wurden im Laufe von Jahrzehnten an der Peripherie des Heiligtums erbaut, Wohn- und Geschäftshäuser ergänzen das Bauensemble um den heiligen Ort. Restaurants bieten tibetische Speisen an, Pilger und Gäste sollen sich heimisch fühlen. Das Areal von Bodnath hat sich seit 1959 zur tibetischen Enklave etabliert. Flüchtlinge aus Tibet siedeln bevorzugt in der Nähe der Stupa. In dem relativ kleinem Staat Nepal fanden tausende Tibeter Zuflucht und versuchen gemäß ihren Traditionen und Gewohnheiten zu leben. Das 36m hohe Bauwerk wurde im 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung erbaut, verlor im Mittelalter an rituellen Wert, erst in neuerer Zeit wurde die sakrale Bedeutung der Stupa wieder erkannt. Ältere Fotos zeigen noch das ländliche Ambiente des vormaligen Dorfes Bodnath, welches heute als Stadtteil zu Kathmandu zählt. Jedes Jahr zum buddhistischen Neujahrsfest wird der Stupa mit weißer Farbe getüncht und die safrangelben Bögen auf dem Kubus erneuert. Vor dreißig Jahren war der Stupa noch nicht aufwendig mit Blumenschmuck dekoriert, ein chinesischer Sponsor wollte sich offenbar positives Karma verschaffen. Den Gläubigen genügen die Gebetsmühlen und die im Himmel flatternden Gebetsfahnen. Wir empfanden die Blumenpräsentationen übertrieben, sogar überflüssig, zu dieser heiligen Stätte pilgern die Menschen auch ohne leuchtende Blumenparade und Bäume in großen Töpfen. 
Stupa von Bodnath
Stupa von Bodnath
Stupa von Bodnath
In Kathmandu stehen hunderte Tempel, doch nur wenige sind für Touristen interessant. Nicht-Hindus schätzen nach flüchtiger Begutachtung die meisten Tempel als baugleiche Wiederholungen ein, wir hatten eine Vorauswahl getroffen, die unseren kulturhistorisch-religiösen Erwartungen gerecht werden könnte.

Der am Bagmati-Fluss erbaute Shiva geweihte Gokarneshwar Tempel zählt zu den ältesten Tempeln im Kathmandu-Tal. Die sehr gepflegte Tempelanlage hinterlässt auf Grund seiner vielgestaltigen Reliefsammlung auch bei Kunstliebhabern einen nachhaltigen Eindruck, keine der bekannten hinduistischen Gottheiten fehlt. Nicht minder kommen die Freunde hinduistischer Tempelarchitektur auf ihre Kosten. Der dreigeschossige Hauptschrein und die Nebenschreine ergeben ein harmonisches Gesamtbild. Der von einem uralten Baum vereinnahmte brüchige Ziegelschrein gibt ein lebendiges, sehr anschauliches Abbild der unwiderruflichen Tatsache vom Werden und Vergehen aller Dinge und allen Lebens, wer will, erkennt hier das göttlich-natürliche Schöpfungsprinzip. 
Gokarneshwar Mahadev in Gokarna
Gokarneshwar Mahadev in Gokarna
Die Auswahl von acht Reliefs dokumentiert die Vielfalt der im Gokarneshwar Tempel aufgestellten Götteridole, wobei einige der Reliefs auf Grund ihrer Volumina eher als Statuen zu bewerten sind. Leider finden westliche Besucher keine Hinweise zu den Götterbildern. Menschen, die betreffs hinduistischer Götterwelt über mangelnde oder ungenügende Vorkenntnisse verfügen, blicken auf rätselhafte Kunstwerke und werden bestenfalls die handwerkliche Ausführung rühmen. Ähnliches wäre zu den Schnitzarbeiten am Tempel auszuführen, auch hier machen sich grundlegende Kenntnisse bezahlt. Den Schnitzereien ist das Alter anzusehen, allerdings sind auch Verluststellen zu bedauern. 
Gokarneshwar Tempel: Vishnu – Naga – Krishna – Durga
Gokarneshwar Tempel: Vishnu – Naga – Krishna – Durga
Gokarneshwar Tempel: Narasimha – Indra – Shiva – Ganesha
Gokarneshwar Tempel: Narasimha – Indra – Shiva – Ganesha
Gokarneshwar Tempel Nordfassade, Holzschnitzarbeiten
Gokarneshwar Tempel Nordfassade, Holzschnitzarbeiten
In unmittelbarer Nachbarschaft einer Schule auf dem Pausenhof steht der Dhumrabarahi Tempel, dieser von einem Baum überwucherte unscheinbare Schrein wäre die Besichtigung kaum Wert, stünde nicht im Sanktum eine lebensgroße seltene Statue aus schwarzem Stein. Die Varaha Statue – Vishnu als Eber – sucht in Kathmandu seinesgleichen. Vishnu erscheint anthropomorph mit Eberkopf und Menschenkörper, Vishnu=Varaha hebt die Erde in der Gestalt der Bhudevi aus den Tiefen des Weltozeans. Über das Alter der Statue streiten sich die Sachkundigen, die meisten Expertisen nehmen die Liccavi-Periode als Entstehungszeit an. Die Wurzeln des Baumes sprengen die Mauern vom Schrein, bedrängen aber die Statue nicht, das wird als Wunder verstanden. In einem Vishnu geweihten Tempel darf sein Reittier Garuda nicht fehlen und warum sollte Ganesha, ein Sohn Shivas, nicht zugegen sein.

In unmittelbarer Nähe, nur wenige Meter abwärts am Hang zur Straße hin, steht noch ein Schrein, der Shree Chandreshvar Mahadev Mandir, dort trafen wir den schlüsselgewaltigen Menschen, der auf freundliche Nachfrage den Varahi Tempel öffnete. 
Dhumrabaraha Tempel (Varaha Tempel)
Dhumrabaraha Tempel (Varaha Tempel)
Dhumrabaraha Tempel: Varaha – Garuda – Ganesha
Dhumrabaraha Tempel: Varaha – Garuda – Ganesha
In Kathmandu ragen die Spitzen mehrerer älterer Stupas gen Himmel, diese wurden in gemessenem Abstand den Haupthimmelsrichtungen folgend um den Stupa von Bodnath, weshalb diese einzeln stehenden Bauten als Ashoka Stupa Nord, Ost, Süd und West kenntlich sind. Innerhalb buddhistischer Tempelanlagen versteht sich die Existenz zahlreicher Stupas und Votivstupas von selbst, zusätzlich wurden im Laufe der Jahrhunderte auf kleinen Plätzen, an Straßenkreuzungen, zwischen Wohnhäusern und in Höfen hunderte, im gesamten Kathmandu-Tal wahrscheinlich tausende kleinere namenlose Stupas gebaut, die alle ihre Berechtigung haben, denn jeder gläubige Nepalese wird seinen Stupa haben, den er täglich zum Gebet aufsucht. Öffentliche Wasserbrunnen oder Briefkästen sind jedenfalls nachweislich weitaus weniger in der Stadt vorhanden, lediglich Mopeds übertreffen die Stupas zahlenmäßig.

Morgens hatten wir den Bodnath Stupa umrundet, am Nachmittag liefen wir andächtig um den erheblich kleineren Charumati Stupa, der architektonisch dem großen Stupa entspricht, aber ohne monumentale Sockelplattform auskommt, sein Kubus lagert auf Bodenniveau, deshalb ist hier nur eine äußere Kora möglich. Mehrere kleine Votivstupas (durchaus älterer Herkunft) säumen den Kora-Weg. Den Stupa ließ Charumati, eine Tochter des Kaisers Ashoka, im 3. Jahrhundert v. Chr. erbauen, so behauptet es die Legende und auch WIKIPEDIA liefert diese Auskunft.
Charumati Stupa
Charumati Stupa
Stupa vor Konti Bahi, Patan			Ashok Stupa North, Patan
Stupa vor Konti Bahi, Patan ------------ Ashok Stupa North, Patan
Sechster Tag: Swayambunath, National Museum of Nepal und Ichangu Narayan Tempel

Morgens waren rund um den Hügel, welchen die Swayambunath Stupa krönt, viele Pilger auf den Straßen unterwegs, die sich aber auf geheimnisvolle Weise verliefen, so dass von anfänglichen Massenandrang weniger zu spüren war, der, je höher wir stiegen, stetig abnahm. Der berühmte Wallfahrtsort ist wahrscheinlich zu jeder Tageszeit gut besucht. Dreihundertfünfundsechzig Stufen müssen bewältigt werden, um das dicht bebaute Plateau zu betreten. Der Blickfang ist der bekannte rund 2500 Jahre alte Stupa. Diese Jahresangabe bezieht sich gewiss nur auf die ursprüngliche, eventuell mit groben Steinen umrahmte verfestigte Erdaufschüttung, eine Bauweise, die den frühesten Stupas im alten Indien und auf Sri Lanka entsprach. Ursprüngliche Grabhügel, die Reliquien verehrter Gurus enthielten, wuchsen im Laufe vieler Jahrhunderte zu von Menschenhand geschaffenen größeren, höheren und prachtvolleren Stupas. Auf dem Swayambunath-Plateau treffen buddhistische auf hinduistische Pilger, mitten drin Kleinhändler, die auf kauflustige Touristen hoffen, trotz der Vermischung verschiedener Interessen herrschte am Morgen eine entspannt friedliche Atmosphäre. Schlussendlich kommen die meisten Menschen herauf, um Buddha und der Göttin Hariti die gebührenden Referenzen zu erweisen. 
Swayambunath: Reliefs am Treppenaufgang Karttikeya – Göttin (?) – Ganesha
Swayambunath: Reliefs am Treppenaufgang Karttikeya – Göttin (?) – Ganesha
Swayambunath: Stupas und Buddha-Statuen am Treppenaufgang
Swayambunath: Stupas und Buddha-Statuen am Treppenaufgang
Swayambunath: Stupa und Vajra (Donnerkeil)
Swayambunath: Stupa und Vajra (Donnerkeil)
Nach dem Abstieg suchten wir mehrere unscheinbare Haus- und Hofheiligtümer auf, wir brauchten Abstand vom Trubel, benötigten eine Verschnaufpause, ehe wir das nahe gelegene National Museum of Nepal ansteuerten. Ohne Google Maps hätten wir die kleinen zwischen Häusern versteckten Familienschreine nicht gefunden, auf der Suche erschlossen sich nebenbei die Wohnverhältnisse der Menschen in Kathmandu. Der Schritt in die Moderne ist zu spüren. Alle Haushalte verfügen über Stromanschluss, doch die Wasserversorgung funktioniert noch nicht flächendeckend. Noch müssen die Menschen Wasser von öffentlichen Brunnen in die Häuser tragen, primitive Behelfslösungen mit Schläuchen oder frei verlegte Plastikrohre ersparen das Wassertragen. Trotz alltäglicher Schwierigkeiten scheint der Glaube der Menschen an die Götter und das Vertrauen auf deren Beistand ungebrochen. Jedem halbwegs alten Stein, jedem Relief wird Bedeutung beigemessen, nichts der historischen Hinterlassenschaften wird missachtet. Alles wird bewahrt, nichts ist wertlos, überall werden Blumen und Blüten als Opfergaben gebracht, das geschieht schon morgens, ehe das Tagwerk beginnt. 
Swayambunath
Swayambunath
Die Sammlungen vom National Museum of Nepal sind reichhaltig bestückt und sehr gut sortiert. Wir waren mehrere Stunden ernsthaft beschäftigt: anschauen, lesen, fotografieren, zwei Schritte weiter, anschauen, lesen, nochmals hinschauen, fotografieren, bloß nichts übersehen, hundertfache Wiederholungen der gleichen systematisierten Bewegungen, die Ausstellungsäle (leider nicht klimatisiert) und die Themen der Sammlungen wechseln. Erstaunlicherweise begegneten uns im Museum wenige ausländischen Touristen in den erstklassigen Kollektionen. 
Harati (1.Jh.) – A Royal Personage (3.-4.Jh.) – Padmahasta Lakshmi (8.Jh.) – Nagaraj (13.Jh.)
Harati (1.Jh.) – A Royal Personage (3.-4.Jh.) – Padmahasta Lakshmi (8.Jh.) – Nagaraj (13.Jh.)
Erfreulich und gleichzeitig seltsam komisch empfanden wir den Besuch dreier Schulklassen, die durch eine Sonderausstellung im Sinne des Wortes getrieben, regelrecht gejagt wurden. Die Schüler liefen nicht gemächlich, sondern eiligen Schrittes im Gänsemarsch an den Kunstwerken vorbei. Wir staunten, denn außer dem Rücken ihres Vordermannes haben die Schüler nichts gesehen und die Lehrer unternahmen nichts, um das Durchlauftempo zu verlangsamen. Dabei hätten die Lehrkräfte erklären können, hier werden erstmals Kunstwerke gezeigt, die unrechtmäßig außer Landes gebracht und endlich aus internationalen Sammlungen nach Nepal zurückgeführt wurden und hoffentlich in die vorhandenen Sammlungen integriert werden. – Die Sonderausstellung A TEMPORARY EXHIBITION OF THE REPATRIADED OBJECTS zeigt und dokumentiert außer sehenswerten Kunstwerken auch die unbedachte Sorglosigkeit mit der namhafte amerikanische und europäische Museen nepalesische Kunstschätze über Jahrzehnte hin präsentiert haben. Inzwischen wird weltweit Provenienzforschung betrieben. Bei berechtigten Ansprüchen werden die Kunstobjekte in die jeweiligen Länder oder an die privaten Eigentümer zurückgegeben, doch jede Rückführungsmaßnahme erfordert Bedacht. Es macht wenig Sinn, unwiederbringliche Schätze der Weltkultur in Länder zu geben, die sich permanent im Kriegszustand befinden. 
Buddha (14.-15.Jh) – Padhmapani Lokeshwor (16.-17.Jh.) – Museumsbesuch einer Schulklasse
Buddha (14.-15.Jh) – Padhmapani Lokeshwor (16.-17.Jh.) – Museumsbesuch einer Schulklasse
Am Nachmittag fuhren wir noch zum Ichangu Narayan Tempel und danach zum Ashoka Stupa West. Dieser Narayan Tempel ist einer von vier Vishnu-Tempeln, die an vier markanten Eckpunkten vom Tal gebaut wurden. Der in hügeliger Waldlandschaft errichtete Tempel hinterließ den Eindruck völliger Abgeschiedenheit. Trotz naher Wohnhäuser war kein Mensch zugegen. Kein Pilger, kein Tempeldiener, keine Aufsichtsperson trat auf den Plan. Wir genossen die Stille, die Sonnenwärme und blickten in Ruhe auf die wunderbare, unsere Meinnung nach seltene Vishnu-Statue, denn üblicherweise, zumindest in Nepal, wird Vishnu auf der Weltenschlange Ananta liegend als voluminöses Flachrelief dargestellt (als prominentes Beispiel: Budhanilkantha). Einen fast sitzenden Vishnu in diesem Format (annähernd lebensgroß) hatten wir zuvor noch nirgends in Kathmandu gesehen und bei dieser außergewöhnlichen Einzelentdeckung sollte es auch bei allen weiteren Exkursionen betreffs Vishnu bleiben. Den Ichangu Narayan Tempel suchen Kunstliebhaber auf, die den besonderen Vishnu sehen wollen. Wissenschaftler ordnen diese Statue der späten Malla-Periode zu, genaue Daten zur Entstehung sind nicht bekannt. Die vorbildlich restaurierte Tempelanlage bietet ansonsten wenig Sehenswertes, doch Pilgern einen stillen Ort zum Gebet.
Ichangu Narayan Tempel
Ichangu Narayan Tempel
Ashoka Stupa West, Patan
Ashoka Stupa West, Patan
Auf dem Weg zum Hotel in Lalitpur stießen wir am späten Nachmittag auf einen von Wohnhäusern umgebenen Stupa, der mit seiner kompakten Form völlig anders wirkt, als der Grashügel vom Ashoka Stupa West. Buddhas Augen sind in Kathmandu allgegenwärtig. 
Dhumbaha Stupa, Patan
Dhumbaha Stupa, Patan
Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Nepal-Indien 2025 Teil 2

7/4/2026

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Vierter Tag: Zu Fuß unterwegs in Bhaktapur

Der Palastbereich von Bhaktapur gilt als der schönste Tempelkomplex von den drei ehemaligen Königsstädten, diesem Werturteil pflichten die meisten Besucher bei, obgleich viele Bauten durch mehrere Erdbeben verloren gingen bzw. nicht in alter Pracht wieder aufgebaut werden konnten. Offene Weitläufigkeit auf dem Durbar Square ist das deutlichste Kennzeichen für den Verlust vieler Gebäude. Stilbrüche sind unverkennbar. Der Palast muss riesige Ausmaße gehabt haben, allein 99 Innenhöfe gab es einst. Trotz mehrfacher Erdbebenschäden haben es die Nepalesen mit unermüdlichem Fleiß und internationaler Unterstützung verstanden, das Zentrum von Bhaktapur wieder in einen erfreulich ansehnlichen Zustand zu versetzen. Trotz aller Hochachtung vor dieser Leistung und Freude, die während der Besichtigung aufkommt, stellt sich auch Wehmut und Trauer ein, wie schön und wunderbar müssen die Palastbauten vor den Erdbeben von 1833, 1934 und 2015 geglänzt und geleuchtet haben. 
Nepal-Indien 2025 Reisebericht Teil 2
Nepal-Indien 2025 Reisebericht Teil 2
Die Tempel und der Palast sind den adäquaten Bauten in Lalitpur und Kantipur durchaus vergleichbar, jedoch gibt es in Bhaktapur entsprechend der Ausdehnung der Palastanlagen mehr zu sehen: nämlich Spezifika im Außenbereich, die in den anderen Königsstädten fehlen bzw. weniger dominant auffallen, gemeint sind wertvolle Reliefs und Statuen, welche diverse Palasteingänge flankieren.

Das jetzige Eingangstor zur Shree Padma Secondary School, vormals Eingang zum nicht mehr existierenden, im 17. Jahrhundert erbauten Basantapura Palast, wird von zwei kolossalen Löwen und zwei wunderbaren Groß-Reliefs markiert. Zu sehen sind links die Göttin Ugrachandi Bhagavati, sprich: Chandika, eine Manifestation der Durga und rechts der Gott Ugrabhairava, eine Manifestation von Shiva, beide bewusst in furchterregenden Erscheinungen. 
Ugrachandi Bhagavati – Eingang zu Schule – Ugrabhairava
Ugrachandi Bhagavati – Eingang zu Schule – Ugrabhairava
Neben dem Palasteingang, heute Eingang zum National Art Museum, findet sich das vergleichbare Ensemble wie vor dem Schultor: zwei Löwen und zwei Reliefs. Hier bewachen links Hanuman Bhairava (eine Synthese aus Hanuman und Shiva) und rechts Vishnu Narasimha (4. Avatar von Vishnu als Mensch-Löwe) das vormalige Tor zum Palast. Die Doppelgottheit Hanuman Bhairava nutzt ein Reittier, welches entfernt an Garuda erinnert, dennoch seltsam unvertraut wirkt, dieses Faktum ist sehr speziell, denn üblicherweise kommt Bhairava auf einem schwarzen Hund daher und Hanuman nutzt kein Reittier, denn er kann durch die Lüfte fliegen. Bhairava ist eine Verkörperung von Shiva, für ihn wäre der Buckelstier Nandi als Vahana (Reittier) relevant. 
Hanuman Bhairava – Eingang zum Palast (National Art Museum) – Vishnu Narasimha
Hanuman Bhairava – Eingang zum Palast (National Art Museum) – Vishnu Narasimha
Nach der eingehenden Betrachtung der vier fast lebensgroßen Reliefs betraten wir um zehn Uhr das National Art Museum, wobei zur Relativierung eingestanden werden muss, dass der Palast und alle Tempel auf dem Durbar Square als einzigartiges Freiluftmuseum zu verstehen sind und also nicht nur im Museum, sondern auch im Außenbereich genügend Kunstwerke zu bewundern sind. Im Museum jedoch fokussiert sich der Blick auf einzelne Stücke oder geordnete Sammlungsbereiche, während draußen/open air der Gesamteindruck bestimmend wirkt. Zu den auserlesenen Kunstwerken, die ohne Entgelt im Außenbereich zu sehen sind, zählt auch das Goldene Tor, eine der berühmtesten Metallarbeiten in Nepal. Während jeder vor diesem Tor staunend verharrt, werden zwei Reliefs über dem Eingang zum Museum vernachlässigt bzw. übersehen. Das rechts über dem Museumseingang angebrachte Relief zeigt einen außergewöhnlichen achtarmigen Garuda, doch der Schein trügt, ein solcher Garuda lässt sich weder durch mythologische Überlieferungen, noch durch vergleichbare Bilder bestätigen. Welcher Gott ist auf dem einmaligen Relief dargestellt? Vermutlich blicken wir auf eine nepalesisch gefärbte Version eines Mahakala mit Krähenkopf in Stein gehauen. Tibetischen Buddhisten ist der krähengesichtige Kakamukha Mahakala vertraut, doch in Nepal sind solche Darstellungen selten und am Königspalast Bhaktapur ungewöhnlich. Hier hat sich ein Kunstwerk erhalten, welches nach unserem Ermessen einen würdigen Platz im Museum verdient hätte. Es wäre an der Zeit, den Wert dieses Reliefs angemessen zu feiern. 
Bhaktapur: Goldenes Tor & Garuda (u.V.)
Bhaktapur: Goldenes Tor & Garuda (u.V.)
Bhaktapur: Garuda (Kakamukha Mahakala?)
Bhaktapur: Garuda (Kakamukha Mahakala?)
Drei ausgewählte Reliefs aus der Sammlung vom National Art Museum Bhaktapur sollen die spezifische Ausrichtung der sehr gut sortierten Ausstellungsbereiche dokumentieren. In den Abteilungen sind vorrangig Objekte nepalesischer Herkunft zu sehen. Die hier vorgestellten drei Göttinnen sind als die weiblichen Aspekte ihrer männlichen Partner zu verstehen. Neben Brahma existiert Brahmi (Bhrahmhayani), an der Seite von Shiva (Maheshwara) lebt Maheswari (Parvati) und neben Indra residiert Indrayani. Die stilistische Ähnlichkeit der Reliefs lässt die Vermutung zu, dass die drei Kunstwerke in einer Werkstatt, wenn nicht gar von einem Künstler gefertigt wurden, zumal die zeitliche Zuordnung lt. Museumsbeschriftung jeweils ins 17. Jahrhundert weist. Vor den Füßen der Göttinnen liegen erstaunlicherweise die Reittiere im Doppel: Gänse (Hamsa), Buckelstiere (Nandi) und Elefanten (Airavata). Die Reittiere (Vahanas) sind untrügliche Merkmale zur Identitätsbestimmung der jeweiligen Gottheiten. 
Bhaktapur National Art Museum: Bhramhayani – Maheshwari – Indrayani
Bhaktapur National Art Museum: Bhramhayani – Maheshwari – Indrayani
Die Vorstellung der Tempel auf dem Durbar Square wird unterlassen, aber auf ein Hiti im Palastgelände muss hingewiesen werden. Den Taleju Tempel dürfen Touristen nicht betreten, doch den wenige Schritte nur durch eine Mauer getrennten Sundhara Pond kann (und sollte) jeder besichtigen, es ist vielleicht die schönste, gewiss die prächtigste Brunnenanlage in Bhaktapur. Der Brunnen ist auch bekannt als Thanthu Darbar Hiti, Thanthun Lu Hiti, Nag Pokhari oder als Duguhiti, der Name Sundhara Pond fand sich auf dem Hinweisschild im Palastgelände. Welcher Name ist verbindlich? Gemeint ist stets das gleiche Becken. Umfassende Informationen liefert der WIKIPEDIA-Artikel Thanthu Darbar Hiti.
Bhaktapur Palastgelände: Sundhara Pond & Naga im Becken
Bhaktapur Palastgelände: Sundhara Pond & Naga im Becken
Bhaktapur Palastgelände Sundhara Pond: Ausgusswand – Makaraausguss – Relief Bhagiratha
Bhaktapur Palastgelände Sundhara Pond: Ausgusswand – Makaraausguss – Relief Bhagiratha
Wem es nach der Besichtigung von Palast und Durbar Square nach weiteren Tempeln gelüstet, der begebe sich zum Taumadhi Square, dieser schöne Platz wird von Tempeln und historischen Gebäuden eingefasst. In einer Seitengasse, der Jelan Galli, die kaum zu verfehlen ist, befindet sich das berühmte Pfauenfenster. Das Objekt fotografischer Begierden kann nicht verwechselt werden, Pfeile und Schilder weisen das richtige Fenster aus. Weshalb sich nur das eine betreffende Fenster besonderer Beliebtheit erfreut, mag begründen, wer will. Wir meinen, alle anderen Fenster vom Pujari Math (Priesterhaus) sind nicht minder sehenswert. In dem ehemals sakral genutzten Gebäude befindet sich verteilt auf mehreren Etagen das Museum für Schnitzkunst Wooden Art Museum. Im Nachbarhaus wird eine Ausstellung nepalesischer Metallskulpturen gezeigt Brass and Bronze Museum. Sich im Zentrum von Bhaktapur nicht nur an den bekannten Plätzen völlig ungezwungen umzutun, sondern sich auch in die Seitenstraßen zu begeben, weitet die Sicht auf das Alltagsleben der Menschen. 
Bhaktapur Pujari Math: zwei Fenster
Bhaktapur Pujari Math: zwei Fenster
Picture
Bhaktapur Pujari Math: das berühmte Pfauen-Fenster
Bhaktapur Pujari Math: das berühmte Pfauen-Fenster
Keinen Kilometer südlich vom Taumadhi Square stoßen unentwegte Touristen auf das Maheshwari Ghat und das Hanuman Ghat, beide Verbrennungsplätze liegen am Ufer des kurvig gewundenen Hanumante River. Wer hierher kommt, trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit nur auf wenige oder keine Touristen, taucht aber tief ins religiöse Leben der Nepalesen ein, lernt deren Verständnis und die Verehrung der hinduistischen Götter sozusagen hautnah und unverfälscht kennen, ganz abgesehen davon ist der zum Fluss hin abfallende Weg auf historischen Pflaster vorbei an vielen kleinen religiösen Stätten ein intensives und wer sich darauf einlässt ein spirituelles Erlebnis.
Schreine an der Straße zum Hanumante River
Schreine an der Straße zum Hanumante River
Bhaktapur Hanumante River: Maheshwari Ghat – Mahisasuramardini – Ganesha – Krishna
Bhaktapur Hanumante River: Maheshwari Ghat – Mahisasuramardini – Ganesha – Krishna
Hanuman Ghat: Lingam – Glocke – Vishnu – Tara – Umamaheshwari – Vishnu – Hanuman
Hanuman Ghat: Lingam – Glocke – Vishnu – Tara – Umamaheshwari – Vishnu – Hanuman
Hanuman Ghat: Ganesha – Brahma – Buddha
Hanuman Ghat: Ganesha – Brahma – Buddha
Hanuman Ghat: Lingas und Lingam auf Sockel vor Schule
Hanuman Ghat: Lingas und Lingam auf Sockel vor Schule
Wochentags erhält die Besichtigung der Ghats durch reges Treiben und Lärmen in der Shree Bal Nevak Lower Secondary School zusätzlich eine akkustische Färbung, die manch einer als Belästigung empfinden wird, doch Kindergeschrei gehört zum alltäglichen Leben. Mit völligen Selbstverständnis nutzen die Schüler in den Pausen zwischen den Unterrichtsstunden den heiligen Ort als Ruheplatz, inbegriffen sind Toben und Schreien. In Bhaktapur, wie auch in den anderen Ortsteilen von Kathmandu, stehen hinduistische neben buddhistischen Götteridolen zwanglos nahe beieinander. Der Außenstehende spürt die gelebte Toleranz. Drei, besser vier Tage wären angemessen, um Bhaktapur in aller Vielfalt zu erleben und zu verstehen, wer aber nimmt sich diese Zeit . . . 

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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    Autor Günter Schönlein

    Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen.


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    Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen,  siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.

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