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Im November starteten wir zu einer Zwei-Länder-Reise. In Nepal bin ich seit dreißig Jahren nicht mehr gewesen und im Nachbarland Indien werden uns die Ziele auch nach mehreren Reisen niemals ausgehen. Auf dem Subkontinent unterwegs zu sein, hat uns bislang immer gefallen. Die Flugroute Frankfurt-Delhi ist uns mittlerweile vertraut. Wir flogen zuverlässig mit EMIRATES. Nach einer Übernachtung in einem Hotel Nähe dem Airport Delhi starteten wir am Vormittag nach Kathmandu. Klares ruhiges Wetter und ein Fensterplatz auf der rechten Seite ermöglichten die Sicht auf die unvergleichlich majestätisch und endlos wirkende Himalaya-Bergkette, das war die ideale Einstimmung auf unsere Tage in Kathmandu und ausgewählte Ziele in der näheren Umgebung. Reisende berichten oft, sie seien in Kathmandu gewesen, lassen aber unerwähnt, ob sie damit die historische Hauptstadt meinen, die früher einmal Kantipur hieß und später in Kathmandu umbenannt wurde oder ob sie die moderne Großstadt Kathmandu meinen, zu der zwei weitere ehemalige Hauptstädte der Malla-Dynastien gehören. Auf Grund von Besiedelungsprozessen in moderner Zeit wuchsen die ursprünglich drei im Tal benachbarten unabhängigen Königreiche zur Großstadt zusammen. Wer heute in Lalitpur (Patan), in Bhaktapur und in Kantipur (Kathmandu) unterwegs ist, der überschreitet unmerklich und ahnungslos Grenzen, deren früheren Verlauf nur noch Archäologen oder Kartographen kennen. Mag sein, dass manche Stadtbezirke teilweise noch dem damaligen Grenzen entsprechen. Die Zentren damaliger Machtbereiche, nämlich die Paläste und Tempel der Herrscher, bilden heute den touristisch verwertbaren Schatz der Großstadt Kathmandu. Über die geschichtlichen Ursprünge und den Fortgang der Urbanisierung im Kathmandu-Tal wird hier nicht referiert. Die archäologische Forschung liefert über die verflossenen 1000 Jahre einen ziemlich geschlossenen Überblick, der von exakten Zahlen gestützt wird. Alle geschichtlichen Ereignisse kann jeder im Internet oder in Büchern nachlesen, jeder solide Reiseführer liefert diesbezüglich Daten und Fakten. Visum und Geldtausch waren schnell erledigt. Noch am späten Nachmittag fuhren wir zum ersten Tempel. Auf einem Bergrücken in der Nähe von Bhaktapur steht der Changu Narayan Tempel, diese Tempelanlage hatten wir bewusst als Auftakt gewählt, die Vishnu geweihte heilige Stätte gilt als einer der ältesten Tempel, die sich im Tal von Kathmandu erhalten haben. Selbstredend sind die Zerstörungen durch Erdbeben, der wetterbedingte Verschleiß und die Abnutzung durch tägliche religiöse Nutzung ins Kalkül aller Visiten zu ziehen, zu sehen sind Wiederaufbauten, zumeist sorgfältige, im Einzelfall auch mal unsachgemäße Restaurierungen, diese Feststellung gilt umfassend für alle religiösen Orte, die für das internationale touristische Publikum zugänglich sind. Den Garbhagriha (das Heiligtum) darf nur der Priester betreten, nur er kennt das Angesicht der Vishnu-Statue im Changu Narayan-Haupttempel, alle anderen Schreine sind für die Hindus und das übrige Publikum zugänglich. Am späten Abend bezogen wir in Patan, einem Ortsteil von Kathmandu, für zehn Nächte ein für unsere Vorhaben vorteilhaft gelegenes Quartier. Ein Fahrer mit Auto (übrigens Elektroantrieb Made in China) stand uns täglich von morgens bis abends bzw. nach spezieller Absprache zur Verfügung. Zweiter Tag: Ganztägig zu Fuß in Patan unterwegs Noch vor dem Frühstück besichtigten wir den Jagat Narayan Mandir. Außer zwei Nepalesen, die auf dem Weg zur Arbeit kurz zum Gebet innehielten, konnten wir den Tempel, der wahrscheinlich nur in wenigen Reiseführern empfohlen wird, allein besichtigen. Narayan meint Vishnu. Vom Narayan Tempel sahen wir außer den Klosterbauten, die in U-Form den Tempel rahmen, nicht viel, das Erdbeben 2015 hat den hohen Shikhara-Tempel vollständig dem Erdboden gleichgemacht, jedoch der Wiederaufbau vom östlich vorgelagerten Shiva Tempel war bereits abgeschlossen. Hier ließen sich alle diversen Materialien nachweisen, die einen hinduistischen Tempel auszeichnen: gebrannte Ziegel, Terrakotta, Sandstein, Holz und Metall, das sind die bevorzugten Baustoffe, welche für die Tempel im Kathmandu-Tal verwendet wurden und für neue Tempelbauten bis heute zum Einsatz kommen. Unser Morgenausflug zum Jagat Narayan Mandir war die ideale Vorstudie für alle weiteren Tempelanlagen, welche wir heute in Lalitpur besichtigen wollten. Vom Frühstück gestärkt brachen wir auf zu neuen Taten. Die Hauptziele des Tages: der Palastbereich und das Palast Museum Patan, die Tempel am Darbar Square und ausgewählte Straßenzüge in Patan, hier mit dem Fokus auf Hitis (Brunnen). Gegen 8Uhr30 herrschte vor dem Palastbereich am Darbar Square schon reges Treiben. Die meisten Tempel waren von betenden Menschen belagert, auch Touristen waren schon unterwegs, bezüglich Menschenströme war mit zunehmender Tendenz zu rechnen, eine Prognose, die eintraf. Noch konnten wir ohne dichtes Gedränge die einzelnen Tempel begutachten, wenn auch nicht alle betreten. Schilder mit dem konkreten Hinweis Visit only for Hindus oder No Visit schränken die Aktivitäten ambitionierter Touristen ein, gerechterweise muss gesagt werden, die meisten Hindu-Tempel sind auch für Nicht-Hindus zugänglich. Bei buddhistischen Tempelanlagen gibt es ohnehin keine Beeinträchtigungen, die darf jeder betreten. Hindus und Buddhisten leben in Nepal seit Jahrhunderten in friedlicher Koexistenz, diese erfreuliche Situation menschlicher Toleranz wird oft beschrieben und vermittelt sich auch unverfälscht den außenstehenden Fremden, alle sind willkommen. Schon der erste Augenschein von dem verdichteten Tempel-Ensemble auf dem Darbar Square beeindruckt. Tatsächlich stehen die Tempel nah beieinander, bedrängen sich, ohne an Eigenständigkeit zu verlieren. Sich jedem Tempel im Detail zu widmen erfordert viele Stunden, wenn nicht Tage, doch die stilistischen Unterschiede machen den Reiz der verschiedenen Tempelanlagen aus. Kurz gesagt: das Staunen nimmt kein Ende. Pünktlich 10Uhr betraten wir den Palast und gingen zuerst ins völlig neue, vorbildlich eingerichtete Museum. Es sollte Mittag werden, ehe wir erfüllt mit mannigfaltigen Eindrücken wieder im Menschengemenge untertauchten. Wer nepalesische Kunst sehen und einen Überblick über die sagenhaft unerschöpfliche Götterwelt erhalten möchte, der ist im Patan Museum richtig, das wiederum ist Bestandteil vom Palast, der mit deutscher Unterstützung saniert und umgebaut wurde. Kunstliebhaber werden bestätigen, dass die Sammlungen und deren museale Präsentation modernen Ansprüchen gerecht werden. Mehrere Innenhöfe (Chowk) gliedern das weitläufige Palastgelände. Einen dieser Höfe darf man keinesfalls auslassen: den Sundhari Chowk mit dem Tusha Hiti, das ist ein Hof mit einem schönen Brunnen. Im Stadtgebiet von Kathmandu findet sich kein Pendant zu diesem königlichen Brunnenbecken. In zwei Registern finden sich jeweils als Einzelrelief über fünfzig tantrische Gottheiten in Stein gehauen. Kein Laie hält sie auseinander, doch die Gesamtheit ihrer Vielzahl betört das Auge, ruft Staunen hervor, was durch das harmonische Oval des Beckens verstärkt wird. Im Mul Chowk sind zwei sehenswerte vergoldete Messingskulpturen zu sehen: die Flussgöttinnen Ganga auf dem Makara und Yamuna auf der Schildkröte agieren als Wächterinnen der vergoldeten zweiflügligen Tür. An ihren Reittieren (Vahana) sind die Flussgöttinnen eindeutig zu identifizieren. Beachtenswert sind auch die aufwendigen Holzarbeiten im Palast: Schnitzwerk in feinster Qualität. Der Fokus kann sowohl einzeln auf die Pfeiler, Säulen und Balken, auf die Fenster und auf die Dachstützen oder aber auf die Holzarchitektur in ihrer Gesamtheit gerichtet werden. Detailreiche Variationen der verschiedenen Bauelemente fallen ohne langes Suchen unmittelbar ins Blickfeld. Die Formen und Muster der geschnitzten Fenster sind an Vielfalt den mit vielarmigen Götteridolen besetzten Dachstützen ebenbürtig. Motivische Abwechslung ist garantiert. Figurale Erscheinungen und ornamentale Verschlingungen vereinigen sich zum harmonischen Wunder. Die Newar haben über Jahrhunderte hinweg von Generation zu Generation ihre Erfahrungen betreffs Holzschnitzerei bis in die heutige Zeit übermittelt, nicht umsonst und mit Stolz wird von der Newar-Kunst gesprochen. Ehrgeizige Fotografen könnten themenbezogene Sammelordner von Holzschnitzereien anlegen. Es wäre an der Zeit, dass eine umfassende wissenschaftliche Studie über die Götterbilder auf geschnitzten Dachstreben an nepalesichen Tempeln, Palästen und Wohnhäusern erstellt wird. Außerhalb vom Darbar Square wird das unverfälschte Alltagsleben augenfällig. Das undurchschaubare Gewirr von Straßen, Gassen und Höfen ist durchsetzt von Tempeln, Geschäften, Marktständen und Brunnen. Jene bunte Welt, die westliche Touristen als pittoreske Fotomotive erfassen, gilt den Nepalesen meist notgedrungen als selbstverständlicher Lebensraum. Je weiter westliche Besucher sich von touristischen Zielen entfernen und in entlegenere Stadtteile vordringen, desto radikaler scheinen die krassen Unterschiede zwischen Wohlstand und Armut, zwischen Vergangenheit und Fortschritt auf. Die Alltagseindrücke sind nicht immer bunt und der Himmel nicht durchgängig blau. Sorgen, Geldnot und Krankheit markieren das Stadtbild und zeichnen die Gesichter der Menschen. Dritter Tag: Ganztägig zu Fuß in Kathmandu (Kantipur) unterwegs Aufbruch noch vor sieben Uhr scheint früh, dennoch waren wir in der Morgenstunde nicht allein unterwegs auf dem Durbar Square. Die Nepalesen sind im Unterschied zu vielen Indern Frühaufsteher. Zum Morgengebet sammeln sich Hindus vor den Tempeln und kleineren Heiligtümern, ehe sie ihren Beschäftigungen nachgehen. Mächtig Andrang herrschte am Shree Kaal Bhairav Tempel, während der Swet Bhairav Tempel (Haathwon Dyo) weniger frequentiert wurde. Angebetet wird jeweils ein Avatar von Shiva. In gewohnter Form zeigt sich im Swet Bhairav Tempel der Verehrte mit grimmigen furchterregenden Gesicht, anders der angeblich aus einem Stein gefertigte Kaal Bhairav, die Gläubigen meinen hier ein freundliches, lächelndes Antlitz zu erkennen. In den drei Königsstädten ähneln sich die Paläste und die Tempelbauten, die Materialen für die typischen Pagoden sind die gleichen, verwendet wurden Backsteinziegel, Sandstein und Holz. Die meist quadratischen, seltener oktogonalen Bauten unterscheiden sich in der Anzahl der Dachaufbauten, ein bis drei Dächer sind die Regel, fünf Dächer fallen als Ausnahme auf. Nach intensiver Begutachtung fallen die Unterschiede der Tempelbauten selbst unvoreingenommenen Betrachtern auf. Für wenige Tempel wurden ausschließlich Sandstein bzw. Granitstein verwendet, diese Tempel bestätigen die Ausnahmen im homogen Erscheinungsbild vom Pagodenensemble. Auch in Kathmandu, gemeint ist das Zentrum der Königsstadt vom ehemaligen Malla-Reich, umschließen Tempel, moderne Wohnhäuser und Geschäftsbauten den Palastbezirk. Namenlose Heiligtümer wechseln mit bekannten in Reisehandbüchern empfohlenen Tempeln ab. Chaityas (Miniaturstupas) stehen an vielen Straßenecken, auf Hinterhöfen und innerhalb von Tempelanlagen. Ältere von Bäumen umschlossene, dem natürlichen Wachstum auf Gedeih und Verderben ausgelieferte Schreine haben sich nur noch wenige im Stadtzentrum erhalten. Die besten Kunstwerke älterer Provenienz werden in größeren Tempeln bewahrt, so befinden sich beispielsweise in buddhistischen Tempeln wertvolle Statuen aus der Licchavi-Periode (300-750 n. Chr.), ähnlich seltene Götteridole früherer Jahrhunderte werden in hinduistischen Tempeln hinter Verschluss gehalten oder in Museen präsentiert. Ein Gang durch die belebten Straßen strukturiert sich durch Zwischenhalte: ein Stopp vor einem Schrein, der Blick in einen Tempel, das Begutachten einer Votivstupa, der Blick in einen Brunnen (Hiti). Zufällige Stadtrundgänge bieten neben Staunen noch die Möglichkeit ungezwungener vergleichender Kunstbetrachtung, sofern man religiöse Stätten und Reliefs als Kunstobjekte schätzt. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Kantipur bedeutet Stadt des Lichts. Diesen Namen trug eines der drei Malla-Königreiche im Tal von Kathmandu. Jeder spricht mit Selbstverständlichkeit von Bhaktapur und Lalitpur, den zwei anderen kleinen Königreichen der Malla, doch die Benennung Kantipur für das dritte Königreich wird selten verwendet. Alle Touristen berichten allgemein von Kathmandu, ihrem Urlaubsziel, tatsächlich haben sie die historischen Hinterlassenschaften von Kantipur, Bhaktapur und Lalitpur besichtigt. Konkret: der moderne Name Kathmandu bezeichnet vorrangig die Hauptstadt Nepals und darin eingeschlossen die ehemaligen drei Malla-Reiche im Tal. Diesem Artikel vorangegangen ist eine Betrachtung der Wasseranlagen in der Altstadt von Lalitpur, in diesem Beitrag liegt der Fokus auf Kantipur und Bhaktapur. Einleitend einige allgemeine Betrachtungen zur Wasserversorgung in den ehemaligen Königsstädten. Generell ging es, gleich in welchem Stadtteil, bei allen Zapfmöglichkeiten um eines: möglichst problemlos an Wasser zu gelangen bzw. jederzeit genügend Wasser zur Verfügung zu haben, zu unterscheiden wäre lediglich zwischen Brauch - und Trinkwasser. Mit Brauchwasser (auch Nutzwasser) konnte gewaschen oder darin gebadet werden. An das Trinkwasser wurden hygienische Ansprüche gestellt, es musste klar und sauber sein, denn mangelhaftes Trinkwasser verursacht ernsthafte Erkrankungen. Nutzwasserbecken konnten sich nur die Oberschichten der Gesellschaft bauen lassen. Falls das Trinkwasser knapp würde, konnte man das Brauchwasser notfalls filtern und abkochen, eine Prozedur, die bis heute in vielen ländlichen Regionen Nepals noch immer praktiziert wird. Touristen wird dringend empfohlen, nur abgekochtes Wasser zu trinken, also heiße Getränke (Tee, Kaffee) oder aber in Flaschen abgefülltes Mineralwasser. Die Ansprüche an die Reinheit des Trinkwassers sind gestiegen, Menschen aus der westlichen Hemisphäre sind weniger robust, als die Landbevölkerung Nepals. Im Palast von Kantipur, genauer gesagt im Gartenbereich östlich hinter den Lohan Chowk befindet sich ein mittelgroßes, insgesamt recht tiefes Stufenbecken, aus dessen Zentrum eine senkrecht aufragende Säule gen Himmel ragt, der quadratische Pfeiler (genannt: Naagyu Statue) ist einer Naga (Schlange) nachempfunden. In einem der Innenhöfe vom Kantipur Palast existiert auch ein ähnliches Prachtbecken wie im Lalitpur-Palast. Im November 2025 waren jedoch einige Bereiche vom Palastgelände Kantipur wegen Wiederaufbauarbeiten nicht zugänglich, weshalb von diesem Becken kein Foto präsentiert werden kann. Keine 200m westlich vom Maju Dega Tempel (Palastbezirk Kantipur) hat sich das geräumige Maru Hiti erhalten. Großzügige Restaurierungsmaßnahmen vermitteln einen überzeugenden Eindruck einer prachtvollen Beckenanlage, die bis heute für die Bewohner des Stadtviertels Maru wichtig ist. Die Menschen nehmen das wahrscheinlich kostenlose Wasserangebot gern an. Die Betriebsamkeit in diesem Becken reißt nicht ab. Mütter waschen Kinder, Männer schrubben Wäsche, andere füllen Behälter mit Wasser für den Haushalt. Der Nutzungsbedarf und der Wert dieser Wasseranlage ist auch in der Jetztzeit offensichtlich vorhanden. Die Anordnung der Becken und der Ausflussrohre folgt erprobter Symmetrie. Das größte Becken in der Mitte (zwei Steinrohre) bleibt den verschiedenen Waschzwecken vorbehalten. Rechts und links sind die Trinkwasserrohre angeordnet. An der rechten Seite überwiegt die Verehrung der Götter, hier sind mehrere Götterbilder zur Anbetung präsent. Linksseitig ist nur eine Reliefnische über dem Makara-Rohr vorhanden. Unter dem Ausfluss fehlt ein Relief, kein Yaksha, kein Muschelhornbläser ist anwesend. Unmittelbar am Fahrweg mitten in Kantipur ist ein Objekt moderner Wasserversorgung zu sehen, ein Hydrant, welcher nach herkömmlicher Art durch eine Ummauerung geschützt wird. Wahrscheinlich fließt aus dem Stahlrohr nur nach Bedarf für Feuerlöschzwecke Wasser, für herkömmliche Nutzungszwecke ist das Ventil ungeeignet, das kleine Zapfrohr auf halber Höhe führt kein Wasser. In Bhaktapur haben sich mehr Wasseranlagen als in Kantipur erhalten, das mag ein Fehlurteil sein, da viele Bereiche im Palastbereich von Kantipur nicht zugänglich, folglich weniger Entdeckungen möglich waren, während in Bhaktapur nur geringfügige Sperrungen wegen Bauarbeiten die Visite historischer Bausubstanz behinderten. Neben dem Indrayani Tempel, gelegen am Treppenaufgang zum nördlichen Eingang zur Altstadt von Bhaktapur, befindet sich ein rechteckiges Stufenbecken, ein einfaches zweckgebundenes Hiti. Kurz hinter der Shree Padma Secondary School befindet sich ein sehenswertes mit Sandstein eingefasstes Tor zu einem Innenhof, dort haben die Malla ein Stufenbecken angelegt, das Bandhar Pokhari, dieses Becken gehörte zum Palastbereich und ist heute Teil des Museums. Die Ausbauphasen nachträglicher Restaurierungen sind unübersehbar. Der Pavillon am Beckenrand harrt noch seiner Fertigstellung. Das prachtvolle, wenngleich heute funktionslose Layku Hiti blieb neben dem oktogonalen Pavillon Chyasilan Mandapa gegenüber vom königlichen Palast erhalten. Layku Hiti bedeutet: Wasserstrahl am königlichen Palast. Bhupatindra Malla soll diese Anlage 1691 erbaut haben, sie diente der Versorgung der umliegenden Tempel mit heiligem Wasser. Die Wasserleitung führte vom Palast nach draußen. Ein ziemlich vernachlässigtes, um nicht zu sagen verwahrlostes namenloses Hiti liegt am Weg, östlich gegenüber vom Shilu Mahadev Tempel. Noch ist zu ahnen, wie ansehnlich einst diese Brunnenanlage ausgeschaut haben muss. – Nördlich vom Shilu Mahadev Tempel an der Yalachhea Road steht eine Schwengelpumpe in einem steinernen Becken, dahinter mehrere Schreine, daneben ein Lingam, das ist ein Platz, der tiefste Volksfrömmigkeit im Verbund mit einer neuzeitlichen Wasservorrichtung dokumentiert. Freistehende Steinwände mit Wasserhahn sorgten für die Trinkwasserversorgung der Menschen, diese sehr praktischen und sicher einst willkommenen Zapfstellen, sind meist deaktiviert, also funktionslos. Die ansehnlichen, meist mit Reliefverzierungen versehenen Wände sind wichtige Zeugnisse historischer Wasserbereitstellung. Die hier mit zwei Bildern vorgestellte Steinwand=Tutedhara=Trinkwasserbrunnen an der Yalachhea Road weist sämtliche typischen Kennzeichen einer Wasserzapfstelle auf. Über dem nicht mehr vorhandenen, abgebrochenen Wasserhahn befindet sich ein Götterrelief, wir meinen Vishnu in seiner Inkarnation als Fisch (Vishnu Matsya) zu erkennen. Das Relief im unteren Bereich vom Trinkwasserbrunnen zeigt den fast schon obligatorischen Muschelhornbläser, mit dem im Regelfall Prinz Bhagiratha gemeint ist, welcher in mythologischer Beziehung zum Wasserfluss im Kathmandu-Tal steht. Beide Reliefs, sowohl Vishnu als auch Bhagiratha weisen durch das Muschelhorn auf die Verbindung zum Wasser hin. Das Muschelhorn (Shankha) ist eines der Attribute Vishnus, kann deshalb mit jeder Inkarnation Vishnus assoziiert werden. Es gilt als Objekt der Reinheit, welches Kraft vermitteln und den kosmischen Klang erzeugen kann, deshalb werden diese natürlichen Instrumente für religiöse Rituale verwendet. Bekannt ist das Muschelhorn auch als eines der buddhistischen Glückssymbole. Hinweis zur Identifizierung des Muschelbläsers als Prinz Bhagiratha → siehe weiter unten: Lun Hiti im Palastbereich. Das Museum of Art in Bhaktapur wird gern besucht. Im Innenhof gleich hinter dem Kassenbereich befinden sich Toiletten, unmittelbar daneben existiert ein Hiti. Dieses tiefe, recht kleine Becken hat keinen Zugang, ein Zustand, der jegliche praktische Nutzung ausschließt. Es ist durchaus anzunehmen, dass es vormals auf diesem Hof einen Brunnen gab, doch was jetzt zu sehen ist, kann bestenfalls ein Nachbau, eine Rekonstruktion sein, sofern Wasser vorhanden wäre, könnte es ein Schöpfbrunnen sein. Auf manchen stilisierten Plänen findet sich eine der schönsten Beckenanlagen in Bhaktapur als Golden Fountain eingetragen. Andere Karten nennen das Becken Naga Pokhari, weitere Autoren sprechen vom Lun Hiti bzw. vom Thantu Darbar Hiti. Die beiden letzten Begriffe kommen der architektonischen Sachlage am nächsten. Ein Hinweisschild für Touristen nennt das Becken Sundhara Pond (siehe Foto). Welcher Begriff auch immer verwendet wird, die Rede ist allemal vom selben Wasserbecken. Wir blicken in ein von liegenden Schlangen eingefasstes Stufenbassin mit integriertem Hiti, das Bassin wird vom Wasserstrahl aus dem Hiti-Rohr gespeist. Aus dem Zentrum des Bassins erhebt sich glorios eine Naga-Säule, der Schlangenkopf schaut in Richtung Hiti, über dem wiederum ein Schlangenkopf aufragt, der sich wiederum zur Naga-Säule wendet. Das Wunder am Lun Hiti ist aber vor allem der einzigartige Makara-Ausfluss. Vergoldetes Messing umhüllt den selten schön geformten Makara-Körper, das ist eine unwiederbringliche Repoussé-Arbeit oder anders gesagt: nepalesisches Handwerk in höchster Qualität. Wer diesen Makara aus der Nähe gesehen hat, wird feststellen, dass keine Beschreibung diesem Kunstwerk gerecht wird. Nur durch Nahsicht erschließt sich das vielschichtige Bildwerk dieses Makaras. Der Makara verschlingt eine Ziege, aus dem zahnreichen Maul ragen nur noch die Vorderläufe und der gehörnte Kopf. Auf der Rückenplatte steht ein Krokodil. Geradezu ungewöhnlich sind die Flanken des Makara gestaltet. Auf jeder Körperseite tummeln sich verschiedene Lebewesen: Wassertiere und Landtiere, sogar menschenähnliche mythische Tiere sind anwesend, gemeint sind die Kinnaras/Kinnari, die männlich/weiblichen Mensch-Vogel-Wesen, welche in Nepal unter dem Begriff Jalamanusha bekannt sind. Muscheln, Frösche, Fische, Krebse, Schlangen, Vögel, Wildschweine, Pferde, Ziege, Schildkröte: ein Sammelsorium der Tierwelt gibt sich die Ehre. Hinweis: die Aufzählung der Tiere und andere Hinweise verdankt der Autor der sehr ausführlichen Beschreibung von dem 1940 geborenen Sanskritgelehrten Gautama Vajra Vajracharya auf der Internetseite: RUBIN (Museum of Himalayan Art NYC) darin das Essay Golden Fountain of Bhaktapur | Project Himalayan Art Im erwähnten Essay von Gautama V. Vajracharya wird auch die lesenswerte Geschichte vom Prinz Bhagiratha erzählt, der auf dem Relief unter dem Makara-Wasserausfluss zu sehen ist. Das ist ein konkreter Hinweis auf die ominösen Muschelhornbläser, welche an anderen Hitis zu sehen sind. Allein der Vergleich der Muschelhornbläser, sprich: Bhagiratha, wäre selbst für abitionierte kunstinteressierte Laien nicht ohne Belang. Auf dem Taumadi Square in Bhaktapur stehen zwei bedeutende Tempel, neben dem Bhairavnat Tempel befindet sich ein prachtvolles Jahru (Wasserzapfanlage). Im unteren Bereich ist wieder Bhagiratha mit seinem Muschelhorn zu sehen, ihn flankieren Makaras und Kinnaras. Im oberen Wandbereich unter den Lufteinlassluken sehen wir einen vom Naga geschützten Buddha und zwei halbgöttliche Wesen, es müssen Chowry Bearer sein, ganz außen wiederum die Kinnaras. Wenige Schritte rechts vom Bhairavnath Tempel und dem Bhairavnath-Jahru etwas unter Bodenniveau versenkt, befindet sich das Lü Hiti. Dieses Hiti ist insofern außergewöhnlich, weil es mit einem besonderen Brunnen kombiniert ist. Die Newar sprechen von Jaldroni = Jahru, also von einer Trinkwasserzapfstelle. Dieses Jahru zeigt ein Navagraha-Relief, also die Aufreihung der neun Planeten, das Relief wird auf das 13.-14. Jh. datiert, das Lü Hiti soll erst im 16. Jh. erbaut worden sein. Abgesehen vom Navagraha-Relief, welches bei unseren Exkursionen an keinem anderen Jaldroni in den drei Königsstädten gefunden wurde, weist auch das Lü Hiti Besonderheiten auf. Über dem Makara-Ausfluss thronen Shiva und Parvati (Uma-Mahesvara), ein wunderbares Relief, welches sehr voluminös wirkt, man meint, auf eine kleine, nicht völlig freistehende Statue zu blicken. Unter dem Makara kniet Bhagiratha, eine etwas andere als die gewohnte Darstellung, hier ohne Muschelhorn. Mitten in Bhaktapur auf dem Dattatreya Square fällt rechts neben dem Dattatraya Tempel hinter einer Steinwand ein rundes Brunnenbecken auf, das Becken gehört zur schmucken Steinwand, es handelt sich um ein Jahru, einen Trinkwasserbrunnen. Vor der verzierten Wand mit den typischen Lüftungsöffnungen, an denen die Trinkbrunnen zu erkennen sind, steht noch ein Wasserauffangbecken. Dieses wenig schöne Jahru hat mindestens eine Zerstörung und einen Wiederaufbau hinter sich, der Unterschied zu dem prächtigen Bhairavnath-Jahru oder dem Jahru an der Yalachhea Road ist auffällig. Lediglich der Standort ist markant: vor einem Tempel. Auf dem Verbindungsweg zwischen dem Taumadhi- und dem Tachapal Square liegen zwei Hitis nah beieinander: das eine Hiti (ohne Name) wurde gegenüber vom Bishnu Mandir wiederaufgebaut, das andere authentisch wirkende formschöne Palikhel Iho Hiti ist keine 100m östlich an der gleichen Straße vor dem Jhaur Bahi zu finden. Wer in Bhaktapur auf der Bhailagaal Tole Road wandelt, der schreitet auf historischen Pflaster, findet dort auch einige kleine Tempel und stößt auf der abwärts führenden Straße auf ein aus Naturstein schlicht gebautes Hiti, welches keinen sakralen Schmuck aufweist. Neben dem historischen Makara-Ausflussrohr ragt zusätzlich eine Wasserleitung aus der steinernen Wand. Das verzinkte Rohr mit Wasserhahn stört die harmonische Ästhetik des formschönen Beckens, die Montage der modernen Leitung muss aus praktischer Notwendigkeit erfolgt sein. Am nördlichen Flussufer unterhalb der Brücke steht der tagsüber wenig besuchte Shree Hanuman Tempel, dort findet sich etwas versteckt ein ansehnlich restauriertes halbrundes Hiti. Der Siddhikali Tempel in Thimi (ein dem Bezirk Bhaktapurs zugehöriger Ortsteil von Kathmandu) ist ein ansehnlicher Tempelkomplex, auf dessen Areal außer dem Haupttempel noch mehrere Schreine gebaut wurden, so auch der kleine Basundhara Tempel. Zu beiden Tempeln gehört jeweils ein Hiti, die sich keineswegs gleichen. Auf dem Gelände vom Siddhikali Tempel befindet sich außerdem der kleine Basundhara Tempel, dort wiederum etwas im Abseits versteckt sich noch ein weiteres Becken, welches selbstredend die obligatorischen Architekturelemente eines Hiti vorweisen kann: einen altarähnlichen Schrein über dem Makara-Ausfluss, den Makara selbst, übrigens eine Variante, die zuvor nicht zu sehen war, selten ist das schneckenartig gerollte Schuppenbild vom Makarakörper, darunter das Bhagiratha-Relief, ebenfalls variiert. Einigen Lesern mag das Thema Wasserversorgung in Kathmandu zu weitläufig vorkommen, dabei nähern sich die Fotos und Erläuterungen der Thematik Hiti und Jahru nur an, ohne zu erschöpfenden Erkenntnissen gelangt zu sein. Hier sei versichert, dass keine der Wasserversorgungsstellen bewusst gesucht wurde, alle Orte, die mit Wasser zu tun haben, fanden sich zufällig auf Exkursionen durch die verschiedenen Stadtteile von Kathmandu. Dieses Thema genügte sogar für den Umfang einer Doktorarbeit, das belegt eine 2015 vorgelegte im Internet als Download abrufbare Dissertation von Satya Shila Kashajoo: LÜN-HITIS (golden spouts) OF BHAKTAPUR with special focus on Lün-hiti of Bhaktapur Durbar Complex and Taumadhi In partial fulfillment of the requirements for the degree of Master in Art (MA), Tribhuvan University, Institute of Humanities and Social Science, Central Department of Nepalese History, Culture and Archaeology Kirtipur, Kathmandu Submitted by Satya Shila Kashajoo Im Vergleich zu den umfassenden Erkenntnissen von Frau Kashajoo beleuchten dieser Artikel und der Artikel HITIS IN LALITPUR in aller Bescheidenheit das Thema Hiti eher peripher. Die hier vorgebrachten Ausführungen schildern anschaulich (siehe Hiti-Fotos) die Entdeckerfreuden während mehrerer Stadtrundgänge. Ambitionierte Besucher könnten einwenden, warum dieses oder jenes Hiti fehlt. Nochmals sei verkündet, wir hatten keinen konkreten Arbeitsplan, der auf die Erkundung möglichst vieler Wasserstellen fokussiert gewesen wäre, obgleich wir von der Existenz einiger markanter Hitis wussten. Der Zufall und unermüdlicher Einsatz haben uns zu den vorgestellten Hitis und Trinkwasserbrunnen gelenkt.
Mit (VJ) gekennzeichnete Fotos stammen von Vanessa Jones Fotos und Text: Günter Schönlein Korrektur: Vanessa Jones In allen hinduistisch und buddhistisch geprägten Ländern Asiens finden sich Votiv-Stupas in verschiedenen Formen. Meist stehen die als Opfergaben dargebrachten Miniatur-Stupas in großer Zahl im Umfeld bedeutender Heiligtümer, doch auch als Einzelstücke werden sie an markanten Plätzen und auf Innenhöfen aufgestellt und werden dort zum Objekt der Anbetung. Speziell in kleineren Siedlungen ohne eigene Tempelanlage erfüllen Votiv-Stupas die Funktion eines Tempels. Bevorzugt eignen sich Plätze, an denen sich Menschen bei ihren täglichen Beschäftigungen häufig begegnen. Oft ersetzt schon kurzes Innehalten zum Gebet und das Niederlegen einer Opfergabe am Votiv-Stupa den Gang in den weiter entfernten Tempel. Rund 85km nordwestlich von Siem Reap befindet sich die vormals von einem durchgängigen Wassergraben eingefasste rechteckig angelegte Klosteranlage Phnom Srok, die heutzutage ihr äußeres Erscheinungsbild als Wohnsiedlung mit Tempeln, Schulen, Kindergärten, Geschäften und kleinen Betrieben gewandelt hat. Von der historischen Bausubstanz hat sich nichts erhalten, die Bedürfnisse der Menschen erforderten die Neubebauung des Geländes. Mehrere moderne buddhistische Tempel stehen den dort lebenden Menschen als Andachtsorte zur Verfügung. Der hier vorgestellte über 1000 Jahre alte, vierseitig gearbeitete Votiv-Stupa aus dem Pariser Musée Guimet ist nicht nur ein Beleg aus der Khleang-Periode, sondern auch ein beredtes Zeugnis religiöser Praxis dieser Zeit in der Provinz Banteay Meanchey. Unentwegte Interessenten werden Kbal Sre Yeay Yin im Kartenwerk von Google Maps vergeblich suchen, doch die Nähe zu Phnom Srok scheint garantiert. Einheimische werden vielleicht wissen, in welcher Richtung zu suchen wäre. Die Route der deutschen Turfan Expedition von 1904/1905 nachzuvollziehen bzw. die damaligen Ausgrabungsstätten zu besichtigen, dürfte im China unserer Tage ernsthafte Probleme bereiten. Wahrscheinlich gelangen nur arivierte Archäologen in diese abgelegenen Regionen im nordwestlichen China. In dieser schwer zugänglichen Gegend kreuzten sich mehrere Seidenstraßen. Tausende Fragmente buddhistischer Wandmalereien konnten von den deutschern Forschern auf vier Expeditionen gesichert und archiviert werden. Weiterhin wurden steinerne Objekte und Textilien gesichert und nach Berlin transferiert. Europäer sahen und betraten erstmals buddhistische Tempel und Höhlentempel im fernen China. Von der seinerzeit bedeutenden Oasenstadt am Rande der Taklamakan-Wüste existieren nur noch wenige Ruinen. Ein ansehnlicher Votiv-Stupa aus Kocho (der ehemaligen Hauptstadt des Kocho-Reiches) wird in der Dauerausstellung im Humboldt Forum Berlin präsentiert. Neben vielen anderen Objekten in den Turfan-Ausstellungssälen ist dieser etwa 80cm hohe Stupa ein echter Blickfang, der von allen Seiten besichtigt werden kann. Vom 4. Jahrhundert an breitete sich von Indien kommend der Buddhismus in China aus. Heute beanspruchen die Uiguren erfolglos weite Gebiete dieser Region als ihren Lebensraum und ihr angestammtes Land. Die chinesische Regierung behält sich das Alleinbestimmungsrecht für diesen Landesteil vor. Von freier Religionsausübung kann längst keine Rede mehr sein. Der Miniaturstupa aus Bodhgaya (9. Jh. Schiefer) wird in der Dauerausstellung der indischen Abteilung vom Humboldt Forum Berlin gezeigt. Der Bildhauer hat sich bei diesem Stupa stilgetreu an klassischen Vorbildern orientiert. Ursprünglich wurden Stupas anikonisch gestaltet. Im Stupa erkannten und verehrten die Gläubigen die symbolhafte Darstellung des Buddha und seiner Lehre, worauf die Architekturelemente Bezug nehmen. Ein Stupa verkörpert den Sangha, den Dharma und den Buddha, also die Gemeinschaft der Gläubigen, die Lehre und den Religionsstifter selbst, aber auch die Elemente Erde, Wasser, Feuer und Luft lassen sich den Stupa-Segmenten zuordnen, schlussendlich sehen viele in der Gesamtheit eines Stupas die Verkörperung Buddhas. Folgende Bauteile machen einen Stupa aus: Krone - Spitze/Mast mit Ehrenschirm - Reliquienkammer - Kuppel - Sockel - Grundfläche. Leseempfehlung: Heino Kottkamp – Der Stupa als Repräsentation des buddhistischen Heilsweges. Untersuchungen zur Entstehung und Entwicklung architektonischer Symbolik. Harrassowitz, Wiesbaden 1992. Schiefer findet sich als Vorkommen in vielen Ländern der Welt, so auch in Nordindien. Schiefer lässt sich gut bearbeiten und wird in der Neuzeit vorwiegend in der Bauindustrie geschätzt. Dieses gefügige Steinmaterial wurde aber schon in Gandhara (Pakistan) während der ersten vier Jahrhunderte unserer Zeitrechnung für die Herstellung buddhistischer Kunstwerke verwendet. Zahlreiche Statuen, Reliefs und Zierelemente aus längst zerstörten Tempeln geben Kunde einstiger religiöser Prachtentfaltung im ehemaligen Gandhara-Reich. Weltweit kommt kaum ein Museum, welches asiatische Kunst zeigt, an Objekten aus der Gandhara-Periode vorbei. Gandhara ist betreffs buddhistischer Kunst zum Begriff geworden. Die Rezeption der Reliefs und Statuen fallen westlichen Kunstliebhabern leicht, weil die Physiognomien der dargestellten Figuren europäisch, sprich: griechisch geprägt erscheinen, was wohl auf die Einflüsse der Hinterlassenschaften von Alexander dem Großen zurückzuführen ist, sein Feldzug gen Osten führten den Eroberer und sein Heer bis zum Himalaya und an den Indus. Griechen stießen auf Inder, umgekehrt Inder auf Griechen, eine Vermischung der Ethnien war Folge der Eroberungs- und Besiedlungsstrategie, folglich fand unvermeidbar kultureller Transfer statt. Die ergänzenden Bildbeispiele anikonischer Stupas aus Sanchi und Gandhara belegen den Grundaufbau: Sockel-Kuppel-Reliquienkammer-Mast mit Ehrenschirmen. Die Anzahl der Schirme kann 3 oder 8 betragen: drei Schirme meinen Sangha, Dharma und Buddha, acht Schirme symbolisieren den achtfachen Pfad der buddhistischen Lehre. Bei den Gandhara-Stupas fällt das Ambiente auf. Ein Stupa ist umrahmt von vier Säulen mit Löwenkapitellen, das ist ein Verweis auf den König Ashoka, der den Buddhismus im damaligen Indien zur Staatsreligion erhob. Das zweite Gandhara-Relief zeigt einen Stupa, der in einem Tempelbau steht, zumindest vermittelt das bogenförmige Portal den Eindruck von einem Bauwerk. Beide Stupas unterscheiden sich in der äußeren Bauform, während der eine Stupa trotz seiner Lotos-Kuppel gedrungen wirkt, steht der andere von einer Vedika (Zaun) markierte Kubus turmartig schlank im Raum. Verschieden sind auch die Reliquienkammern geformt. Jeder Buddhist wird einen Stupa resp. einen Votiv-Stupa andächtig umschreiten und sich vor den Buddha-Bildern verneigen. Die Stupa- und Buddha-Verehrung ist Teil der religiösen Praxis, welche auf den drei Reliefs eindrucksvoll dargestellt ist. Pilger kommen zum Heiligtum und beten dort, an diesen Riten hat sich bis heute nichts verändert. Einmal im Leben den Stupa von Sanchi gesehen zu haben oder in Bodhgaya, dem Ort von Buddhas Erleuchtung zu verweilen, danach sehnen sich wohl die meisten Buddhisten. Der im Londoner Victoria & Albert Museum präsentierte äußerst kunstvoll gearbeitete Stupa-Reliquiar aus Takht-i-Bahi (Gandhara), wird in die Jahre 200-500 datiert. Die Ruinen von Takht-i-Bahi, einer buddhistischen Klosteranlage aus dem 1. Jahrhundert auf dem Staatsgebiet von Pakistan, zählen zum UNESCO-Weltkulturerbe. Von der Tatsache ausgehend, dass das Reliquiar im Kloster selbst oder in dessen Umgebung gefunden und geborgen wurde, scheint es unmöglich, das Jahr der Entstehung genauer zu bestimmen. Die Identifikation als Gandhara-Kunstwerk muss genügen. Auf quadratischen, mit Buddha-Bildern verzierten Sockel ruht der von zweifacher Vedika umwundene Lotos-Kubus, darauf erhebt sich die Reliquienkammer mit dreifacher Schirmbekrönung. Eine solch prächtige, sehr gut erhaltene Klein-Antiquität fällt selbst im reich bestückten Victoria & Albert Museum als Solitär in den Blick und aus dem anspruchsvollen Rahmen der umfangreichen Kollektion. Im Jahr 2017 zeigte das British Museum London in einer gesonderten Präsentation eine restaurierte Reliefplatte aus dem berühmten Schrein vom Amaravati. Die Platte bietet einen ganzflächig reliefierten Stupa zur Anschauung. An Hand dieser Reliefansicht auf die Bauweise vom Amaravati-Stupa zu schließen, entbehrt jeglicher Logik. Die Darstellung ist eine idealisierte Vorstellung des Bildhauers. Seit 1880 lagern 120 steinerne Einzelstücke vom Amaravati-Stupa im British Museum. Erst 1992 wurde ein klimatisierter Ausstellungsraum für die wertvollen Objekte eröffnet, rund siebzig Fragmente vom Stupa werden dem Publikum vorgestellt. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones Neben den in Reiseführern empfohlenen Tempeln in Kirtipur stoßen aufmerksame Besucher auf weitere Tempel, die nicht den bekannten und vertrauten nepalesischen Tempelbauten im Pagodenstil entsprechen. Dieser Artikel stellt zwei Shikhara-Bauten vor, hierbei handelt es sich um Stein-Tempel: keine weiteren Baumaterialien, kein Holz, keine Ziegel, kein Metall wurde verwendet, nur Granitstein. Der Sanskritbegriff Shikhara bedeutet wörtlich übersetzt Berggipfel, womit turmartige Bauformen bestimmter Tempel indischer Herkunft bezeichnet werden. Schlanke pyramidale variable Bauformen kennzeichnen typische Shikhara-Tempel. Der Lodegal Tempel in Kirtipur ist ein Musterbeispiel für die in Nordindien kreierte Shikhara-Bauweise. Dieser Tempel dominiert einen von Wohnhäusern gerahmten Platz, auf welchem mehrere Straßen münden. Der Tempel bildet den Blickfang, hier enden die Wege der Gläubigen. Der Lodegal Tempel ist ein architektonisches Meisterwerk, sein harmonisches Erscheinungsbild entfaltet sich durch die symmetrische Ausgewogenheit der Bauelemente. Der dreifach gestufte quadratische Sockel trägt den Säulengang, unter dem sich die Cella (Garbhagriha) birgt, auf der offenen Säulenhalle ruht der Turmaufbau (Shikhara), vier Votivstupas markieren die Eckpunkte vom Dach, vier balkonartige Tempelnischen ragen aus den Turmflanken hervor, darüber wiederum vier kleine Fensternischen, gen Himmel ragt die gerundete Turm-Bekrönung. Ist die grundlegende Bauform erfasst, heißt es, die sakralen Dekorationen am Lodegal Tempel zu begutachten, gleich vorab, es sind deren nicht wenige. Nebenbei: Lodegal bzw. Lon Degah meint Steintempel. Erbaut wurde der Shikhara 1664, eingeweiht 1665, das belegt eine Inschrift. Drei Statuen beherbergte der Tempel, angebetet wurden Buddha, ein Bodhisattva und eine Devi, die Idole wurden gestohlen und blieben verschwunden. Heute steht die Cella leer und ist verschlossen, so bleiben den Kunstfreunden nur die von außen sichtbaren Reliefs zur Ansicht. Die Stufen zum Garbhagriha flankieren zwei Löwen und zwei Dvarapalas (Tempelwächter). Nicht nur die Grundflächen der drei Sockelebenen, auch die Höhen der einzelnen Sockel sind nach oben hin verringert. Der Tempel kann sowohl ebenerdig als auch auf den Sockeln umschritten werden. Zwölf schlichte oktogonale Säulen tragen das Dach, auf dem sich der Shikhara erhebt oder anders: zwölf Säulen bilden einen offenen Wandelgang um das mit Reliefs verzierte Sanktum. Sowohl die Löwenskulpturen neben der Treppe als auch die Löwenreliefs am oberen Sockel sind weiblichen und männlichen Geschlechts. Ein klein wenig Beachtung gebührt dem fischköpfigen Gargoyle am zweiten Sockel. Nach westlichem Verständnis wird ein Fisch erkannt, vermutlich wurde aber ein Makara-Kopf als Ausfluss in Stein gehauen. Beachtet werden sollten ebenso die Reliefs an den Außenwänden der Cella: dargestellt findet sich, zahlreich variiert, die immer gleiche Gottheit, es handelt sich um Mahakala, eine zornvolle Gottheit, die im buddhistischen und im hinduistischen Kontext verehrt wird. Die Buddhisten sehen in Mahakala den Schützer der Lehre (Dharmapala), eine Manifestation vom Buddha des Mitgefühls, bekannt als Avalokiteshvara. Die Hindus beten die gleiche Erscheinung als Inkarnation Shivas an, er gilt ihnen als Herr der Zeit, als Überwinder aller Hindernisse, bekannt als Kala. Eine Ausnahmestellung nimmt das Ganesha-Relief (Elefantengott) ein, der ist ein Sohn Shivas. Die Übersichtsaufnahme der Sockel- und Traversenreliefs dokumentiert die Anordnung der Mahakala-Idole und der kleinen Buddha-Reliefs über und zwischen den Pfeilern, zu sehen sind außerdem die Löwen-Reliefs am Sockel. Abgesehen vom kleinen Buddha-Relief, angebracht direkt auf dem mittleren Bogenstein der Türfüllung, schmücken fünf Buddha-Reliefs und zwei Vidyadhara-Reliefs den Zierbogen über der Tür zur Cella. Bei den Buddhas handelt es sich nicht um Wiederholungen der gleichen Motive. Zu sehen sind wahrscheinlich Amithaba, Tara, Vajrapani, Akshobhya und Avalokiteshvara, hiermit wären die fünf Dhyani-Buddhas vereinigt. Flankiert werden die Buddhas links und rechts jeweils von einem Vidyadhara, sie gelten als die Weisheits-Halter. Diese Geistwesen finden sich sowohl in den hinduistischen als auch in den buddhistischen Überlieferungen verankert. Am Shikhara (Turm über der Cella) sind an den vier Seitenflächen nochmals Buddha-Idole zu sehen: wie aus Balkonen blicken die Buddhas auf die Menschen herab. Auf Grund der Architektur fanden hier nur vier Buddhas Platz. Die Schutzwesen an den Balkonen unterscheiden sich, jeweils sieben Pfauen, sieben Pferde, sieben Garudas und sieben Elefanten schützen den jeweiligen Buddha. – Unsachgemäß verlegte elektrische Kabel verunstalten den Tempel. Tauben suchen Unterschlupf in den Nischen, was den Buddha-Statuen schadet. Wären die Kabel verschwunden, würden vielleicht feine Netze den Blick auf und in die Balkone beeinträchtigen und die Tauben müssten andere Ruheplätze suchen. In Kirtipur steht noch ein weiterer buddhistischer Steintempel, der in der Bauweise dem Lodegal durchaus ähnlich ist, jedoch über keinen Säulenumlauf verfügt, das Bauwerk beschränkt sich auf die Cella und den Shikhara, vom SakyaMuni Buddha Mandir ist die Rede, so der Eintrag bei Google Maps. Der Buddha Mandir ist leicht zu finden, er wurde gegenüber vom südöstlichen Zugang zum Chilancho Stupa erbaut. Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones |
Autor Günter SchönleinAuf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen. sortiert nach Themen:
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Der Blog enthält sowohl Erlebnis-Reiseberichte als auch reine Orts- und Tempel-Beschreibungen, siehe Kategorien "Persönliches" und "Sachliches" in der Liste von Tags oben, sowie eingestreute Beiträge zu anderen Reiseländern und Themen.
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