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Günter Schönlein
Blog

Chilancho Stupa in Kirtipur

5/30/2026

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Nicht in allen Regionen im Kathmandu-Tal ist der Buddhismus derart deutlich präsent wie in Kirtipur. Wer in Kirtipur unterwegs ist, der kann die Stupas und buddhistischen Tempelbauten nicht übersehen. Den Chilancho Stupa nicht gesehen zu haben, hieße, nicht in der kleinen Stadt unterwegs gewesen zu sein oder nur einen sehr flüchtigen Stadtrundgang absolviert zu haben.

Oft ist zu hören und auch zu lesen, der Chilancho Stupa sei einer der ältesten in Kathmandu, dabei wurde bislang kein Baujahr ermittelt. Im Jahr 1533 n.Chr. wurde der Stupa renoviert, diese Angabe gilt als gesichert. Der Stupa im Chaitya-Stil gilt als eines der schönsten buddhistischen Bauwerke im Tal. Das gesamte Areal ist als Klosterkomplex zu verstehen. Tempelbauten und Wohnhäuser stehen in gebührenden Abstand um den quadratischen Sockel, auf dem die Haupt-Chaitya und die kleinen Chaityas ihren Platz haben.

Der Stupa ist nicht exakt den Hauptkoordinaten folgend ausgerichtet, eine ungefähre Verschiebung um 20⁰ in Richtung Südost wird auf der Kartenwiedergabe von Google Maps ersichtlich. Es empfiehlt sich, den Ost-Zugang (genau genommen: Südost) zu benutzen, das ist, vom religiösen Aspekt her betrachtet, der korrekte und gleichzeitig der bequemste Zutritt. Vorbei an zwei Löwen führen die ersten Stufen zu einer Zwischenebene, dort stehen mehrere kleine Stupas verschiedener Bauart. Rechterhand hat sich ein nicht mehr intakter Jahru (Brunnenwand mit Wasserhahn) erhalten. In einem kleinen Schrein links neben den Stufen ruht eine sehr anmutige Buddhastatue, der Vajrapani (?) fordert förmlich zu Andacht und Gebet. Diese Zwischenebene dient zur inneren Sammlung und zur Einstimmung vor dem Betreten der Stupa-Ebene. 
Südost-Zugang zum Chilancho Stupa
Südost-Zugang zum Chilancho Stupa
Votivstupas und Buddhastatue auf der Zwischenebene vom Südost-Zugang
Votivstupas und Buddhastatue auf der Zwischenebene vom Südost-Zugang
Von den oberen Stufen aus, zwischen Löwen verweilend, zeichnet sich der berückend schöne Anblick auf den Chilancho Stupa ab. Der von Archaik strotzende Löwe auf der linken Seite muss noch ein Originalexemplar sein, während sein Gegenüber auf der rechten Seite eindeutig als Replik zu erkennen ist.  Auf der Ost-West-Achse befinden sich eine relativ niedrige von einem Löwen besetzte Säule, desweiteren der obligatorische Vajra (Donnerkeil, ein Ritualobjekt) und die von berittenen Elefanten und Dharmapalas flankierten Stufen zum dreifach geteilten Ost-Schrein vom Stupa. Links neben dem Vajra stehen Gebetstrommeln und rechts ein Votivstupa. Rechts neben den Stufen der steinerne Glockenstuhl. Elefanten mit Reiter finden sich gewöhnlich an hinduistischen Tempeln in Kathmandu. Welche Bedeutung haben sie im buddhistischen Kontext? Ganz einfach: die Elefanten sind die sogenannten Diggajas, die Weltelefanten, die wiederum dienen den Lokapalas/Dikpalas (das sind die Hüter der Haupthimmelsrichtungen) als Reittiere. Tempelwächter an buddhistischen Bauwerken gelten als die Hüter der Lehre, sie heißen Dharmapalas, an hinduistischen Tempel wachen die Dvarapalas (Sanskrit: Türwächter). Diese sinnvolle, keineswegs überladene Anordung von religiösen anbetungswürdigen Ritualobjekten beeindruckt die Gläubigen.
Picture
Älteste Löwenstatue & Erster Blick auf den Chilancho Stupa
Das Umrunden der Stupa (Pradakshina) sollte unbedingt im Uhrzeigersinn vollzogen werden, das kann verschieden und mehrfach praktiziert werden. Empfohlen werden äußere und innere Rundgänge. Wer nur den Haupt-Stupa umschreitet, der beschränkt seine Andacht auf die vier Schreine Ost, Süd, West und Nord, der wird aber auch die vier Stupas an den Kardinalpunkten wahrnehmen. Im Fall vom Chilancho Stupa scheint die Anordnung der Bauten nach Himmelsrichtung ohne Überprüfung eindeutig plausibel. Die Menschen betreten ein raumgewordenes in den Himmel ragendes Mandala. Diese zweidimensionalen, auf vielen Rollbildern (Thangkas) verewigten Meditationsvorlagen, gelten als Vorstellungen buddhistischer Glaubens- und Himmelswelten. Kalachakra-Darstellungen entsprechen symbolisch Bauplänen für Stupas, das trifft im übertragenen Sinn auf den Chilancho Stupa zu.
Chilancho Stupa (Südostansicht)
Chilancho Stupa (Südostansicht)
Chilancho Stupa: Dharmapala – Vajra – Dharmapala
Chilancho Stupa: Dharmapala – Vajra – Dharmapala
Die vier äußeren Stupas gleichen architektonisch dem Haupt-Stupa, sind jedoch angemessen kleiner gehalten: quadratische Plattform, Sockel mit Schreinen, Kuppel, Reliquienkammer und Spitze. Einige noch kleinere Stupas (sogenannte Votiv-Stupas) auf der großen Plattform sind nicht zu übersehen. 
Chilancho Stupa: drei von vier gleichen, den Hauptstupa flankierenden Stupas
Chilancho Stupa: drei von vier gleichen, den Hauptstupa flankierenden Stupas
Chilancho Stupa – Buddhastatuen
Chilancho Stupa – Buddhastatuen
Chilancho Stupa – Teilansichten
Chilancho Stupa – Teilansichten
Berühmt in Kathmandu sind die Stupas von Bodhnath und Swayambunath, doch nicht minder sehenswert ist der Chilancho Stupa von Kirtipur. Es fällt leicht, mindestens eine Stunde auf dem Chilancho-Komplex zu verbringen und einen Tag in Kirtipur unterwegs zu sein.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Hitis in Lalitpur

5/23/2026

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Mit Hiti werden in Nepal Wasserbecken/Brunnen bezeichnet. Solche historischen Brunnenanlagen, die zum Teil wieder reaktiviert wurden, werden tatsächlich von der Bevölkerung heutzutage noch genutzt. Die Menschen waschen dort ihre Wäsche und sich selbst, nebenbei erwähnt: mit eiskaltem Wasser! Obwohl sich die Wasserversorgung der Stadtbevölkerung in den letzten Jahren verbessert und stabilisiert hat und die meisten Stadtteile ans Trinkwassernetz angeschlossen sind, erfreuen sich vor allem in den historischen Stadtteilen die öffentlichen Brunnen wie eh und je großer Beliebtheit. Die Newar, eine in Nepal lebende Volksgruppe und geschätzte Handwerkerkaste, hatten vor mehreren hundert Jahren im Kathmandu ein unterirdisches Wasserrohrleitungssystem angelegt, welches ermöglichte, dass ständig frisches Wasser in die damals vorhandenen Becken floss. Das System muss über Jahre und Jahrzehnte hinweg permanent erweitert worden sein, ein aus heutiger Sicht beachtenswertes Großprojekt, denn jeder Meter Wasserkanal wurde in mühevoller Handarbeit verlegt. Kein Bagger, kein Kran, keine Abraumfahrzeuge, die den Menschen ihre harte Arbeit erleichtert hätte.

Die zuständige Organisation für das Wassermanagement im Großraum Kathmandu zählte im Jahr 2019 insgesamt 573 Hitis im Kathmandu-Tal. Von den ehemals verzeichneten 80 Hitis in Lalitpur (Patan) sind noch 72 aufzufinden. Wer in Patan auch nur wenige Stunden am Tag zu Fuß unterwegs ist, dem wird es gelingen, auf wenigstens ein halbes Dutzend historischer Brunnen zu stoßen – und die meisten werden aktiv genutzt.

Bestimmte, allen Brunnen gemeinsame Merkmale sollen in Folge näher betrachtet werden. Größe und Ausstattung unterscheiden die Brunnen. Die Wasserbecken sind bis auf wenige Ausnahmen unterhalb des Bodenniveaus angelegt und mit Ziegeln ausgemauert, seltener aus Natursteinen gefügt. Umlaufende Zierkanten aus Sandstein oder Granit schmücken die Brunnenbecken. Die oftmals prachtvollen Wasserausläufe aus Stein, neuerdings auch aus Metall sind der wahre Schmuck der Becken. Auffällig auch, dass keiner der Brunnen ohne Relief belassen wurde. Den Göttern ist das lebenserhaltende Wasser zu verdanken, das darf auch im Alltagsleben nicht vergessen werden. Religiosität im Alltag – völlig ohne sakralen Schmuck wurde keines der Becken belassen.

An dem kleinen unscheinbaren Washa Hiti (Bild 1 & 1.1) sind alle wesentlichen Bauelemente vorhanden, die alle weiteren Hitis in Lalitpur in variabler Bauweise aufweisen. Zwischen Säulen unter einem Kirtimukha-Bogen befinden sich die Gottheit, der Makara-Wasserauslauf und das Relief unter dem Wasserlauf, dazu die Zierkanten am Beckenrand.

Die beiden Fotos zeigen ein kleines Becken mit nur einem Wasserauslauf, der könnte erneuert oder ersetzt worden sein, dafür spricht das Metallrohr. Typisch ist die gestreckte Form der Ausläufe, deren Reliefschmuck meist den tradierten Makara-Statuen bzw. Makara-Reliefs nachempfunden ist. Die skulpturalen Formen imitieren das Aussehen der seltsamen Mischwesen, die als Reittier der Flussgöttin Ganga verbürgt und als Makara bekannt sind. Das mythologisch untermauerte Fundament von der Gottheit zum Wasser verdeutlicht sich an jedem Hiti. Über und oft auch neben den Ausläufen befinden sich Götterreliefs, nicht allenfalls die Flussgöttin, die ist ja schon durch ihr Reittier am Wasserauslauf symbolisch anwesend, eher sind es die lokal verehrten Götter. Unterhalb vom Auslauf ist meist auch ein Relief angebracht, hier gibt es keine Motivbeschränkungen, doch häufig ist ein Muschelhornbläser zu identifizieren. Die Verbindung zum Wasser ist bei diesem Motiv ebenfalls unverkennbar.

Nebenher erwähnt: der Makara lässt sich an etlichen Tempeln in Lalitpur nachweisen, dort finden sich diese Mischwesen als kunstvolle Steinfiguren zum Ablauf der Flüssigkeiten, welche im Tempel über das Lingam gegossen werden, sich in der Yoni sammeln und vom Garbhagriha nach Draußen gelangen, um wieder ins Erdreich zurück zu fließen. In der westlichen Welt heißen solche artverwandten Bauelemente Gargoyle=Wasserspeier, diese wurden vorwiegend an Kathedralen, Burgen und Schlössern zum Einsatz gebracht. Ein Beispiel für einen Tempel-Makara-Gargoyle wird mit Bild 1.2 vorgestellt.
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Bild 1 & 1.1: Lalitpur – Washa Hiti an der Konti Road Bild 1.2: Lalitpur – Gargoyle
Größere Hitis verfügen im Regelfall über mehrere Wasserzuflüsse, es können drei oder vier, aber auch nur zwei Wasserspeier vorhanden sein, oftmals schien die angestrebte Symmetrie den Aufbau des jeweiligen Ensembles im Becken bestimmt zu haben. Üblicherweise führen Stufen zum zentralen Becken hinab, in welchen sich die Wasserstrahlen ergießen, dort finden sich plangehauene Steine zum Abstellen der Eimer oder anderer Wassergefäße. Auf diesen Steinen wird auch Wäsche geschrubbt.

Nördlich am Darbar Square von Lalitpur, gegenüber vom Bhimsen Mandir und dem Vishvanath Tempel befindet sich eine geräumige Beckenanlage: das Manga Hiti. Dieser Brunnen wartet mit drei sehr schönen steinernen Wasserrohren auf. Keiner der Makara-Rohre gleicht dem anderen, jeder Makara ist individuell gestaltet. Das besondere an den Rohren sind die oberen Abdeckungen, die beiden äußeren Wasserzuflüsse sind mit einer Krokodilplatte abgedeckt. Es könnten noch viele Einzelheiten erklärt und jedes Makara-Rohr einzeln beschrieben werden: der mittlere Makara hat einen Vogelkopf und einen Fisch im Maul, die anderen haben einen Rüssel, ihr zahnreiches Maul reißen alle drei weit auf. An den Flanken der Makaras befinden sich Götterbilder, unter den Makaras sind Reliefs der schon erwähnten Muschelhornbläser angebracht. Drei ehemalige Yonis liegen im Wasser, ein asymmetrisch aufgestellter Pfeiler ist vermutlich eine Säule, der Rest von einem Tempel. Zur Wiederverwertung als Stufe bot sich eine Traverse an, sicher ein weiterer Überrest von einem sakralen Bau, diese breite gut erhaltene Spolie zeigt wechselweise Purnagathas (Vasen) und Nagini (weibliche Schlangenwesen). Das untere Becken ist aus Naturstein gefügt, der obere Beckenbereich mit Ziegeln gemauert. Am prächtigem Manga Hiti können kunstinteressierte Besucher lange verweilen und ihre Studien betreiben.
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.1 & 2.2: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.3 & 2.4: Lalitpur – Manga Hiti
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Bild 2.5: Lalitpur – Manga Hiti, Relief-Traverse
Im inneren Palastbereich existieren mehrere Höfe. Das königliche Bad Tusha Hiti im Sundhari Chowk ist der Blickfang schlechthin. Dieser Brunnen ist das prachtvollste aller Hitis in Lalitpur. Zahlreiche Reliefs zieren die runde Beckeneinfassung.  Der Wasserausfluss ist einem königlichem Hiti würdig. Angeblich haben die Malla-Könige in diesem schönen Becken gebadet. Wahrscheinlicher ist die Annahme, die Beckenanlage wurde für religiöse Zwecke genutzt und das Wasser als heiliger Quell wäre für königliche Sakralrituale geflossen. Man hätte wohl kaum das mit Götterreliefs dekorierte Becken geflutet, um ein Bad für den König zu ermöglichen.
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Bild 3.1 & 3.2: Lalitpur – Palast Sundhari Chowk, Tusha Hiti
Ein größeres Becken (16x16m) im südlichen Palastareal hinter den Gebäuden ist zugänglich, doch dieses erfüllt nicht die oben aufgeführten Kriterien, welche ein Hiti kennzeichnen. Diese Beckenanlage scheint eher als Bad gedacht zu sein oder diente als Trinkwasserbecken. Auf kurzem Weg war diese Beckenanlage vom Palast aus zu erreichen. Auf jeden Fall muss das Becken als Bestandteil der königlichen Gartenanlagen gesehen werden. Unter dem Pavillondach konnten die Herrschaften im Schatten am Wasser geruhsame Stunden verbringen, ohne das Alltagstreiben auf der Straße vor dem Palast wahrzunehmen.
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Bild 4.1 & 4.2: Lalitpur – Palastgarten Bhandarkhal
Westlich vor dem Palast existiert ein Becken in Form einer stilisierten Lotosblüte. Dieser Brunnen wurde 1908 von einem Premierminister in Auftrag gegeben und bezahlt. Im November 2025 wies kein Indiz auf ein ehemaliges Hiti. Der Brunnen liegt trocken, ein gesperrter Steg führt in die Mitte vom Becken, dort steht auf einem Sockel die Büste der Maharani. Die Fotos vom Maharani Pukhu werden nur aus Gründen der Vollständigkeit gezeigt, immerhin ist die Porträtbüste der Maharani gelungen und vielleicht, wenn irgendwann die Bauarbeiten abgeschlossen sind, ist dieser Platz um den Brunnen ein ruhiger Sitzplatz für müde Touristen. 
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Bild 5.1 & 5.2: Lalitpur – Maharani Pukhu
Nachdem keine wirklichen Hitis, sondern zwei Beckenanlagen, eines mit, das andere ohne Wasser, vorgestellt wurden, wenden wir uns wieder themenbezogen weiteren Hitis zu. Südlich hinter dem Palastgelände zweigen mehrere Straßen ab, auf der Satyajohan Joshi Marg gelangt man zu einem Hiti mit sakraler Ausstattung. Abgesehen von den zwei Wasserausläufen mutet alles wie ein Tempel unter freien Himmel an. Über den steinernen Wasserrohren stehen zwei gleiche Votivstupas, am Boden stehen zwei Lingams in Yonis, also das komplette anikonische Shiva-Ensemble. Asymmetrisch angeordnet befindet sich noch ein Ausfluss am rechten Seitenrand. Nicht häufig sind Hitis mit zwei Makara-Ausläufen in Lalitpur zu sehen, die Zahl zwei wird auch durch die Votivstupas und die Lingams doppelt betont (Bild 6.1. – 6.3.).

Ein weiteres Hiti mit zwei Ausläufen wird mit den Bildern 7.1 & 7.2 vorgestellt. Abgesehen von der improvisierten oder sehr bewusst eingerichteten Tempelecke am rechten Bildrand bestimmt auch hier die symmetrische Anordnung das Gesamterscheinungsbild dieser besonderen Beckenanlage, die den Namen Thapah Hiti trägt. Die Tempelecke besteht aus einem Lingam, einem davor liegenden Nandi, einem stehendem Relief, desweiteren mehreren Kugeln vor einer Altarnische. Rechts von der Nische befindet sich noch ein kleines Wasserausflussrohr und ein Relief. Stilisierte Nagas umfangen das gesamte Becken. Aus dem kleinem Rohr wird wohl nur nach Bedarf für Ritualzwecke Wasser entnommen. Ein flacher Abflusskanal leitet das Wasser am Lingam vorbei ins große Becken. Das sehr speziell ausgestattete Hiti ist in der Mahabauddha Marg zu finden. 
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 6.1 – 6.3: Lalitpur – Hiti an der Satyajohan Joshi Marg
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Bild 7.1 & 7.2: Lalitpur – Thapah Hiti
Das Lun Hiti (benannt nach dem Ortsteil Lun) zählt zu den ältesten Brunnenanlagen im Stadtgebiet von Kathmandu. Prächtige Makara-Ausflussrohre und die sehr geschmackvolle Ziegeleinfassung des Beckens fallen am Nugah Lun Hiti (Sundhara) sofort ins Auge. Drei Reliefs oben – drei Makaras – drei Reliefs unten, dazu die Zierbänder im Mauerwerk, der Wirkung kann sich kaum einer entziehen, obgleich das Becken scheinbar trocken liegt oder nur zeitweise benutzt wird (Bild 8).

An dieser Stelle muss auf die in der Einleitung erwähnte Ausnahme verwiesen werden. Zumeist wurden die Wasserrohre unterhalb des Erdniveaus verlegt, doch das Lun Hiti lag vormals höher als der damalige Weg. Inzwischen wurde der alte Weg in eine moderne Straße verwandelt, wodurch das Hiti nun unterhalb des jetzigen Straßenniveaus geriet.

Sundhara bedeutet goldener Strahl, ein Begriff, welche die lebenswichtige Bedeutung des Wassers veranschaulicht.

Den Hinweis zu dieser baulichen Besonderheit entlehnten und weitere Informationen fanden wir in einer Forschungsdatei der Heidelberger Universität: NHDP - Welcome 
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 8: Lalitpur – Nugah Lun Hiti (Sundhara)
Bild 9.1 zeigt nochmals ein Hiti mit drei Stein-Makara-Ausflüssen, darüber drei Reliefs und jeweils an den Seiten drei kleine weiß/gelb getünchte Stupas und wiederum an der rechten Beckenseite eine Tempelecke. Die Reliefs müssen sehr wertvoll sein, weshalb sie durch unschöne massive Eisengitter gesichert wurden. Ein Lingam und ein Votiv-Lingam auf einer alten Yoni machen den eigentlichen Schmuck der Tempelecke aus (Bild 9.2). Blumenschmuck beweist Achtung und Verehrung für die unverkennbar religiösen Symbole, die einen Hindu-Tempel auszeichnen. Andererseits scheint das unsaubere Wasser im Becken keinen Menschen zu stören. Das Becken trägt den Namen Tangah Hiti bzw. Tangal Dhunge Dhara.
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.1: Lalitpur – Tangah Hiti mit Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bild 9.2: Lalitpur – Tangah Hiti, vergitterte Tempelecke
Bei dem Alko Hiti innerhalb vom Alko Ganesh Tempel handelt es sich entweder um einen Neu- oder einen Wiederaufbau der kleinen Tempelanlage inklusive Hiti. Der Tempel befindet sich direkt östlich an der Ikhachhe Road. Nicht zu übersehen sind die runden Plastikwassertanks. Das umliegende Areal mit neuen Wohnbauten belegt die Teilreaktivierung eines historischen Stadtbezirkes, wozu unbedingt auch die Wasserversorgung gehört (Bild 10). 
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Bild 10: Lalitpur – Alko Ganesh Tempel mit Alko Hiti
Vor dem Kumbheshwor Tempelkomplex in Lalitpur befinden sich drei Wasserbecken, zwei davon sind Hitis, das dritte Becken wird als Wasserspeicher genutzt. Östlich der Kwalakhu Rd wurde das Misa Hiti, nördlich davon das Speicherbecken Kwonti Pukhu Hiti und westlich der Straße das Konti Hiti angelegt, das ist nicht nur das älteste, sondern auch das ansehnlichste und von der Bevölkerung am intensivsten genutzte der drei Becken auf dem Platz vor dem Kumbheshwor Tempel, bei Google Maps als Kumbheshwor water stone spout eingezeichnet. Das große Becken verfügt über mehrere Wasserspeier, drei in der Mitte und jeweils drei an den Seiten. Wesentlich unterscheiden sich die Reliefs unter den Speiern, hier ist nicht der Muschelhornbläser zu sehen, sondern ein Yaksha bzw. ein Yaksha und zwei Elefanten. 
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout (Konti Hiti)
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Lalitpur – Kumbheshwor water stone spout, Reliefs
Neben den Hitis sind auch noch einige öffentliche Wasserhähne zu sehen, also verzierte Steinwände aus denen Zapfhähne ragten, genannt werden diese Trinkwasserversorgungsstellen Tutedhara oder Jahru oder Jaldroni (in Newari) Der Begriff Jahru meint wörtlich Wasserhahn. Blicken wir auf Steinwände mit Schmuck und Lufteinlassluken, stehen wir vor ehemaligen Trinkbrunnen. Hinter den Wänden befand sich das Trinkwasserreservoir, ein Steinbecken. Kaum einer der Jahru ist noch in Betrieb.

Der im Bild 11 vorgestellte Trinkwasserbrunnen nennt sich Ikhalakhu Jahdhum und befindet sich an der Kreuzung zum Ikhalakhu Platz, ganz in der Nähe vom Narayana Mandir.

Jahdhum wird vermutlich dem Wort Jahru verwandt sein und dasselbe bezeichnen, im Grunde nur ein anderes Wort für Tutedhara, wobei dhara als Adjektiv erhalten und als Substantiv die Erhaltende bedeutet, aber auch der Strom, Guss, Strahl meinen kann, allenfalls mit labenden Wasserfluss zu tun hat.
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Bild 11: Lalitpur – Tudedhara am Ikhalakhu Platz (VJ)
Zusammenfassung: Hitis dienen nicht allein der Wasserversorgung, sondern werden auch als Orte der Andacht verstanden. Ohne sakrales Inventar kein Hiti.

Wasser ist ein Geschenk der Natur. Allumfassend werden alle Erscheinungen der Natur als gottgeschaffen angesehen. Jeder Berg, jeder Baum, jede Blume, jeder Fluss, jeder Bach, jede Quelle haben ihre Ursache in Gott, sind mithin Schöpfung, wen oder was auch immer der einzelne Mensch in den jeweiligen wunderbaren Erscheinungen der Natur erkennt und anbetet.

Nicht nur die Tempelanlagen, auch die Hitis müssen als Teil der Kultur- und Sozialgeschichte vom Kathmandu-Tal betrachtet werden, wobei der Wert der Brunnen von Touristen unterschätzt bzw. nicht bewertet wird. Die Hitis sind vorhanden, werden vom Publikum peripher wahrgenommen, doch die meisten Besucher gehen achtlos, bestenfalls staunend vorbei und wundern sich mitleidig über die rückständige Situation, welche viele Menschen in Nepal ertragen müssen. Dabei wird allzu schnell vergessen, ausreichend Wasser für den täglichen Bedarf war und ist Fortschritt und bedeutet Erleichterung im Leben. Noch leisten die Hitis zumindest einen ergänzenden Beitrag zur modernen Wasserversorgung in der Großstadt Kathmandu, immerhin benötigen rund 2,5 Millionen Menschen jeden Tag frisches und sauberes Wasser, das ist die Herausforderung der Zeit. Ohne die Brunnen hätten viele Familien ein hartes Leben.

Hinweis: Manche Leser werden die ausführliche Beschreibung und weitere Fotos vom Tusha Hiti vermissen. Selbst zehn Zeilen Text mehr und noch drei, vier Fotos zusätzlich wären dieser einmaligen Beckenanlage nicht gerecht geworden. Beabsichtigt ist ein gesonderter Artikel, der sich nur dem Tusha Hiti widmet.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Das mit (VJ) gekennzeichnete Foto stammt von Vanessa Jones
Korrektur: Vanessa Jones
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National Museum of Nepal

5/16/2026

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Nur einen Kilometer südlich vom Swayambunath Stupa stehen die Gebäude vom National Museum. Drei Museumsbauten bergen gut sortiert verschiedene Sammlungen. Es versteht sich von selbst, dass vorrangig Kunstwerke aus dem alten Nepal präsent sind. Dem ehemaligen Premierminister Juddha Shumsher verdankt das heutige Nepal sein National Museum. Er sorgte für die Erweiterung des Museums, der Bau vom Nord- und Südflügel wurde von ihm veranlasst. Seit 1943 ist das Museum offiziell für Publikum zugänglich. Shumsherꞌs Porträtbüste wurde im Erdgeschoss in einem düsteren Durchgangsraum aufgestellt. Auf Grund seiner Verdienste hätte der Porträtbüste ein würdigerer Platz zugestanden, so beispielsweise im Eingangsbereich. Wenigsten gibt ein zweisprachiges Hinweisschild Auskunft, auf welchen feinen Herrn in Generalsuniform die Besucher flüchtig blicken. Wäre die Büste nicht so ungewöhnlich auffällig, würde kein Mensch auch nur einen Blick auf das nicht näher bezeichnete Porträt werfen. Übrigens historische Fotos belegen, dass Shumsher bei offiziellen Empfängen tatsächlich diese pompöse Uniform trug.
Juddha Shumsher (1875 – 1952)
Juddha Shumsher (1875 – 1952)
Juddha Shumsher
Das Museum zeigt Kunstwerke aus Stein, Metall und Holz. Für die jeweiligen Präsentationen sind die Fundorte, die Jahre der Entstehung und die thematischen Bezüge ausschlaggebend. Außer der Kunstgalerie existieren die Buddhistische Kunstgalerie und das Historische Museum. Die längste Zeit wird der kunstinteressierte Besucher in den zwei erstgenannten Häusern benötigen. Geprägt von persönlichen Vorlieben ist die hier gezeigte Auswahl der Kunstwerke.

Ein Höhepunkt der Sammlung hinduistischer Kunstwerke stellen die aus dem 6.-7. Jahrhundert stammenden in Naghal Tol (Kathmandu) geborgenen Reliefs dar. Der Fundort befindet sich nur einen Kilometer nördlich vom Durbar Square, dort steht im Stadtteil Naghal auf einem Platz der Stupa Kashi Swayambhu (erbaut um 1650), ein Standort als Referenz an den historischen Platz und gleichzeitig die etwas verkleinerte Replik der großen Swayambunath Stupa. Wo genau Naghal Tol auszumachen wäre, könnten Archäologen bestimmen, Laien würden ziellos durch einen typischen Stadtteil von Kathmandu streifen.

Fünf Reliefs (Bild 1 – 5) geben Episoden einer Geschichte wieder. Der berühmte indische Dichter Kalidasa lebte im 4. – 5. Jahrhundert unserer Zeitrechnung. Sein in Sanskrit verfasstes Epos in Gedichtform Kumarsambhava (Die Geburt von Kumara) beinhaltet vorwiegend das Werben Shivas um Parvati und die Geburt des Sohnes Kumara (Skanda). 
Juddha Shumsher
Sind auch die Reliefs teilweise arg beschädigt, fallen doch wunderbare Partien auf, die nicht nur die überragende Kunst des unbekannten Bildhauers dokumentieren, sondern auch das Aussehen damaliger Menschen vermitteln, ihre Haartrachten, ihre Kleiderordnung, ihre Gebärden und nicht zuletzt ihr Lebensumfeld in der Natur, zu sehen sind Bäume und Tiere. Geradezu revolutionär sind die zeitlos wirkenden, schroffen felsigen Hintergrundlandschaften, vor denen die vermenschlichten Götter agieren. Kein Mensch ist je Shiva und Parvati begegnet, Bildhauer mussten sich folglich an lebenden Menschen für ihre Bildnisse orientieren. Sind auch etliche der Gesichter ausgelöscht, die erhaltenen Gesichter sind von berückender Schönheit, nicht minder die anmutige Eleganz der Körper. Der Pfau (Bild 4) ist als Hinweis auf Kumara zu sehen, Kumara=Skanda der Kriegsgott nutzte als Reittier einen Pfau.

Erlaubt sei die Annahme, dass dieser Zyklus aus mehr als nur fünf Tafeln bestand . . . andererseits ist es ein Glücksfall, dass die Reliefs gerettet wurden und im Museum gezeigt werden. In keinem anderen Museum von Kathmandu, Bhaktapur und Lalitpur haben wir weitere Reliefs dieses Bildhauers gefunden.

Hinweis: Die hier verwendeten englischsprachigen Bildtitel entsprechen den originalen Bildbeschriftungen des Museums. Der Verzicht auf den verbindenden Artikel and zwischen Shiva und Parvati soll vermutlich die Untrennbarkeit des Götterpaares symbolisieren: Shiva Parvati sind nur als Einheit vorstellbar. 
Parvati in Penance Aparna
Parvati in Penance Aparna
Shiva in the disguised form of young Brahmachari
Shiva in the disguised form of young Brahmachari
Dancing Shiva Parvati
Dancing Shiva Parvati
Shiva Parvati in Armour
Shiva Parvati in Armour
Shiva Parvati with infant Kumara Celebrating his Birthday
Shiva Parvati with infant Kumara Celebrating his Birthday
Kumbha (ein Sanskritbegriff) bedeutet Krug und/oder Topf. Den in Hadigaon (Kathmandu) gefundenen Heiligen Krug (Holy Pitcher) haben Archäologen ins 2. Jahrhundert unserer Zeitrechnung datiert. Vier weibliche Gesichter waren in den oberen Teil des Kruges geschnitten, sie gelten als Abbilder der Göttin des Wohlstands (Lakshmi). Tatsächlich ist nur das vordere Gesicht ansehnlich erhalten, auch sind Ansätze von Armen sichtbar, vierseitig wäre die Körperlichkeit (Brust, Schulterbereich und Arme) auf Grund der Größe der vorderen Figur nicht realisierbar. Wichtiger scheint die Erwähnung, wenn der Kumbha als Heiliger Krug verwendet wurde, muss das Gefäß zweigeteilt sein, heißt also, das obere Kopfteil diente als Deckel, der untere Teil (Krug) war das Aufnahmegefäß für Flüssigkeiten (Wasser, Milch, Öle). Wie sonst hätte der Krug befüllt werden können? Die Kumbha aus einem Stück gehauen, wäre erstens ein nutzloses schweres Requisit (bestenfalls ein Schmuckstück) und zweitens kein Ritualgefäß, folglich überflüssig. Wer genau hinschaut, kann die Trennung zwischen Kumbha und Deckel erkennen. Ein solch seltenes Objekt müsste zum besseren Verständnis zweigeteilt zur Ansicht präsentiert werden, – den Einwand beiseite: der Kumbha ist außergewöhnlich und verdient besondere Aufmerksamkeit. In welchem Museum wird noch ein Ritualgefäß aus dem 2. Jahrhundert ausgestellt?
Kumbha oder Holy Pitcher
Kumbha oder Holy Pitcher
Die 162cm hohe Statue zeigt den König Jayavarma in Lebensgröße. Das würdige Standbild eines Herrschers wurde im zweiten nachchristlichen Jahrhundert geschaffen, es wird der Pre-Licchavi-Periode zugeordnet. Die Licchavi-Dynastien regierten ungefähr von 450-750 nach Chr. Sie sorgten für den wirtschaftlichen Auftrieb im Kathmandu-Tal. 
Statue König Jayavarma (2. Jh. n. Chr.)
Statue König Jayavarma (2. Jh. n. Chr.)
text explantion of the Image of Jayavarma
Die drei folgenden Götterbilder sind wegen ihrer ungewöhnlichen Art der Darstellung selten, zusätzlich in Bezug auf ihr Alter wertvoll.

Die Hariti Statue aus dem 1. Jh. ist eines der ältesten steinernen Objekte, die jemals in Nepal geborgen wurden. Die Matrika Hariti sitzt sehr entspannt in europäischer Positur, leicht vorgeneigt die Hände auf den Knien abgelegt. Wäre nicht der Nimbus hinter ihrem Kopf, käme kaum eine Göttin (Urmutter=Matrika) in Betracht.

Ardanarishvara Statuen, die Verbindung von männlichen und weiblichen körperspezifischen Merkmalen, sind in Indien öfters zu sehen, doch in Nepal bilden diese Mischfiguren eher die Ausnahme. Ardanarishvara meint der Mann, der halb Frau ist. Dargestellt ist immer die Vereinigung von Shiva und Parvati in einer Person. In keinem mir bekannten Ardanarishvara-Bild findet sich die Shiva-Körperseite derart dezidiert männlich hervorgehoben, wie an der Statue aus dem Zeitraum 2. – 4. Jahrhundert. Mit erigiertem Glied zeigt sich Shiva ansonsten nur in seiner Erscheinung als Lakulisha (Wanderasket). Der Fundort dieses seltenen Objekts ist nicht bekannt.

Durga-Reliefs existieren in zahlreichen Varianten, meist als furchterregende schwer bewaffnete Göttin, hier sitzt Durga mit gekreuzten Beinen auf dem Lotos-Thron, neben ihr zwei weibliche Figuren mit Yakschwanz-Wedel, unter ihr ist Ganesha zu sehen. Der Elefantengott ist im Regelfall nur im Familienkontext bzw. separat zu sehen, der Bildhauer meinte wohl die Verwandtschaft von Durga und Uma=Parvati zeigen zu müssen. Die Symbole neben Ganesha vermag der Laie nicht eindeutig erklären: es könnten Musikinstrumente sein, stark vereinfacht links eine Trommel oder eine Rassel und rechts ein Muschelhorn. Ganesha ist auch als Musiker und Tänzer bekannt. Eventuell meinen die Zeichen nur glückverheißende Symbole: das Muschelhorn und die Kalasha (auch Purnagatha). Auch bei diesem Werk fehlt die Angabe vom Fundort. 
Matrika Hariti (1.Jh) – Ardanarishvara (2./4.Jh.) – Durga (8.Jh.)
Matrika Hariti (1.Jh) – Ardanarishvara (2./4.Jh.) – Durga (8.Jh.)
Mit zwei Bildbeispielen soll das Thema Uma-Maheshvara vorgestellt werden. Das Paar Siva und Parvati ist tausendfach in Stein gehauen worden. Auf Reliefs aus allen Jahrhunderten findet sich immer und immer wieder das reizvolle Motiv in Szene gesetzt. Das Götterpaar sitzt sehr vertraut aneinander geschmiegt, die Archäologen nennen diese Pose lalitasana posture (königliche Haltung): ein Bein ist angewinkelt, das andere ruht entspannt auf dem Boden oder auf einem Podest. Sie befinden sich in ihrer himmlischen Wohnung auf dem Kailash, dargestellt durch felsige Blöcke (unterer Bildbereich). Dem Paar zur Seite sitzt der Sohn, hier: Kumar=der Jugendliche, später bekannt als Skanda, hinter ihnen Nandi, der Buckelstier, Shivas Reittier. Der andere Sohn Ganesha ist nicht anwesend. Während Shiva vierarmig, wird Parvati=Uma nur zweiarmig dargestellt. Shiva war zusätzlich durch einen großen ovalen Nimbus hervorgehoben (nur teilweise vorhanden). Die fragmentarisch erhaltene sehr elegante weibliche Randfigur lässt sich nicht identifizieren. Geborgen wurde das über tausend Jahre alte Werk in Sankhu am Nord-Ost-Ende vom Kathmandu-Tal.

Das zweite Relief Uma-Mahesvara aus der späten Licchavi-Periode wurde im Kathmandu-Tal geborgen. Ebenfalls in ihrer Wohnung auf dem Kailash gibt sich das göttliche Paar die Ehre, anwesend sind ihre Söhne Skanda (Bildmitte links) und Ganesha (Bildmitte unten) und fehlen darf auch Nandi nicht (links hinter Shiva). Parvati (rechts) und Shiva (links) erscheinen nochmals als Halbfiguren, sozusagen außerhalb der Wohnung auf dem Berg Kailash, der durch zackige Markierungen sich über das gesamte Relief ausbreitet. Der untere felsige Bildrand mutet wie eine Anleihe aus dem anderen, wahrscheinlich älteren Uma-Maheshvara-Relief aus Naghal Tol (Kathmandu) an. 
Uma-Maheshvara (8.-9.Jh.) & Uma-Maheshvara (8.Jh.)
Uma-Maheshvara (8.-9.Jh.) & Uma-Maheshvara (8.Jh.)
Die Terrakotta-Produktion in Nepal lässt sich bis ins dritte Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung belegen. Ein markantes Beispiel der Terrakotta-Anwendung steht in Kathmandu: die Rede ist vom Mahabodhi Tempel in Patan. Auch an vielen anderen Tempeln in den drei Königsstädten Patan, Bhaktapur & Kathmandu finden sich vielfach Terrakotta-Bauteile.

Im National Museum wird eine sehr seltene Kollektion von neun Terrakotta-Reliefs gezeigt: zu sehen ist der Zyklus NAVADURGA aus dem 17. Jahrhundert. Es handelt sich um die neun (NAVA) Manifestationen der Göttin DURGA: Sailaputri – Brahmhacarini – Chandraghanta – Kusmanda – Skandamata – Katayayani – Kalaratri – Mahagauri – Siddhidatri (die Namen entsprechen den Museumsbeschriftungen).

Nähere Einzelheiten zu den neun Durga-Manifestationen finden sich im Artikel 
NAVADURGA bei WIKIPEDIA
Sailaputri – Brahmhacarini – Chandraghanta – Kusmanda
Sailaputri – Brahmhacarini – Chandraghanta – Kusmanda
Skandamata – Katayayani – Kalaratri
Skandamata – Katayayani – Kalaratri
Mahagauri – Siddhidatri
Mahagauri – Siddhidatri
Die Entwicklung der Bronzekunst in Nepal trieben vor allen die Newar voran, ein Volksstamm der vorwiegend im Kathmandu-Tal lebt, sich auf verschiedene Handwerkstechniken spezialisiert hat, eine eigene Sprache (Newari) spricht und zum kulturellen Aufschwung in Nepal entscheidende Beiträge leistete.

Der Bronzeguss ist in Nepal seit dem 7. Jahrhundert bekannt, bis heute sind die vorwiegend in Patan gefertigten oftmals vergoldeten Figuren nicht nur in Nepal gefragt. Das Nationalmuseum präsentiert einige Meisterwerke dieser speziellen Kunst, die sich vorrangig der Herstellung von Statuen hinduistischer und buddhistischer Gottheiten widmet.

Vier Bildbeispiele dokumentieren die aufwendige Bronzekunst der Newar, die das traditionelle Wachsausschmelzverfahren nutzen, eine Technik, die bis heute auch von europäischen Bildhauern favorisiert wird. 
Sukhavara Samvara (14.Jh.) – Nagpasha (17.Jh.) – Mahish Samvara (14.Jh.)
Sukhavara Samvara (14.Jh.) – Nagpasha (17.Jh.) – Mahish Samvara (14.Jh.)
Sukhavara Samvara (14.Jh.) – Nagpasha (17.Jh.) – Mahish Samvara (14.Jh.)
Simhamukha Kama Bhairava (14.Jh.)
Simhamukha Kama Bhairava (14.Jh.)
Die Holzschnitzkunst der Nepali lässt sich nicht ignorieren. Hölzerne Bauteile sind an Tempeln, Palästen und Wohnhäusern derart präsent, dass sie nicht zu übersehen sind. Seit dem späten Mittelalter gelangte das figürliche Schnitzen in Nepal zur Perfektion. An Tempelbauten fallen vorwiegend prächtige Thoranas und mit feingliedrigen Götterbildern verzierte Dachstützen auf. Paläste und Wohnhäuser schmücken opulente Fenster. Holz ist ein empfindlicher Werkstoff, deshalb sind ältere Arbeiten selten, in situ wurden sie oft ersetzt oder ausgebessert. 
Shiva Parvati Thorana (17.Jh.) & Ganesha Thorana (19.Jh.)
Shiva Parvati Thorana (17.Jh.) & Ganesha Thorana (19.Jh.)
Teilansicht Mahishasuramardini Thorana (17.Jh) & Viddyadhara (18.Jh.)
Teilansicht Mahishasuramardini Thorana (17.Jh) & Viddyadhara (18.Jh.)
Dachstützen (struts)
Dachstützen (struts)
Ganesha Strut (18.Jh.) – Surya Fenster (19.Jh.) – Indra Strut (18.Jh.)
Ganesha Strut (18.Jh.) – Surya Fenster (19.Jh.) – Indra Strut (18.Jh.)
In den Sälen der drei Museumsbauten können sich Kunstfreunde durchaus einen ganzen Tag lang aufhalten, ohne dass Langeweile aufkommt. Die Sammlungen sind mit hochwertigen Kunstwerken bestückt. Der Museumsbesuch kann als wichtige Ergänzung zu Stadt- und Tempelbesichtigungen empfohlen werden. Erstaunlicherweise trafen wir keine Touristen in den Museumsräumen an.
National Museum of Nepal – Kunstgalerie
National Museum of Nepal – Kunstgalerie
Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones
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Budhanilkantha

5/10/2026

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Rund 10km nordöstlich vom Durbar Square in Kathmandu ist ein gemauertes Becken das Ziel vieler Pilger. Das wenig schöne Wasserbecken steht symbolisch für den Urozean, darin schwimmt das fünf Meter lange Kultbild Jalashayana Narayan, einfacher Vishnu auf der Weltenschlange Ananta, bekannt als Budhanilkantha. Dieses Bildwerk des entspannt liegend-schlafenden Vishnu, erstmals erwähnt im Jahr 642 unserer Zeitrechnung, wurde aus einem riesigen Basaltblock geschaffen, eine Steinsorte, die im Kathmandu-Tal nicht verfügbar ist. Dieses Gottesbild ist einmalig, jeder will es gesehen haben, entsprechend ist der Andrang: für viele Nepal-Touristen ein Pflichtprogrammpunkt, für zahllose Hindus, ein Schritt zum Seelenheil, wohl auch eine Herzensangelegenheit. Geduldig stehen die Gläubigen an, um kurze Augenblicke vor dem Gottesbild zu verweilen und in seinem Angesicht gesegnet zu werden. Touristen tun gut daran, den schwarzen Vishnu durch die Sichtluken der Beckenummauerung von allen vier Seiten zu begutachten. Angeblich dürfen nur Hindus sich dem Gott nähern.
Budhanilkantha in Nepal
Der beste Blick auf den Gott lässt sich westseitig erhaschen, durch ein großes Fenster kann man dem Schlafenden direkt ins Gesicht schauen. Die Sicht auf das bildhauerische Meisterwerk ist allerdings durch Blumenketten, drapierte Stoffe und Silberschmuck erheblich eingeschränkt. Um das Kunstwerk undekoriert zu sehen, müsste man sehr früh morgens kommen, ehe der Gott von den Priestern für die rituellen Tagesabläufe präpariert wird, dann allerdings wird die Morgendämmerung das Blickfeld trüben, auch fraglich ist, ob Zuschauer bei den Säuberungen, Waschungen, Ölungen und Ausstaffierung der Statue willkommen bzw. zugelassen sind. 
Budhanilkantha
Westseitig vom Heiligtum schließt sich ein weiterer Kultplatz an, dort erfreut sich ein Lingam großer Beliebtheit. Der Andrang ist durchaus dem Zulauf am Vishnu vergleichbar. Hier werden Shiva Brandopfer erbracht, Kerzen, kleine Öllämpchen und Weihrauchstäbchen sind probate Dinge, um die Gunst der Götter zu erflehen. Unmittelbar neben diesem Opfertisch steht ein kleiner Schrein, dort können Hindus Ganesha, den sehr prominenten Sohn Shivas anbeten.
Budhanilkantha
Wer es ruhiger mag, wer beschaulichere Atmosphäre bevorzugt, der kann in das rund 35km entfernte kleine Städtchen Banepa fahren, dort befindet sich am östlichen Ortsrand der fast gleiche Anantashayana, zwar weniger berühmt, aber annähernd gleich groß und ebenfalls aus schwarzem Stein gehauen, auch dieser Vishnu schwimmt in einem Wasserbecken. Blumenschmuck und sakrale Verzierungen kommen dort eher zaghaft zur Anwendung, was wohl auf den geringen Publikumszulauf, den Bekanntheitsgrad und die Abgelegenheit dieser Beckenanlage zurück zu führen ist. Für die wenigen Pilger stehen Farbpräparate und Blumen bereit. Um die Mittagszeit hatten wir das seltene Vergnügen mit Vishnu allein zu sein.
Banepa Bhaila Narayanthan
Banepa Bhaila Narayanthan
Hier wird keine haltlose Behauptung in den Raum gestellt, auch kein Geheimnis verraten: es gibt im Kathmandu-Tal mehrere Anantashayana-Statuen, die unterscheiden sich durch Material, Größe und künstlerischer Ausführungsqualität, sie befinden sich in den jeweiligen Tempelanlagen, Einzelstücke auch in Museen. Die folgende Bilderauswahl zeigt Vishnu-Reliefs und Vischnu-Statuen, zusammenfassend als Vishnu-Shayana-Bildwerke bezeichnet. Während die meisten der Werke als Vollreliefs zu klassifizieren sind, muss der Vishnu vom Ichangu Narayan Tempel als Skulptur bewertet werden, dieser Vishnu bildet folglich eine Ausnahme betreffs der Darstellung des thematischen Inhalts. Verdienst und Leistung des unbekannten Bildhauers bestehen darin, sich aus der tradierten im weitesten Sinne flächigen Vollreliefperspektive ins räumlich-skulpturale Darstellungssystem gewagt und damit das tradierte Grundmuster durchbrochen zu haben, denn alle bekannten Nachahmungen berufen sich jeweils auf den allseits bekannten und hochverehrten Budhanilkantha. Ein seltener Glücksfall auch, dass ein Vishnu-Relief aus dem 7. Jahrhundert erhalten blieb und im Nationalmuseum Nepal ausgestellt wird. Vielleicht ist dieses Relief das tatsächlich älteste Vishnu-Bild im Kathmandu-Tal und war die Vorlage für das großartige Budhanilkantha-Relief? Dies ist lediglich eine zaghafte Überlegung des Autors. 
Changu Narayan Tempel
Changu Narayan Tempel
Bhaktapur – Hanuman Gath & Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Bhaktapur – Hanuman Gath & Banepa – Thanapati Narayan Mandir
Banepa – Shree Chandeshvori Tempel & Gokarna – Gokarneshwar Mahadev (VJ)
Banepa – Shree Chandeshvori Tempel & Gokarna – Gokarneshwar Mahadev (VJ)
Kathmandu – Narayan Statue, südlich vom National Museum of Nepal
Kathmandu – Narayan Statue, südlich vom National Museum of Nepal
Dhaneshvor Mahadev Tempel
Dhaneshvor Mahadev Tempel
Ichangu Narayan Tempel
Ichangu Narayan Tempel
National Museum of Nepal – Narayana 7.Jh.
National Museum of Nepal – Narayana 7.Jh.
Alle gezeigten Vishnu-Bildwerke erheben keineswegs den Anspruch der Vollständigkeit, sicher existieren im Kathmandu-Tal weitere Vishnu-Anantashayana-Reliefs. Die hier vorgestellten Götterbilder konnten binnen einer Woche problemlos aufgesucht und begutachtet werden. Leider ist es nicht möglich, die Entstehungszeiten und die Herkunft der einzelnen Werke auch nur ansatzweise zu eruieren, den Menschen sind diese Bildwerke wichtig und heilig, doch wann sie entstanden sind, wer sie schuf, ist für sie von keinerlei Bedeutung. Für die Gläubigen stehen diese Idole zur Anbetung in den Tempeln an den vertrauten Plätzen, Kunstfreunden bleibt die vergleichende Betrachtung der verschiedenen Darstellungen.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Foto vom Gokarneshwar Mahadev: Vanessa Jones
Korrektur: Vanessa Jones
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Chaturmukha Lingas in Nepal

5/3/2026

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Das Linga (auch: das Lingam) gilt immer als die anikonische Darstellung Shivas, deshalb wird häufig vom Shiva-Linga gesprochen, was sprachlich einer Verdopplung gleichkommt: wer Linga sagt, meint SHIVA.

Ein Linga ist im Regelfall aus einer Steinsorte gefertigt und dreigeteilt. Der untere viereckige Teil wird als Brahma, der mittlere meist achteckige Teil als Vishnu, der obere sichtbare runde Teil als Shiva angesehen, wobei sehr häufig nur der Shiva zugeordnete Teil vom Schaft sichtbar ist, der mittlere und untere Schaftbereich verschwinden in der Yoni. Konkret erkennen die Hindus im Schaft den Phallus, also das männliche Geschlecht und in der Yoni das weibliche Geschlecht, somit sind mit Linga und Yoni die gegensätzlichen Schöpfungsprinzipien vereint. Zusätzlich symbolisiert (wie oben erklärt) das Linga als anikonische Darstellung der Dreiheit die Götter BRAHMA-VISHNU-SHIVA, bekannt als Trimurti.

Auf dem Opfertisch in der Kultstätte Budhanilkantha sind die Grundtypen der am meisten verbreiteten Lingas aufgestellt. In der Mitte vom Altartisch steht der gebräuchlichste Typ: das Linga in der Yoni. Zwei Lingas fallen als andere Darstellungen auf: rechts vorn und links hinten sind Lingas mit Gesichtern zu sehen, das heißt am sichtbaren Teil vom Linga sind vier oder mehr Gesichter angebracht. Dargestellt sind immer Verkörperungen von Shiva, sind vier Gesichter zu sehen heißt das Linga Chaturmukha. Berühmt und vermutlich einzig in Indien ist das Linga mit acht Gesichtern in Mandasor (Madhya Pradesh), in diesem ungewöhnlichen Kultbild verehren die Hindus Pashupatinath=Shiva, sprich: den Herrn allen Lebens. Im Pashupatinath-Tempel (Kathmandu) steht ein 1,80m hoher Chaturmukha Linga. Nicht-Hindus dürfen den Tempel nicht betreten, schon die Annäherung wird untersagt. 
Bild 1: Budhanilkantha – Opfertisch mit mehreren Lingas
Bild 1: Budhanilkantha – Opfertisch mit mehreren Lingas
Schauen wir etwas aufmerksamer die Lingas auf dem ständig von Pilgern umlagerten Opfertisch an, fällt ein Linga besonders auf, um nicht zu sagen aus dem üblichen Schema, das Linga links vorn wartet mit fünf Shiva-Gesichtern auf (siehe Detailaufnahme Bild 1.1). Vier Gesichter sind regelgemäß am Schaft angeordnet, das fünfte Gesicht, im Grunde eine Kopfskulptur, steht auf dem ansonsten flachen Oberteil vom Schaft. Nirgends in Kathmandu fand sich ein ähnliches Linga mit fünf Gesichtern. Hat hier ein Bildhauer sein persönliches Shiva-Ideal in Stein gehauen, einen Pancha-Mukhalinga geschaffen? Existieren weitere Lingas mit fünf Gesichtern? Tatsächlich wird das leicht abgeflachte runde Oberteil vom Linga als imaginäres Gesicht Shivas verstanden, das ist allerdings schon eine etwas ätherische Vorstellung der Gottheit.
Bild 1.1: Budhanilkantha – Linga mit fünf Gesichtern
Bild 1.1: Budhanilkantha – Linga mit fünf Gesichtern
Dieser Artikel wird sich fortan ausschließlich mit Chaturmukha Lingas befassen. Zunächst werden drei museale Exponate näher begutachtet, ehe als Fortsetzung des Themas weitere Fotos von Vier-Gesicht-Lingas zu sehen sind, hier werden sich die Erklärungen nicht auf Details, sondern lediglich auf die Ortsangaben beschränken.

Das Linga aus dem Patan Museum ist bestens geeignet, die bislang notierten Erläuterungen in Bildform zu verifizieren. Dem Linga fehlt die Yoni, deshalb sind die drei Schaftbereiche sichtbar: Viereck=Brahma, Achteck=Vishnu und Zylinder=Shiva. Deutlich zu erkennen sind die unterschiedlichen Längen der Schaftsegmente. Nicht zu übersehen ist die konische Verdickung des Lingas, was dem ganzen oberen Schaftelement unbestreitbar eine elegante Form verleiht. Shiva wird der längste Bereich vom Schaft zugewiesen, die Länge ist nötig für die Darstellung der Gesichter. Die Shiva-Gesichter sind den Hauptkoordinaten zugeordnet, so ist im Süden Bhairava (der Furchteinflößende), im Norden Adhanarishvara (halb Mann-halb Frau), im Osten Mahadeva (Großer Gott) und im Westen Nandin (der Freude bringt) dargestellt. Ins Bild gesetzt finden sich vier grundlegende Zustandsaspekte Shivas, die allen Hindus vertraut sind. Die blank gegriffene Oberfläche vom Schaft (Phallus) wird als nicht sichtbares Gesicht (invisible face) Shivas bewertet und verstanden, weshalb derartige Lingas ebenfalls als Pancha-Mukhalingas bezeichnet werden (Bild 3.1 – 3.3). 
Bild 3.1 – 3.3: Patan Museum – Chaturmukha Linga
Bild 3.1 – 3.3: Patan Museum – Chaturmukha Linga
Der Chaturmukha Linga vom Bhaktapur Museum wirkt in sich etwas gedrungener, scheinbar kürzer als der Linga vom Patan Museum, weil der untere Brahma-Schaft in der Yoni versenkt ist, die oktogonale Vishnu-Form wurde zugunsten der runden Shiva-Form weggelassen (Bild 4). 
Bild 4: Bhaktapur Museum – Chaturmukha
Bild 4: Bhaktapur Museum – Chaturmukha
Der Chaturmukha Linga aus dem 17. Jahrhundert, der im National Museum of Nepal zur Ansicht steht, ist von rechts wegen eine Messingkappe, welche auf steinerne Lingams aus Anlass bestimmter Rituale aufgesetzt wird, wodurch ein normaler Linga in einen Vier-Gesicht-Linga verwandelt wird. Die Hände, welche spezielle Insignien halten, sind an der Messingvariante besonders ausgeprägt, wenngleich an den steinernen Lingas ebenfalls vorhanden, aber nicht so klar erkennbar. Die Anordnung der Gesichter wiederholt die tradierte Reihenfolge. Hinweis: die fotografische Wiedergabe des Messing-Lingas fiel schwer, die Mängel zweier Aufnahmen sind den Spiegelungen der Glashaube anzulasten.
Bild 5.1 – 5.3: National Museum of Nepal – Chaturmukha Linga 17. Jahrhundert
Bild 5.1 – 5.3: National Museum of Nepal – Chaturmukha Linga 17. Jahrhundert
Die  folgenden Lingas wurden in situ aufgespürt, was keine sonderliche Leistung ist, denn Lingas gibt es in der Stadt Kathmandu und im Umland in großer Menge.

Ein besonders schönes, wenn auch sicher modernes, aber sehr gepflegtes Exemplar befindet sich in Kathmandu im Kotilingeshwar Mahadev Tempel, Linga und Yoni sind aus Messingblech geformt. Der aufgehängte kupferne Trichter wird vom Tempeldiener täglich mit Öl befüllt, durch ein sehr kleines Loch tropft in Abständen gleichmäßig Öl auf das Linga. Das Öl sammelt sich in der Yoni und wird über den Abflusskanal in einem Gefäß gesammelt, regulär aber über das Somasutra und den Gargoyle nach draußen ins Erdreich geleitet (Bild 6.1 – 6.3).
Bild 6.1 – 6.3: Kathmandu Kotilingeshwar Mahadev Tempel – Chaturmukha Linga
Bild 6.1 – 6.3: Kathmandu Kotilingeshwar Mahadev Tempel – Chaturmukha Linga
Zwei archaisch anmutende Chaturmukhas fanden sich ebenerdig im historischen Stadtkern von Kathmandu, diesen Lingas ist tägliche Benutzung vieler Jahre anzusehen. Benutzung zeitigt Abnutzung. 
Bild 7 & 8: Kathmandu – Chaturmukha Lingas
Bild 7 & 8: Kathmandu – Chaturmukha Lingas
Zwei in Bhaktapur gefundene Chaturmukha Lingas zeigen verschiedene Darstellungsvarianten. Das Ensemble Linga/Yoni und Nandi, aufgestellt in einer Beckenanlage, scheint neueren Ursprungs zu sein (Bild 9.1 & 9.2). Das in einem Schrein befindliche Linga (Bild 10) weist dagegen starke Gebrauchsspuren auf. 
Bild 9.1 & 9.2: Bhaktapur – Chaturmukha und Nandiskulptur
Bild 9.1 & 9.2: Bhaktapur – Chaturmukha und Nandiskulptur
Bild 10: Bhaktapur – Chaturmukha in Yoni
Bild 10: Bhaktapur – Chaturmukha in Yoni
Die rotgetünchte gemauerte Nische in Pashupatinath ruft den Eindruck von Resteverwertung hervor, zwei Reliefs und ein Linga waren offenbar zu wertvoll, um diese Schätze in irgend einem Schuppen achtlos abzustellen. Das neuere Relief Uma-Mahesvara passt zum Chaturmukha Linga, doch das Relief rechts, ein Buddha, steht in keiner Beziehung zum Shivaismus. Von den drei Objekten in der Nische muss das Linga das älteste Teil sein (Bild 11).
Bild 11: Pashupatinath
Bild 11: Pashupatinath
Banepa, ein Dorf im Kathmandu-Tal, hat einige Sakraldenkmäler aufzuweisen, doch es fand sich nur ein Chaturmukha Linga im Areal vom Thanapati Narayan Tempel, aufgestellt leicht unter Bodenniveau, scheinbar in einer ehemaligen Beckenanlage. Dieser Tempel wurde zu Ehren Vishnus erbaut, dennoch ist  das Vorhandensein von Linga und Nandi legitim. Das Nebeneinander der Götter ist auch ein Zeichen von Toleranz, dabei folgen die Vishnuiten und die Shivaiten nicht unbedingt den gleichen Glaubenswegen, die Praxis der Rituale richtet sich auf den jeweils favorisierten Gott. Kein Vishnu-Verehrer wird sich mit Verachtung vor einem Shiva-Idol abwenden, auch die Umkehrung ist schwerlich vorstellbar. Schlussendlich vereint das Linga drei Götter, die allesamt und jederzeit am anikonischen oder ikonischen Linga präsent sind und stets ehrfürchtig und mit großer Andacht als Trimurti von allen Hindus angebetet werden.
Banepa: Thanapati Narayan Mandir – Chaturmukha und Nandi
Banepa: Thanapati Narayan Mandir – Chaturmukha und Nandi
Die Stadt Kathmandu mit ihren weitläufigen Stadtteilen und kaum überschaubaren Straßenzügen bietet genügend Raum für eigenständige Entdeckungen, es macht wenig Sinn, nach den hier vorgestellten Chaturmukhas zu suchen. Wer mit ein wenig Mut und offenen Augen sich zu Fuß abseits der touristischen Hauptwege begibt, wird in namenlosen Gassen und Hinterhöfen auf unbekannte Tempel und Schreine stoßen und dort andere Chaturmukha Lingas finden.

Fotos und Text: Günter Schönlein
Korrektur: Vanessa Jones 
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    Autor Günter Schönlein

    Auf meinen bisher acht Reisen nach Kambodscha habe ich viele Khmer-Tempel photographisch dokumentiert. Mit Pheaks Hilfe suchte ich auch viele schwer zu findende entlegene Tempel auf. In diesem Blog möchte ich meine dabei erworbenen Eindrücke und Kenntnisse gerne anderen Kambodscha-Liebhabern als Anregungen zur Vor- oder Nachbereitung ihrer Reise zur Verfügung stellen.


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